Benedikt Widmann

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Benedikt Widmann (* 5. März 1820 in Bräunlingen; † 4. März 1910 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Musikpädagoge, Schuldirektor, Musikschriftsteller und Komponist.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Widmann studierte Komposition und Formenlehre bei Franz Xaver Schnyder von Wartensee, dessen System der Rhythmik er später herausgab. Er war fast 50 Jahre Musiklehrer und Rektor an der Rosenbergerschule sowie an der Schule der Englischen Fräulein in Frankfurt am Main. Er verfasste eine schier unüberschaubare Zahl musiktheoretischer und musikpädagogischer Schriften, und trug damit vor allem entscheidend zur Verbreitung der „Leipziger Harmonielehre-Tradition“ im 19. Jahrhundert bei.

Als Komponist lag sein Schwerpunkt im Bereich der Vokalmusik. Einige seiner Melodien „im Volkston“ sind bis heute populär. Insbesondere vertonte er eine Vielzahl von Kindergedichten seines Frankfurter Lehrerkollegen Karl Enslin.

Widmann wird auch gelegentlich, besonders in älteren Schulliederbüchern, als Komponist des von Karl Enslin getexteten Weihnachtsliedes Kling, Glöckchen, klingelingeling genannt,[1][2] doch ist dies nicht belegt. Insbesondere kann die häufig zu findende Angabe, die Melodie sei 1884 entstanden, nicht stimmen, da sie schon spätestens 1873 nachgewiesen ist.[3]

Widmanns Nachlass befindet sich im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte.[4][5]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kompositionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Instrumentalwerke
  • Sechs Adagio für die Orgel. Fliegende Blätter der kath. Kirchenmusik, Jg. 3, Musikbeilage 5
  • Polnisches Kirchenlied als Orgeltrio. Pustet, Regensburg 1868
  • Originalbeitrag in: Präludienbuch zunächst für Lehrer-Bildungsanstalten umgearbeitet, vermehrt und verbessert von Karl Deigendesch. Aufl. (Org.) Böhm & Sohn, Augsburg/Wien 1888. (Nr. 35, Adagio G-Dur / No. 57, Versette D-Dur / No. 76, Andante A-Dur / No. 128, Präludium und Fuge F-Dur / No. 141, Thema von Anton Lotti / No. 188, Variation über ein Thema von Carissimi / No. 189, Moderato c-moll.)
  • Beiträge in: Vademecum. Eine Sammlung kleiner Orgelstücke in den modernen Tonarten. Gressler, Langensalza 1871. (No. 11, Adagio C-Dur / No. 23, Adagio G-Dur / No. 61, Larghetto Es-Dur / No. 73, Adagio C-Dur / No. 85, Adagio F-Dur / No. 92, Andante a-moll)
Vokalwerke
  • Vier Weihnachtslieder op. 18[6]
  • Lebensfrühling. Kinderlieder von Karl Enslin für Schule und Haus, ein- und zweistimmig mit leichter Klavierbegleitung. C. Merseburger (o. V.-Nr.), Leipzig (1854).
  • Liederquelle. 100 Gedichte für die Jugend von Karl Enslin. Mit 1-, 2- und 3-stimmigen Original-Kompositionen und Volksweisen herausgegeben von Benedict Widmann. In vier Heften. G. W. Körner’s Verlagsbuchhandlung, Erfurt/Leipzig um 1854.
  • Sammlung polyphoner zwei- und dreistimmiger Übungen und Gesänge für höhere Töchterschulen und Mädcheninstitute. 4 Hefte. 1856–1858.
  • Fromm und fröhlich! Essen, 1858.
  • (Hrsg.) Lieder für Schule und Leben. 1861.
  • Polyhymnia […] Zum Gebrauche für Schul- und Frauenchöre, meist aus den musikalischen Classikern ausgewählt und theilweise arrangiert für 2–3stimmigen Chor und Klavier. 1865?
  • (mit Ludwig Erk) Neue Liederquelle: periodische Sammlung ein- und mehrstimmiger Lieder. 3 Hefte. Merseburger, Leipzig 1869 (Digitalisat).
  • (mit Heinrich Fidelis Müller) Neue Trutz-Nachtigall. Auswahl volkstümlicher, geistlicher und weltlicher Lieder für katholische Schulen und Familien. Frankfurt am Main 1879, 39. A. 1916.
  • Liederstrauß (Bernhard Brähmig). Auswahl heiterer und ernster Gesänge für Töchterschulen. 1880.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterrichtswerke
Musiktheoretische Schriften
  • Die strengen Formen der Musik, in klassischen Beispielen zum Gebrauche für Lehrer und Schüler. C. Merseburger, Leipzig [1882].
  • Die kunsthistorische Entwicklung des Männerchors in drei Vorlesungen dargestellt. Leipzig 1884.
  • Geschichtsbild des deutschen Volksliedes in Wort und Weise. C. Merseburger, Leipzig 1885.
  • Das deutsche Kirchenlied an konfessionell gemischten Anstalten. In: Gymnasium: Zeitschrift für Lehrer an Gymnasien und verwandten Unterrichtsanstalten. 16.1898, Nr. 19, Sp. 657–666 (Digitalisat).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frohe Weihnacht. Eine Sammlung von 40 der bekanntesten Weihnachtslieder. Herausgegeben und arrangiert von Wilhelm Lutz. Edition Schott 4006, Mainz 1946, S. 14.
  2. Hildegard Meyberg (Hrsg.): Laßt uns singen in der Weihnachtszeit. Ludwig Auer, Donauwörth 1985, ISBN 3-403-01602-1, S. 249.
  3. Johann Nepomuk Ahle (Hrsg.): Geistlicher Christbaum. 7. Heft: Kleinere Weihnachtsspiele, Lieder, Gedichte. Pustet, Regensburg 1873, S. 30 f. (Digitalisat).
  4. Institut für Stadtgeschichte: Nachlässe
  5. Nachlass Widmann, Benedikt (1820-1910), Bundesarchiv, Zentrale Datenbank Nachlässe
  6. Lieder von Benedict Widmann bei The LiederNet Archive