Bahnhof Gamburg

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Gamburg
Bahnhof Gamburg
Bahnhof Gamburg
Daten
Bauform Durchgangsbahnhof, Kreuzungsbahnhof
Bahnsteiggleise 2
Abkürzung TGAM
IBNR 8002177
Eröffnung 1868
Lage
Stadt/Gemeinde Werbach
Ort/Ortsteil Gamburg
Land Baden-Württemberg
Staat Deutschland
Koordinaten 49° 41′ 53″ N, 9° 35′ 44″ OKoordinaten: 49° 41′ 53″ N, 9° 35′ 44″ O
Höhe (SO) 168,6 m
Eisenbahnstrecken

Taubertalbahn

Bahnhöfe in Baden-Württemberg
i16i18

Die Dienststelle Bahnhof Gamburg,[1] im Fahplanverzeichnis auch Bahnhof Gamburg (Tauber), liegt an der Taubertalbahn zwischen den Bahnhöfen Tauberbischofsheim und Wertheim. Die normalspurige Bahnstrecke ist eingleisig und nicht elektrifiziert. Sie verläuft entlang der Tauber. Der Bahnhof befindet sich am Ortsrand von Gamburg, einem Ortsteil der Gemeinde Werbach, im Main-Tauber-Kreis, in Baden-Württemberg.

Bei den deutschen Bahnen war der „Bahnhof“ einerseits eine Begrifflichkeit aus dem behördlichen Organisationsgefüge. In diesem Sinne war der „Bahnhof“ als Dienststelle eine unmittelbare Bundesbehörde. Diese Stelle wurde von einem Dienststellenleiter geführt, einem Beamten mit polizeilichen Befugnissen. Insofern gibt es den Begriff „Bahnhof“ nach der Auflösung der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Reichsbahn nur noch im betrieblichen Sinne der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO). Kommerzielle, technische und betriebliche Aufgaben sind heute in verschiedenen Händen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Einfahrsignal A in km 18,452 bis Einfahrsignal F in km 19,727.

Nach den Ausfahrsignalen N 1 und N 2 Richtung Wertheim folgt unmittelbar ein Tunnel von km 19,263 bis 19,464. Nach der Weiche 1 Richtung Tauberbischofsheim kommt die Bahnbrücke von km 18,834 bis 18,893 mit drei Öffnungen über die Landesstraße L 506 und die Tauber. Das durchgehende Hauptgleis 1 hat 221 m Nutzlänge, das Gleis 2 hat 200 m Nutzlänge, die Bahnsteiglänge beträgt 115 m. Beide Bahnsteige sind 55 cm über SO hoch. Das Anschlussgleis ist 120 m lang und führt über den Höhefelder Weg in die Fabrikhalle der Firma. Das ehemalige Empfangsgebäude steht in km 18,995 auf einer Höhe von 168,6 m über NN. Die Bahnsteige sind mit behindertengerechten Zu- und Abgängen versehen. Auch über eine Treppe neben dem ehemaligen Empfangsgebäude ist der Fahrausweisautomat und auch die Bahnsteige zu erreichen.

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 1. Januar 2006 wird die Taubertalbahn, und somit auch der Bahnhof, von der DB RegioNetz AG, Westfrankenbahn betrieben. Die Westfrankenbahn mit Sitz in Aschaffenburg ist sowohl ein Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen wie auch Eisenbahnverkehrsunternehmen. Der Bahnhof war bis 2011 Zugmeldestelle mit Fahrdienstleiter und Streckenblock.

Der Bahnhof ist seit 2011 unbesetzt und wird vom Stellwerk Miltenberg Hbf fernbedient. Betriebsform: elektronisch gesteuerter signalisierter Zugleitbetrieb.

Der Bahnhof ist weiterhin ein wichtiger Kreuzungsbahnhof mit einem Anschlussgleis bis in die Werkshalle des Industriebetriebes.

Ein Kreuzungsbahnhof ist ein Bahnhof, an dem Züge mit denen der Gegenrichtung kreuzen und auch Züge überholt werden können siehe Zugkreuzung. Daher werden auch Durchgangsbahnhöfe an eingleisigen Strecken, mit mehr als nur einem Hauptgleis, Kreuzungsbahnhof genannt.

Eine Besonderheit in Betrieb und Bauweise sind der innerhalb des Bahnhofs liegende Tunnel und die im Tunnel liegende Weiche 6. Der Bahnhof hat dadurch im Winter immer eine schnee- und eisfreie Weiche.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Strecke verkehren Regionalbahn- und Regionalexpresszüge, die hauptsächlich von Schülern und Auszubildenden benutzt werden. Fahrkarten sind an einem Automaten an der Treppenseite des Bahnsteigs 1 zu lösen: es gelten die Tarife des Verkehrsverbundes VRN.

Durchgangs-Güterzüge verkehren planmäßig auf der Strecke. Häufig wird sie auch für Außergewöhnliche Sendungen etwa mit Lademaßüberschreitung oder mit Schweren Lasten genutzt.

Die Güterzüge kreuzen mit den planmäßigen Personenzügen je nach Fahrplanlage auch hier im Bahnhof.

Der Gleisanschluss wird nach Bedarf bedient. Zur Zeit ist er jedoch gesperrt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Jahre vor dem Bau des Empfangsgebäudes und des Bahndammes begann man damit, Eichenstämme in das sumpfige Gelände zu rammen. Im Frühjahr 1867 konnte dann das Fundament gelegt und im darauffolgenden Herbst das Empfangsgebäude errichtet werden. Die weiteren Gebäude folgten im Laufe des Jahres.

Die Bahnstation als solche war von Anfang an eine „Vollstation“ für den Güter- und Personenverkehr mit 3 Gleisen. Zu ihr gehörten eine Remise für die Gepäckkarren mit angebauter öffentlicher Toilette. Eine Güterhalle, eine Laderampe, das Freiladegleis mit einer Gleiswaage bis 40 Tonnen Tragfähigkeit, ein Hebekran mit zwei Tonnen Tragkraft, sowie das Lademaß.

Lademaße für Lichtraumprofile G1 und G2 nach EBO

Ferner war eine Wasserstation mit Wasserhaus und zwei Wasserkränen angeschlossen. Diese Wasserstation wurde noch bis 1960 von den Lokomotiven benutzt. Des Weiteren kam eine Bahnmeisterei mit Büro, Werkstatt- und Aufenthaltsraum für die Rotte und der „Garage“ für das Schienenfahrzeug (Kleinwagen) des Bahnmeisters dazu. Diese Bahnmeisterei war noch bis 1939 vorhanden. Vor den Tunnelportalen stehen bis heute noch die Häuser des Bahn- bzw. des Tunnelwärters. Sie sind heute in Privatbesitz und bewohnt. Bis ins Jahr 1920 war auch noch die Poststelle des Ortes im Empfangsgebäude untergebracht. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges wurde im Tunnel Material des Ausbesserungswerkes Saarbrücken gelagert.

Ab den frühen 1950er Jahren gab es bis Ende 1969 durchgehende Eilzugverbindungen auf der Strecke in der Relation BodenseeCrailsheim–Lauda–Frankfurt (Main) Hauptbahnhof. 1965 wurde die Stückgutabfertigung eingestellt. Mit Einstellung der Wagenabfertigung 1993 wurde das Ladegleis 3 stillgelegt, nachdem 1967 schon die östliche Weichenverbindung ausgebaut worden war. 1967 erhielt der Bahnhof noch ein Werks-Anschlussgleis, das von Gleis 2 abzweigend, über den Gemeindeverbindungsweg hin zur Firma Hofmann Natursteinwerk führte. Im Zuge dieser Baumaßnahme erhielten das Signal F und die Vorsignale Vf und Va elektrische Stellmotoren und deren Drahtzugleitungen wurden zurückgebaut. Gleichzeitig wurde an allen Signalen von Propangas-Beleuchtung auf elektrische Beleuchtung umgestellt. Das Bahn-Stammpersonal umfasste bis 1965 einen Vorstand und zwei Oberweichenwärter. Arbeitsbeginn war um 4.00 Uhr, Arbeitsende 21:30 Uhr. Danach war der Bahnhof nur noch mit einem Fahrdienstleiter und dem nötigen Vertreter/Ablöser besetzt. Nach der Einstellung des Fahrkartenverkaufs wurden die Besetzungszeiten weiter eingeschränkt und der Bahnhof in der verkehrsschwachen Zeit betrieblich aus- bzw. durchgeschaltet. Dazu wurde Blockwerk und Hebelbank erweitert und ein Verschlusswerk eingebaut. Die Streckenfernsprechverbindung erhielt ebenfalls eine Durchschaltung. Zusätzlich kam vor das Gebäude ein Außensprechkasten (F-Kasten) für das Zugpersonal.

Im Jahr 2011 kam das Aus für den örtlich personalbedienten Bahnhof. Es begannen umfangreiche Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen. So wurden das mechanische Einheits-Hebelstellwerk der Bauart Bruchsal Jüdel im Empfangsgebäude außer Betrieb genommen, der Fahrdienstleiter abgezogen, die Formsignale gegen neue Licht-Signale ausgetauscht. Das Ausfahrsignal P 1 Richtung Tauberbischofsheim wurde neu an das Ende des neuen Bahnsteiges 1 positioniert, Das Ausfahrsignal P 2, das ursprünglich links vom Gleis 2 stand, wurde nicht mehr ersetzt. Eine signalmässige Ausfahrt aus Gleis 2 Richtung Tauberbischofsheim ist nicht mehr möglich. Das Anschlussgleis zur Firma Hofmann-Natursteine wurde nochmals aufgearbeitet und im Oberbau höhenmässig angeglichen. Die Handweiche und die Gleissperre erhielten Schlösser, deren Schlüssel in einem neuen Schaltkasten (ÖBB) elektronisch gesichert sind.

Der Reisenden-Übergang der in Höhe des Fahrdienstleiters mit manueller Schiebeschranke zwischen den Gleisen war, wurde ausgebaut. Mit Sicherungstechnik System RESI mit automatischen Schrankenbäumen, Ampelanlage mit akustischem Warnton, wurde er neu weiter in Richtung Bahnbrücke, vor Weiche 1 verlegt. Der Bahnsteig vor dem ehemaligen Empfangsgebäude und dessen Verlängerung Richtung Brücke wurde abgetragen, zwei Wartehäuschen möbliert mit Fahrplantafel, Abfallkorb und Bank aufgestellt. Das ehemalige Empfangsgebäude ist jetzt mit einem Zaun zu den Bahnanlagen abgegrenzt. Später wurde noch an beiden Bahnsteigen Zugziel-/Abfahrtsanzeiger mit Lautsprechern aufgestellt.

Der Bahnhof fungiert betrieblich bis heute noch als Kreuzungsbahnhof. Seit 2011 ist er ferngesteuert, kann jedoch bei Bedarf auch vor Ort bedient werden.

Bis dahin war er immer mit einem Fahrdienstleiter besetzt.

Das ehemalige Empfangsgebäude steht heute unter Denkmalschutz und befindet sich seit 2001 in wechselndem Privatbesitz. Seit 2017 ist das erste Obergeschoss des freistehenden Sandsteinbaus saniert und wird als große Altbau-Ferienwohnung an Taubertal-Reisende vermietet. Seit 2018 ist auch der große ehemalige Wartesaal saniert und steht der Öffentlichkeit als Veranstaltungssaal für Vereine und Feiern zur Verfügung.

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen (BadStB) erbauten und betrieben die Strecke und den Bahnhof bis Anfang 1920. Am 1. April 1920 erfolgte die Verstaatlichung der Länderbahnen, es entstand die Deutsche Reichsbahn (DR), Gamburg wurde ihrer Direktion Karlsruhe zugeteilt, bei der es bis Kriegsende 1945 verblieb. Anfang 1946 mit Wiederaufbau, Neuordnung und Gründung der Deutschen Bundesbahn wurde der Bahnhof der Direktion Stuttgart zugeordnet. Bis zur deutschen Wiedervereinigung änderte sich nichts an den Zuständigkeiten. Mit Privatisierung der beiden Bahnen und Gründung der Deutschen Bahn AG wurde Bahnhof Gamburg am 1. Dezember 1994 dem Geschäftsbereich Netz und seiner Niederlassung Heilbronn zugewiesen, es war deren Betriebsbezirk Lauda vorgesetzte Stelle für Gamburg. Ab 1. Januar 1997 erfolgte erneut eine Organisationsänderung und der Bahnhof kam zur Niederlassung und dem gleichnamigen Betriebsbezirk Würzburg. Kurze Zeit darauf wurden die Regionalnetze gegründet, Gamburg kam dann zur Spessart-Untermain Bahn nach Aschaffenburg (DB Regio).

Eine weitere Neuordnung brachte die Gründung der DB RegioNetz AG. Gamburg wurde deren Westfrankenbahn übergeben. Im Anfang firmierte diese Bahn, die unter anderen die Strecke (Aschaffenburg–) Wertheim–Lauda befährt, noch mit WestFrankenBahn, diese Schreibweise wurde zwischenzeitlich bereinigt.

Besitzverhältnisse Empfangsgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2001 ging das Gamburger Empfangsgebäude von der Deutschen Bahn an die Frankfurter Fondsgesellschaft First Rail Property, mit der zugehörigen Managementholding First Rail Estate. Die Bahn verblieb mit ihrem Stellwerk weiterhin als Mieter in dem Gebäude.

Vier Jahre später übernahm der britische Finanzinvestor Patron Capital Partners das Gebäude. Deren deutsche Tochterfirma Main Asset Management GmbH in Dreieich wurde der Verwalter des Gebäudes. Der neue Eigentümer verpflichtete sich beim Kauf, innerhalb von fünf Jahren in Sanierungen zu investieren. In Gamburg geschah aber nichts und die Folgen waren sichtbar.

Im September 2010 wurden in deren Auftrag 52 Bahnhöfe, zu denen auch das Gamburger Gebäude zählte, versteigert. Das Empfangsgebäude ging dann in wechselnden Privatbesitz über und wird heute unter Bahnhof Gamburg als Eventbahnhof und Ferienwohnung vermarktet.[2]

Bahnhofsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Gamburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Bahn: Stationsliste
  2. siehe: https://www.traum-ferienwohnungen.de/120541/?fbclid=IwAR09R1zZspW4v5otmphh5CHt7XvSIprGftStwW1oMPgoRueSss8i6AN5AlA