Gabriel Felbermayr

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Gabriel Felbermayr (* 24. Juni 1976 in Steyr) ist ein österreichischer Wirtschaftswissenschaftler. Seit dem 1. März 2019 ist Felbermayr in der Nachfolge von Dennis J. Snower Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW).[1][2][3]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Felbermayr studierte ab 1995 Volkswirtschaftslehre an der Johannes Kepler Universität Linz (Magister mit Auszeichnung 2000). Anschließend forschte er am European University Institute in Florenz, wo er 2004 zum PhD promoviert wurde. Von Juli 2003 bis Mai 2004 hatte Felbermayr eine Stelle als Universitätsassistent an der Uni Linz; anschließend arbeitete er bis März 2005 als Associate Consultant für McKinsey & Company in Wien. Im April 2005 wurde er Akademischer Rat auf Zeit am Lehrstuhl von Wilhelm Kohler an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Dort habilitierte er sich 2008 und folgte einem Ruf auf die Professur für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Außenwirtschaft, an der Universität Hohenheim.[4]

Seit 2010 ist Felbermayr tätig für das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er seit April 2011 eine Stiftungsprofessur innehat.[5] Felbermayr ist zudem Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.[6]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Leiter des ifo Zentrum für Außenhandel erforscht er auch die Auswirkungen des transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP und äußert sich prinzipiell positiv zum Abkommen, kritisiert aber die fehlende Transparenz der Verhandlungen.[7] Felbermayr bezeichnete zudem die starke Bewegung gegen TTIP in Deutschland als „hysterisch“.[8]

Felbermayr kritisiert die Klimapolitik Deutschlands, sie wirke nicht und schade der deutschen Wirtschaft, die mit Ländern in Konkurrenz stehe, die einen weniger ambitionierten oder sogar keinen Klimaschutz verfolgen.[9] Er spricht sich daher für eine europäische Lösung, z. B. durch ein europäisches System der CO2-Bepreisung aus. Er sagte: „Waren, die in den Wirtschaftsraum importiert werden, sollten gemäß des[sic!] bei der Produktion verursachten CO2-Gehaltes[sic!] genauso wie heimische Güter mit einem CO2-Preis belegt werden.“[10] Er diskutiert entsprechend die Idee eines Klimazolles.[11]

Felbermayr spricht sich gegen den aufkeimenden Protektionismus – vor allem der USA – aus und befürwortet auch hier eine europäische Lösung mit einem starken Gegengewicht zur amerikanischen Handelspolitik der Trump-Regierung.[12]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Meinhard Knoche, Gabriel Felbermayr, Ludger Wößmann: "Hans-Werner Sinn und 25 Jahre deutsche Wirtschaftspolitik", Carl Hanser Verlag GmbH Co KG, 01.04.2016, 288 Seiten, ISBN 9783446447912
  • Gabriel Felbermayr, Mario Larch, Lisandra Flach, Erdal Yalcin, Finn Krüger, Sebastian Benz: "Dimensionen und Auswirkungen eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und den USA: Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi)", Ifo Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V., 2013, 164 Seiten, ISBN 9783885125457
  • Gabriel Felbermayr, Daniel Göler, Christoph Herrmann, Andreas Kalina: "Multilateralismus und Regionalismus in der EU-Handelspolitik", Nomos Verlag, 11.12.2017, 359 Seiten, ISBN 9783848736485
  • Gabriel Felbermayr, Michele Battisti, Sybille Lehwald: "Entwicklung der Einkommensungleichheit : Daten, Fakten und Wahrnehmungen", Stiftung Familienunternehmen, 2016, 46 Seiten, ISBN 9783942467407

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. dpa: Offiziell: Felbermayr folgt auf Snower. In: kn-online.de. 10. September 2018, abgerufen am 10. September 2018.
  2. Handelskonflikt „Europa hat sehr viel bessere Karten als China“, Deutschlandfunk 10. Mai 2019
  3. Über Sanktionen und Zölle Handel als diplomatische Waffe, Deutschlandfunk 28. August 2019
  4. Gabriel Felbermayr: Der Antreiber (zeit.de vom 17. Mai 2018, abgerufen am 6. Januar 2020)
  5. Wie Gabriel Felbermayr dem IfW wieder zum alten Glanz verhelfen will (handelsblatt.com vom 4. Juni 2018, abgerufen am 6. Januar 2020)
  6. SWR1 BW, SWR1 BW: Prof. Gabriel Felbermayr. Abgerufen am 21. April 2020.
  7. Das TTIP-Abkommen und die Folgen "Freier Handel führt zu Ungleichheit" (n-tv.de vom 18. Februar 2014, abgerufen am 6. Januar 2020)
  8. Freihandelsabkommen TTIP„Großkonzerne nicht verteufeln“ (deutschlandfunk.de vom 1. Dezember 2014, abgerufen am 6. Januar 2020)
  9. „Die Klimapolitik ist teuer, bringt aber überhaupt nichts“ (welt.de vom 18. Juni 2019, abgerufen am 6. Januar 2020)
  10. Wirtschaftsexperte mahnt: Deutschland kann das Klima nicht alleine retten (focus.de vom 3. August 2019, abgerufen am 6. Januar 2020)
  11. Petra Pinzler, Mark Schieritz: CO2-Grenzausgleich: Klimazoll. In: Die Zeit. 11. Dezember 2019 (zeit.de [abgerufen am 27. Dezember 2019]).
  12. Ist Protektionismus ein guter Deal, Prof. Dr. Gabriel Felbermayr? (insm-oekonomenblog.de vom 30. September 2019, abgerufen am 6. Januar 2020)