Anton Kaulbach

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Anton Kaulbach als Knabe,
Porträtgemälde seines Bruders F. A. Kaulbach, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover

Wilhelm Anton Kaulbach (* 8. August 1864 in Hannover; † 23. April 1934 in Berlin-Lichtenrade[1]) war ein tauber, deutscher Kunstmaler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anton Wilhelm[2] (auch Paul Anton oder Anton Paul) Kaulbach wurde als Sohn des Künstlers Friedrich Kaulbach und dessen dritten Frau Marie, geb. Wellhausen, geboren.[3] Er ertaubte im Kindesalter und besuchte deshalb die 1829 von Georg August Kuckuck gegründete Hildesheimer Taubstummenanstalt (heute LBZH Hildesheim). Er blieb neun Jahre dort und war während dieser Zeit bei Pflegeeltern in Hildesheim untergebracht.[4]

Seine erste künstlerischen Erfahrungen sammelte er bei seinem Vater. 1882 holte sein Halbbruder Friedrich August Kaulbach ihn nach München, wo er bei diesem und bei anderen Malerei an der Kunstakademie München studierte.[5] 1883 trat er dem Taubstummenclub „Monachia Gruß“ in München bei und war dort 2. Revisor bis 1889. 1884 porträtierte er den Maler Georg Müller vom Siel. Das Gemälde ist heute Teil der Sammlung des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg. 1888 war Kaulbach auf der Münchener Jubiläumsausstellung im Königl. Glaspalast vertreten mit dem Werk Zwei Schachspieler.[6] In der Zeitschrift Die Gartenlaube erschien am Jahresende 1892 in Heft 28 als Kunstbeilage der mehrfarbige Druck eines Studienkopfes von ihm mit dem Titel Ilse.[7]

In den Jahren 1895 bis 1898 wohnte er im Hamburger Stadtteil St. Georg am Steindamm 12–14, 1899 und 1900 im Stadtteil Hamburg-Eilbek in der Wandsbeker Chaussee 211.[8]

Ab 1901 wohnte Kaulbach in Berlin; bis 1929 mit Wohnsitz Kaiserplatz 13 (seit 1950 Bundesplatz). 1903 malte er seinen Vater Friedrich Kaulbach in dessen 81. Lebensjahr. 1906 beteiligte sich Kaulbach an der Weihnachts-Ausstellung im Kunstverein in Hamburg.[9] 1907 stellte er ein Porträt und ein Gemälde, das ein Mädchen mit Mohnblumen zeigte, bei einer Ausstellung in Witten, die der Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark veranstaltete, aus.[10] 1908 porträtierte er den ebenfalls gehörlosen Maler Heinrich Fick. Das Gemälde hängt heute im Doku- und Bildungszentrum zur Bayerischen Geschichte der Gehörlosen beim Landesverband Bayerns der Gehörlosen e.V. in München. Im Schreiberschen Haus[11] oder im Kaulbach-Haus[12] in Bad Arolsen sind ebenfalls Werke von Anton Kaulbach zu finden.[13]

Anton Kaulbach schuf hauptsächlich Porträts, doch widmete er sich auch der Genremalerei. Seine Schwestern waren die Schriftstellerin Isidore Kaulbach und die Malerin Antonie Kaulbach, und ein weiterer Halbbruder von ihm war der Maler Sigmund Kaulbach (1854–1894).

Am 20. August 1898 heiratete er in Schöneberg Eva Bohl (* 1. Mai 1878 in Grabow[14]; † 1953 in Berlin), das Paar hatte mehrere Kinder, darunter Franz Kaulbach (* 1899 in Hamburg; † 1967 in Kiel)[15] und Gisela Thoelke-Kaulbach, die später die Echtheit von Kunstwerken Kaulbachs bestätigte.[16] Teilweise wurde 1931 und 1932 die Echtheit von Gemälden Kaulbachs auch scheinbar durch einen Berliner Notar mit einer auf der Rückseite der Leinwand angeklebten, sogenannten Echtheitsurkunde beglaubigt.[17]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1902 wurde er in der von Heinrich Fick gegründeten Taubstummengesellschaft „Hufeisen – Kunst und Handwerk“ in München zum Ehrenmitglied erhoben.[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Anton Kaulbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sterberegister StA Berlin-Lichtenrade, Nr. 54/1934
  2. Niedersachsen, Elbe-Weser-Dreieck, Deutschland, evangelische Kirchenbücher, 1574-1945
  3. Stammbaum
  4. Provinzial-Taubstummenanstalt/Gehörlosenschule Hildesheim, Signatur: NLA HA Hann. 157 Hildesheim, Niedersächsisches Landesarchiv, Hannover
  5. 04176 Anton Kaulbach, Matrikelbuch 1841–1884, Akademie der Bildenden Künste München.
  6. Katalog der Kunstausstellung im Münchner Glaspalast 1888, S. 66
  7. Die Gartenlaube, 1892, S. 896. Links oben, Erwähnung und Beschreibung des Druckes
  8. Eingetragen in den jeweiligen Hamburger Adressbüchern
  9. Ausstellungen im Kunstverein in Hamburg, 1858 bis 2010 (PDF-Datei)
  10. Ausstellung in Witten
  11. Schreibersches Haus
  12. Kaulbach-Haus
  13. Zwei der Werke in Das Kaulbach-Museum zu Arolsen
  14. Heiratsregister StA Schöneberg I, Nr. 425/1898
  15. 11. Heiratsregister der Berliner Standesämter 1874-1920; Urkunde-Nr. 425; Laufendennummer 416; Landesarchiv Berlin
  16. Erwähnung einer Bestätigung durch die Tochter Kaulbachs
  17. Beispielsbild mit sogenannter EchtheitsUrkunde eines Notars
  18. 1898; In: Chronik der Taubstummen- und Gehörlosenvereinen München. Monacensia Gebärdende Historie (Mohegis).