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Afrikaviertel (Neustadt)

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Afrikaviertel
Koordinaten: 49° 21′ N, 8° 7′ OKoordinaten: 49° 20′ 59″ N, 8° 7′ 9″ O
Höhe: 170–260 m ü. NN
Postleitzahl: 67434
Vorwahl: 06321
Afrikaviertel (Rheinland-Pfalz)
Afrikaviertel (Rheinland-Pfalz)
Lage von Afrikaviertel in Rheinland-Pfalz
Afrikaviertel von Norden her
Afrikaviertel von Norden her
Sandsteinfindling im Afrikaviertel

Das Afrikaviertel ist ein Stadtviertel der pfälzischen Stadt Neustadt an der Weinstraße in Rheinland-Pfalz.

Geographische Lage

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Das Stadtviertel liegt auf einer Höhe von 170 bis 260 m ü. NHN[1] westlich des Stadtkerns am Nordhang des 490 m hohen Nollenkopfs und südlich des Speyerbach­tals, das sich dort zum Hügelland an der Deutschen Weinstraße und zur Rheinebene öffnet.

An der Abzweigung der Hauberallee von der Leibnizstraße markiert seit dem 9. August 2019 ein Findling aus rotem Sandstein das Afrikaviertel.[2]

Das Stadtviertel wurde ab Mitte der 1930er Jahre südwestlich des 1892 erbauten Leibniz-Gymnasiums angelegt. Es erhielt seinen Namen nach den Straßen der Siedlung, die überwiegend nach damals populären deutschen Afrikapionieren benannt wurden. Für die Namensgebung hatte sich der Reichskolonialbund eingesetzt.

In der Hauberallee stand das 1914 eingeweihte jüdische Altenheim. Als es während der Novemberpogrome 1938 in Brand gesetzt wurde und bis auf die Grundmauern niederbrannte, konnten zwei betagte Insassinnen, Fanny Bender und Camilla Haas, sich nicht ins Freie retten und fanden den Tod.[3]

Anfang des 21. Jahrhunderts setzten Anwohner durch, dass die nach Carl Peters benannte Straße umbenannt wurde; der ehemalige Namensgeber gilt als Rassist, der als Reichskommissar in Deutsch-Ostafrika (1885–1888) wegen seines brutalen Vorgehens gegen Eingeborene den Spitznamen „Hänge-Peters“ erhalten hatte. Mit Rücksicht auf gewachsene Adressen lediglich auf dem ersten Buchstaben geändert, hieß die Straße fortan Karl-Peters-Straße nach dem 1998 verstorbenen Strafrechtler.[4]

Zum 1. Januar 2025 erfolgte eine Umbenennung von vier Straßen. Die Gustav-Nachtigal-Straße heißt nun Nachtigallstraße, die Karl-Peters-Straße wurde zur Maria-Merian-Straße, die Lüderitzstraße zur Königsmühlstraße und die Von-Wissmann-Straße erhielt den Namen Leibnizstraße. Vorausgegangen war ein Gutachten des Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz, das untersuchte, ob es in Neustadt Straßennamen gibt, die nach Personen betitelt sind, die einen Bezug zum Nationalsozialismus oder Kolonialismus haben beziehungsweise antisemitische, rassistische oder frauenfeindliche Bezüge aufweisen. Daraufhin gab es eine umfangreiche Bürgerbeteiligung unter anderem mit Anliegerversammlungen und -umfragen, Vorträgen sowie einer Ausstellung. Insgesamt gingen 330 Vorschläge ein.

Wichtigster Gebäudekomplex des Viertels ist das Leibniz-Gymnasium. Die neobarocke Hauberanlage westlich davon mit Treppen und einer Brunnennische wurde, wie auch die dort beginnende Hauberallee, nach dem Neustadter Ehrenbürger Ludwig Heinrich Hauber (1827–1902) benannt. Dieser hatte die Parkanlage 1899 zum Andenken an seine im Jahr zuvor verstorbene Ehefrau Karoline als Karolinenhain errichten lassen.[5]

Im westlichen Bereich des Viertels steht das Georg-von-Neumayer-Denkmal, eine steinerne Stele, die dem Polarforscher im Jahr 1911 gewidmet wurde.

Im Jahr 2016 wurde von Bewohnern des Viertels der gemeinnützige Afrika-Viertel-Verein Neustadt an der Weinstraße gegründet, der sich um Erhalt und Pflege der Hauberanlage, des Georg-von-Neumayer-Denkmals und des im Nordwesten an das Viertel angrenzenden Naturparks Axtwurfanlagen[6] kümmert.[7]

Einzelnachweise

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  1. Ungefähres Zentrum des Afrikaviertels auf: Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANIS-Karte) (Hinweise), abgerufen am 3. November 2021.
  2. Anke Herbert: Neustadt: Sandstein-Findling für Afrikaviertel. In: Die Rheinpfalz. 9. August 2019, abgerufen am 29. August 2019.
  3. Das jüdische Altenheim. Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt, abgerufen am 9. Dezember 2025.
  4. Waltraud Werdelis: Heiliger Petrus statt Hänge-Peters. In: Die Rheinpfalz, Lokalausgabe Frankenthaler Zeitung. Ludwigshafen 19. November 2014.
  5. Die Hauberanlage. Stadtverwaltung Neustadt, archiviert vom Original am 18. April 2016; abgerufen am 18. April 2016.
  6. Klaus Hühnerfauth, Axel Rehe: Die ehemaligen Parkanlagen am Nollen in Neustadt an der Weinstraße. Paul Habermehl, Bezirksgruppe Neustadt im Historischen Verein der Pfalz, Sonderdruck 12, 2008, abgerufen am 3. November 2021.
  7. Markus Pacher: Ein Herz für’s Afrikaviertel. In: Stadtanzeiger Neustadt. 15. August 2019, abgerufen am 3. November 2021.