Banie

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Banie
POL gmina Banie COA.svg
Banie (Polen)
Banie
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Gryfino
Gmina: Banie
Geographische Lage: 53° 6′ N, 14° 39′ OKoordinaten: 53° 6′ 0″ N, 14° 39′ 0″ O
Höhe: 45 m n.p.m.
Einwohner: 2000 (31. Dez. 2004)
Postleitzahl: 74-110
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZGR
Wirtschaft und Verkehr
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów



Banie (deutsch Bahn) ist ein Dorf (ehemalige Stadt) in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Es ist Verwaltungssitz der Gmina Banie (Landgemeinde Bahn) im Powiat Gryfiński (Greifenhagener Kreis). Vom 13. Jahrhundert bis 1945 gehörte es zu den ältesten Städten Pommerns.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Banie liegt in Hinterpommern, etwa 30 Kilometer südlich von Stettin (Szczecin) inmitten einer fruchtbaren Ackerbaulandschaft am rechten Ufer des Flusses Tywa (Thue). Die nächstgelegenen größeren Städte sind Gryfino (Greifenhagen) im Nordwesten und Pyrzyce (Pyritz) in östlicher Richtung. In 25 Kilometer Entfernung befindet sich ein Grenzübergang nach Schwedt.

Bahn südlich von Stettin und nordöstlich von Königsberg Nm. auf einer Landkarte von 1905

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche, bis 1946 Gotteshaus der evangelischen Gemeinde von Bahn
Plan der Stadt Bahn, ca. 1611/1615 (aus der Stralsunder Bilderhandschrift)

Das Gebiet um Bahn war schon zur Spätbronzezeit (um 1000 v. Chr.) besiedelt, wie ein 1936 bei Ausgrabungen gefundenes Urnenfeld belegt. Im frühen Mittelalter wurde die Gegend von einem wendischen Burgwall beherrscht.[1][2] Von Beginn der Entwicklung der pommerschen Herzogtümer (12. Jahrhundert) an lag Bahn stets an deren südlicher Peripherie. Bahn wird als Stadt in einer Schenkungsurkunde von 1234 erwähnt, mit der Pommernherzog Barnim I. das Bahner Land dem Templerorden schenkt.[3] Wann das Stadtrecht verliehen wurde, ist nicht bekannt.

Nachdem der Templerorden 1312 aufgehoben worden war, ging die Herrschaft an den Johanniterorden über. 1330 eroberte Brandenburg während seines Grenzkrieges mit Pommern die Stadt, doch 1345 übernahm Pommern durch Herzog Barnim III. die Lehnshoheit über die Stadt. Das Schloss Bahn war im Besitz des Johanniterordens geblieben, dessen Herrenmeister Detlof von Waldmode sich 1399 mit den Bürgern der Stadt in Streitigkeiten einließ, in deren Folge er erschlagen wurde. Als Buße musste die Stadt bis in das 16. Jahrhundert hinein jährlich 25 Gulden an den Orden entrichten und ein Mordkreuz aufstellen.

1417 wurde von den Johannitern das St.-Georgen-Hospital gegründet. Zu dieser Zeit entstanden auch die Bahner Passionsspiele. Sie gingen in die Geschichte ein, als 1498 die Hauptdarsteller anlässlich eines Eifersuchtsdramas erschlagen wurden. Das Passionsspiel wurde daraufhin für alle Zeiten verboten und der Kirchenbann über die Stadt verhängt. Die pommerschen Chronisten des 16. Jahrhunderts überliefern, dass daraufhin in Pommern die Redewendung „Dat geit tau as dat Späl tom Bahn (Das geht zu wie das Spiel zu Bahn)“ gebräuchlich wurde. Damit wurde eine Situation beschrieben, die in bester Absicht entstanden sich genau in das Gegenteil verkehrte.[4]

Als es 1478 wieder einmal zu Grenzkonflikten mit Brandenburg kam, wurde Bahn am 24. Juli 1478 von den brandenburgischen Truppen erobert und zerstört, einschließlich der Stadtmauer. Im Friedensschluss von Prenzlau am 26. Juni 1479 erhielt Pommernherzog Bogislaw X. die Stadt Bahn zurück, die er daraufhin wieder dem Johanniterorden überließ. 1563 wurde der Stadt durch den Herrenmeister des Johanniterordens Thomas Runge das Meistergeld erlassen. 1578 genehmigte Herzog Ernst Ludwig drei Vieh- und Pferdemärkte.

Während des Dreißigjährigen Kriegs war Bahn durch Stadtbrände, Einquartierungen, Konfiszierungen von Getreidevorräten und Vieh sowie durch Plünderungen stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Viele Bürger verließen die Stadt. Im Frühjahr 1640 waren zahlreiche Höfe verlassen, zerstört oder verwahrlost, die Felder unbestellt, es war kein Vieh mehr vorhanden, und von der Bürgerschaft wohnten in der Stadt nur noch neunzehn Personen, deren Namen bekannt sind.[5]

Nach den Landesteilungen von 1532/41 und 1569 gehörte Bahn zusammen mit dem Besitz der Johanniterkomturei Wildenbruch zum Herzogtum Pommern-Wolgast. Aus dem Jahr 1590 stammt die älteste überlieferte Stadtrolle, eine aus 67 Artikeln bestehende Vorschriftensammlung in hochdeutscher Sprache, die der Bürgerschaft jährlich auf der Bürgersprache vorgelesen wurde.[6] Die Stadtrolle wurde offenbar allein durch den Rat der Stadt abgefasst, ohne Mitwirkung des Johanniterordens oder gar des pommerschen Herzogs.[6]

Nach dem Aussterben des pommerschen Herzogsgeschlechts der Greifen während des Dreißigjährigen Kriegs kam Bahn durch den Westfälischen Frieden 1648 zunächst an Schweden, das Pommern zuvor besetzt gehalten hatte. Erst nach dem schwedisch-brandenburgischen Krieg, in dem Schweden den östlich der Oder gelegenen hinterpommerschen Gebietsstreifen verlor, kam die Stadt 1679 zu Brandenburg. Sie wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts in den Greifenhagener Kreis, aus dem 1818 der Landkreis Greifenhagen hervorging, eingegliedert. Bei einem Stadtbrand 1690 wurde die aus dem 13. Jahrhundert stammende Maria-Magdalena-Kirche bis auf die Grundmauern zerstört, sie wurde erst 1716 endgültig wiederhergestellt. Die letzten Reste der alten Stadtbefestigung wurden 1768 bis auf den heute noch vorhandenen Pulverturm abgerissen. Im Jahr 1895 erhielt Bahn durch die Greifenhagener Kreisbahnen eine Kleinbahnverbindung nach Greifenhagen. Weil aber kein direkter Anschluss an das preußische Eisenbahnnetz geschaffen wurde, berührte die Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts die Stadt kaum. Auch vom Glanz der früheren Marktgerechtigkeit[7] mit jährlich vier Jahrmärkten war nicht viel übriggeblieben, Bahn ging als kleine Ackerbürgerstadt in das 20. Jahrhundert. Am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Bahn eine evangelische Kirche und eine Synagoge.[8]

Die Jüdische Gemeinde Bahn bestand seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis in die Zeit des Ersten Weltkriegs. Das Gedenkbuch des Bundesarchivs verzeichnet vier in Bahn wohnhafte jüdische Bürger, die dem Holocaust zum Opfer fielen.[9]

Bis 1945 gehörte Bahn zum Landkreis Greifenhagen im Regierungsbezirk Stettin der Provinz Pommern.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Bahn im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt und anschließend – wie ganz Hinterpommern – unter polnische Verwaltung gestellt. Anschließend wurde die einheimische deutsche Bevölkerung von nach Kriegsende zugewanderten polnischen Zivilisten aus den Häusern und Wohnungen gedrängt, enteignet und von polnischen Milizionären aus Bahn vertrieben. Die deutsche Stadt Bahn wurde in Banie umbenannt.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anzahl Einwohner
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1740 1619 [10]
1782 1153 davon 42 Juden[10]
1791 1273 davon 33 Juden[11]
1794 1278 davon 33 Juden[10]
1812 1069 davon sechs Katholiken, 51 Juden[10]
1816 1396 davon neun Katholiken, 73 Juden[10]
1822 1577 [12]
1831 1744 davon fünf Katholiken, 86 Juden[10]
1843 2140 davon neun Katholiken, 87 Juden[10]
1852 2406 davon sieben Katholiken, 97 Juden[10]
1861 2651 davon acht Katholiken, 96 Juden[10]
1862 2728 davon acht Katholiken, 96 Juden[13]
1867 2981 am 3. Dezember[14]
1871 3043 am 1. Dezember, davon 2933 Evangelische, sieben Katholiken, 103 Juden[14]
1875 3003 [15]
1880 3146 [15]
1900 2708 meist Evangelische[8]
1925 2590 davon 2521 Evangelische, 30 Katholiken, vierzehn Juden, eine bekenntnislose Person, 24 ohne Angaben[16]
1933 2785 [15]
1939 2885 [15]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adam Hamel († 1620), deutscher evangelischer Theologe, Superintendent des Stifts Kolberg-Cammin
  • Jodocus Andreas Hiltebrandt (1667–1746), deutscher evangelischer Theologe, Archidiakon in Stargard
  • Karl von Borcke (1800–1870), preußischer Generalmajor, zuletzt Kommandeur des 16. Infanterieregiments
  • Franz von Borcke (1802–1886), preußischer Generalleutnant, zuletzt Kommandeur der 15. Infanterie-Brigade
  • Ludwig von Borcke (1804–1888), preußischer General der Infanterie, zuletzt Kommandierender General des stellvertretenden I. Armee-Korps
  • Wilhelm von Borcke (1807–1867), preußischer Generalleutnant, zuletzt Kommandeur der 14. Infanteriebrigade
  • Julius Nagel (1809–1884), deutscher evangelischer Theologe, Mitglied des Oberkirchenkollegiums der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Preußen
  • Oskar Rieding (1846–1918), deutscher Violinist, Musikpädagoge und Komponist
  • Paul Hagemeister (1868–1941), deutscher Politiker (DDP), Regierungspräsident in Minden
  • Carl Steinbrück (1869–1945), Danziger Politiker (DNVP), Mitglied des Danziger Volkstages
  • Erich Nadler (1881–1960), deutscher Schauspieler

Mit dem Ort verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Jakob Hiltebrandt (1629–1679), ab 1661 evangelischer Pfarrer und Propst zu Bahn, war Gesandter des schwedischen Königs

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865 (Nachdruck 1996 durch Sändig Reprint Verlag, Vaduz, ISBN 3-253-02734-1), S. 20–24 (Volltext).
  • Städtebuch Hinterpommern (Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte). Neubearbeitung, Bd. 3,2, Stuttgart 2003, S. 11–15.
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. Teil II, Band 3, Anklam 1868, S. 288–305 (Volltext)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Banie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. zum Beispiel Christian Friedrich Wutstrack (Hrsg.): Nachtrag zu der kurzen historisch-geographisch-statistischen Beschreibung von dem königlich-preußischen Herzogtum Vor- und Hinterpommern. Stettin 1795, S. 155–156.
  2. Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. Teil III, Band 3: Kreise Greifenhagen und Pyritz, Anklam 1868, S. 288–305.
  3. Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte deutscher Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 102.
  4. Pomerania. Eine pommersche Chronik aus dem sechzehnten Jahrhundert. (Georg Gaebel, Hrsg.). Stettin 1908, Band 2, S. 188.
  5. Gottfried von Bülow: Beiträge zur Geschichte der Stadt Bahn im dreißigjährigen Kriege. In: Baltische Studien, 27. Jahrgang, Stettin 1877, 245–256 (Digitalisat)
  6. a b Otto Rackmann: Die Stadtrolle von Bahn aus dem Jahre 1590. In: Baltische Studien. Band 57 N.F., 1971, ISSN 0067-3099, S. 43–50.
  7. Vgl. zum Beispiel Ludwig Wilhelm Brüggemann (Hrsg.): Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, 1. Band, S. 67–68.
  8. a b Meyers Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 2, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1906, S. 271 (Zeno.org).
  9. Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 - 1945. Abgerufen am 4. Februar 2017.
  10. a b c d e f g h i Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865 (Nachdruck 1996 durch Sändig Reprint Verlag, Vaduz, ISBN 3-253-02734-1), S. 20–24, insbesondere S. 23 (Volltext).
  11. Christian Friedrich Wutstrack, Hrsg.: Kurze historisch-geographisch-statistische Beschreibung von dem königlich-preußischen Herzogtum Vor- und Hinterpommern. Stettin 1793, Übersichtstabelle auf S. 736.
  12. Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht. Berlin und Stettin 1827, S. 191-192 (online).
  13. Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. Teil II, Band 3, Anklam 1868, S. 298 (online).
  14. a b Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preußischen Staats und ihre Bevölkerung. Teil III: Provinz Pommern, Berlin 1874, S. 32, Nr. 1 (online).
  15. a b c d Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Kreis Greifenhagen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  16. Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Der Kreis Greifenhagen in der ehemaligen Provinz Pommern (2011).