Mulai Abd ar-Rahman

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Mulai Abd ar-Rahman (1859)
Eugène Delacroix – Sultan Abd ar-Rahman empfängt den französischen Botschafter vor den Toren von Meknès

Mulai Abd ar-Rahman (arabisch مولاي عبد الرحمن, DMG Mūlāy ʿAbd al-Raḥmān) (* 1778 in Marrakesch [Geburtsort und -jahr sind umstritten]; † 1859 in Meknès) war von 1822 bis zu seinem Tod Sultan der Alawiden in Marokko.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mulai Abd ar-Rahman trat im Jahr 1822 die Nachfolge seines Onkels Mulai Sulaiman (reg. 1798–1822) an. Nach der Befriedung der Bruderschaften und der Marabuts begann er den Ausbau der Reichsverwaltung. Infolge dessen wurde die Kontrolle der Berberstämme im Atlasgebirge und in Südmarokko verstärkt. Mehrere Aufstände gegen diese zunehmende Einbindung in den Staat konnten unterdrückt werden. Um sich die Unterstützung der Bevölkerung für seine Politik zu sichern, mussten allerdings die muslimischen Bruderschaften gefördert werden, die großen Einfluss auf die einfache Bevölkerung und die Stämme hatten.

Während im Inneren die noch schwache Zentralregierung (makhzen) ausgebaut wurde, erlitt Abd ar-Rahman in der Außenpolitik Rückschläge. Um ausbleibende Steuereinnahmen auszugleichen versuchte der Sultan den internationalen Handel neu zu beleben, der von seinem Vorgänger ausgesetzt worden war, und schloss mehrere Handelsabkommen mit europäischen Nationen. Er entschied sich aber auch, die einträgliche Institution der Piraterie der Barbaresken-Korsaren wieder zu gestatten, was zur militärischen Konfrontation mit den europäischen Handelsmächten führte. So errichteten die Briten im Jahr 1828 eine Blockade des Hafens von Tanger, ein Jahr später wurden die Atlantikhäfen Larache, Arzila und Tétouan von der österreichischen Flotte bombardiert, erst danach wurde die Piraterie durch Abd ar-Rahman unterbunden. Die letzte militärische Vergeltungsaktion aufgrund von Piraterie erfolgte im Jahr 1851 gegen die Stadt Salé.

Zu einer weiteren Konfrontation kam es mit Frankreich, das im Jahr 1830 das benachbarte Algerien besetzt hatte und dort auf den Widerstand von Abd al-Qadir stieß, der von Marokko unterstützt wurde. Als die Spannungen in einem Krieg eskalierten, wurde das marokkanische Heer am 14. August 1844 am Fluss Isly von den französischen Truppen vernichtend geschlagen. Marokko musste die Hilfe für Abd al-Qadir einstellen und der Festlegung der Grenzen zu Algerien zustimmen.

Im Jahr 1856 gründete Mulai Abd al-Rahman den Souk von Zraqten an der Nordseite des Hohen Atlas gelegen, und erweiterte sein Territorium im Süden um die von den Glaouis, einer trgional bedeutenden Stammes-Dynastie, kontrollierten Gebiete.Hierdurch gelang es ihm sowohl den lokalen Handel wie auch die aus der Sahara und Tafilalet kommenden Karawanen zu besteuern.

Trotz einiger Rückschläge gelang es Abd ar-Rahman die Zentralmacht des Sultans zu festigen, wie auch den Einfluss der europäischen Mächte auf das Alawidenreich zu begrenzen. Nachfolger wurde sein Sohn Sidi Muhammad IV. (1859–1873).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jean Brignon u. a.: Histoire du Maroc. Librairie Nationale Casablanca 1994.
  • Richard Pennell: Morocco Since 1830. A History. Hurst, London 2000, ISBN 1-85065-426-3.
  • Moulay Abderrahmane in: Bernard Lugan: Histoire du Maroc : Des origines à nos jours. Ellipses 2011, ISBN 978-2729863524, S. 201–210.
  • Issa Babana El Alaoui: Moulay Abderrahmane (1822-1859). In: Histoire de la dynastie régnante au Maroc. Paris, Fabert, 2008, ISBN 978-2849220504, S. 81–86