Brannockit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Brannockit
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen

IMA 1972-029

Chemische Formel KSn4+2Li3Si12O30[1][2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Ringsilikate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.CM.05 (8. Auflage: VIII/E.22)
63.02.01a.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem hexagonal[1][3]
Kristallklasse; Symbol dihexagonal-dipyramidal; 6/m 2/m 2/m[4]
Raumgruppe P6/mcc (Nr. 192)Vorlage:Raumgruppe/192[1][3]
Gitterparameter a = 10,0167 Å; c = 14,2452 Å[1]
Formeleinheiten Z = 2[1]
Häufige Kristallflächen {001}, untergeordnet {100}, {110}, {114}[1][2]
Zwillingsbildung häufig, äußerlich nicht sichtbar[1][2][3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte nicht bestimmt
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,98; berechnet: 3,08[1][2]
Spaltbarkeit fehlt[5]
Bruch; Tenazität spröde
Farbe farblos[1][2]
Strichfarbe weiß[5]
Transparenz durchsichtig[1][2] bis durchscheinend[6]
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,567[1][2]
nε = 1,566[1][2]
Doppelbrechung δ = 0,001
Optischer Charakter einachsig negativ[1][2]
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale helle, bläulich weiße Fluoreszenz unter kurzwelligem UV-Licht[1][2]

Das Mineral Brannockit ist ein sehr selten vorkommendes Ringsilikat aus der Milaritgruppe innerhalb der Mineralklasse der Silikate und Germanate mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung KSn4+2Li3Si12O30. Es kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem und entwickelt Aggregate farbloser, plattiger Kriställchen von wenigen Millimetern Größe.[1][2]

Brannockit findet sich in spät hydrothermalen Bereichen alkalireicher Pegmatite, in denen sich Lithium und Zinn angereichert haben. Neben seiner Typlokalität, der Foot Mine im Kings Mountain District, Cleveland County, North Carolina, USA, ist Brannockit bisher nur an einer weiteren Lokalität in Washington, USA, gefunden worden.[7]

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entdeckt wurde Brannockit 1968 von C. Hudgins aus Marion, North Carolina, in der Foot Mine, einem Lithium-reichen Granit-Pegmatit. Er spendete eine Probe dem National Museum of Natural History der Smithsonian Institution, wo sie von John S. White und seinen Mitarbeitern wissenschaftlich untersucht und als Li-Sn-Analog von Osumilith charakterisiert wurde. Sie benannten das Mineral nach dem Chemiker und Mineraliensammler Dr. Kent Combs Brannock (1923–1973)[6] aus Kingsport, Tennessee, der wesentlich an der Beschreibung zahlreicher Minerale aus der Foot Mine beteiligt war.[1]

Publiziert wurde die Entdeckung fünf Jahre später im The Mineralogical Record, einer Zeitschrift, die John S. White 1970 selbst gegründet hatte.[8]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte Brannockit zur Abteilung der „Ringsilikate (Cyclosilikate)“, wo er zusammen mit Almarudit, Armenit, Berezanskit, Chayesit, Darapiosit, Dusmatovit, Eifelit, Emeleusit, Faizievit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit, Yagiit und Yakovenchukit-(Y) die „Milarit-Osumilith-Gruppe“ mit der System-Nr. VIII/E.22 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Brannockit ebenfalls in die Abteilung der „Ringsilikate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Ringe, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „[Si6O18]12−-Sechser-Doppelringe“ zu finden ist. Darin gehört es mit Almarudit, Armenit, Berezanskit, Chayesit, Darapiosit, Dusmatovit, Eifelit, Friedrichbeckeit, Klöchit, Merrihueit, Milarit, Oftedalit, Osumilith, Osumilith-(Mg), Poudretteit, Roedderit, Shibkovit, Sogdianit, Sugilith, Trattnerit und Yagiit zur „Milaritgruppe“ mit der System-Nr. 9.CM.05.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Brannockit in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Ringsilikate: Kondensierte Ringe“ ein. Hier ist er in der „Milarit-Osumilith-Gruppe (Milarit-Osumilith-Untergruppe)“ mit der System-Nr. 63.02.01a innerhalb der Unterabteilung „Ringsilikate: Kondensierte, 6-gliedrige Ringe“ zu finden.

Chemismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brannockit ist das Lithium-Zinn-Analog von Osumilith und die gemessene Zusammensetzung aus der Typlokalität ist [12]K [6]Sn2 [4]Li3 [4]Si12O30, wobei in den eckigen Klammern die Koordinationszahl der jeweiligen Position in der Kristallstruktur angegeben ist.[1][2]

Brannockit bildet Mischkristalle mit Berezanskit, Sogdianit und in geringem Maße Sugilith, was sich im Ersatz von Sn4+ durch Ti4+, Zr4+ und Hf4+ sowie dem gekoppelten Einbau von [6]Fe/Al3+ und [9]Na+ äußert.[7]

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brannockit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P6/mcc (Raumgruppen-Nr. 192)Vorlage:Raumgruppe/192 mit den Gitterparametern a = 10.0167 Å und c = 14.2452 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle[1][3]

Brannockit ist isotyp zu Milarit, d. h., es kristallisiert mit der gleichen Struktur wie Milarit. Die 12-fach koordinierte C-Position ist voll besetzt mit Kalium (K+) und die 9-fach koordinierte B-Position ist unbesetzt. Zinn (Sn4+) besetzt die 6-fach koordinierte A-Position. Die tetraedrisch koordinierten T2-Position enthält ausschließlich Lithium (Li+). Die T1-Position, die die 6er-Doppelringe aufbaut, enthält nur Silizium (Si4+).[1][3]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brannockit bildet sich in der späten hydrothermalen Phase alkalireicher Pegmatite.

Weltweit ist Brannockit nur an zwei Fundorten dokumentiert worden (Stand 2016).

An seiner Typlokalität, der Foot Mine im Kings Mountain District, Cleveland Co., North Carolina, USA, findet sich Brannokit in Miarolen und Rissen. Er tritt hier zusammen mit Quarz, Albit, dem Mehrfach-Kettensilikat Bavenit, Pyrit, dem Hydroxid Tetrawickmanit und Titanit auf.[1]

Dieser sehr mineralreiche Fundort ist die Typlokalität von 13 Mineralen (Stand 2016). Brannockit ist dort das einzige Mineral der Milaritgruppe.[9]

Der zweite dokumentierte Fundort ist ein alkalireicher Granit des Golden Horn Batholithen bei Liberty Bell/Washington Pass im Okanogan County, Washington, USA. Brannockit tritt hier mit dem Li-Zr-Osumilith Sogdianit und den Li-Na-Zr-6er-Doppelkettensilikat Zektzerit auf, das hier zuerst beschrieben worden ist.[7][10]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Brannockite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s J. S. White, J. E. Arem, J. A. Nelen, P. B. Leavens, R. W. Thomssen: Brannockite, a new tin mineral. In: The Mineralogical Record. Band 4, März 1973, S. 73–76 (rruff.info [PDF; 2,1 MB; abgerufen am 30. August 2018]).
  2. a b c d e f g h i j k l Michael Fleischer: New Mineral Names. In: The American Mineralogist. Band 58, 1973, S. 1111–1115 (rruff.info [PDF; 572 kB; abgerufen am 30. August 2018] Brannockite, S. 1111).
  3. a b c d e Thomas Armbruster, Roland Oberänsli: Crystal chemistry of double-ring silicates: Structures of sugilite and brannockite. In: The American Mineralogist. Band 73, 1988, S. 595–600 (rruff.info [PDF; 1,1 MB; abgerufen am 30. August 2018]).
  4. Webmineral – Brannockite (englisch)
  5. a b Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 6. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2014, ISBN 978-3-921656-80-8.
  6. a b Brannockite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 60 kB; abgerufen am 30. August 2018]).
  7. a b c M. B. Raschke, E. J. D. Anderson, J. Allaz, H. Friis, J. R. Smyth, R. Tschernich, R. Becker: Crystal chemistry of brannockite, KLi3Sn2Si12O30, from a new occurrence in the Golden Horn Batholith, Washington State, USA. In: European Journal of Mineralogy. Band 28, Nr. 1, März 2016, S. 153–161, doi:10.1127/ejm/2015/0027-2477 (Zusammenfassung).
  8. Wendell E. Wilson: The Mineralogical Record: John S. White. Abgerufen am 30. August 2018.
  9. Foote Lithium Co. Mine (Foote Mine), Kings Mountain District, Cleveland Co., North Carolina, USA
  10. Washington Pass, Golden Horn Batholith, Okanogan Co., Washington, USA