Czaplinek

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Czaplinek
Wappen von Czaplinek
Czaplinek (Polen)
Czaplinek
Czaplinek
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Drawsko Pomorskie
Fläche: 14,00 km²
Geographische Lage: 53° 33′ N, 16° 14′ OKoordinaten: 53° 33′ 0″ N, 16° 14′ 0″ O
Höhe: 142 m n.p.m.
Einwohner: 7185
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 78-550
Telefonvorwahl: (+48) 94
Kfz-Kennzeichen: ZDR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK20 StargardGdynia
DW163 KołobrzegWałcz
DW171 Bobolice ↔ Czaplinek
Schienenweg: PKP-Linie Nr. 210 (Chojnice–Runowo Pomorskie)
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Sołectwo
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 51 Ortschaften Ortschaften
29 Schulzenämter
Fläche: 365,00 km²
Einwohner: 12.013
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 33 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3203013
Verwaltung (Stand: 2011)
Bürgermeister: Adam Sylwester Kośmider
Adresse: Rynek 6
78-550 Czaplinek
Webpräsenz: www.czaplinek.pl



Czaplinek (deutsch Tempelburg) ist eine Stadt im Powiat Drawski (Dramburger Distrikt) der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Die Kleinstadt mit 7.000 Einwohnern ist Sitz einer gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in Hinterpommern, in der Draheimer Seenplatte (Pojezierze Drawskie) der Pommerschen Schweiz, in ansprechender Lage terrassenartig auf einem Bergrücken aufsteigend zwischen dem Südende des buchtenreichen Dratzigsees (Jezioro Drawsko) im Westen und dem Zepplinsee (Jezioro Czaplino) im Osten. Das Stadtgebiet ist von Wäldern umgeben.

In Czaplinek kreuzen sich die beiden Fernstraßen DK 20 und DW 163 von Stargard nach Danzig bzw. von Kolberg (Kołobrzeg) nach Deutsch Krone (Wałcz). Etwas außerhalb im Süden befindet sich der Bahnhof der Strecke Chojnice–Runowo Pomorskie.

Zepplinsee

Stadt Czaplinek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tempelburg am Dratzigsee, südlich von Köslin und Belgard an der Persante sowie südwestlich von Neustettin und nordwestlich von Schneidemühl, auf einer Landkarte von 1908.
Rathaus-Vorplatz mit Springbrunnen in Tempelburg
Yachthafen am Dratzigsee
Rekonstruierte slawische Burg Sławogród in einem Museums-Park von Tempelburg

Am Südufer des Dratzigsees befand sich zunächst eine wendische Siedlung mit Namen Czaplinok, d. h. Reiherburg, benannt nach den zahlreichen dort nistenden Reihern [2]. Im Jahre 1286 schenkte der polnische Herzog Przemislaw II. das Land um den Dratzigsee dem Templerorden.[3] Dieser errichtete am Südufer des Sees eine Wehranlage, die später unter der Bezeichnung „Tempelborch“ erwähnt wurde. Es wird vermutet, dass es sich dabei um ein Blockhaus handelte. In einem Dokument vom 13. November 1291 erläutert der Präzeptor des Templerordens in Polen, Bernhard von Cunstein,[4] wie sich der Orden mit dem Posener Bischof hinsichtlich der Ansiedlung deutscher Kolonisten an dem Ort verglichen habe. Schon 1301 erwähnte eine Urkunde die „civitas Tempelburgiensis“. Nachdem 1312 der Templerorden aufgelöst wurde, ging Tempelburg in den Besitz des Johanniterordens über. Die brandenburgischen Ritter Wiskinus von Vorbeck und Hermann Rode kamen 1334 mit Hilfe des brandenburgischen Kurfürsten Ludwigs den Älteren in den Besitz von Tempelburg. Während dieser Zeit wurde dem Ort das Magdeburger Stadtrecht verliehen. 1345 ging Tempelburg als brandenburgisches Lehen wieder an den Johanniterorden zurück. Viele Einwohner fielen 1349 der Pest zum Opfer und das so verödete Land überließ Kurfürst Otto der Faule 1368 dem polnischen Königreich. Im Krieg zwischen Brandenburg, dem Deutschen Orden und Polen wurde die Burg 1378 vom polnischen Woiwoden Johann Czarnkowski zerstört.

Seit 1439 gehörte Tempelburg zur polnischen Starostei Draheim. Während des 16. Jahrhunderts entwickeln sich Glashütten, Eisenhämmer und das Tuchmacherhandwerk zu den wichtigsten Erwerbszweigen in der Stadt. In den Jahren 1609 und 1610 richteten Großbrände schwere Schäden an, und große Teile der Bevölkerung fielen immer wiederkehrenden Seuchen zum Opfer. Obwohl vom katholischen Polen beherrscht, fasste die Reformation auch in Tempelburg Fuß. 1625 wurde jedoch die Abhaltung von protestantischen Gottesdiensten verboten. Während des Polnisch-Schwedischen Krieges plünderten schwedischen Soldaten, und die Pest dezimierte erneut die Einwohnerschaft.

Im Vertrag von Bromberg (1657) erwarb der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm die Starostei Draheim mit Tempelburg für 120.000 Reichstaler zunächst als Pfandbesitz. Bei einem erneuten Stadtbrand wurden 1725 wieder zahlreiche Häuser, die beiden Kirchen und das Rathaus zerstört. Während ein Jahr später mit dem Neubau der evangelischen Kirche begonnen wurde, weigerte sich der Stadtrat, auch die katholische Kirche wieder aufzubauen. Diese wurde erst im Jahre 1753 erbaut. Als 1765 Tempelburg wieder ein Opfer der Flammen wurde, erhielt der preußische Baudirektor Gilly den Auftrag, den Wiederaufbau zu leiten. Im Vertrag von Warschau verzichtete Polen 1773 endgültig auf die Einlösung der verpfändeten Starostei Draheim. Zur Erweiterung landwirtschaftlichen Bodens wurde in den Jahren 1787 und 1788 der Dratzigsee um über einen Meter abgesenkt.

Nach der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress ordnete auch Preußen seine Territorialverwaltung neu. 1818 wurde Tempelburg in den Kreis Neustettin der Provinz Pommern eingegliedert, wurde aber, obwohl mit 2.316 Einwohnern größte Stadt im Kreis, nicht Sitz des Landratsamtes. 1829 wurde mit dem Neubau der evangelischen Kreuzkirche nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel begonnen. Als 1877 die Arbeiten an der Eisenbahnstrecke Ruhnow–Neustettin begannen, weigerte sich der Tempelburger Stadtrat, ein Grundstück für den Bahnhof zur Verfügung zu stellen. So wurde die Bahnlinie südlich an der Stadt vorbeigeführt und der Bahnhof drei Kilometer von der Stadt entfernt gebaut. Dadurch ging auch die Industrialisierungswelle des ausgehenden 19. Jahrhunderts an der Stadt vorbei, und Tempelburg blieb eine Ackerbürgerstadt.

Nach dem Ersten Weltkrieg erweiterte sich die Stadt nach Norden und nach Süden, womit auch der Anschluss an den Bahnhof hergestellt wurde. 1939 hatte Tempelburg 5.275 Einwohner.

Bis 1945 gehörte Tempelburg zum Kreis Neustettin in der Provinz Pommern des Deutschen Reichs, bis 1939 im Regierungsbezirk Köslin und seither im Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte am 2. März 1945 die Rote Armee die Stadt. Nach Kriegsende wurde Tempelburg unter polnische Verwaltung gestellt. Die Stadt wurde in Czaplinek umbenannt. Es begann die Zuwanderung polnischer und ukrainischer Bürger aus Gebieten östlich der Curzon-Linie, die dort völkischen Minderheiten angehört hatten. Diese Gebiete waren nach Ende des Ersten Weltkriegs im Polnisch-Sowjetischer Krieg (1919–1921) erobert worden und mussten nach Ende des Zweiten Weltkriegs an die Sowjetunion abgetreten werden. Angehörige von Minderheiten in diesen Gebieten waren nach dem Zweiten Weltkrieg vor die Wahl gestellt worden, entweder eine andere Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder aussiedeln zu müssen.Soweit die deutschen Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1740 1.766 [5]
1782 1.376 [6], davon 24 Juden[5]
1794 1.624 keine Juden[5]
1799 1.603 [6]
1812 2.108 davon 61 Katholiken und 44 Juden[5]
1816 2.040 davon 24 Katholiken und 60 Juden[5]
1831 2.875 davon 96 Katholiken und 112 Juden[5]
1843 3.368 davon 101 Katholiken und 194 Juden[5]
1852 3.698 davon 100 Katholiken und 160 Juden[5]
1861 4.049 davon 133 Katholiken und 168 Juden[5]
1875 4.381 [7]
1880 4.747 [7]
1890 4.533 davon 118 Katholiken und 151 Juden[7]
1925 4.495 davon 4.016 Evangelische, 196 Katholiken und 61 Juden[8]
1933 4.744 [7]
1939 5.288 [7]
2010 11.672

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es besteht seit dem 16. Mai 1993 eine Städtepartnerschaft mit Bad Schwartau (Ostholstein) und seit 2002 mit der vorpommerschen Stadt Grimmen.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu einem der größten Arbeitgeber in der Region hat sich die Kabel-Technik-Polska (KTP) entwickelt. 2012 waren bei KTP etwa 1.700 Mitarbeiter beschäftigt. Das Produktionsprofil umfasst vor allem die Kabelkonfektionierung für die Automobilindustrie und den europäischen Schienenfahrzeugbau. Mitte 2015 wurde die KTP, die zu diesem Zeitpunkt zur Groclin group gehörte, an die PKC group mit Sitz in Finnland verkauft.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gmina Czaplinek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Czaplinek zählt nahezu 12.000 Einwohner und misst eine Fläche von 365 km². Sie liegt am Ostrand des Powiat Drawski (Kreis Dramburg) und grenzt im Südosten an die Woiwodschaft Großpolen.

Umgeben ist die Gmina Czaplinek von den Nachbargemeinden:

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gmina Czaplinek ist in 29 Ortsteile ("Schulzenämter") untergliedert:

  • Broczyno (Brotzen)
  • Byszkowo
  • Czaplinek (Tempelburg)
  • Czarne Małe (Klein Schwarzsee)
  • Czarne Wielkie (Groß Schwarzsee)
  • Drahimek (Draheim)
  • Głęboczek (Winkel)
  • Kluczewo (Klaushagen)
  • Kołomat
  • Kuszewo (Weinberge)
  • Łąka (Lankenfelde)
  • Łazice (Tannenhof)
  • Łysinin (Grenzneuhof)
  • Machliny (Machlin)
  • Niwka (Hohenfelde)
  • Nowe Drawsko (Neu Draheim)
  • Ostroróg (Scharpenort)
  • Piaseczno (Blumenwerder)
  • Pławno (Plagow)
  • Prosinko (Hammer)
  • Prosino (Prössin)
  • Psie Głowy (Hundskopf)
  • Rzepowo (Reppow)
  • Siemczyno (Heinrichsdorf)
  • Sikory (Zicker)
  • Stare Drawsko (Alt Draheim)
  • Stare Gonne (Westgönne)
  • Trzciniec (Wassergrund)
  • Żelisławie (Ravensberg)
  • Żerdno (Schneidemühl)

Weiterhin gehören zur Stadt- und Landgemeinde Czaplinek die Orte: Bielice (Neunhagen), Brzezinka (Lehmaningen), Buszcze (Buschhof), Chmielewo (Augustenweide), Cichorzecze (Klöbenstein), Dobrzyca Mał (Döberitz), Kamienna Góra (Steinberg), Karsno (Karsbaum), Kluczewo-Kolonia, Kosin, Kużnica Drawska (Neudorf), Miłkowo (Milkow), Motarzewo (Wallbruch), Nowa Wieś (Schönhölzig), Piekary, Podstrzesze, Stare Kaleńsko (Alt Kalenzig), Studniczka (Klein Stüdnitz), Sulibórz, Turze (Thurbruch), Wełnica (Neue Walkmühle), Wrześnica (Alt Wilhelmshof) und Zdziersko (Lehnkrug).

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gmina Czaplinek ist partnerschaftlich verbunden mit Grimmen (Mecklenburg-Vorpommern), Lychen (Brandenburg), Marlow (Mecklenburg-Vorpommern) und Ratekau (Schleswig-Holstein).

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 506–509 (Volltext)
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, Band 2: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien in Cößlin gehörigen Hinterpommerschen Kreise. Stettin 1784, S. 694–707.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Czaplinek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Meyers Reisebuch Die deutsche Ostseeküste, Teil II: Rügen und die pommersche Ostseeküste mit ihrem Hinterland, 2. Auflage, Bibliographisches Institut, Leipzig 1924.
  3. Georg Wilhelm von Raumer: Die Neumark Brandenburg im Jahre 1337 oder Markgraf Ludwig's des Aelteren Neumärkisches Landbuch aus dieser Zeit. Berlin 1837, S. 45.
  4. Karl Kletke: Regesta Historiae Neomarchicae. Teil I, Berlin 1867, S. 44–45.
  5. a b c d e f g h i Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 508
  6. a b Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. Teil I, Band 4, Leipzig 1793, S. 511
  7. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/neustettin.html#ew39nstttempel
  8. Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Stadt Tempelburg im ehemaligen Kreis Neustettin in Pommern (2011)