Beate Schücking

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Beate Schücking (2007)

Beate A. Schücking (* 14. Januar 1956 in Kassel) ist eine deutsche Medizinerin und Hochschullehrerin. Seit dem 1. März 2011 ist sie Rektorin der Universität Leipzig.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schücking entstammt einer bekannten Gelehrtenfamilie. Sie ist die Enkeltochter des liberalen Völkerrechtlers Walther Schücking, der 1930 zum Richter am Ständigen Internationalen Gerichtshof in Den Haag berufen wurde.[1] Nach Ablegen ihres Abiturs studierte Schücking ab 1974 Medizin an der Universität Ulm. Während ihres Studiums hatte sie Auslandsaufenthalte in New York City und Paris und wurde von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Im Oktober 1981 erhielt sie ihre Approbation. Ihre Promotion zum Dr. med. erreichte sie mit einer Arbeit über experimentelle Hämatologie. Erste Tätigkeiten als Assistenzärztin in Biberach und am Zentrum für innere Medizin der Universität Marburg schlossen sich an. Berufsbegleitend absolvierte sie zudem ein Philosophiestudium sowie eine Ausbildung zur Psychotherapeutin.

1989 erhielt Schücking den Ruf als Professorin für Medizin an den Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule München. Dort befasste sie sich schwerpunktmäßig mit den Themenstellungen Frauengesundheit und soziale Gerontologie. 1995 wechselte sie an die Professur Gesundheits- und Krankheitslehre der Universität Osnabrück. Sie bekleidete einige Ehrenämter der universitären Selbstverwaltung, wie die Mitgliedschaft im akademischen Senat und den Vorsitz der Ethikkommission (2004–2009), in Osnabrück. Ab 2000 war sie Dekanin des Fachbereichs Gesundheitswissenschaften und Psychologie, von 2005 bis 2009 hauptberufliche Vizepräsidentin für Forschung und Nachwuchsförderung der Universität Osnabrück.

Bei der Wahl des Nachfolgers von Franz Häuser als Rektor der Universität Leipzig konnte sich Schücking am 16. November 2010 gegen Sabine Kunst aus Potsdam durchsetzen. Seit dem 1. März 2011 ist sie Rektorin der Universität Leipzig und damit die erste Frau in diesem Amt seit Gründung der Universität im Jahre 1409.[2] Der Hochschulrat schlug Schücking 2015 dem Senat nicht zur Wiederwahl vor, sondern nominierte zwei externe Kandidaten, was vielfach Kritik hervorrief.[3][4][5][6][7] Ein vom erweiterten Senat der Universität Leipzig beauftragtes Rechtsgutachten ergab, Schücking sei in dem Wahlverfahren unrechtmäßig benachteiligt worden. [8] Nach dem Rückzug der beiden Kandidaten wurde die Stelle neu ausgeschrieben; die Amtszeit von Schücking endete am 29. Februar 2016.[9] Bis zur Neuwahl führte sie das Amt kommissarisch.[10]

Am 31. Januar 2017 wurde Schücking für eine zweite fünfjährige Amtszeit wiedergewählt. Sie konnte sich mit 44 zu 23 Stimmen gegen Jan Palmowski, Professor für neuere Geschichte an der University of Warwick, durchsetzen.[11][12][13]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schücking baute an der Universität Osnabrück den Forschungsschwerpunkt Maternal & Child Health auf, der in seiner wissenschaftlichen Arbeit wesentlich zur Akademisierung des Hebammenwesens beitrug. Hebammenprofessorinnen der neugeschaffenen Studiengänge in Berlin, Bochum, Fulda und Osnabrück sowie pflegewissenschaftliche Professuren in Hamburg und Bielefeld entstammen dieser Arbeitsgruppe.[14][15] Ihre international vergleichende Forschung zur Geburtshilfe in verschiedenen Ländern Europas begründete den Aufbau eines internationalen, EU-geförderten COST-Netzwerks Research for Birth (2010–2014, Leitung: Soo Downe, UK) und einen Aufenthalt als visiting scholar an der Boston University in Massachusetts, USA (2003/2004).

In Leipzig hat Schücking eine neue Grundordnung der Universität zum Abschluss gebracht (2013), die ersten Zielvereinbarungen der Universität mit dem Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst verhandelt,[16] eine Reform der Universitätsverwaltung initiiert und als Vorsitzende der sächsischen Landesrektorenkonferenz die Zuschussvereinbarung für die sächsischen Universitäten von 2014 bis 2016 verhandelt und unterschrieben.[17] Der von ihrem Rektorat vorgelegte und vom Senat beschlossene Hochschulentwicklungsplan bildet die Grundlage auch zur Umsetzung der vom sächsischen Landtag vorgesehenen Stellenkürzungen im Wissenschaftsbereich. Schücking und das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst gerieten im Zuge dieser in die Kritik.[18][19] Die ehemalige Vorsitzende des Leipziger Hochschulrates Monika Harms warf der Universitätsleitung bezüglich der Stellenkürzungen mangelnde Kommunikationsbereitschaft vor.[20] Das Rektorat bestritt jegliche Vorwürfe und sprach sich weiterhin, auch bei studentischen Demonstrationen, gegen die Kürzungen aus.[21][22]

Mit dem Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD nach der Landtagswahl 2014 in Sachsen wurden der ursprünglich bis 2020 vorgesehene Stellenabbau zurückgenommen: Die auf dieser Basis Anfang 2016 im sächsischen Kabinett verhandelten Eckpunkte sächsischer Hochschulentwicklungsplanung verzichten auf den Abbau von 754 avisierten Stellen bereits ab 2017 und konzentrieren die Juristenausbildung an der Universität Leipzig.[23]

Schücking hat während ihrer Amtszeit die Kooperation mit den außeruniversitären Forschungsinstituten in Leipzig und mit den Nachbaruniversitäten in Halle und Jena intensiviert, wie am Beispiel der Einwerbung des DFG-Forschungszentrums integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) ersichtlich.[24] Die Universität verbesserte sich deutlich im Ranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), und konnte die Zahl ihrer Sonderforschungsbereiche verdreifachen.[25] Seit Januar 2014 hat Schücking in Leipzig den öffentlichen Diskurs über Willkommenskultur, Fremdenfeindlichkeit, Meinungsfreiheit und Gewaltbereitschaft angestoßen, unter anderem durch die Einrichtung öffentlicher, sogenannter „Donnerstagsdiskurse“ im Auditorium Maximum.[26] Bundesweit engagiert sie sich für die Einrichtung von Nationallizenzen wissenschaftlicher Online-Journals für eine breite Öffentlichkeit, um die Verfügbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse zu verbessern.[27]

Im Rahmen eines Zivilverfahrens eines abgelehnten Bewerbers auf eine Professorenstelle an der Universität Leipzig wurde Schücking im Mai 2017 in einem Urteil des Landgerichts Leipzig die versuchte Beeinflussung der zuständigen Berufungskommission nachgewiesen.[28][29][30] Das Gericht kam dabei zu dem Schluss, dass Schücking nicht nur wahrheitswidrig einen bestehenden Vorwurf der sexuellen Nötigung gegen den Bewerber als Gerücht lanciert habe, sondern ihr „die Behauptung unwahrer Tatsachen zur Durchsetzung ihrer Interessen nicht wesensfremd“[31] sei, da sie im entsprechenden Ermittlungsverfahren ebenso nachweislich falsche Angaben gemacht habe.[32] Das Urteil ist nicht rechtskräftig, da der Freistaat Sachsen in Berufung gegangen ist.[33][34] Es stehe im Widerspruch zu den Urteilen des Verwaltungsgerichts Leipzig und des Oberverwaltungsgerichts Bautzen, mit denen der Bewerber seine Konkurrentenklage erfolglos versucht hatte durchzusetzen.[35][36]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schücking ist Herausgeberin der Buchreihe Frauengesundheit bei Vandenhoeck & Ruprecht unipress, in der bisher neun Bände erschienen sind.[37]

Buchbeiträge (Auswahl):

  • mit K. Makowsky (Hrsg.): Was sagen die Mütter? Qualitative und quantitative Forschung rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Schriftenreihe Gesundheitsforschung. Juventa Verlag, Weinheim 2013.
  • mit C. Hellmers, B. Borrmann und S. Gebker: Mütterliches Wohlbefinden rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. In: J. Borke, A. Eickhorst (Hrsg.): Systemische Entwicklungsberatung in der frühen Kindheit. Facultas, Wien 2008, S. 211–235.
  • mit B. Borrmann und S. Erikson: Reproductive Health. In: W. Kirch: Encyclopedia of Public Health. Springer-Verlag, Heidelberg 2007.
  • mit S. Röhl: Identifikation von Versorgungsmängeln und Maßnahmen zur Sicherung der Versorgung mit Jod und Folsäure vor und in der Schwangerschaft. In: W. Kirch, B. Badura, H. Pfaff (Hrsg.): Prävention und Versorgungsforschung. Springer Verlag, 2007, S. 807–818.
  • Selbstbestimmung rund um die Geburt. In: Selbstbestimmung der Frau in Gynäkologie und Geburtshilfe. 2003.
  • mit J. Sandall, I. L. Bourgeault und W. Meier: Deciding Who Cares. In: R. Devries, C. Benoit, E. v. Teiglingen, S. Wrede (Hrsg.): Birth by Design. Pregnancy, Maternity Care and Midwifery in North America and Europe. Routledge, New York 2001, S. 117–138.

Zeitschriftenartikel (Auswahl):

  • mit K. Makowsky: Professionelle Begleitung adipöser Schwangerer - Möglichkeiten zur Prävention und Gesundheitsförderung. In: Präv Gesundheitsf. Springer-Verlag, 2012. doi:10.1007/s11553-011-0324-z
  • mit G. M. Ayerle und K. Makowsky: Key role in the prevention of child neglect and abuse in Germany: continuous care by qualified family midwives. In: Midwifery. 2011. doi:10.1016/j.midw.2011.05.009
  • mit C. Hellmers und A. Krahl: Ärztliches Handeln in der Geburtshilfe: Kriterien zur Entscheidungsfindung bei Interventionen. In: Geburtshilfe und Frauenheilkunde. 70 (7), 2010, S. 553–560.
  • mit B. Reime und P. Wenzlaff: Reproductive Outcomes in Adolescents Who Had a Previous Birth or an Induced Abortion Compared to Adolescents' First Pregnancies. In: BMC Pregnancy and Childbirth. 8, 2008, S. 4.
  • mit C. Hellmers: Caesarean Section on Request in Germany: Who Prefers it? In: Journal of Perinatal Medicine. 35 (Supplement II), 2007, S. 173.
  • mit B. Reime, P. A. Ratner, S. Tomaselli-Reime und P. Wenzlaff: The role of mediating factors in the relationship between social deprivation and low birth weight in Germany. In: Social Science and Medicine. 2006; 62, S. 1731–1744.
  • mit C. Hellmers, C. Schwarz: Sectio – Eine gesunde Entscheidung? In: Zentralblatt für Gynäkologie. 127 (1), 2005, S. 48–49.
  • Neue Wege ins Alter. In: Universitas. 7, 1994, S. 671–677.
  • Mit welchem Paradigma in die Technik der Zukunft? Kritik. In: Ethik und Sozialwissenschaften. Heft 3, 1992, S. 320–322.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Beate Schücking – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Susann Huster: Die Schückings - eine Gelehrtenfamilie.
  2. Medizinprofessorin wird neue Rektorin der Universität Leipzig. (Memento vom 4. Januar 2014 im Internet Archive) In: Leipziger Volkszeitung. 16. November 2010.
  3. „Das macht mich fassungslos“ In: Die Zeit. 30. Juli 2015.
  4. „Keine zweite Amtszeit für Leipzigs Uni-Rektorin Schücking“ In: LVZ. 29. Juli 2015.
  5. „"Niederträchtiger Akt" - Wolff ergreift Partei für Schücking“ In: LVZ. 30. Juli 2015.
  6. „Keine zweite Amtszeit für Leipzigs Uni-Rektorin Schücking“ In: LVZ. 29. Juli 2015.
  7. „Rektorwahl an der Leipziger Uni: Senat kontra Hochschulrat“ In: LVZ. 30. September 2015.
  8. „Universität Leipzig: Rektorenwahl um Schücking nicht rechtmäßig“ In: Spiegel Online 22. Januar 2016.
  9. Mario Beck: Uni-Rektorwahl gescheitert – Stelle wird neu ausgeschrieben. In: Leipziger Volkszeitung. 7. Januar 2016; abgerufen am 23. Januar 2016.
  10. Amory Burchard: „Kann nicht zur Heilung der Krise beitragen“. In: Tagesspiegel. 11. Januar 2016; abgerufen am 23. Januar 2016.
  11. Beate Schücking erneut zur Rektorin der Universität Leipzig gewählt. In: Pressemitteilungen der Universität Leipzig. Universität Leipzig, 31. Januar 2017; abgerufen am 2. Februar 2017.
  12. Beate Schücking als Rektorin der Uni Leipzig wiedergewählt. In: welt.de. 31. Januar 2017; abgerufen am 31. Januar 2017.
  13. Beate Schücking bleibt Rektorin der Uni Leipzig. In: sachsen-fernsehen.de. 31. Januar 2017; abgerufen am 31. Januar 2017.
  14. Universität Osnabrück: Maternal Health
  15. Deutscher Hebammenverband: Midwifery Studium 13. Oktober 2013.
  16. Universität Leipzig: An der Leipziger Universität entsteht der Bildungscampus Sachsen. 22. Juni 2012.
  17. Warnung vor Raubbau. In: Forschung und Lehre. 7. Oktober 2013.
  18. Kürzungen an Universitäten - "Das wird uns Höllenqualen aussetzen". In: Die Zeit. 20. Februar 2014.
  19. M19 zu den Kürzungen an der Uni Leipzig - "Es wird Dominoeffekte geben". auf: mephisto 97.6, 28. Mai 2014.
  20. Ich sehe kein Konzept. In: Student! 17. April 2014.
  21. Demo für Bildung in Leipzig - "Kürzer geht's nicht!" In: DAZ. 2. Juni 2014.
  22. "Stellen und Kandidaten weg." In: Kreuzer 7. Januar 2016.
  23. „Hochschulentwicklung in Sachsen: TU Dresden verliert Jura-Studiengänge“ In: Dresdner Neueste Nachrichten 15. März 2016.
  24. Wissenschaftsministerin Schorlemer lobt Innovationskraft von iDiv. auf: leipzig.de 4. Februar 2013.
  25. LVZ: Leipzigs Uni-Rektorin: „Hatten mit dem Stellenabbau zu kämpfen“. Abgerufen am 9. April 2016.
  26. Neuer Donnerstagsdiskurs zum Thema urbane Gewalt. In: idw-online.de. Abgerufen am 9. April 2016.
  27. Teure Fachzeitschriften - Nationallizenzen für Uni-Bibliotheken gefordert. In: Der Tagesspiegel. 11. August 2013.
  28. LG Leipzig, 7 O 3558/15, S. 13-17. [1]
  29. Uni-Rektorin dementiert Teilhabe an manipulierter Stellenvergabe. auf: mdr.de 29. Mai 2017.
  30. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: Uni Leipzig: Millionen-Entschädigung für gescheiterten Professor - SPIEGEL ONLINE - Leben und Lernen. Abgerufen am 30. Mai 2017.
  31. LG Leipzig, 7 O 3558/15, S. 16.[2]
  32. LG Leipzig, 7 O 3558/15, S. 16-17.[3]
  33. Kleine Anfrage der Abgeordneten Geert W. Mackenroth und Ronald Pohle, CDU-Fraktion: Rechtswidriges Besetzungsverfahren an der Universität Leipzig, Landtag Sachsen, Drucksache 6/9803, 04. Juli 2017.
  34. Uni Leipzig: Berufungsaffäre zieht Kreise In: Dresdner Neuste Nachrichten 2. Juni 2017.
  35. Uni-Rektorin dementiert Teilhabe an manipulierter Stellenvergabe. auf: mdr.de 29. Mai 2017.
  36. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: Uni Leipzig: Millionen-Entschädigung für gescheiterten Professor - SPIEGEL ONLINE - Leben und Lernen. Abgerufen am 30. Mai 2017.
  37. Vandenhoeck & Ruprecht: Frauengesundheit.