Adolph Lowe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Adolph Lowe (* 4. März 1893 in Stuttgart; † 3. Juni 1995 in Wolfenbüttel; gebürtig Adolf Löwe) war ein deutscher Soziologe und Nationalökonom.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Löwe studierte zuerst in München, dann bei Franz Oppenheimer in Berlin Soziologie und Nationalökonomie. In den 1920er Jahren war er als Anhänger des religiösen Sozialismus überzeugter Sozialdemokrat. Ab 1922 arbeitete er im Wirtschaftsministerium der Weimarer Republik. Mit seinen Arbeiten über den gegenwärtigen Stand der Konjunkturforschung (1925) wurde Löwe zum Mittelpunkt der Konjunkturdiskussion in der Weimarer Zeit. Die Schwächen der monetären Konjunkturtheorien wurden von seinem Schüler Fritz Burchardt (1928) herausgearbeitet. Mit seinen konjunkturtheoretischen Überlegungen habilitierte sich Löwe 1926 an der Universität Kiel. Dabei war er in enger Zusammenarbeit mit Ernst Wagemann, dem Leiter des Statistischen Reichsamtes, aktiv am Aufbau des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) beteiligt, das 1925 nach dem Vorbild des 1917 in Harvard errichteten Konjunkturforschungsinstituts gegründet wurde.

1926 bis 1931 war Löwe Leiter der Konjunkturabteilung des Kieler Weltwirtschaftsinstituts; Mitarbeiter waren u. a. Gerhard Colm, Hans Neisser, Jacob Marschak und Wassily Leontief. Die Arbeiten der sog. „Kieler Schule der Wachstums- und Konjunkturtheorie“ finden bis heute internationale Beachtung.[1]

Von 1926 bis 1933 lehrte er zunächst Wirtschaftstheorie und Soziologie in Kiel und danach politische Ökonomie am Institut für Sozialforschung der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, wo er mit seinem Schulfreund Max Horkheimer zusammenarbeitete und auch mit Paul Tillich, Karl Mannheim, Friedrich Pollock und Theodor Adorno in Kontakt kam. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte er zunächst nach England und unterrichtete von 1933 bis 1940 (zunächst als Rockefeller-Stipendiat) in Manchester u. a. Politische Philosophie, bis er dann trotz seiner Einbürgerung, jetzt als Adolph Lowe, als „feindlicher Ausländer“ vom Kriegsdienst ausgeschlossen wurde und nach New York ging.

Dort lehrte er von 1940 bis 1963 Wirtschaftswissenschaft an der New School for Social Research, an der viele andere europäische Emigranten wie Hans Staudinger, Frieda Wunderlich, Hannah Arendt, Hans Jonas, Max Wertheimer, Erich von Hornbostel, Arthur Feiler, Franco Modigliani, Hans Speier, Emil Lederer und Alfred Schütz lehrten und arbeiteten. Im dortigen Institute of World Affairs arbeitete er an der verhaltenswissenschaftlichen Wirtschaftstheorie, die als Brücke zwischen Soziologie und Wirtschaftswissenschaft dienen kann. Bis 1978 leitete er an der New School ein Seminar. 1983 kehrte er nach Deutschland zurück, wo er 1995 im Alter von 102 Jahren starb.

Zu seinen Schülern gehören u. a. Marion Gräfin Dönhoff, Karl Schiller, Robert Heilbroner und Franco Modigliani.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arbeitslosigkeit und Kriminalität (1914)
  • (zusammen mit Christian Labor): Wirtschaftliche Demobilisation (1916)
  • Wie ist Konjunkturtheorie überhaupt möglich? (1926)
  • Economics and Sociology (1935)
  • The Price of Liberty (1937)
  • The Universities in Transformation (1940)
  • On Economic Knowledge (1965) (deutsche Ausgabe: Politische Ökonomik, 1965)
  • The Path of Economic Growth (1976)
  • Essays in political economics. Public control in a democratic society (1987)
  • Has Freedom a Future? (1988) (deutsche Ausgabe: Hat Freiheit eine Zukunft?, 1990)

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Jonas widmet Lowe seine Philosophical Essays. From Ancient Creed to Technological Man, Chicago/London 1974.
  • Ernst Bloch widmet ihm sein Atheismus im Christentum, Zur Religion des Exodus und des Reiches, Frankfurt 1977.
  • Harald Hagemann, Heinz D. Kurz: Beschäftigung, Verteilung und Konjunktur. Zur Politischen Ökonomik der modernen Gesellschaft. Festschrift für Adolph Lowe. Bremen 1984. ISBN 3-926570-09-1.
  • Harald Hagemann (Hrsg.): Political economics in retrospect. Essays in memory of Adolph Lowe, Elgar, Cheltenham 1997, ISBN 1-85898-057-7.
  • Sven Papcke: Deutsche Soziologie im Exil. Gegenwartsdiagnose und Epochenkritik 1933–1945. Campus, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-593-34862-4 (darin Kapitel III: Konformität als Preis der Freiheit? Über Probleme der Deutschen mit der Politik. Zum Gegenwartsbezug einer Untersuchung von Adolf Löwe. S. 59–76).
  • Claus-Dieter Krohn: Der Philosophische Ökonom. Zur intellektuellen Biographie Adolph Lowes. 240 Seiten, Mai 1996. ISBN 3-89518-081-5.
  • Volker Caspari, Bertram Schefold: Franz Oppenheimer und Adolph Lowe. Zwei Wirtschaftswissenschaftler der Frankfurter Universität. 312 Seiten, 1996. ISBN 3-89518-088-2
  • Claus-Dieter Krohn: Vertreibung und Akkulturation deutscher Wirtschaftswissenschaftler nach 1933 am Beispiel A.L.s und der 'University in Exile' an der New School for Social Research in New York in: Der Exodus aus Nazideutschland und die Folgen. Jüdische Wissenschaftler im Exil. Hg. Marianne Hassler, Attempto, Tübingen 1997. ISBN 3-89308-265-4.
  • Wiechel-Kramüller, Fenja: Adolph Lowe als Wirtschaftsphilosoph. Von der Kieler Schule zur Politischen Ökonomik. In: Kieler Schriften zur Wirtschaftsphilosophie herausgegeben vom Kiel Center for Philosophy, Politics and Economics der Universität Kiel. Kiel/Hamburg: Wachholtz Verlag 2021. ISBN 3-89308-265-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Claus-Dieter Krohn: Wirtschaftstheorien als politische Interessen. Die akademische Nationalökonomie in Deutschland 1918–1933. Frankfurt/Main 1981. Allen Oakley: Schumpeter's Theory of Capitalist Motion. A Critical Exposition and Reassessment. Edwar Elgar : 1990. ISBN 1-85278-055-X. S. 19f
  2. Association for Evolutionary Economics (AFEE): Past Veblen-Commons Award Recipients. Abgerufen am 2. Oktober 2020.
  3. Liste der Ehrendoktoren der Universität Bremen (Memento vom 13. Juni 2011 im Internet Archive)