Banie Mazurskie

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Banie Mazurskie
Banie Mazurskie führt kein Wappen
Banie Mazurskie (Polen)
Banie Mazurskie
Banie Mazurskie
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Gołdap
Geographische Lage: 54° 15′ N, 22° 2′ OKoordinaten: 54° 14′ 36″ N, 22° 2′ 18″ O
Einwohner: 1500 (2006)
Postleitzahl: 19-520
Telefonvorwahl: (+48) 87
Kfz-Kennzeichen: NGO
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 650: Stara RóżankaGołdap
Lisy → Banie Mazurskie
Mieduniszki Wielkie → Banie Mazurskie
Schienenweg: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig
Warschau
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 40 Ortschaften
20 Schulzenämter
Fläche: 205,02 km²
Einwohner: 3906
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 19 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2818012
Verwaltung (Stand: 2006)
Bürgermeister: Jan Sobuta
Adresse: ul. Marii Konopnickiej 26
19-520 Banie Mazurskie
Webpräsenz: baniemazurskie.wm.pl



Banie Mazurskie (deutsch Benkheim) ist ein Dorf mit Sitz der gleichnamigen Landgemeinde im Powiat Gołdapski der der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Banie Mazurskie liegt im Nordosten der Woiwodschaft Ermland-Masuren an der Goldap (polnisch: Gołdapa). Die polnisch-russische Staatsgrenze liegt zehn Kilometer weiter nördlich. Bis zur einstigen Kreisstadt Angerburg (polnisch: Węgorzewo) sind es 20 Kilometer, die heutige Kreismetropole Gołdap (Goldap) ist 18 Kilometer entfernt.

Das Dorf Banie Mazurskie (Benkheim)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße in Banie Mazurskie

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde am 16. Juni 1566[2] gegründet.[3] 1566 trug das Dorf[4] den Namen Bianiz, danach Saurnickeim, Saurnicken, Bieneken, Berndtkeim (vor 1785), Bengheim (nach 1785) und Benkheim (bis 1945). Beim Tatareneinfall im Jahre 1657 wurde das Dorf zerstört, nur die Kirche blieb erhalten.[2]

Am 6. Mai 1874 wurde Benkheim Amtsdorf und namensgebend für einen Amtsbezirk,[5] der bis 1945 zum Kreis Angerburg im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

Im Jahre 1885 waren in Benkheim 487 Einwohner gemeldet.[6] Ihre Zahl stieg bis 1910 auf 777,[7] belief sich 1925 auf 841, stieg bis 1933 auf 1.675 und betrug 1939 bereits 1.973.[6]

Am 17. Oktober 1928 vergrößerte sich die Gemeinde Benkheim um das Nachbardorf Janellen (polnisch Janele, nicht mehr existent) und einen kleinen Teil des Gutsbezirks Sperling (polnisch Wróbel). Der Friedhof von Janellen wurde nach 2001 hergerichtet und 2012 mit einem Gedenkstein in deutscher und polnischer Sprache versehen.[2]

Flucht und Vertreibung machten Benkheim am 23. Oktober 1944 zu einem leeren Dorf. Die Bevölkerung suchte zunächst Schutz im Kreis Heilsberg, musste im Januar 1945 allerdings von dort weiter auf die Flucht gehen.

In Kriegsfolge kam Benkheim 1945 mit dem südlichen Ostpreußen zu Polen und erhielt die polnische Namensform „Banie Mazurskie“. Heute ist das Dorf administrativer Sitz der Gmina Banie Mazurskie sowie eines Schulzenamtes (polnisch Sołectwo) sowie eine Ortschaft im Verbund der Landgemeinde Banie Mazurskie. Dabei ist das Dorf vom Kreis Angerburg in den Powiat Gołdapski (Kreis Goldap) gewechselt, gehörte bis 1998 zur Woiwodschaft Suwałki und ist seither Teil der Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Paul Skalich und die Gründungszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gründungszeit von Bianiz gehört der Abenteurer und Scharlatan Paul Skalich.[2] Der Sohn armer Bauern aus Kroatien machte sich mit einer Gruppe von Kumpanen um 1560 nach Nordeuropa auf mit der Absicht, alchimistisch Gold zu gewinnen. Mit gefälschten Papieren schlich er sich 1561 als Markgraf von Verona in das Vertrauen des Herzogs Albrecht, der ihm einen Forst bei Benkheim schenkte, den man seitdem den Skallischer Forst (1938–1945: Altheider Forst, polnisch Lasy Skaliskie) nannte, mitsamt dem Gut. Als er später Umsturzabsichten hegte, flogen seine Pläne auf. Drei seiner Kumpane wurden 1566 hingerichtet, Skalich selber konnte fliehen und starb 1574 in Danzig.

Amtsbezirk Benkheim (1874–1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1874 und 1945 bestand der zum Kreis Angerburg gehörende Amtsbezirk Benkheim. Anfangs gehörten ihm sieben, am Ende nur noch vier Gemeinden zu:[5]

Name Änderungsname
1938 bis 1945
Polnischer Name Bemerkungen
Benkheim Banie Mazurskie
Groß Sakautschen Großsackau Zakałcze Wielkie 1928 nach Mitschullen eingemeindet
Janellen Janele 1928 nach Benkheim eingemeindet
Mitschullen, Dorf Rochau (Ostpr.) Miczuły
Mitschullen, Gut vor 1908 in die Gemeinde Mitschullen eingegliedert
Polnisch Dombrowken (seit 1904:)
Talheim
Dąbrówka Polska
Storchenberg Wydutki 1928 nach Mitschullen eingemeindet
ab 1930:
Sperling
Wróbel ehemals Amtsbezirk Sperling

Am 1. Januar 1945 bildeten den Amtsbezirk Benkheim die Gemeinden: Benkheim, Rochau (Ostpr.), Sperling und Talheim.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kirche Banie Mazurskie

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche in Benkheim wurde 1566 bis 1574 gebaut.[2] Es handelt sich um einen dreischiffigen Bau[8] – ohne Chor – aus verputzten Backsteinen und Findlingen, mit einem schönen Ostgiebel von 1646. Seit 1698 hat die Kirche einen ausgebauten Turm. Die Orgel fertigte 1884 Max Terletzki in Königsberg (Preußen). Nach 1945 übernahm die Katholische Kirche in Polen das bisher evangelische Gotteshaus. Nach erneuter Weihe trägt es heute den Namen des Hl.Antonius von Padua (Kościół św. Antoniego Padewskiego).

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine evangelische Kirchengemeinde wurde in Benkheim erst 1646 gegründet.[9] Bis dahin war die Gemeinde eine Filialgemeinde von Angerburg (polnisch Węgorzewo) und gehörte somit bis 1725 zur Inspektion Rastenburg (Kętrzyn). Bis 1945 war sie dann Teil des Kirchenkreises Angerburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Seit 1948 besteht in Banie Mazurskie eine katholische Pfarrei,[10] der die beiden Kapellen in Budziska (Herbsthausen C) und Grodzisko (Schloßberg, 1938 bis 1945 Heidenberg) zugeordnet sind. Sie ist Teil des Dekanats Węgorzewo im Bistum Ełk der Katholischen Kirche in Polen. Hier lebende evangelische Kirchenglieder sind heute – wie vor 1945 die katholischen Kirchenglieder – nach Gołdap (Goldap) hin orientiert. Die dortige Kirchengemeinde ist eine Filialgemeinde von Suwałki in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Gmina Banie Mazurskie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fläche der Landgemeinde Banie Mazurskie beträgt 205,02 km². 58 % davon werden landwirtschaftlich, 30 % als Wald und forstwirtschaftlich genutzt. Die Gemeindefläche entspricht 26,56 % der Gesamtfläche des Powiat Węgorzewski.

Die Nordgrenze der Gemeinde ist die polnisch-russische Staatsgrenze.

Nachbargemeinden sind:

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Landgemeinde Banie Mazurskie gehören 20 Ortsteile (deutsche Namen bis 1945)[11] mit einem Schulzenamt (Sołectwo):

  • Obszarniki (Abschermeningken, 1932–1945 Almental)
  • Rogale (Rogahlen, 1938–1945 Gahlen)
  • Sapałówka (Sapallen, 1938–1945 Ostau)
  • Skaliszkiejmy (Skallischkehmen, 1938–1945 Großsteinau)
  • Surminy (Surminnen)
  • Ściborki (Stobrigkehlen, 1938–1945 Stillheide)
  • Wróbel (Sperling, 1938–1945 Domäne Sperling)
  • Zawady (Sawadden, 1938–1945 Herbsthausen A)
  • Ziemiany (Ziemianen)
  • Żabin (Klein Schabienen, 1938–1945 Kleinlautersee)

Weitere Ortschaften der Gemeinde sind:

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Süden des Gemeindegebietes verläuft die Woiwodschaftsstraße 650 von Stara Różanka (Alt Rosenthal) über Węgorzewo (Angerburg) nach Gołdap (Goldap). Sie durchzieht den Nordosten der Woiwodschaft Ermland-Masuren und verbindet die drei Kreisgebiete Kętrzyn (Rastenburg), Węgorzewo (Angerburg) und Gołdap (Goldap) miteinander. Der Abschnitt zwischen Węgorzewo und Gołdap verläuft auf der Trasse der einstigen deutschen Reichsstraße 136. Die einzelnen Ortschaften sind durch Nebenstraßen bzw. Landwege miteinander vernetzt, wobei die Grenzlage des Nordens sich negativ bei den Straßenverhältnissen bemerkbar macht.

Schienen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1897 und 1945 war Benkheim Bahnstation an der Bahnstrecke Angerburg–Goldap und damit an das ostpreußische Schienennetz angeschlossen. In Kriegsfolge wurde die Bahnstrecke nicht reaktiviert.

Luft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der nächstgelegene internationale Flughafen ist der in Danzig. Er ist jedoch nur nach mehrstündiger Auto- bzw. Bahnfahrt zu erreichen. Ebenso ungünstig erreichbar ist der nicht viele Kilometer weiter entfernte Flughafen Warschau.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Banie Mazurskie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 22. November 2014.
  2. a b c d e Banie Mazurskie - Benkheim
  3. Virtuelles Schtetl, Lokalgeschichte und jüdische Gemeinschaft in Banie Mazurskie
  4. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Benkheim
  5. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Benkheim
  6. a b Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Angerburg
  7. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Angerburg
  8. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 87
  9. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 476
  10. Die Pfarrei Banie Mazurskie auf der Webseite des Bistums Ełk
  11. Das Genealogische Orts-Verzeichnis