Barwice

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Barwice
Wappen von Barwice
Barwice (Polen)
Barwice
Barwice
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Szczecinek
Fläche: 7,42 km²
Geographische Lage: 53° 44′ N, 16° 21′ OKoordinaten: 53° 44′ 0″ N, 16° 21′ 0″ O
Höhe: 143 m n.p.m.
Einwohner: 3763
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 78-460
Telefonvorwahl: (+48) 94
Kfz-Kennzeichen: ZSZ
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 171 BoboliceCzaplinek
DW 172 Połczyn-ZdrójSzczecinek
Schienenweg: kein Bahnschluss
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Sołectwo
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 48 Ortschaften
20 Schulzenämter
Fläche: 258,89 km²
Einwohner: 8710
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 34 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3215023
Verwaltung (Stand: 2011)
Bürgermeister: Zenon Maksalon
Adresse: ul. Zwycięzców 22
78-460 Barwice
Webpräsenz: www.barwice.pl



Barwice (deutsch Bärwalde) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Die Kleinstadt (etwa 4.000 Einwohner) ist Sitz einer Stadt- und Landgemeinde im Powiat Szczecinecki.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barwice, im Osten der Woiwodschaft Westpommern in Hinterpommern, ist in ein ausgestrecktes Wiesental eingebettet und ist über die Woiwodschaftsstraße 172 (droga wojewódzka 172) mit seinen Nachbarorten Szczecinek und Połczyn Zdrój verbunden.[2]

Ein Eisenbahnanschluss besteht seit 1999 mit Schließung der Strecke Połczyn Zdrój–Grzmiąca nicht mehr.

Etwa 20 Kilometer südlich beginnt die Draheimer Seenplatte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bärwalde nordöstlich der Städte Dramburg und Falkenburg und östlich der Städte Schivelbein und Bad Polzin auf einer Landkarte von 1905

Eine erstmalige Erwähnung der wendischen Siedlung civitas Barwitz stammt aus dem Jahre 1286, doch wurde der Ort an der Salzstraße von Kolberg nach Nakel vermutlich bereits früher gegründet.

1389 wurden Hans Hechhusen gemeinsam mit Reimer Pudwelsch als Eigentümer der Stadt genannt.

Unter Herzog Bogislaw X. kamen die Stadt und die dazugehörigen Dörfer 1477 zu Pommern. Bärwalde war im wechselnden Besitz verschiedener pommerscher Adelsfamilien, so der Vier Geschlechter der Glasenapp, Münchow, Wolde und Zastrow, denen das Land Bärwalde und die Pileburger Heide ab 1523 gemeinsam gehörte.[3]

Herzog Johann Friedrich von Pommern förderte die Stadt und verlieh ihr in den Jahren 1569, 1592 und 1597 die Privilegien zur Abhaltung von Jahrmärkten. Die jahrelangen Streitigkeiten zwischen der adeligen Grundherrschaft und dem Stadtrat über die Gerichtsbarkeit in Bärwalde wurden 1620 zugunsten der Herrschaft beigelegt. Im Jahre 1626 zerstörte ein Stadtbrand die Stadt.

Während des Dreißigjährigen Krieges kam es 1630 zur Besetzung durch die schwedischen Truppen Gustav II. Adolfs. Die Stadt erlitt starke Schäden. Durch das Aussterben des pommerschen Herrscherhauses kam Bärwalde 1653 unter brandenburgische Herrschaft.

Im Siebenjährigen Krieg plünderten und brandschatzten russischen Truppen die Stadt, dabei gingen auch sämtliche Stadturkunden verloren. 1766 erhielt Bärwälde das Recht zur Abhaltung eines vierten Jahrmarktes. Zu dieser Zeit besaß die Stadt vier Tore, war aber nicht ummauert. Ihre Bewohner lebten im 18. Jahrhundert von der Tuch- und Raschmacherei sowie vom Ackerbau. Das Tuchmacherhandwerk ging im 19. Jahrhundert ein, stattdessen entstanden Färbereien und Textildruckereien. Nach der preußischen Verwaltungsreform gehörte Bärwalde ab 1818 zum Kreis Neustettin.

1854 begann der Neubau der Stadtkirche, St. Stephen, der nach zehn Jahren vollendet war. Der aus rotem Backstein errichtete neugotische Bau hat einen schlanken Turm, der mit drei Scheiben-Uhren und Glocke ausgestattet ist. Der Innenraum des Kirchenschiffes ist geprägt durch Galerien und zwei Reihen von Holzpfählen, die das hölzerne Mansarddach abstützen.[4] Die alte Kirche, die in Teilen noch aus dem Ende 13. Jahrhunderts stammte, wurde im Zuge des Neubaus vollständig abgerissen.

Erst 1903 wurde Bärwalde mit der Strecke zwischen Polzin und Gramenz an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Der Bahnhof wurde nördlich der Stadt angelegt (heute ist der ehemalige Bahnhof bewohnt), und nach dem Ersten Weltkrieg erweiterte sich die Stadt in seine Richtung.

Die neue Verkehrsverbindung führte zur Gründung neuer Industriebetriebe, z. B. einer Maschinen- und einer Kalksandsteinfabrik. Später war geplant, Tempelburg an die Reichsautobahn Berlin–Königsberg anzuschließen, die jedoch infolge des Zweiten Weltkriegs nicht fertiggestellt werden konnte. Südöstlich der Stadt sind noch letzte Reste der dort endenden Trasse aus der Luft sichtbar.

Während des Zweiten Weltkriegs war Bärwalde von den unmittelbaren Kriegshandlungen kaum betroffen. Gelegentlich überflogen sowjetische Bomber die Stadt, auf ihrem Weg nach Stettin. Manche Bewohner nutzten den Bahnhof zur Flucht in den Westen. Nach Kriegsende wurde Bärwalde zusammen mit ganz Hinterpommern unter polnische Verwaltung gestellt. Bärwalde erhielt den polnischen Namen Barwice. Es begann die Zuwanderung von Polen. Die verbliebene einheimische deutsche Bevölkerung wurde aufgrund der sogenannten Bierut-Dekrete aus der Stadt vertrieben.

Jährliche Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung von Barwice
  • 1740: 472[5]
  • 1783: 533, darunter sechs Juden.[5]
  • 1791: 651, darunter sieben Juden[6]
  • 1812: 804, darunter sechs Katholiken und 34 Juden.[5]
  • 1816: 854, darunter fünf Katholiken und 59 Juden.[5]
  • 1831: 1.180, darunter sechs Katholiken und 85 Juden.[5]
  • 1843: 1.571, darunter drei Katholiken und 129 Juden.[5]
  • 1852: 1.741, darunter vier Katholiken und 143 Juden.[5]
  • 1861: 1.964, darunter acht Katholiken und 180 Juden.[5]
  • 1900: 2.338[7]
  • 1925: 2.530[8]
  • 2004: 3.876


Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Barwice gehören neben der Stadt Barwice weitere 20 Orte (deutsche Namen bis 1945)[9] mit einem Schulzenamt:

Białowąs (Balfanz)
Borzęcino (Borntin)
Chłopowo (Klöpperfier)
Chwalimki (Neuvalm)
Gonne Małe
Jeziorki (Gissolk, 1937–1945 Eichkamp)
Kłodzino (Klotzen)
Knyki
Łęknica (Lucknitz)
Nowe Koprzywno (Neu Koprieben)
Nowy Chwalim (Neu Valm)
Ostropole (Osterfelde)
Ostrowąsy (Wusterhanse)
Piaski (Patzig)
Polne (Pöhlen)
Przybkowo (Alt Priebkow)
Stary Chwalim (Alt Valm)
Stary Grabiąż (Grabunz)
Sulikowo (Zülkenhagen)
Tarmno (Tarmen)

Weitere Ortschaften der Gemeinde sind:

Bądki
Bierzkowo
Brzeźno
Chłopówko
Chwalimka
Cybulino
Dąbie (Eichenberge)
Dobrzycko
Gąski (Altmühl)
Górki (Orth)
Grabiążek
Gwiazdowo
Jadwigowo
Jagielnik
Kaźmierzewo
Kobacz
Kobuz
Kolonia Łeknica
Kolonia Przybkowo
Kolonia Sulikowo
Kołątek
Koprzywienko
Koprzywno
Korzec
Krzyka
Krzywolas
Liniec
Luboradza
Lubostronie
Niemierzyno
Nowa Łeknica
Nowy Grabiąż (Neu Grabunz)
Parchlino
Przybkówko
Smuga
Stare Koprzywno (Alt Koprieben)
Śmilcz
Świerk
Trzemienko
Uradz
Wiele (Linde)
Wojsławiec
Żdżar
Żytnik

Partnergemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen der Gemeinde Barwice und der Gemeinde Malente in Deutschland besteht eine Partnerschaft.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865 (Nachdruck 1996 durch Sändig Reprint Verlag, Vaduz, ISBN 3-253-02734-1), S. 18–19 (Volltext).
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, Band 2: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien in Cößlin gehörigen Hinterpommerschen Kreise. Stettin 1784, S. 711–716.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Barwice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Straßenkarte Hinterpommern: Köslin - Stolp - Danzig, 9. Auflage, Höfer Verlag, Dietzenbach 2005, ISBN 978-3-931103-14-9.
  3. Ludwig Wilhelm Brüggemann, Hrsg.: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, 2. Band, Stettin 1784, S. 711-716.
  4. [1], Biuletyn Informacji Publicznej Urząd Miejski w Barwicach (Bulletin für öffentliche Information Gemeindeamt Barwice).
  5. a b c d e f g h Kratz (1865), S. 19.
  6. Christian Friedrich Wutstrack, Hrsg.: Kurze historisch-geographisch-statistische Beschreibung des königlich-preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Stettin 1793, Übersichtstabelle auf S. 736.
  7. Meyers Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 2, Leipzig and Wien 1906, S. 411.
  8. Der Große Brockhaus. 15. Auflage, Band 2, Leipzig 1929, S. 341.
  9. Das Genealogische Orts-Verzeichnis