Asilah

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Blick über Asilah - im Vordergrund ein islamischer Friedhof mit einem Marabout-Grab

Asilah oder Arzila (arabisch ‏أصيلة، أرزيلة‎), Arcila (spanisch) ist eine − in den letzten Jahren stark gewachsene − marokkanische Stadt mit etwa 40.000 Einwohnern − davon leben jedoch nur etwa 1000 in der Altstadt (Medina).

Lage[Bearbeiten]

Asilah liegt an der Atlantikküste, ca. 40 Kilometer südlich von Tanger in der Provinz Tanger-Asilah. Es ist über die Autobahn A 1 und die Nationalstraße N 1 gut zu erreichen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben spielt der Fischfang; der zu Beginn der 1990er Jahre ausgebaute Fischereihafen liegt nördlich von Asilah. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts spielt der Ort mit seinen schönen und weitläufigen Stränden im Norden eine immer größere Rolle für Touristen (Marokkaner und Europäer).

Stadtbeschreibung[Bearbeiten]

Die gut erhaltene Altstadt (arabisch: Medina) mit ihren südeuropäisch-mediterran anmutenden Häusern und Straßen wird von einer Stadtmauer mit Wehrtürmen umgeben, die noch aus portugiesischer Besatzungszeit (nach 1510) stammen. Ferner findet man den im maurischen Stil erbauten Palais Er-Raissouli aus dem Jahr 1909, der heute ein − häufig geschlossenes − Kulturinstitut beherbergt. Außerhalb der Medina steht eine ehemalige spanische Kirche aus der Protektoratszeit.

Ebenfalls am Meer liegt ein alter Friedhof, dessen weiß getünchte, teilweise auch gekachelte Gräber auf den ersten Blick wie kleine Häuser aussehen. Es gibt dort auch Heiligengräber (sogenannte Marabouts) von marokkanischen Sufis (islamische Mystiker), die noch heute von den Einheimischen besucht werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Der einzige Steinkreis Marokkos, der Steinkreis von M'zora, ist ein Relikt der Megalithkultur und befindet sich 11 km südöstlich von Asilah.

In der Antike befand sich etwa 15 km nördlich der heutigen Stadt Asilah die phönizische, später dann numidische Stadt Zilis (griechischer Name nach Claudius Ptolemäus). Als Colonia Iulia Zulil (Plinius der Ältere und Münzfunde) war sie eine römische Stadt der 42 n. Chr. eingerichteten Provinz Mauretania Tingitana.

Moschee
Katholische Kirche

Nach der Eroberung durch islamische Armeen um 700 wurde der Ort mehrfach von den Normannen belagert. Asilah war im 15. Jahrhundert der wichtigste Hafen für Fès, da die Häfen am Mittelmeer häufig von Flottenverbänden der iberischen Staaten angegriffen wurden. Die Portugiesen eroberten im Jahr 1471 den Landstrich und nutzten den Hafen von Asilah als Stützpunkt für ihre Erkundungs- und Handelsfahrten auf dem Seeweg nach Indien und für weitere Eroberungsbemühungen im Süden Marokkos. Im Jahre 1549 wurde die Stadt vom Saadier-Sultan Muhammad asch-Schaich zurückerobert.

„Arzilla“ (Braun und Hogenberg Civitates Orbis Terrarum, 1572)

Erneut besetzten Portugiesen die Stadt von 1577 bis 1580. 1577 landete hier der junge und träumerisch veranlagte portugiesische König Sebastian I. mit seinem Heer. Er wollte die Kreuzzugsidee wiederaufleben lassen, wurde jedoch ein Jahr später bei Ksar-el-Kebir vernichtend geschlagen. Sebastian selbst wurde getötet. Da er unverheiratet war und keinen Thronfolger hinterließ, wurde Portugal in der Folgezeit in Personalunion mit der spanischen Krone vereinigt (1580 bis 1640).

1691 eroberte der marokkanische Herrscher Mulai Ismail die Küstenregion um Asilah. Allerdings war Asilah im 18. und 19. Jahrhundert − mit Billigung der jeweiligen marokkanischen Herrscher − ein Piratenstützpunkt und wurde deshalb 1829 von österreichischen Schiffen beschossen. 1836 attackierten US-Kriegsschiffe Marokko auf ähnliche Weise. Nun wurde die Piraterie durch Abd ar-Rahman unterbunden.

Turm der Stadtmauer

Anfang des 20. Jahrhunderts ließ sich der Stammesführer Ahmed ben Mohammed el-Raisuli in der Stadt nieder und machte sie zu seinem Hauptquartier. 1906 ließ er sich dort sogar zum 'Pascha von Asilah' ausrufen. Die USA nötigten unter Einsatz von Kanonenbooten Marokko dazu, sämtlichen Forderungen des Ahmed ben Mohammed el-Raisuli nachzugeben, um die Freilassung des angeblichen US-Bürgers Ion Perdicaris zu erwirken, der in Tanger entführt worden war. Mit der Entführung des Griechen Perdicaris verlangte er, die Unterdrückung des Rifs zu beenden, alle gefangenen Stammesangehörigen freizulassen, ihm 70.000 Dollar in Gold zu zahlen und ihn als Pascha anzuerkennen. 1907 setzte er durch eine weitere Entführung durch, dass er als „Protected Subject“ Großbritanniens ausschließlich der britischen Gerichtsbarkeit unterlag. Von Mulai Abd al-Hafiz wurde Raisuli zum Gouverneur der Nord-West-Provinzen ernannt. 1909 ernannten die Spanier ihn zwar zum Pascha von Asilah und Jebala, dem Westteil des späteren spanischen Protektorats, doch General Miguel Fernández Silvestre, der Befehlshaber von Larache, unterminierte seine Autorität. Von 1912 bis 1956 gehörte Asilah zu Spanisch-Marokko. 1924 wurde Raisuli von Widerstandskämpfern gegen die Kolonialherrschaft um Abd el-Krim gefangengenommen.

Kultur[Bearbeiten]

Datei:Asilah, Wandbild 2.jpg
Wandbild eines marokkanischen Künstlers (2010)

Im Jahr 1978 wurde in Asilah ein internationales Kulturfestival (Moussem Culturel d'Asilah) gegründet, das seitdem alljährlich im August stattfindet und zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland anzieht. Zum Programm gehören Konzert-, Theater- und Tanzveranstaltungen sowie Filmvorführungen, Dichterlesungen und Kunstausstellungen. Im Rahmen dieser Veranstaltung werden auch einige Hausfassaden − meist von marokkanischen Künstlern − mit Bildern bemalt, die dann ein oder zwei Jahre zu sehen sind.

Seit 1989 wird alle zwei Jahre der Tchicaya-U-Tam'si-Preis verliehen; ein Preis für afrikanische Dichtung, benannt nach dem kongolesischen Schriftsteller Tchicaya-U-Tam'si. Mittlerweile wird Asilah von einigen Autoren als die Hauptstadt der afrikanischen und arabischen Schriftsteller betrachtet.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit August 2006 ist besteht eine Partnerschaft zwischen Asilah und Sintra in Portugal.

Umgebung[Bearbeiten]

Der megalithzeitliche Steinkreis von M'zora liegt in den Hügeln zwischen Asilah und Larache.

Siehe auch[Bearbeiten]

Ältere Städte an der Atlantikküste Marokkos mit zeitweiligem portugiesischen bzw. spanischen Geschichtshintergrund sind: Tanger, Larache, Casablanca, El Jadida, Safi, Essaouira, Agadir und Sidi Ifni; daneben auch Ceuta und Melilla an der Mittelmeerküste.

Literatur[Bearbeiten]

  • Arnold Betten: Marokko. Antike, Berbertraditionen und Islam − Geschichte , Kunst und Kultur im Maghreb. DuMont, Ostfildern 2009, S. 217ff ISBN 978-3-7701-3935-4
  • Ingeborg Lehmann, Rita Henss u. a.: Marokko. Baedeker-Verlag, Ostfildern 2010, S. 187ff ISBN 978-3-8297-1251-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Asilah – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

35.47-6.0330555555556Koordinaten: 35° 28′ N, 6° 2′ W