Aischylos

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Aeschylus ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zu dem nach ihm benannten Asteroiden siehe (2876) Aeschylus.
Aischylos

Aischylos (altgriechisch Αἰσχύλος Aischýlos, deutsche Aussprache ['aɪ̯sçʏlɔs], klassische Aussprache [ai̯skʰýlos], latinisiert Aeschylus; * 525 v. Chr. in Eleusis, Attika; † 456 v. Chr. in Gela, Sizilien) ist vor Sophokles und Euripides der älteste der drei großen Dichter der griechischen Tragödie. Von seinen sieben erhaltenen Stücken werden vor allem die Perser und die Orestie weltweit gespielt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aischylos, der Sohn des Euphorion, entstammte einem alten Adelsgeschlecht. Als junger Mann erlebte er mit dem Sturz der Söhne des Peisistratos das Ende der Tyrannis und die demokratischen Reformen des Kleisthenes von Athen. Er begeisterte sich früh für die Dramen von Choirilos und Pratinas und die Dichtkunst von Agathokles und Apollodoros. Der Sage nach wurde er durch Dionysos selbst im Traum zum Dichter geweiht. An seinen frühen Stücken nahm er noch selbst als Schauspieler teil. Im Alter von 25 Jahren bewarb er sich erstmals um den Siegespreis des Agons der Dionysien, des Dichterwettbewerbs der Stadt Athen, in dem er jedoch unterlag.

Als Soldat nahm er 490 v. Chr. für Athen an der Schlacht bei Marathon gegen die Perser teil, in der sein Bruder Kynaigeiros getötet wurde. Nach der Zerstörung Athens im Jahre 480 v. Chr. war er auf einem der griechischen Kriegsschiffe an der Seeschlacht von Salamis beteiligt.

Er unternahm mehrere Reisen nach Sizilien, so auch 475 v. Chr. auf Einladung des dortigen Tyrannen Hieron I. von Syrakus, und traf dort auf die Lyriker Simonides, Pindar und Bakchylides. Für Hieron verfasste er das Festspiel Die Ätnäerinnen.

Im Jahr 472 v. Chr. gewann er den Siegespreis mit der Uraufführung des Dramas Die Perser, bei dem es sich um eine dramatisierte Fassung seiner Kriegserfahrungen handelt. Im Wettstreit mit Sophokles unterlag er im Jahre 468 v. Chr., doch konnte er bei den Dionysien insgesamt 13 Siege erringen.

Von seiner letzten Sizilienreise kehrte er nicht mehr zurück. Er starb 456 v. Chr. in Gela, wo er auch begraben wurde. Der Legende nach hatte er sich dort auf die Felder zurückgezogen, weil ihm ein Orakel geweissagt hätte, dass er beim Einsturz eines Hauses sterben sollte. Da flog ein Adler mit einer Schildkröte im Schnabel vorbei, die er auf einem Felsen zerschellen lassen wollte, um an ihr Inneres zu gelangen. Der Vogel verwechselte Aischylos' Glatze von oben mit einem Stein, ließ los, und die Beute erschlug den Dichter.

Schon in der Antike[1] fand man es bemerkenswert, dass sein Grab-Epigramm zwar die Teilnahme an den Perserkriegen nennt, nicht aber sein erfolgreiches dichterisches Schaffen. Es lautet:

Αἰσχύλον Εὐφορίωνος Ἀθηναῖον τόδε κεῦθει Aischylos birgt dies Grab, Euphorions Sohn, den Athener.
μνῆμα καταφθίμενον πυροφόροιο Γέλας· In der fruchtreichen Stadt Gela bezwang ihn der Tod.
ἀλκὴν δ' εὐδόκιμον Μαραθώνιον ἄλσος ἄν εἴποι Aber von seiner Kraft zeugt Marathons Hain, der berühmte,
καὶ βαθυχαιτήεις Μῆδος ἐπιστάμενος. Wo der Perser, der dichtlockige, sie hat erprobt.

In Athen wurde auf die Nachricht von seinem Tode der Beschluss gefasst, seine Dramen auch weiterhin (außer Konkurrenz) an den Wettbewerben teilnehmen zu lassen.

Die wichtigsten Quellen für das Leben des Aischylos sind eine in mehreren Texthandschriften überlieferte Lebensbeschreibung, der Artikel in dem byzantinischen Lexikon Suda[2] und die Einträge 48, 50 und 59 in der Parischen Chronik, dem so genannten Marmor Parium.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erhaltene Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß Überlieferung gehen 90 Dramen auf Aischylos zurück, von denen aber nur 79 dem Namen nach bekannt sind. Die besonders berühmten 20 Satyrspiele sind allesamt verloren gegangen, das Satyrspiel Diktyulkoi ("Die Netzzieher") ist allerdings durch zwei Papyri in wesentlichen Teilen überliefert.[3] Von den Tragödien sind lediglich sieben noch vollständig erhalten. Von seinen Frühwerken hin zu der kurz vor seinem Tod fertiggestellten Trilogie Orestie ist eine deutliche künstlerische Entwicklung feststellbar – von einem eher schlichten Erzählstil hin zu einem in seiner Tragik und Gedankentiefe kaum übertroffenen Drama der Weltliteratur.

  • Ἑπτὰ ἐπὶ Θήβας (Heptá epí Thébas; Die Sieben gegen Theben) (467 v. Chr.) Schluss der Thebanischen Trilogie.
  • Ἱκέτιδες (Hikétides; Die Schutzflehenden zwischen 465 und 460) Anfangsstück oder mittlerer Teil der Danaiden-Trilogie.
  • Orestie (458 v. Chr.), in den Teilen
    • Ὀρέστεια α, ᾿Αγαμέμνων (Orésteia 1. Agamemnon) (458 v. Chr.). Erster Teil der Trilogie. Die Ermordung König Agamemnons.
    • Ὀρέστεια β, Χοηφόροι (Orésteia 2. Choephóroi; Die Weihgussträgerinnen) (458 v. Chr.) Ermordung der Klytaimnestra durch ihren Sohn Orest.
    • Ὀρέστεια γ, Εὐμενίδες (Orésteia 3. Eumenídes; Die Eumeniden) (458 v. Chr.) Entsühnung des Muttermörders Orest.
  • Πέρσαι (Pérsai; Die Perser) (472 v. Chr.) (1. Preis bei den Dionysien; älteste erhaltene griechische Tragödie) Über die Niederlage der Perser bei Salamis.
  • Προμηθεὺς δεσμώτης (Prometeús desmótes; Der gefesselte Prometheus) (um 470 v. Chr.; Echtheit von einigen Forschern angezweifelt) Anfang einer Prometheus-Trilogie.

Verlorene bzw. fragmentarisch überlieferte Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aigyptioi (463 v. Chr.)
  • Aitnaiai (Die Ätnäerinnen)
  • Amymone (Satyrspiel, 463 v. Chr.)
  • Argeioi
  • Argo
  • Athamas
  • Bacchai
  • Bassarai
  • Danaides (463 v. Chr.)
  • Diktyulkoi (Satyrspiel)
  • Edonoi
  • Eleusinioi
  • Epigonoi
  • Glaukos Pontios
  • Glaukos Potnieus (472 v. Chr.)
  • Heliades
  • Herakleidai
  • Hiereiai
  • Iphigeneia
  • Ixion
  • Kabeiroi
  • Kares / Europe
  • Kressai
  • Laios (467 v. Chr.)
  • Leon
  • Lykourgeia
  • Lykourgos
  • Memnon
  • Myrmidones (Die Myrmidonen)
  • Mysoi (Die Nyser)
  • Neaniskoi
  • Nemea
  • Nereides
  • Niobe
  • Oidipous (467 v. Chr.)
  • Oplon Krisis
  • Oreithyia
  • Ostologoi
  • Palamedes
  • Pentheus
  • Perraibides
  • Penelope
  • Philoktetes
  • Phineus (472 v. Chr.)
  • Phorkides
  • Phryges / Hektoros Lytra
  • Prometheus Lyomenos
  • Prometheus Pyrkaios (472 v. Chr.)
  • Prometheus Pyrphoros
  • Proteus (458 v. Chr.)
  • Psychagogoi
  • Psychostasia
  • Salaminiai
  • Semele / Hydrophoroi
  • Sisyphos Drapetes
  • Sisphos Petrokylistes
  • Sphinx (467 v. Chr.)
  • Telephos
  • Theoroi / Isthmiastai
  • Threissai
  • Toxotides
  • Trophoi
  • Xantriai

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antike

Im Jahre 406 v. Chr. machte Aristophanes in seiner Komödie Die Frösche Aischylos im Wettstreit mit Euripides zum Vertreter der altehrwürdigen Zeit und Vorbild des tragischen Dichters. Gegen Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. wurde seine Statue neben denen des Sophokles und Euripides im Dionysostheater aufgestellt.

Seine Reduzierung der Rolle des Chors und die Einführung des zweiten Schauspielers revolutionierten durch den dadurch ermöglichten Dialog das griechische Theater. Aber auch durch Sprache, Stil und die Wahl des Mythos als Thema der griechischen Tragödie beeinflusste er seine Nachwelt maßgeblich. Seine Charaktere sind keine gewöhnlichen Menschen aus dem Volk, sondern ragen aus ihnen durch ihre übermenschliche Leidenschaft und Charakterstärke, aber auch die kraftvolle, schroffe, erhabene und bilderreiche Sprache heraus. Ferner sind wirkungsvolle Bühneneffekte[4], ein Polis-Patriotismus und die eigenständige ernsthafte Beschäftigung mit den tradierten Göttermythen[5] charakteristisch für das Werk des Aischylos.

Die philologische Beschäftigung mit den Werken des Dichters setzte um 330 v. Chr. mit der Erstellung eines Staatsexemplars auf Betreiben des Lykurg ein. Ein weiterer wichtiger Schritt war das hauptsächlich von Kallimachos angefertigte Verzeichnis der in der Bibliothek von Alexandria vorhandenen Werke der griechischen Literatur und die kommentierende Tätigkeit der dortigen gelehrten Bibliothekare.

Die Auswahl von sieben Tragödien aus dem Gesamtwerk, die mit Kommentaren versehene Heptas (Siebener-Auswahl), wurde zur Zeit Kaiser Hadrians vorgenommen.

Mittelalter und Frühe Neuzeit

Im Mittelalter blieb die Heptas bis zum 9. Jahrhundert anscheinend unbeachtet. Um 850 wurde sie jedoch unter Verwendung der neu aufgekommenen Minuskelschrift abgeschrieben. Die überlieferten Texte der Tragödien gehen alle auf die damals angefertigten Handschriften zurück. Die wichtigste von ihnen und die einzige, die alle sieben – allerdings nicht ganz ohne Lücken – enthält, ist der Codex Laurentianus 32,9 aus der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts.[6]

Im 9. oder 10. Jahrhundert wurde eine neue Auswahl vorgenommen, die nur die drei Stücke, Der gefesselte Prometheus, Die Sieben vor Theben und Die Perser enthält, vielleicht weil sie die am leichtesten lesbaren waren.[7] Sie werden als die Byzantinische Trias bezeichnet. Später wurde die Trias um die beiden zur Orestie gehörenden Tragödien Agamemnon und Die Weihgussträgerinnen erweitert, und auch diese Auswahl, die Pentas (Fünfer-Auswahl), begründete einen Zweig der Überlieferung.

Die Editio princeps, die erste Druckausgabe der Werke des Aischylos, erschien 1518 in Venedig.

Moderne

Die Oper Prometheus von Carl Orff fußt auf dem Prometheus (Desmotes) des Aischylos.

Das Sprachkunstwerk Die Schutzbefohlenen von Elfriede Jelinek knüpft in Teilen an die Die Schutzflehenden (Hikétides) des Aischylos an.

Textausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aeschyli Septem Quae Supersunt Tragoediae, hrsg. von Denys Page. Oxford 1972
  • Tragoediae cum incerti poetae Prometheo, hrsg. von Martin Litchfield West, Bibliotheca Teubneriana, Berlin 2007
  • Aischylos. Tragödien und Fragmente, hrsg. von Bernhard Zimmermann. München 2005 (mit Übersetzung)
  • Aischylos: Werke in einem Band, übersetzt und kommentiert von Dietrich Ebener. 2. Auflage, Aufbau-Verlag, Berlin/Weimar 1987
  • Aischylos: Orestie, übersetzt und kommentiert von Dietrich Ebener, Insel-Verlag, Leipzig 1971 (Insel-Bücherei Nr. 961)

Eine neuere Übersetzung der „Perser“ lieferte Peter Witzmann 1992 mit seiner Interlinearübersetzung, die in einer Überarbeitung von Heiner Müller zuletzt im Juni 2008 in Braunschweig im Rahmen des Festivals "Theaterformen" aufgeführt wurde.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersichtsdarstellungen

Einführungen und Untersuchungen

  • Sabine Föllinger: Aischylos. Meister der griechischen Tragödie. München 2009, ISBN 978-3-406-59130-3 (Rezension von Claas Lattmann)
  • Markus Gruber: Der Chor in den Tragödien des Aischylos. Affekt und Reaktion. Tübingen 2009.
  • Hildebrecht Hommel (Hrsg.): Wege zu Aischylos. 2 Bände, Darmstadt 1974.
  • Michael Lloyd (Hrsg.): Oxford Readings in Classical Studies. Aeschylus. Oxford 2007.
  • Thomas Rosenmeyer: The Art of Aeschylus. Berkeley 1982.
  • Alan Sommerstein: Aeschylean Tragedy. Bari 1996.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Aischylos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Aischylos – Zitate
 Wikisource: Aischylos – Quellen und Volltexte

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. z. B. Pausanias 1,14,5
  2. Suda, Stichwort Aiskhylos (Αἰσχύλος), Adler-Nummer: alphaiota 357, Suda-Online
  3. Vgl. M. Werre-de Haas: Aeschylus' Dictyulci. An Attempt at Reconstruction of a Satyric Drama, 1961.
  4. Z. B. in Agamemnon 910 der erste Rote Teppich (πορφυρόστρωτος πόρος / purpurbedeckter Pfad) der Weltliteratur, den Klytaimnestra zur Tür des Palasts breiten lässt und der dann, nach der Ermordung des Agamemnon im Innern des Hauses, wie ein Blutstrom wirkt.
  5. Vgl. den sog. Zeushymnus in Agamemnon 160 ff.
  6. Gilbert Morray (Hrsg.): Aeschyli septem quae supersunt tragoediae. Oxford 1957 (2. Auflage), S. VII ff.
  7. [...] trium, quae facillime lectu viderentur, fabularum (Morray, S. VIII)
  8. Witzmann auf den Seiten der TU Dresden; theaterformen.de; die-perser.de