Altfränkische Sprache

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Altfränkisch
Zeitraum frühes 3. bis 8. Jahrhundert

Ehemals gesprochen in

unterer Niederrhein, Mittelrhein-Gebiet; römische Provinz Gallia Belgica (bis ins 7. Jahrhundert)
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache in
Sprachcodes
ISO 639-1

ISO 639-2

gem (Germanische Sprachen)

ISO 639-3

frk

Ausbreitung der Sal- und Rheinfranken bis zum 5./6. Jahrhundert
Die Runeninschrift von Bergakker aus den Jahren 425 bis 450, ältestes bekanntes Schriftzeugnis der altfränkischen Sprache

Mit Altfränkisch oder Fränkisch wird in der Historischen Sprachwissenschaft die Sprache der germanischen Franken, ein Großverband mehrerer Stämme, die sich im späten 3. Jahrhundert jenseits der niedergermanischen Limes siedelten und später große Teile Westeuropas eroberten, bezeichnet. Die Sprache wurde in den südlichen Niederlanden, Belgien, Teile Nordfrankreichs und im Nieder- und Mittelrhein-Gebiet gesprochen.

Überlieferung und Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Runeninschrift von Bergakker gilt als einzige überlieferte Textquelle, in der es sich, aller Wahrscheinlichkeit nach, um die altfränkische Sprache handelt. Die historische Anwesenheit der Franken im Fundgebiet und einige mit dem späteren Altniederfränkischen übereinstimmenden Merkmale unterstützen diese Behauptung.[1] Sprachforscher Bernard Mees interpretiert die Runen als haþuþȳwas ann kusjam logūns und übersetzt sie mit „Haþuþȳws. Ich (er?) gönne (verleihe) den Auserwählten eine Flamme (Schwert)“.[2] Die Altfränkische Sprache ist, außer diesem Textfragment, nicht direkt überliefert. Sie wurde teilweise rekonstruiert anhand der Altniederländischen Sprache und germanischen Lehnwörter im Altfranzösischen.

Das zeitliche Spektrum des Altfränkischen umfasst, im weitesten Sinne, die Periode zwischen der Abspaltung der Weser-Rhein-Germanischen Varianten vom Südgermanischen im 4. Jahrhundert bis zum Auftreten der Zweiten Lautverschiebung im 6.–7. Jahrhundert. In der Literatur werden die Begriffe „Altniederländisch“ und „Altfränkisch“ manchmal synonym verwendet, aber es ist üblicher und genauer erst ab dem 6. Jahrhundert von Altniederländisch zu reden, da sich Altfränkisch in dieser Zeit in eine verschobene und eine unverschobene Variante teilte. Die Unterkategorie „Altwestfränkisch“ ist jedoch weitgehend gleichbedeutend mit dem Altniederländischen, da es keine verschobene Form des Westfränkischen gibt. Obwohl die Kontinuität zwischen Altfränkisch und Altniederländisch allgemein akzeptiert wird, ist diese für die germanische Dialekte im ehemaligen Ostfrankenreich, wegen der Hochdeutschen Lautverschiebung und Assimilierung süddeutscher Merkmale, weniger eindeutig.[3][4]

Im heutigen Nordfrankreich und der Wallonie, wurde es von der dort mehrheitlich romanischsprachigen Bevölkerung an das Galloromanische bzw. Altfranzösische assimiliert. Im Zuge der Assimilation des Altfränkischen an das Galloromanische bzw. Altfranzösische übernahm dieses mehrere hundert fränkische Lehnwörter.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tineke Looijenga: Texts & contexts of the oldest Runic inscriptions. Leiden 2003, S. 318.
  2. Bernard Mees: The Bergakker inscription and the beginnings of Dutch. In: Erika Langbroek, Annelies Roeleveld, Paula Vermeyden, Arend Quak: Amsterdamer Beiträge zur älteren Germanistik 56, 2002, ISBN 90-420-1579-9 (online).
  3. Luc de Grauwe: Westfrankisch: bestaat dat? Over Westfrankisch en Oudnederlands in het oud-theodiske variëteitencontinuüm. In: Amsterdamer Beiträge zur älteren Germanistik 57, 2003, S. 94–95.
  4. Alfred Klepsch: Der Name Franken. In: Fränkisches Wörterbuch (WBF). Hrsg. von der Bayerische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 31. Juli 2020.