Akasol

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Akasol AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE000A2JNWZ9
Gründung 2008
Sitz Darmstadt, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
Mitarbeiterzahl 284[3]
Umsatz 47,6 Mio. Euro (2019)[3]
Branche Elektrotechnik
Website akasol.com
Stand: 31. Dezember 2019

Die Akasol AG (Eigenschreibweise AKASOL) ist ein börsennotierter Hersteller von Batteriesystemen für Fahrzeuge. Die Systeme kommen in Batteriebussen, Industrie- und Nutzfahrzeugen, Schiffen und Schienenfahrzeugen zum Einsatz. Akasol wurde 2008 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Darmstadt.[4] Seit 2021 ist das Unternehmen Teil des US-amerikanischen Zuliefererkonzern Borg Warner.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutige Akasol AG ist aus der 1989 gegründeten Akademischen Solartechnikgruppe der Technischen Universität Darmstadt hervorgegangen.[5][2][6] Die studentische Gruppe entwickelte 1990 das Rennsolarmobil Pinky, das drei Weltmeistertitel für Solarfahrzeuge gewann.[7] Die daraus entstandene Forschungsgruppe schuf 1993 das Solarmobil Chili, das mit einem Nickel-Cadmium-Akkumulator ausgestattet war und eine Reichweite von 100 Kilometern aufwies.[8] 1999 folgte als Ergebnis vierjähriger Forschungsarbeit das Elektromobil Akabine. Es war das seinerzeit verbrauchsgünstigste Elektrofahrzeug mit einer Reichweite von 300 Kilometern.[9][10] Darauf aufbauend entwickelte Akasol das Elektroauto OScar (Open Source Car).[11] Der von einer 250 Kilogramm schweren Batterie angetriebene Zweisitzer hatte ebenfalls 300 Kilometer Reichweite bei einer Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h und besaß einen Energiebedarf von umgerechnet einem Liter Dieselkraftstoff pro 100 Kilometern.[12]

Im Jahr 2008 gründeten Mitglieder des eingetragenen Vereins Akasol und der Schulz Group das kommerzielle Unternehmen Akasol Engineering GmbH. Als Tochterunternehmen der Schulz Group befasste sich das Unternehmen mit der Entwicklung von Lithium-Ionen-Batteriesystemen. Erklärte Ziele waren eine Kostensenkung der Batterien und ein alltagstaugliches Elektroauto.[13][14] Im Jahr 2012 wurde das Unternehmen in Akasol GmbH umfirmiert.[15] Im Juni 2018 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die seit dem 29. Juni 2018 an der Frankfurter Börse im Prime Standard notiert ist.[16]

Im Februar 2021 wurde bekannt, dass der Autozulieferer Borg Warner Akasol mittels eines Übernahmeangebots übernehmen wolle. Das Unternehmen solle als eigenständiges Unternehmen in Darmstadt erhalten bleiben. Der Kaufpreis betrug 730 Millionen Euro, entsprechend einem Preis von 120 EUR pro Aktie.[17] Im Juni 2021 hatten die Aktionäre von Akasol das Übernahmeangebot mit 89,1 % angenommen. Seither hat Borg Warner weitere Aktien erworben und hatte somit mehr als 92 % Anteile erlangt.[18]

Im August 2021 wurde ein 15.000 m² großes Werk in Betrieb genommen. Diese „Gigafactory 1“ in Darmstadt hat in der ersten Ausbaustufe eine Produktionskapazität für Lithium-Ionen-Batterie-Module von bis zu 1 GWh, die bis 2022 bis auf 2½ GWh ausgebaut werden soll.[19]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen Akasol wird von Sven Schulz (Vorstandsvorsitzender) geleitet[1] und beschäftigte 2019 284 Mitarbeiter.[3]

Akasol produziert kompakte und leichte[20] Lithium-Ionen-Batterie-Module mit Flüssigkühlung, verlängerter Lebensdauer[21] und hoher Energiedichte[22] für Hersteller von Fahrzeugen mit Hybrid- und Elektroantrieb, regenerative Energieanlagen und Energieversorger.[1][4] Wichtigstes Einsatzfeld sind Elektrobusse, wie der eCitaro von EvoBus.[6] Das Unternehmen hat mehrere Elektrobusse in Köln und weiteren deutschen Städten mit Batterien ausgestattet.[23][24] Weitere Einsatzfelder sind andere Nutzfahrzeuge, Arbeitsmaschinen, Schienenfahrzeuge und Jachten.[25] Ein Beispiel ist der Alstom Coradia iLINT, ein Eisenbahn-Nahverkehrs-Triebwagen mit Stromerzeugung aus Wasserstoff über Brennstoffzellen. Als Pufferspeicher sind Lithium-Ionen-Batterien mit 110 kWh unter dem Fahrgastraum untergebracht[26], die von Akasol hergestellt werden.[27]

Im hessischen Langen hat Akasol die größte europäische Batteriesystemfabrik für elektrische Nutzfahrzeuge errichtet.[28] Seit November 2017 werden hier Lithium-Ionen-Batteriesysteme für Elektrobusse produziert.[29] Die Fabrik wurde zum Teil mit Mitteln eines öffentlichen Innovationskredites gefördert. Aufgrund von vorliegenden Großaufträgen[30] wird eine schnelle Erweiterung als möglich angesehen.[31] Auch die Produktionskapazitäten in Darmstadt wurden im Jahr 2017 ausgebaut.[32][33] Akasol beteiligte sich ab 2012 an dem mit Bundesmitteln geförderten Forschungsvorhaben Hei-PhoSS („Hocheffizienter und intelligenter Photovoltaik-Strom-Speicher“)[34] sowie ab 2016 an dem Forschungsprojekt MoBat zur Schnellladetechnik.[35]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Akasol gewann dreimal den eCarTec-Award, den Bayerischen Staatspreis für Elektromobilität: 2010, 2012 und 2014 wurde die Lithium-Ionen-Batterie Akamodule ausgezeichnet.[36] 2012 und 2013 erhielt Akasol den Hessischen Staatspreis für intelligente Energie.[37] 2015 gewann Akasol für den Energiespeicher neeoQube einen Red Dot Design Award für Produktdesign.[38]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Siehe chronologischer Abdruck, Amtsgericht Darmstadt HRB 97834; online im Unternehmensregister.
  2. a b Akasol: Die AKASOL AG. Abgerufen am 23. Oktober 2017.
  3. a b c Akasol: AKASOL AG Geschäftsbericht 2019. 30. April 2020, abgerufen am 4. Mai 2020.
  4. a b Akasol: AKASOL AG Homepage. Abgerufen am 23. Oktober 2017.
  5. Neue Gigafactory: Deutscher Batterie-Spezialist Akasol: „Mehr Erfahrung als Nikola, Tesla und Hyzon zusammen“. Abgerufen am 6. November 2020.
  6. a b hr-fernsehen: hessenschau – ganze Sendung. Hessischer Rundfunk, 2. Januar 2015, abgerufen am 23. Oktober 2017.
  7. Akasol e.V.: Akasol e.V. Historie. Abgerufen am 23. Oktober 2017.
  8. Solarmodell vorgestellt Darmstadt. In: Bonner General-Anzeiger. 26. Juni 1993, S. 29.
  9. Pyrstaj: Eine wie keine: Leichtauto Akabine. In: Darmstädter Echo. 28. August 1999, S. 29.
  10. Studenten erfanden Ein-Liter-Auto. In: Frankfurter Neue Presse. 28. August 1999, S. 1.
  11. Astrid Ludwig: Alles an Oscar ist umweltfreundlich. In: Frankfurter Rundschau. 24. Januar 2003, S. 33.
  12. Lars Kreye: Wenn Benzin fünf Euro kostet, kommt Oscar. welt.de, 6. Mai 2008, abgerufen am 23. Oktober 2017.
  13. Katy Cuko: Energiestoß aus der Region. In: Südkurier. 21. Januar 2011.
  14. Elisabeth von Thadden: Zukunft der Technik: Mit brennender Geduld. In: DIE ZEIT. 16. Juni 2011, S. 28.
  15. Amtsgericht Darmstadt: Handelsregister Bekanntmachungen. In: Darmstädter Echo. 13. Juni 2012.
  16. Deutsche Börse: AKASOL AG / Angaben zur Erstnotierung. Abgerufen am 17. Juli 2018.
  17. Akasol künftig in amerikanischer Hand. FAZ.de, 16. Februar 2021, abgerufen am 16. Februar 2021.
  18. Going Public: AKASOL AG: endgültige Übernahme durch BorgWarner, 3. August 2021
  19. Gigafactory eröffnet omnibus.de, 16. August 2021, abgerufen am 17. August 2021
  20. Michael Nikowitz: Advanced Hybrid and Electric Vehicles: System Optimization and Vehicle Integration. Springer International Publishing, Basel 2016, ISBN 978-3-319-26305-2, S. 125.
  21. Achim Preu: Akasol lässt die Muskeln spielen. In: Darmstädter Echo. 24. Februar 2017, S. 18.
  22. Gianfranco Pistoia: Lithium-Ion Batteries: Advances and Applications. Elsevier, Amsterdam 2014, ISBN 978-0-444-59513-3, S. 535.
  23. Achim Preu: Die Spannung steigt. In: Darmstädter Echo. 17. September 2016, S. 11.
  24. Daniel Bönninghausen: Akasol gründet Produktionsstandorte für Batteriesysteme. electrive.net, 16. November 2017, abgerufen am 27. November 2017.
  25. Akasol Homepage – Anwendungen. Abgerufen am 19. Juli 2019.
  26. Jürgen Hörstel: Auf dem Weg zur Null-Emmision. In: eisenbahn-magazin. Nr. 6, 2017, ISSN 0342-1902, S. 41.
  27. Akasol Homepage – Anwendungen Schienenfahrzeuge. Abgerufen am 19. Juli 2019.
  28. Joachim Baier: Größte Batteriefabrik für Elektrobusse. In: Frankfurter Rundschau. 17. November 2017, S. F22.
  29. hr-fernsehen: Batteriewerk für E-Busse in Langen eröffnet. (Nicht mehr online verfügbar.) Hessischer Rundfunk, 16. November 2017, archiviert vom Original am 10. Januar 2018; abgerufen am 27. November 2017.
  30. James Ayre: Scandinavian Firm Buying Up To 4,500 Battery Systems For Electric Buses By 2023 From AKASOL. cleantechnica.com, 30. Januar 2017, abgerufen am 27. November 2017.
  31. Neues Batteriewerk in Langen von Förderbank unterstützt. sueddeutsche.de, 28. Juli 2017, abgerufen am 7. September 2020.
  32. Achim Preu: Akasol steht unter Spannung. In: Darmstädter Echo. 26. Mai 2017, S. 18.
  33. Jens Scheiner: Akasol gründet Produktionsstandorte für Batteriesysteme. Automobil-Industrie, 31. Mai 2017, abgerufen am 23. Oktober 2017.
  34. Innovation durch Forschung – Jahresbericht 2012 zur Forschungsförderung im Bereich der erneuerbaren Energien. (PDF) Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, März 2013, S. 20, abgerufen am 23. Oktober 2017.
  35. Jens Scheiner: Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen. idw - Informationsdienst Wissenschaft, 6. Dezember 2016, abgerufen am 27. November 2017.
  36. Monika Zwettler: Akasol erhält bayerischen Staatspreis für Elektromobilität. Konstruktionspraxis, 4. Dezember 2012, abgerufen am 23. Oktober 2017.
  37. Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Hessischer Staatspreis für intelligente Energie vergeben – 6 Preisträger. Agentur für Erneuerbare Energien, Berlin, 22. Mai 2012, abgerufen am 18. Februar 2021.
  38. Akasol erhält Red-Dot-Award. In: Schwäbische Zeitung Tettnang. 1. April 2015, S. 18.