Baffininsel

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Baffin-Insel (Qikiqtaaluk)
Baffin Island, Baffinland
Satellitenbild der Insel
Satellitenbild der Insel
Gewässer Arktischer Ozean
Atlantischer Ozean
Geographische Lage 69° N, 72° WKoordinaten: 69° N, 72° W
Lage von Baffin-Insel (Qikiqtaaluk) Baffin Island, Baffinland
Länge 1 600 km
Breite 700 km
Fläche 507.451 km²
Höchste Erhebung Mount Odin
2147 m
Einwohner 11.855 (10. Mai 2011)
<1 Einw./km²
Hauptort Iqaluit
Nordostküste der Baffin-Insel aus 11.500 Metern Höhe
Nordostküste der Baffin-Insel
aus 11.500 Metern Höhe

Die Baffininsel, auch Baffinland, (englisch Baffin Island, Inuktitut Qikiqtaaluk) ist die größte Insel des Kanadisch-Arktischen Archipels. Mit einer Ausdehnung von 507.451 km², etwa 1600 km Länge und zwischen 200 und 700 km Breite ist sie die fünftgrößte Insel der Erde.

Topografische Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gletscherzunge im Sam Ford Fjord an der Ostküste der Baffininsel
Mount Odin, höchster Berg der Baffin-Insel

Die zum Gebiet des kanadischen Territoriums Nunavut gehörende Baffininsel liegt nördlich der Provinz Québec und westlich von Grönland. Der geringste Abstand zum kanadischen Festland besteht gegenüber der Melville-Halbinsel, von der die Baffininsel nur durch die schmale, an ihrer engsten Stelle etwa 15 km breiten Fury-und-Hecla-Straße getrennt ist.

Die Nordostseite der Insel ist überwiegend gebirgig (Arktische Kordillere) und stark vergletschert. Die im Südosten gelegene Penny-Eiskappe, ein Relikt der letzten Eiszeit und Teil des Auyuittuq-Nationalparks, erhebt sich bis auf knapp 2100 m Höhe. Der Westen und der Nordwesten bestehen aus glazial geformtem Tiefland mit den typischen abgeschliffenen Felshöckern des kanadischen Schilds und sind von Gletscherschuttflächen und Tundren bedeckt.

Die Baffininsel ist stark zerklüftet und zeigt durch ihre zahlreichen Buchten, Meeresarme, Fjorde und Halbinseln einen unverkennbaren Umriss: Im Norden ist die Brodeur-Halbinsel durch einen langgezogenen Meeresarm, gebildet aus Admiralty Inlet mit anhängendem Berlinguet Inlet, einerseits und eine tief ins Inselinnere dringende Meeresbucht, die Bernier Bay, andererseits fast ganz von der eigentlichen Insel getrennt. Die gebirgige Südostküste ist durch zahlreiche Fjorde geprägt. Im Südwesten führt eine ähnlich schmale Landbrücke zur Foxehalbinsel, und im Süden wird die Meta-Incognita-Halbinsel durch die Frobisher-Bucht geformt. Der breite und tief einschneidende Cumberland Sound und der Nettilling Lake gestalten auch das am Polarkreis gelegene südliche Zentrum der Insel zu einer Landenge.

Bewohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inuit-Camp im Sylvia-Grinnell-Territorialpark bei Iqaluit

Die Baffininsel ist Teil der Nunavut-Region Qikiqtaaluk (Baffin). Auf der Insel selbst leben 13.768 Menschen (Stand Zensus 10. Mai 2011), überwiegend Inuit, in sechs an den Küsten gelegenen Inuit-Siedlungen. Iqaluit, die Hauptstadt des am 1. April 1999 gebildeten Territoriums Nunavut, liegt im Südosten. Auf unmittelbar vorgelagerten kleinen Inseln befinden sich zwei weitere Siedlungen: Cape Dorset im Südwesten und Qikiqtarjuaq im Osten.

Bei den Inuit auf der Baffininsel handelt es sich um Nachkommen der Thule-Menschen. Im Norden lebt der Stamm der Iglulik, an der Ostküste leben die südlichen Baffininsel-Inuit, die mit denen in Labrador verwandt sind.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Tanfield Valley im Südwesten der Baffininsel fand die kanadische Archäologin Patricia Sutherland 2012 Überreste europäischer Ratten sowie Wetzsteine mit mikroskopischen Fragmenten von Metallen, Garn aus Schafwolle und andere Artefakte, die denen der Wikinger auf Grönland ähneln sollen. Sie nimmt an, dass es sich um eine Handelsstation der Wikinger um 1300 handelte. Allerdings wurden einige der Objekte mittels Radiokarbonmethode auf frühere Jahrhunderte datiert; sie könnten also auch im Rahmen früherer Handelsbeziehungen dorthin gelangt sein. Andere Experten bezweifeln die Deutung der Artefakte insgesamt; sie halten den Ort für eine Niederlassung der Dorset-Kultur. Auch im Canadian Museum of Civilization in Gatineau (Quebec) soll sich laut Sutherland Garn aus Schafwolle befinden, das man dort für Tiersehnen hielt. Bereits früher hatte der US-Archäologe Moreau Maxwell[1] im Tanfield Valley eine Hausruine aus Stein und Grassoden mit runenähnlichen Zeichen entdeckt.[2]

Der Inuit Kalicho, der mit zwei anderen nach London verschleppt wurde

Nach dieser Zeit kam es 1576 und 1577 zu ersten Kontakten und Konflikten der Inuit im Südosten der Insel mit den Expeditionen des Engländers Martin Frobisher, der drei Inuit – ein Mann, eine Frau und ihr Kind – gewaltsam nach England verschleppte. Sie starben kurz nach ihrer Ankunft in England.[3] Spuren dieser Expeditionen wurden in den 1860er Jahren an der Frobisher-Bucht von Charles Francis Hall gefunden. Im 18. Jahrhundert entwickelten sich sporadische Handelskontakte zwischen Europäern und südlichen Baffininsel-Inuit. Nach 1820 begegneten Walfängern den Inuit auch im Norden der Insel. Der nun ständige Kontakt erhöhte die Abhängigkeit von europäischen Händlern. Nachdem der Walfang im 20. Jahrhundert reduziert wurde, gingen die Inuit zur Fuchsjagd über, um ihre Bedürfnisse durch den Pelzhandel zu decken. In den 1950er Jahren kam es zu Zwangsumsiedlungen nach Iqaluit.[4]

Gemeinden im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM | WikiMap

Name Bevölkerung
Zensus
10. Mai 2011
Koordinaten
Iqaluit (Frobisher Bay) 6.699 63° 44′ 55″ N, 68° 31′ 11″ W
Pond Inlet (Mittimatalik) 1.549 72° 41′ 57″ N, 77° 57′ 53″ W
Pangnirtung (Panniqtuuq) 1.425 66° 8′ 52″ N, 65° 41′ 58″ W
Cape Dorset (Kinngait) 1) 1.363 64° 13′ 48″ N, 76° 31′ 36″ W
Clyde River (Kanngiqtugaapik) 934 70° 28′ 26″ N, 68° 35′ 10″ W
Arctic Bay (Ikpiarjuk) 823 73° 2′ 11″ N, 85° 9′ 9″ W
Qikiqtarjuaq (Broughton Island) 1) 520 67° 33′ 29″ N, 64° 1′ 29″ W
Kimmirut (Lake Harbour) 455 62° 50′ 53″ N, 69° 52′ 28″ W

1) Die Siedlungen Cape Dorset und Qikiqtarjuaq liegen strenggenommen nicht auf der Baffininsel selber, sondern auf den küstennahen Nebeninseln Dorset Island und Broughton Island. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache beträgt die Gesamtbevölkerung der Baffininsel (Stand Volkszählung vom 10. Mai 2011) nicht 13.768, sondern nur 11.855.

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arktisches Erdhörnchen (Inuktitut: Siksik)

Auf der Baffininsel ist eine Vielzahl arktischer Tierarten heimisch: vor allem der Eisbär, das Barrenland-Karibu, der Polarfuchs, der Polarhase und der Schneehase, ferner Hermeline, Wiesel, Erdhörnchen (Ziesel) und Lemminge.

An den Küsten der Insel leben viele Meeressäuger: der Grönlandwal, der Weißwal (Belugawal), der Narwal, verschiedene Robbenarten wie Ringelrobben, Bartrobben und Walrosse. An Fischen kommen in den Fjorden und Buchten vor allem Seesaiblinge vor.

Während der Frühlings- und Sommerwochen zwischen Juni und August herrscht großer Reichtum an hier brütenden See- und Landvogelarten, darunter Greifvögel wie Gerfalken und Wanderfalken, Wasservögel wie Polar-, Thayer- und Eismöwen, Eiderenten und Kanadagänse, außerdem auch Schneehühner, Spornammern und Schneeammern. Ganzjährig sind u. a. der Kolkrabe und die Schnee-Eule anzutreffen.

Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weißblütiges Zwerg-Weidenröschen

Auf ehemaligen Gletschergründen haben sich Bodenkrumen gebildet, auf denen sich außer Flechten und Moosen auch Kissen von Stängellosem Leimkraut, einigen Steinbrechgewächsen, Arktischem Mohn und Silberwurz entwickelt haben. In Sandecken wachsen Grasbüschel und niedrige Sträucher wie Zwergbirken, Weidengewächse und Heidekrautgewächse. An den mit den üblichen Tundraböden versehenen Meeresbuchten und entlang den Küstenlinien gedeiht nahezu die ganze Arktische Flora und auch manche seltene Pflanzenart wie etwa eine weiß blühende Unterart des Zwerg-Weidenröschens; allein im Auyuittuq-Nationalpark wurden bislang 112 höhere Blütenpflanzenarten, 129 Moosarten und 97 verschiedene Flechten katalogisiert.

Bodenschätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden der Baffininsel wurden Vorkommen von Blei und Zink entdeckt (Bergbausiedlung Nanisivik; inzwischen aufgegeben).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Baffin-Insel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Moreau S. Maxwell: Prehistory of the eastern Arctic. Orlando FL 1985.
  2. Andrew Hamilton: The Medieval Norse on Baffin Island. In: Counter-currents Publishing, 2013.
  3. Renée Fosset: In Order to Live Untroubled: Inuit of the Central Arctic 1550-1940. Univ. of Manitoba Press, 2001.
  4. Baffin Island Inuit (englisch, französisch) In: The Canadian Encyclopedia. Abgerufen am 28. Juli 2019.