Arthur Salter, 1. Baron Salter

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James Arthur Salter, 1. Baron Salter, GBE, KCB, PC (* 15. März 1881; † 27. Juni 1975) war ein britischer Regierungsbeamter, Hochschullehrer und Politiker der Conservative Party, der unter anderem zwischen 1937 und 1950 sowie erneut von 1951 bis 1953 Mitglied des House of Commons, 1945 Kanzler des Herzogtums Lancaster (Chancellor of the Duchy of Lancaster), von 1951 bis 1952 Wirtschaftsminister sowie von 1952 bis 1953 Minister für Materialien war. 1953 zum Peer erhoben und damit Mitglied des House of Lords.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regierungsbeamter, Erster Weltkrieg und Mitarbeiter des Völkerbundes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salter, dessen Vater James Edward Salter Miteigentümer der Dampfschifffahrtsgesellschaft Salters Steamers und 1909 Bürgermeister von Oxford war, absolvierte seine schulische Ausbildung an der City of Oxford High School for Boys und danach ein Studium der Klassischen Altertumswissenschaften (Literae Humaniores) am Brasenose College der University of Oxford, das er 1903 mit Auszeichnung abschloss. Am 6. Oktober 1904 trat er in den öffentlichen Dienst ein und wurde zunächst Mitarbeiter (Clerk Class I) in der Transportabteilung der Admiralität.[1] Im Februar 1912 wechselte er als Mitarbeiter (First Class Clerk) in den Gemeinsamen Ausschuss der Nationalen Krankenversicherung (National Health Insurance Joint Committee)[2] und danach im Mai 1912 Mitarbeiter (Junior Clerk) der Nationalen Krankenversicherungskommission (National Health Insurance Commission).[3] Während des Ersten Weltkrieges war er Leiter der Abteilung für die Beschlagnahmung von Schiffen im Schifffahrtsministerium und führte Verhandlungen mit den USA für ein neues Schiffbauprogramm. 1917 wurde er zudem Vertreter Großbritanniens im Alliierten Seetransportausschuss AMTC (Allied Maritime Transport Council), dem ferner Jean Monnet für Frankreich, Bernardo Attolico für Italien, George Rublee für die USA angehörten.

Salter wurde für seine Verdienste im Krieg am 31. Mai 1918 Companion des Order of the Bath (CB).[4] 1919 übernahm er die Funktion als Sekretär des Obersten Wirtschaftsrates (Supreme Economic Council), der am 8. Februar 1919 vom Alliierten Obersten Kriegsrat auf Anregung von US-Präsident Wilson anlässlich der Pariser Friedenskonferenz geschaffen wurde und die Aufgaben des Allied Maritime Transport Council, des Interalliierten Ernährungsrates (Inter-Allied Food Council), des Obersten Rates für Versorgung und Hilfen (Supreme Council of Supply and Relief) und des Obersten Blockaderates (Superior Blockade Council) verband. Danach wurde er Leiter der Wirtschafts- und Finanzabteilung im Sekretariat des Völkerbundes. In der Folgezeit befasste er sich mit der Stabilisierungen der Währungen in Österreich und Ungarn, aber auch mit Siedlungsmaßnahmen für Flüchtlinge in Griechenland und Bulgarien.

Am 4. Februar 1922 wurde Salter Kommandeur der französischen Ehrenlegion.[5] 1922 wurde ferner zum Knight Commander des Order of the Bath (KCB) geschlagen und führte fortan den Namenszusatz „Sir“.

Hochschullehrer, Unterhausabgeordneter und Juniorminister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Rückkehr nach Großbritannien arbeitete Salter als Journalist und Schriftsteller. 1932 wurde er Vorsitzender einer Konferenz zum Transport auf Straßen und Eisenbahnen, die sich mit den tatsächlichen Kosten und Förderungen für den Verkehr befasste und diese in einem nach ihm benannten Abschlussbericht (Salter Report) veröffentlichte. Darin wurde gefordert, die Förderung öffentlicher Straßen zu ändern, um der wachsenden Nachfrage durch Automobile und Straßengüterverkehr gerecht zu werden. Daneben forderte der Bericht sicherzustellen, dass Straßen und Eisenbahnen gleich reguliert wurden, um einen gerechten Wettbewerb zu ermöglichen. Nach einigen Liberalisierungen und zahlreichen Protesten von Transportgesellschaften führte die Regierung alles unmittelbares Ergebnis Frachtlizenzierungen und Straßenfonds ein, so dass Transportunternehmen die Kosten für das Straßennetz vollständig decken konnten.

1934 übernahm Salter die Gladstone-Professur für politische Theorien und Institutionen an der University of Oxford und wurde zudem Fellow am dortigen All Souls College.

Nach dem Rücktritt von Lord Hugh Cecil wurde Salter als Parteiloser bei einer Nachwahl (By-election) im Wahlkreis Oxford University gewählt[6] und konnte sich dabei mit 7.580 Stimmen (50,18 Prozent) gegen den Kandidaten der Conservative Party, Farquhar Buzzard (3.917 Stimmen, 25,93 Prozent) und den ebenfalls Parteilosen Frederick Alan Lindemann (3.608 Stimmen, 23,89 Prozent) durchsetzen. Er vertrat diesen Wahlkreis bis zur Auflösung des Wahlkreises am 23. Februar 1950.

In der von Premierminister Neville Chamberlain gebildeten Kriegsregierung übernahm er am 3. September 1939 sein erstes Regierungsamt als Parlamentarischer Sekretär im Schifffahrtsministerium (Parliamentary Secretary to the Ministry of Shipping). Er war damit engster Mitarbeiter der damaligen Schifffahrtsminister John Gilmour, 2. Baronet und danach von Robert Hudson. Das Amt des Parlamentarischen Staatssekretärs bekleidete er vom 10. Mai 1940 bis zum 1. Mai 1941 in der Kriegsregierung von Premierminister Winston Churchill und war als solcher engster Mitarbeiter von Schifffahrtsminister Ronald Cross. Nachdem das Schifffahrtsministerium und das Transportministerium am 1. Mai 1941 zum neuen Ministerium für Kriegstransportwesen (Ministry of War Transport) unter Minister Frederick Leathers zusammengefasst wurden, wurde er Parlamentarischer Sekretär im Ministerium für Kriegstransportwesen (Parliamentary Secretary to the Minister of War Transport). Er übte dieses Amt bis zum 4. Februar 1942 aus. 1941 wurde er auch Mitglied des Geheimen Kronrates (Privy Council) und 1944 Knight Grand Cross des Order of the British Empire (GBE).

Minister in der Nachkriegszeit und Oberhausmitglied[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Übergangsregierung von Premierminister Churchill bekleidete Salter vom 23. Mai bis zum 26. Juli 1945 das Amt als Kanzler des Herzogtums Lancaster (Chancellor of the Duchy of Lancaster). Nachdem Ronald Cross zum Crown Steward and Bailiff of the Manor of Northsteadernannt worden war[7][8], wurde er als Kandidat der Conservative Party bei einer Nachwahl im Wahlkreis Ormskirk am 5. April 1951 wieder zum Mitglied des Unterhauses gewählt und konnte sich dabei mit 24.190 Stimmen (71,47 Prozent) deutlich gegen seine Mitbewerber durchsetzen. Er vertrat diesen Wahlkreis bis zu seinem Mandatsverzicht am 16. Oktober 1953 im Unterhaus und wurde anschließend durch seinen Parteifreund Douglas Glover abgelöst, der die Nachwahl am 12. November 1953 gewonnen hatte.[9]

Nach dem Wahlsieg der konservativen Tories bei der Unterhauswahl vom 25. Oktober 1951 wurde Salter am 31. Oktober 1951 im dritten Kabinett Churchill zunächst Wirtschaftsminister (Minister of Economic Affairs). Zu seinen engsten Mitarbeitern gehörte sein damaliger Parlamentarischer Privatsekretär, Aubrey Jones. Am 24. November 1952 wurde dieses Ministeramt abgeschafft wurde und stattdessen die Funktion des Wirtschaftssekretärs im Schatzamt (Economic Secretary to the Treasury) eingerichtet, die von Reginald Maudling übernommen wurde. Er selbst übernahm daraufhin den Posten von Philip Cunliffe-Lister, 1. Viscount Swinton das Amt des Ministers für Materialien (Minister of Materials) und bekleidete dieses bis zu seiner Ablösung durch Frederick Marquis, 1. Viscount Woolton am 1. September 1953.

Nach seinem Ausscheiden aus Regierung und Unterhaus wurde Salter durch ein Letters Patent vom 16. Oktober 1953 als Baron Salter, of Kidlington in the County of Oxford, in den erblichen Adelsstand der Peerage of the United Kingdom erhoben.[10] Dadurch wurde er Mitglied des Oberhauses (House of Lords), dem er bis zu seinem Tode am 27. Juni 1975 angehörte. Da er ohne männliche Nachkommen verstarb, erlosch der Adelstitel mit seinem Tod.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Allied shipping control. An experiment in international administration, The Clarendon Press, H. Milford in Oxford, London, New York City, 1921
  • Political aspects of the world depression, Clarendon Press, Oxford, 1932
  • Recovery. The second effort, G. Bell, London, 1932
  • Modern mechanization and its effects on the structure of society, Oxford University Press, H. Milford, London, 1933
  • China and silver, Economic Forum, inc., New York City, 1934
  • The English speaking peoples and world peace, League for Political Education, New York City, 1936
  • World trade and its future, University of Pennsylvania Press, Philadelphia, 1936
  • The dual policy, Oxford University Press, H. Milford, London 1939
  • Foreign investment, Princeton University, Princeton, 1951
  • The united states of Europe and other papers, Reynal and Hitchcock, New York City, 1957
  • Memoirs of a public servant, Faber and Faber, London, 1961

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. London Gazette. Nr. 27729, HMSO, London, 1. November 1904, S. 7030 (PDF, abgerufen am 15. Oktober 2016, englisch).
  2. London Gazette. Nr. 28586, HMSO, London, 1. März 1912, S. 1570 (PDF, abgerufen am 15. Oktober 2016, englisch).
  3. London Gazette. Nr. 28614, HMSO, London, 4. Juni 1912, S. 4057 (PDF, abgerufen am 15. Oktober 2016, englisch).
  4. London Gazette (Supplement). Nr. 30723, HMSO, London, 31. Mai 1918, S. 6528 (PDF, abgerufen am 14. Oktober 2016, englisch).
  5. London Gazette. Nr. 32602, HMSO, London, 7. Februar 1922, S. 1079 (PDF, abgerufen am 15. Oktober 2016, englisch).
  6. London Gazette. Nr. 34376, HMSO, London, 2. März 1937, S. 1410 (PDF, abgerufen am 15. Oktober 2016, englisch).
  7. London Gazette. Nr. 39201, HMSO, London, 13. April 1951, S. 2067 (PDF, abgerufen am 15. Oktober 2016, englisch).
  8. Ronald Cross übernahm anschließend am 22. August 1951 das Amt als Gouverneur von Tasmanien.
  9. London Gazette. Nr. 40019, HMSO, London, 17. November 1953, S. 6171 (PDF, abgerufen am 15. Oktober 2016, englisch).
  10. London Gazette. Nr. 39988, HMSO, London, 16. Oktober 1953, S. 5498 (PDF, abgerufen am 15. Oktober 2016, englisch).
VorgängerAmtNachfolger
Titel neu geschaffenBaron Salter
1953–1975
Titel erloschen