Mulai Ismail

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Moulay Ismail – Illustration aus John Windus' Reise nach Mequinetz, der Residentz des heutigen Käysers von Fetz und Marocco, Hannover 1726
Sarg mit Schutzgitter (maqṣūra) von Mulai Ismail in Meknès. Der Grabbau (qubba) wurde wohl zu Lebzeiten begonnen und in den 1950er Jahren renoviert.

Mulai Ismail oder Moulay Ismail (arabisch ‏مولاي إسماعيل ‎, DMG Mūlāy ʾIsmāʿīl), mit vollem Namen Moulay Ismaïl Ibn Chérif (arabisch ‏مولاي إسماعيل بن الشريف ابن النصر‎, * um 1645 in Sijilmassa; † 22. März 1727 in Meknès) war der zweite Sultan der bis heute regierenden Alawiden-Dynastie von Marokko.

Leben[Bearbeiten]

Moulay Ismail herrschte von 1672 bis 1727, nachdem sein älterer Halbbruder und Vorgänger Mulai ar-Raschid Marokko vereinigt und die Dila-Bruderschaft besiegt hatte. Er musste mehrere Revolten seiner Verwandtschaft und oppositioneller Stämme niederschlagen, bevor er sich dem Ausbau des Reiches widmen konnte.

Er strukturierte das Militärwesen neu und schuf ein Heer aus etwa 40.000 sudanesischen Sklaven. Mit dieser Armee gelang es ihm, die verschiedenen Berber- und Beduinenstämme, die dem von ihm forcierten Einheitsstaat entgegenstanden, in Schach zu halten. Außerdem eroberte er den englischen Stützpunkt Tanger (1684) und die spanischen bei Larache (1689) und Asilah sowie die dortige Küstenregion (1691). Um seine religiöse Autorität zu festigen, ließ er 1691 den Wallfahrtskult der Sieben Heiligen von Marrakesch ins Leben rufen.

Durch die Befriedung des Reiches kam es zum Wirtschaftsaufschwung. Besonders gefördert wurde der Handel mit Europa, wobei zunächst Frankreich, später aber Britannien der bevorzugte Handelspartner war.

Zeitgenossen behaupten, dass er mit 500 Frauen nicht weniger als 888 Kinder gezeugt haben soll.[1] Wie Ahmad al-Mansur (1578–1603) hatte auch Moulay Ismail keine Bestimmungen für die Thronfolge getroffen. So brachen nach seinem Tod heftige Machtkämpfe zwischen seinen sieben Söhnen aus, die zum Zusammenbruch des von Ismail geschaffenen Einheitsstaates und zur Anomie führten. Hauptstadt des Reiches wurde wieder Fes. Erst unter Mulai Muhammad (1757–1790) gelang erneut die Befriedung des Landes.

Heute liegen seine sterblichen Überreste im Mausoleum von Moulay Ismail in Meknès, das auch von Nicht-Muslimen besichtigt werden darf.

Charakter[Bearbeiten]

Mulai Ismail trug den Spitznamen „Mulai Ismail der Blutige“. Alle Europäer, die ihn kennengelernt hatten, beschrieben ihn als einen grausamen, sadistischen, unberechenbaren und ungezügelten Herrscher, der darauf aus war, Angst und Schrecken zu verbreiten. Er sprach willkürlich Todesurteile aus und wenn ihm danach war, vollzog er sie auch selbst. Die Farbe seiner Kleidung spiegelte seine jeweilige Stimmung wider: Gelb war seine „Tötungsfarbe“, in der er Hinrichtungen anordnete.

Das Bab Mansour in Meknès war ein Teil der unvollendet gebliebenen Palaststadt Moulay Ismails.

Bauten[Bearbeiten]

Der wirtschaftliche Wohlstand des Alawidenreichs ermöglichte eine umfangreiche Bautätigkeit. Neben der Befestigung von Städten und der Verlagerung der Hauptstadt von Fès nach Meknès, ließ er dort eine Palastanlage von gigantischem Ausmaß errichten. Windus und Stuart (siehe unten) beschreiben die Anlage als größer als die von Versailles. Die Arbeitskräfte dafür stellten tausende von weißen Sklaven aus allen Teilen Europas und Nordamerikas, die unter entsetzlichen Bedingungen schuften mussten. Die hohen Ausfälle wurden durch neue Raubzüge der Korsaren aus Salé ergänzt. Die beiden Briten Windus und Stuart konnten 293 britische Sklaven loskaufen und nach Hause bringen.[2]

Die Palastanlage Mulai Ismails wurde im Jahr 1755 beim Erdbeben von Lissabon zerstört. Sein Mausoleum sowie Teile seiner imperialen Architektur, darunter die Stadt- und Palastmauern mit dem Tor Bab Mansour oder die Speicherbauten und Stallungen des Heri es-Souani, sind jedoch bis heute erhalten geblieben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dominique Busnot: The History of the Reign of Muley Ismael, the present king of Morocco, Fez, Tafilet, Sous &c. A. Bell u. a., London 1715.
  • Stephan Ronart, Nandy Ronart: Lexikon der Arabischen Welt. Ein historisch-politisches Nachschlagewerk. Artemis Verlag, Zürich u. a. 1972, ISBN 3-7608-0138-2.
  • John Windus: Reise nach Mequinetz Der Residentz des heutigen Käysers von Fetz und Marocco. Welche der Herr Commandeur, Carl Stuart, als Groß-Britannischer Gesandter, Anno 1721. Zu Erledigung der dortigen Gefangenen abgelegt hat. Nicolaus Förster und Sohn, Hannover 1726 (deutsche Erstausgabe von Windus' A Journey to Mequinez. The Residence of the Present Emperor Of Fez and Morocco. On The Occasion of Commodore Stewart's Embassy thither for the Redemption of the British Captives in the Year 1721. Jacob Tonson, London 1725).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Giles Milton. Dort auch weitere Literatur
  2. Giles Milton: Weißes Gold. Die außergewöhnliche Geschichte von Thomas Pellow und das Schicksal weißer Sklaven in Afrika. Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3806222470