Auguststraße (Berlin)

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Auguststraße
Wappen
Straße in Berlin
Auguststraße
Blick in Richtung Oranienburger Straße
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte
Angelegt vor dem 19. Jahrhundert
Hist. Namen Armesünder Gasse,
Armengasse,
Hospitalstraße
Querstraßen Oranienburger Straße (westlich),
Tucholskystraße,
Koppenstraße,
Große Hamburger Straße,
Gipsstraße,
Kleine Auguststraße,
Joachimstraße,
Kleine Rosenthaler Straße (östlich)
Plätze Koppenplatz
Bauwerke Ausgewählte Bauwerke
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr
Technische Daten
Straßenlänge 950 Meter

Die Auguststraße ist eine rund 950 Meter lange Straße im Berliner Bezirk Mitte.

Die Auguststraße verläuft in West-Ost-Richtung durch die hier oft fälschlich Scheunenviertel genannte Spandauer Vorstadt (das Scheunenviertel beginnt tatsächlich erst östlich der Rosenthaler Straße). Zahlreiche Bauten an der Auguststraße gehören zum denkmalgeschützten Bauwerksensemble Spandauer Vorstadt.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Ausbau von Alt-Berlin ab dem 18. Jahrhundert entstanden vor der eigentlichen Stadtmauer weitere Verkehrswege. Die 1863 in Auguststraße umbenannte Straße trug zuvor die Bezeichnungen Armesünder Gasse (1708–1723), Armen Gasse (1723–1739) und Hospitalstraße (1739–1833). Ihren Namen nach August, Prinz von Preußen und Militärangehöriger, vergab der Polizeipräsident von Berlin am 1. Juli 1833. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts verschwanden die vorherigen niedrigen Fachwerkbauten und neue, mehrgeschossige Mietswohnhäuser wurden errichtet. Hierher zogen meist jüdische Familien und prägten das gesamte Wohnviertel. Bis zum Holocaust in den 1930er Jahren blieb das so. In der Straße befanden sich ein jüdisches Krankenhaus (Hausnummer 14–16) und eine jüdische Mädchenschule (11–13).[2] An die schlimme Zeit der Deportationen in der NS-Zeit erinnern inzwischen neun Stolpersteine in dieser Straße.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren einige Häuser beschädigt oder zerstört, diese konnten schrittweise repariert oder wieder aufgebaut werden. In den folgenden Jahren der DDR unterblieben Reparaturen oder gar Sanierungen, weil vor allem die Eigentumsverhältnisse unklar waren, aber auch die Finanzen der kommunalen Wohnungsverwaltungen knapp. So wurde die Auguststraße vor allem nach dem Mauerfall Ziel von Hausbesetzern. Außerdem etablierten sich hier Einrichtungen, die unter Touristen und Einheimischen als Kult galten wie die Kunst-Werke (in einer ehemaligen Margarinefabrik). Galeristen mieteten verlassene Gewerbeobjekte, beispielsweise wurde in einer früheren Wäscherei die Kunstgalerie Eigen-Art eröffnet. Nach der Wende, Ende der 1990er Jahre setzte eine umfangreiche Sanierung und Modernisierung reprivatisierter Wohngebäude ein. Doch die meisten Häuser gehören zum Bestand der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte, die häufig Um- und Zwischennutzungen durch neue Mieter genehmigte.[3]

Die Altbauten erhielten neue Stuckfassaden, angelehnt an die historischen Gebäude, aber meist erfolgte im Inneren eine Neuaufteilung, weil die Ausstattung der Wohnungen und die Raumgrößen nicht den aktuellen Vorstellungen entsprachen. Auch DDR-typische Plattenbauten sind erhalten und modernisiert.

Die Erdgeschossbereiche wurden schnell zu einer regelrechten Kunstmeile, bis zum Jahr 2014 waren hier sechzig Kunstgalerien verzeichnet. Aufgrund der rasch steigenden Mieten gibt es jedoch einen stetigen Wechsel der Nutzer.[3] Alle zwei Jahre wird die Auguststraße zum Zentrum der Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst.

Ausgewählte Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Höhe der Auguststraße 9 findet sich ein Zugang zu den Heckmann-Höfen, die sich bis zur Oranienburger Straße erstrecken.

Häuser 11/13: Ehemalige Jüdische Mädchenschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mädchenschule wurde 1927–1930 nach Plänen von Alexander Beer „...im Geiste moderner Voksschulpädagogik“ gebaut und von der jüdischen Gemeinde genutzt. Im Jahr 1942 ließen die Nationalsozialisten die Schule schließen. In den letzten Jahren des Dritten Reiches diente das Gebäude als Krankenhaus.[4]

Während der DDR-Zeit beherbergte das Gebäude die Bertolt-Brecht-Schule, bis es nach der politischen Wende an die Jewish Claims Conference übergeben wurde, die es wiederum nach langem Leerstand im Oktober 2009 an die jüdische Gemeinde Berlin zurückgab. Anfang 2011 schloss diese einen langfristigen Mietvertrag mit den Galeristen Michael Fuchs und Partner zur kulturellen und gastronomischen Nutzung des Gebäudes,[5] das nach denkmalgerechter Sanierung 2012 neu eröffnet wurde.[6][3] Neben der Galerie Michael Fuchs haben sich (mit Stand vom Mai 2016) folgende Einrichtungen eingemietet: Grüntuch Ernst LAB, CWC Gallery, Mogg & Melzer, Museum The Kennedys. Auf allen Etagen finden seitdem Ausstellungen statt, im Erdgeschoss eröffnete ein Grill-Restaurant, das sich guter Nachfrage erfreut.[3]

Häuser 14/16: Ehemaliges Jüdisches Krankenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude entstand 1858–1861 nach Plänen und unter Leitung des Architekten Eduard Knoblauch. Das als Krankenhaus angelegte Bauwerk nahm im September 1861 erste Patienten auf. Da jedoch in der Nachbarschaft das St. Hedwig-Krankenhaus bestand und sich kontinuierlich vergrößerte, wurde der Komplex umgenutzt. Es diente bald als Unterkunft für eingewanderte osteuropäische Juden und wurde ab 1922 zum Kinderheim „Beit Ahawah“. Da während der NS-Herrschaft die meisten Kinder emigrierten, wurden von den Behörden hier bis 1941 Waisen einquartiert. Schließlich dienten die Räumlichkeiten noch bis zum Ende des Krieges als Sammellager für alte und kranke jüdische Menschen, die von hier aus in die Konzentrationslager deportiert wurden. Zur Geschichte des Hauses entstand der Dokumentarfilm Das Kinderheim in der Auguststraße.

Bis 1983 befand sich in diesem Gebäude die Erweiterte Oberschule „Max Planck“. Das dreistöckige Vorderhaus steht leer, die Fenster sind vernagelt. Das gesamte Bauwerk wird jedoch bewacht.

Haus Nummer 21: Schulgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auguststraße 21

Der Winkelbau beherbergte zwischen 1999 und 2010 das kommunale Kulturhaus Mitte, das zuvor in der Rosenthaler Straße 51 seinen Sitz hatte.[7][8]

Im Jahr 2011 zog ein Teil einer Grundschule hier ein, die als Grundschule am Koppenplatz Berlin, Standort Auguststraße geführt wird. Die Ostfassade dieses Seitenflügels ist ausdrucksvoll in Backstein ausgeführt und zeigt einen schön restaurierten Mosaikfries unterhalb der Traufe (vom Gelände des St. Hedwig-Krankenhauses zu sehen). Im Vorderhaus, direkt an der Augustraße haben sich die Galerie Weißer Elefant, ein Refugium und das Kinderatelier Farbklang eingemietet (Stand Mai 2016).

Häuser 24/25: Clärchens Ballhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Clärchens Ballhaus in Höhe der Kleinen Hamburger Straße

In einem von der Häuserflucht zurückgesetzten Gründerzeitbau eröffnete 1913 das Tanzlokal Clärchens Ballhaus. Das Hofgebäude samt dem Mietswohnhaus an der Straße entstand um 1895. Als Attraktion dient ein Spiegelsaal, der regelmäßig für Konzerte genutzt wird.[9]

Haus Nummer 68[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hier zeigt der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Wella AG Thomas Olbricht im me Collectors Room Berlin seine Kunst- und Raritätensammlung.[10]

Haus Nummer 75[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Auguststraße (Berlin-Mitte) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Baudenkmale Spandauer Vorstadt
  2. Thomas Lackmann: Tropfsteinhöhle des Vergessens. In: Tagesspiegel. 21. März 2006.
  3. a b c d e Ingeborg Ruthe: Spielort der Kunstverliebten. In: Berliner Zeitung, 2./3. Oktober 2014.
  4. Geschichte der Jüdischen Mädchenschule entsprechend der Gedenktafel am Haus.
  5. Marcus Woeller: Neue Nutzung der jüdischen Mädchenschule. In: artnet. 10. Januar 2011.
  6. Jüdische Mädchenschule eröffnet. Bei: n-tv.de, 9. Februar 2012
  7. Kulturhaus Mitte seit Dezember 2010 geschlossen; abgerufen am 15. Juni 2016.
  8. Kulturhaus Mitte (Memento vom 10. Februar 2010 im Internet Archive)
  9. Information zu den Sonntagskonzerten in Clärchens Ballhaus gemäß am Eingang aushängender Plakate; Stand Mai 2016.
  10. Tobias Timm: Schrumpfkopf und Mainzelmännchen. In: Die Zeit. Nr. 18, 29. April 2010.
  11. Homepage der Alfred-Ehrhardt-Stiftung, abgerufen am 15. Juni 2016.

Koordinaten: 52° 31′ 37″ N, 13° 23′ 48″ O