Agakhanovit-(Y)

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Agakhanovit-(Y)
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen

IMA 2013-090

Chemische Formel (YCa)2KBe3Si12O30[1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Ringsilikate
System-Nr. nach Strunz
Ähnliche Minerale Milarit
Kristallographische Daten
Kristallsystem hexagonal[1]
Kristallklasse; Symbol dihexagonal-dipyramidal; 6/m 2/m 2/m
Raumgruppe P6/mcc (Nr. 192)Vorlage:Raumgruppe/192[1]
Gitterparameter a = 10,3476 Å; c = 13,7610 Å[1]
Formeleinheiten Z = 2[1]
Häufige Kristallflächen {100}, {001}[1]
Zwillingsbildung -
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6[1]
Dichte (g/cm3) berechnet: 2,672[1]
Spaltbarkeit nicht beobachtet[1]
Bruch; Tenazität muschelig
Farbe farblos[1]
Strichfarbe weiß[1]
Transparenz durchsichtig[1]
Glanz Glasglanz[1]
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,567[1]
nε = 1,564[1]
Doppelbrechung δ = 0,003[1]
Optischer Charakter einachsig negativ[1]
Pleochroismus -

Das Mineral Agakhanovit-(Y) ist ein sehr selten vorkommendes Ringsilikat aus der Milaritgruppe mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung (YCa)2KBe3Si12O30. Es kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem und entwickelt farblose, prismatische Kriställchen von unter einem Millimeter Größe.[1]

Agakhanovit-(Y) findet sich als späte Abscheidung aus hydrothermalen Lösungen in Miarolen von Yttrium- und Beryllium-reichen, granitischen Pegmatiten. Neben seiner Typlokalität, dem Cleavelandit-Amazonit-Pegmatit in Tørdal, Südnorwegen[1], sind Yttrium-reiche Milarite bisher nur an wenigen weiteren Lokalitäten nachgewiesen worden: dem Jaguaraçú-Pegmatit (Minas Gerais, Brasilien), den Pegmatiten des Strange Lake Komplex (Québec und Labrador, Kanada)[2] und dem Velká-Skála-Pegmatite (Jihočeský kraj, Tschechien).[3]

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Yttrium- und Beryllium-reiche Milarite wurden zuerst 1965 von Oftedal und Sæbø aus Grorud in Norwegen beschrieben.[4] In den 1990er Jahren folgten weitere Funde von Y-Milariten aus Brasilien (Jaguaraçú) und Kanada (Strange Lake), die jedoch chemisch zu inhomogen (zoniert) für die Definition eines neuen Minerals waren.[1][2]

Erst 2011 gelang die Isolierung eines homogenen Yttrium-Milaritkristalles aus dem Pegmatit bei Tørdal, mit dem die vollständige Charakterisierung und 2013 dann die Anerkennung des neuen Y-Be-Minerals Agakhanovit-(Y) durch die International Mineralogical Association (IMA) unter der internen Eingangs-Nr. IMA 2013-090 gelang.[1]

Benannt wurde das Mineral nach Atali A. Agakhanov (* 1971), einem russischen Mineralogen vom Fersman-Museum in Moskau. Agakhanov arbeitete über eine Vielzahl pegmatitischer Minerale, war z. B. an der Untersuchung der Pegmatite am Darai-Pioz-Gletscher im Alaigebirge (Tadschikistan) und der Erstbeschreibung von zwei neuen Mineralen der Milaritgruppe beteiligt: Dusmatovit (1996) und Berezanskit (1997).

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da der Agakhanovit-(Y) erst 2003 entdeckt wurde, ist er in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz nicht aufgeführt. Einzig im zuletzt 2018 aktualisierten „Lapis-Mineralienverzeichnis“, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach der klassischen Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt Agakhanovit-(Y) die System- und Mineral-Nr. VIII/E.22-19. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Abteilung „Ringsilikate: Doppelte Sechserringe [Si12O30]12-“, wo er zusammen mit Almarudit, Armenit, Berezanskit, Brannockit, Chayesit, Darapiosit, Dusmatovit, Eifelit, Emeleusit, Faizievit, Friedrichbeckeit, Klöchit, Lipuit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit, Yagiit und Yakovenchukit-(Y) die „Milarit-Osumilith-Gruppe“ bildet.[5]

Die seit 2001 gültige und von der IMA verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Agakhanovit-(Y) ebenfalls in die Abteilung der „Ringsilikate“ ein. Auch diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Ringe, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „[Si6O18]12−-Sechser-Doppelringe“ zu finden ist. Darin gehört es mit Almarudit, Armenit, Berezanskit, Brannockit, Chayesit, Darapiosit, Dusmatovit, Eifelit, Friedrichbeckeit, Klöchit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit und Yagiit zur „Milaritgruppe“ mit der System-Nr. 9.CM.05.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana ist Agakhanovit-(Y) ebenso wie in der veralteten 8. Auflage der Strunzschen Systematik nicht verzeichnet.[6]

Chemismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agakhanovit-(Y) ist das Yttrium-Analog von Oftedalit[1] und bildet eine Mischkristallreihe mit Milarit gemäß der gekoppelten Austauschreaktion:

  • [A]Ca2+ + [T2]Al3+ = [A]Y3+ + [T2]Be2+[2]

Die gemessene Zusammensetzung aus der Typlokalität ist [C]K1.00 [B](H2O)0.92Na0.02 [A](Y0.89Yb0.01Ca1.06)∑1.96 [T2](Be2.93Al0.07)∑3.00 [T1]Si12.02O30, wobei in den eckigen Klammern die Position in der Kristallstruktur angegeben ist.[1]

Neben Yttrium können noch geringe Gehalte weiterer Seltenerdelemente eingebaut werden, vor allem Cer (Ce), Ytterbium (Yb), Dysprosium (Dy), Europium (Eu) und Neodym (Nd).[2] Cer-reiche Milarite, deren Cer-Gehalte diejenigen von Yttrium übersteigen, wurden als Agakhanovit-(Ce) bezeichnet, obwohl eine Beschreibung als eigenständige Spezies noch aus steht[3].

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agakhanovit-(Y) kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P6/mcc (Raumgruppen-Nr. 192)Vorlage:Raumgruppe/192 mit den Gitterparametern a = 10.3476 Å und c = 13.7610 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Agakhanovit-(Y) ist isotyp zu Milarit, d. h. es kristallisiert mit der gleichen Struktur wie Milarit.[1]

Die 12-fach koordinierte C-Position ist voll besetzt mit Kalium, die 9-fach koordinierte B-Position halb besetzt mit H2O und geringen Mengen Na. Die oktaedrisch koordinierte A-Position ist voll besetzt mit 1 Ca2+ und 1 Y3+. Die T2-Position enthält neben Beryllium nur kleine Mengen Al3+ und die T1-Position, die die 6er-Doppelringe aufbaut, enthält nur Silizium (Si4+).[1]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agakhanovit-(Y) bildet sich bei niedrigen Temperaturen und Drucken aus hydrothermalen Restlösungen Yttrium- und Beryllium-reicher Pegmatite und findet sich dort meist in Drusen.[1]

Typlokalität ist der Cleavelandit-Amazonit-Pegmatit in Tørdal, Südnorwegen, wo er aufgewachsen auf Milarit oder Kristiansenit zu finden ist.[1][7] Weitere Fundorte sind der Jaguaraçú-Pegmatit in Minas Gerais, Brasilien,[8] die Pegmatite des Strange Lake Komplex in Québec und Labrador, Kanada[9] und der Velká-Skála-Pegmatit in Jihočeský kraj, Tschechien.

Im Jaguaraçú-Pegmatit tritt Yttrium-reicher Milarit zusammen mit Adular, Albit, Hämatit, Muskovit, Quarz und Minasgeraisit auf. In den teilweise pegmatitischen, alkalireichen Granit des Strange Lake Komplex findet er sich in Miarolen zusammen mit Quarz, Albit, Hämatit und Xenotim.[2]

Im Velká-Skála-Pegmatit tritt Agakhanovit-(Y) aufgewachsen auf Yttrium-armen Milarit zusammen mit Kalifeldspat und Quarz auf.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa F. C. Hawthorne, Y. A. Abdu, N. A. Ball, P. Černý, R. Kristiansen: Agakhanovite-(Y), ideally (YCa)□2KBe3Si12O30, a new milarite-group mineral from the Heftetjern pegmatite, Tørdal, Southern Norway: Description and crystal structure. In: American Mineralogist. Band 99, 2014, S. 2084–2088 (Volltext).
  2. a b c d e P. Černý, F.C. Hawthorne, J.J. Jambor, and J.D. Grice: Yttrian milarite. In: Canadian Mineralogist. Band 29, 1991, S. 533–542 (PDF (992 kB)).
  3. a b c M. Novák, J. Cícha, R. Čopjaková, R. Škoda, M. Vašinová Galiová: Primary (magmatic?) and hydrothermal milarite-group minerals from the Velká skála pegmatite, Písek pegmatite district, Czech Republic. In: Second Eugene E. Foord Pegmatite Symposium, July 15-19, 2016 Colorado School of Mines campus, Golden, Colorado. Juli 2016, S. 70–72 (PDF (17,2 MB)).
  4. I. Oftedal and P.C. Sæbø: Contributions to the mineralogy of Norway. 30. Minerals from nordmarkite druses. In: Norsk Geologisk Tidsskrift. Band 45, 1965, S. 171–175 (PDF (403 kB)).
  5. Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 6. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2014, ISBN 978-3-921656-80-8.
  6. Webmineral – New Dana Classification of Silicates
  7. Heftetjern pegmatite, Tørdal, Drangedal, Telemark, Norway
  8. Jaguaraçu pegmatite (José Miranda mine; José Pinto mine; Carneirinho mine), Jaguaraçu, Minas Gerais, Brazil
  9. Strange Lake complex (Lac Brisson complex), Québec & Newfoundland and Labrador, Canada