Czaplinek

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Czaplinek
Wappen von Czaplinek
Czaplinek (Polen)
Czaplinek
Czaplinek
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Drawsko Pomorskie
Fläche: 14,00 km²
Geographische Lage: 53° 33′ N, 16° 14′ O53.5516.233333333333Koordinaten: 53° 33′ 0″ N, 16° 14′ 0″ O
Höhe: 142 m n.p.m
Einwohner: 7184
(30. Jun. 2013)[1]
Postleitzahl: 78-550
Telefonvorwahl: (+48) 94
Kfz-Kennzeichen: ZDR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK20 Stargard SzczecińskiGdynia
DW163 KołobrzegWałcz
DW171 Bobolice ↔ Czaplinek
Schienenweg: PKP-Linie Nr. 210 (Chojnice–Runowo Pomorskie)
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 51 Ortschaften Ortschaften
29 Schulzenämter
Fläche: 365,00 km²
Einwohner: 11.938
(30. Jun. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 33 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3203013
Verwaltung (Stand: 2011)
Bürgermeister: Adam Sylwester Kośmider
Adresse: Rynek 6
78-550 Czaplinek
Webpräsenz: www.czaplinek.pl

Czaplinek (deutsch Tempelburg) ist eine Stadt im Powiat Drawski in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Die Kleinstadt mit 7.000 Einwohnern ist Sitz einer gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die im Osten der Woiwodschaft Westpommern in der Pommerschen Schweiz in Hinterpommern gelegene Stadt ist ein touristisches Zentrum der Dramburger Seenplatte (Pojezierze Drawskie). Mit dem Dratzigsee (Jezioro Drawsko), nördlich der Stadt, und den ihn umgebenden Wäldern zählt die Gegend zu den reizvollsten Plätzen in der Pommerschen Schweiz. In der Stadt kreuzen sich die beiden Fernstraßen DK 20 und DW 163 von Stargard (Pommern) nach Danzig bzw. von Kolberg (Kołobrzeg) nach Deutsch Krone (Wałcz). Etwas außerhalb im Süden befindet sich der Bahnhof der Strecke Chojnice–Runowo Pomorskie.

Stadt Czaplinek[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Burg Sławogród in Czaplinek

Am Südufer des Dratzigsees befand sich zunächst eine wendische Siedlung mit Namen Czaplinok, d. h. Reiherburg, benannt nach den zahlreichen dort nistenden Reihern [2]. Im Jahre 1286 schenkte der polnische Herzog Przemislaw II. das Land um den Dratzigsee dem Templerorden. Dieser errichtete am Südufer des Sees eine Wehranlage, die später unter der Bezeichnung „Tempelborch“ erwähnt wurde. Es wird vermutet, dass es sich dabei um ein Blockhaus handelte. Mit dem Vertrag vom 13. November 1291 erhielt der Präzeptor des Ordens Bernhard von Eberstein vom Posener Bischof die Erlaubnis, bei der Burg Kolonisten aus dem Westen anzusiedeln. Schon 1301 erwähnte eine Urkunde die „civitas Tempelburgiensis“. Nachdem 1312 der Templerorden aufgelöst wurde, ging Tempelburg in den Besitz des Johanniterordens über. Die brandenburgischen Ritter Wiskinus von Vorbeck und Hermann Rode kamen 1334 mit Hilfe des brandenburgischen Kurfürsten Ludwig der Ältere in den Besitz von Tempelburg. Während dieser Zeit wurde dem Ort das Magdeburger Stadtrecht verliehen. 1345 ging Tempelburg als brandenburgischen Lehen wieder an den Johanniterorden zurück. Viele Einwohner fielen 1349 der Pest zum Opfer und das so verödete Land überließ Kurfürst Otto der Faule 1368 dem polnischen Königreich. Im Krieg zwischen Brandenburg, dem Deutschen Orden und Polen wurde die Burg 1378 vom polnischen Woiwoden Johann Czarnkowski zerstört.

Seit 1439 gehörte Tempelburg zur polnischen Starostei Draheim. Während des 16. Jahrhunderts entwickeln sich Glashütten, Eisenhämmer und das Tuchmacherhandwerk zu den wichtigsten Erwerbszweigen in der Stadt. In den Jahren 1609 und 1610 richteten Großbrände schwere Schäden an, und große Teile der Bevölkerung fielen immer wiederkehrenden Seuchen zum Opfer. Obwohl vom katholischen Polen beherrscht, fasste die Reformation auch in Tempelburg Fuß. 1625 wurde jedoch die Abhaltung von protestantischen Gottesdiensten verboten. Während des Polnisch-Schwedischen Krieges plünderten schwedischen Soldaten, und die Pest dezimierte erneut die Einwohnerschaft.

Im Vertrag von Bromberg (1657) erwarb der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm die Starostei Draheim mit Tempelburg für 120.000 Reichstaler zunächst als Pfandbesitz. Bei einem erneuten Stadtbrand wurden 1725 wieder zahlreiche Häuser, die beiden Kirchen und das Rathaus zerstört. Während ein Jahr später mit dem Neubau der evangelischen Kirche begonnen wurde, weigerte sich der Stadtrat, auch die katholische Kirche wieder aufzubauen. Diese wurde erst im Jahre 1753 erbaut. Als 1765 Tempelburg wieder ein Opfer der Flammen wurde, erhielt der preußische Baudirektor Gilly den Auftrag, den Wiederaufbau zu leiten. Im Vertrag von Warschau verzichtete Polen 1773 endgültig auf die Einlösung der verpfändeten Starostei Dramburg. Zur Erweiterung landwirtschaftlichen Bodens wurde in den Jahren 1787 und 1788 der Dratzigsee um über einen Meter abgesenkt.

Nach der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress ordnete auch Preußen seine Territorialverwaltung neu. 1818 wurde Tempelburg in den Kreis Neustettin der Provinz Pommern eingegliedert, wurde aber, obwohl mit 2.316 Einwohnern größte Stadt im Kreis, nicht Sitz des Landratsamtes. 1829 wurde mit dem Neubau der evangelischen Kreuzkirche nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel begonnen. Als 1877 die Arbeiten an der Eisenbahnstrecke Ruhnow–Neustettin begannen, weigerte sich der Tempelburger Stadtrat, ein Grundstück für den Bahnhof zur Verfügung zu stellen. So wurde die Bahnlinie südlich an der Stadt vorbeigeführt und der Bahnhof drei Kilometer von der Stadt entfernt gebaut. Dadurch ging auch die Industrialisierungswelle des ausgehenden 19. Jahrhunderts an der Stadt vorbei, und Tempelburg blieb eine Ackerbürgerstadt.

Nach dem Ersten Weltkrieg erweiterte sich die Stadt nach Norden und nach Süden, womit auch der Anschluss an den Bahnhof hergestellt wurde. 1939 hatte Tempelburg 5.275 Einwohner.

Am 2. März 1945 eroberte die Rote Armee die Stadt, die anschließend unter polnische Verwaltung gestellt wurde. Es begann die Zwangsumsiedlung polnischer und ukrainischer Bürger aus Gebieten östlich der Curzon-Linie, die dort im Allgemeinen vor die Wahl gestellt worden waren, entweder eine andere Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder umzusiedeln zu müssen. Die nicht schon vorher geflohenen deutschen Bewohner wurden ausgewiesen oder mussten die polnische Staatsangehörigkeit annehmen. In Anlehnung an die alte slawische Siedlung erhielt die Stadt den neuen Namen Czaplinek.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

  • 1740: 1.766[3]
  • 1782: 1.376[4], davon 24 Juden[3]
  • 1794: 1.624 (keine Juden)[3]
  • 1799: 1.603[4]
  • 1812: 2.108, davon 61 Katholiken und 44 Juden[3]
  • 1816: 2.040, davon 24 Katholiken und 60 Juden[3]
  • 1831: 2.875, davon 96 Katholiken und 112 Juden[3]
  • 1843: 3.368, davon 101 Katholiken und 194 Juden[3]
  • 1852: 3.698, davon 100 Katholiken und 160 Juden[3]
  • 1861: 4.049, davon 133 Katholiken und 168 Juden[3]
  • 2010: 11.672,

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Es besteht seit dem 16. Mai 1993 eine Städtepartnerschaft mit Bad Schwartau (Ostholstein) und seit 2002 mit der vorpommerschen Stadt Grimmen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Zu einem der größten Arbeitgeber in der Region hat sich die Kabel-Technik-Polska (KTP) entwickelt. 2012 waren bei KTP etwa 1.700 Mitarbeiter beschäftigt. Das Produktionsprofil umfasst vor allem die Kabelkonfektionierung für die Automobilindustrie und den europäischen Schienenfahrzeugbau, die Kabel- und Kabelbaumkonfektionierung für den Maschinen- und Anlagenbau sowie deren Schaltschrankbau.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Gmina Czaplinek[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Czaplinek zählt nahezu 12.000 Einwohner und misst eine Fläche von 365 km². Sie liegt am Ostrand des Powiat Drawski (Kreis Dramburg) und grenzt im Südosten an die Woiwodschaft Großpolen.

Umgeben ist die Gmina Czaplinek von den Nachbargemeinden:

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gmina Czaplinek ist in 29 Ortsteile ("Schulzenämter") untergliedert:

  • Broczyno (Brotzen)
  • Byszkowo
  • Czaplinek (Tempelburg)
  • Czarne Małe (Klein Schwarzsee)
  • Czarne Wielkie (Groß Schwarzsee)
  • Drahimek (Draheim)
  • Głęboczek (Winkel)
  • Kluczewo (Klaushagen)
  • Kołomat
  • Kuszewo (Weinberge)
  • Łąka (Lankenfelde)
  • Łazice (Tannenhof)
  • Łysinin (Grenzneuhof)
  • Machliny (Machlin)
  • Niwka (Hohenfelde)
  • Nowe Drawsko (Neu Draheim)
  • Ostroróg (Scharpenort)
  • Piaseczno (Blumenwerder)
  • Pławno (Plagow)
  • Prosinko (Hammer)
  • Prosino (Prössin)
  • Psie Głowy (Hundskopf)
  • Rzepowo (Reppow)
  • Siemczyno (Heinrichsdorf)
  • Sikory (Zicker)
  • Stare Drawsko (Alt Draheim)
  • Stare Gonne (Westgönne)
  • Trzciniec (Wassergrund)
  • Żelisławie (Ravensberg)
  • Żerdno (Schneidemühl)

Weiterhin gehören zur Stadt- und Landgemeinde Czaplinek die Orte: Bielice (Neunhagen), Brzezinka (Lehmaningen), Buszcze (Buschhof), Chmielewo (Augustenweide), Cichorzecze (Klöbenstein), Dobrzyca Mał (Döberitz), Kamienna Góra (Steinberg), Karsno (Karsbaum), Kluczewo-Kolonia, Kosin, Kużnica Drawska (Neudorf), Miłkowo (Milkow), Motarzewo (Wallbruch), Nowa Wieś (Schönhölzig), Piekary, Podstrzesze, Stare Kaleńsko (Alt Kalenzig), Studniczka (Klein Stüdnitz), Sulibórz, Turze (Thurbruch), Wełnica (Neue Walkmühle), Wrześnica (Alt Wilhelmshof) und Zdziersko (Lehnkrug).

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Die Gmina Czaplinek ist partnerschaftlich verbunden mit Grimmen (Mecklenburg-Vorpommern), Lychen (Brandenburg), Marlow (Mecklenburg-Vorpommern) und Ratekau (Schleswig-Holstein).

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 506-509 (Volltext)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Czaplinek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 15. Dezember 2013.
  2. Meyers Reisebuch Die deutsche Ostseeküste, Teil II: Rügen und die pommersche Ostseeküste mit ihrem Hinterland, 2. Auflage, Bibliographisches Institut, Leipzig 1924.
  3. a b c d e f g h i Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 508
  4. a b Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. Teil I, Band 4, Leipzig 1793, S. 511