Benfe (Erndtebrück)

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Benfe
Gemeinde Erndtebrück
Koordinaten: 50° 56′ 2″ N, 8° 14′ 33″ O
Höhe: 577 (550–590) m
Fläche: 8,78 km²
Einwohner: 395 (31. Dez. 2012)
Bevölkerungsdichte: 45 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 57339
Vorwahl: 02753
Blick auf Benfe
Aufnahme aus dem Forstatlas der Grafschaft Wittgenstein von 1739. Die Karte zeigt das erste Haus in Benfe, erbaut um 1713.

Benfe ist der am höchsten gelegene Ortsteil von Erndtebrück im Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen. Das Dorf hat etwa 400 Einwohner.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benfe liegt im Westteil des Wittgensteiner Lands. Es befindet sich im Südteil des Rothaargebirges bzw. im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge. In der Umgebung liegen unter anderem die Quellen von Sieg, Eder und Lahn sowie auch der Benfe, die den Ort als Eder-Zufluss unmittelbar östlich umfließt. Benfe ist eingebettet zwischen dem Kleinen Kopf (615,6 m ü. NN; Norden), dem Weibelskopf (620,7 m ü. NN; Osten), dem Aukopf (644,9 m ü. NN; Süden) und dem Jagdberg (634,5 m ü. NN; Nordwesten) und liegt auf 550 bis 590 m ü. NN[1]. Durch das Dorf führt die Kohlenstraße (einstiger Wirtschaftsweg zwischen Wittgensteiner Land und Siegerland) und durch die südlichen Dorfteile der Rothaarsteig.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbarorte von Benfe sind Erndtebrück im Norden, Rückershausen im Nordosten, Volkholz im Osten, Großenbach im Südsüdosten, Walpersdorf im Südsüdwesten, Sohlbach im Westnordwesten und Lützel im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mannbuch des Herrn von Bicken, einem Lehnsregister aus dem Jahr 1344, wird die noch unbewohnte Gegend erstmals erwähnt: Das „Gewelde und Gehölze heißt die Benphe“.[2] Weitere Beurkundungen des Raumes auf der Benfer Hochfläche finden bei Grenzbeschreibungen in den Jahren 1515 und 1630 statt.[3][4] Im Jahre 1713 begann mit Johann Jost Hippenstiel (1665–1738) die Besiedelung.[5] Die ersten Siedler waren Köhler. Die Eisenhämmer in Ludwigseck benötigten eine große Menge an Holzkohle. Die waldreiche Region bot die besten Voraussetzungen für das Köhlerhandwerk. 1758 zählte Benfe zwei Kanongüter, zwei weitere Dorfbewohner werden in der Untertanenliste des „Feudinger Viertels“ als Beisitzer erwähnt. Ab 1819 gehörte der Ort zum Schultheißenbezirk Erndtebrück. 1845 war Benfe ein Teil des Amtes Erndtebrück.

Die Lage des Wittgensteiner Dorfes in unmittelbarer Nähe zum Siegerland brachte es mit sich, dass einige Dorfbewohner zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen, an der Kohlenstraße, südwestlich des Dorfes Benfe zu siedeln. Dort hatte die Oberförsterei Netphen um 1900 eine kleine Dienstwohnung eingerichtet, die mit dem Neubau des Forsthauses Hohenroth[6][7] im Jahre 1910 wieder aufgegeben wurde. 1911 konnte das bescheidene Anwesen auf dem Gebiet der Gemeinde Nauholz, das sog. „Waldheim“ von einem Benfer Waldarbeiter[8] erworben und ausgebaut werden. Im Laufe der 1930er Jahre wurden am Dorfrand von Benfe noch zwei weitere Häuser gebaut. Diese neue Siedlung wurde nach der ehemaligen Försterwohnung „Waldheim“ genannt. Bereits am 29. April 1914 stellte der Amtmann[9] von Netphen bei der Gemeinde Benfe den Antrag, ein Kind der Siedlung „Waldheim“ solle „gastweise“ und gegen Zahlung von Schulgeld die Dorfschule in Benfe besuchen, da ihm der weite Schulweg nach Brauersdorf nicht zuzumuten sei. Am 6. November 1935 stellten die Einwohner von Waldheim erfolgreich einen Antrag[10] auf Umpfarrung zur Kirchengemeinde Erndtebrück. Am 7. August 1967 beschloss[11] der Rat der Gemeinde Nauholz auf Antrag der betroffenen Einwohner die Ausgliederung des Gemeindebezirks „Waldheim“. Durch Erlass des IM NRW vom 17. April 1968 wurde die Eingliederung[12] der Siedlung „Waldheim“ in die Gemeinde Benfe besiegelt. Im Jahr 2018 befinden sich hier inzwischen neun Häuser.

Ab 1952 errichtete die Deutsche Bauernsiedlung in Röspe und Ludwigseck zwei Neubausiedlungen im Kreis Wittgenstein. Der Bau der „Siedlung Ludwigseck“, erfolgte etwa zur Hälfte auf dem Gemeindegebiet Benfe. Hier fanden Vertriebene aus Schlesien sowie Ost- und Westpreußen eine neue Heimat und sorgten für einen deutlichen Bevölkerungsanstieg in der Gemeinde.

Der Ort gehört seit der Gebietsreform, die am 1. Januar 1975 in Kraft trat, zur Gemeinde Erndtebrück und war bis zur Eingemeindung eine selbstständige Gemeinde im damaligen Kreis Wittgenstein.[13]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1819: 048 Einwohner in 05 Häusern
  • Dorfansicht Benfe von 1910, im Hintergrund rechts der Rohbau der Dorfschule Benfe, nachdem der Vorgängerbau abgebrannt war.
    1854: 128 Einwohner in 13 Häusern
  • 1900: 156 Einwohner
  • 1961: 364 Einwohner[13]
  • 1970: 383 Einwohner[13]
  • 1974: 380 Einwohner[14]
  • 1992: 384 Einwohner[15]
  • 1995: 446 Einwohner
  • 1997: 432 Einwohner
  • 2000: 451 Einwohner
  • 2002: 457 Einwohner
  • 2005: 431 Einwohner
  • 2007: 421 Einwohner
  • 2010: 395 Einwohner
  • 2012: 395 Einwohner

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Dieter Bald: Aktionswoche „Kohlenmeiler Benfe 1995“ . In: Wittgenstein. Blätter des Wittgensteiner Heimatvereins, 1996, Heft 2, S. 69 ff.
  • Jochen Karl Mehldau: Zur Orts- und Familiengeschichte von Benfe. In: Wittgenstein. Blätter des Wittgensteiner Heimatvereins, 1990, Heft 2, S. 57 ff.
  • Werner Wied: Hof Ludwigseck. In: Erndtebrück – ein Heimatbuch des obersten Edertales, herausgegeben von Werner Wied, Erndtebrück 1977, Band II, S. 83 ff.
  • Werner Wied: Schürmannshof. In: In: Erndtebrück – ein Heimatbuch des obersten Edertales, herausgegeben von Werner Wied, Erndtebrück 1977, Band II, S. 113 ff.
  • Dieter Bald: Die Siedlung Ludwigseck. In: Flüchtlinge und Vertriebene in Erndtebrück, Ein Beitrag zur Ortsgeschichte seit 1946, herausgegeben von Adolf Laues, Erndtebrück 1996, Seite 100 ff.
  • Dieter Bald: Anmerkungen zur Ersterwähnung des Dorfes Benfe. In: Dorfbuch Benfe – Ein Streifzug durch 300 Jahre Dorfgeschichte, herausgegeben vom Heimatverein Benfe 1992, Erndtebrück 2015, S. 10 ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise)
  2. Das Original des Bicken´schen Mannbuches befindet sich im Staatsarchiv Koblenz, Abt. 54/32 III Nr. 2485.
  3. 22. September 1515: Im Vergleich über die Landesgrenze zwischen Wittgenstein und Nassau wird der Grenzverlauf u. a. wie folgt beschreiben: „...furth den berg ab biß in die Lutzell und das fluß abhien biß in die Benff, uß der Benff den Berg anhien den gezeichneten malen noch über...“ Quelle: BA Urk.Nr. 1493.
  4. 31. Mai 1630: Grenzzug um die Grafschaft Wittgenstein-Wittgenstein auf Veranlassung des Grafen Ludwig: Zum Raum Benfe wird u.a.notiert: „... fürters den waldt hinauß uf den Benffer Rücken (14) ein stein, item am weg stehet wiederumb ein stein; von dar alß hinab biß in der Bänff, ist auch ein stein gesetzt beym eichbaum, undt dan den grundt des waßer die Lützel genant hinauf...“ Quelle: Fürstliches Archiv Wittgenstein, WA Acta G 52.
  5. WA, Renteirechnung von 1713, Seite 130: „In der Benfe ohnweit Ludwigseck - Johann Jost Heppenstiel von Haus und Hoff und erlaubnus 12 Stück Vieh und ein Pferd zu halten, 10 rh, hatt 3 Jahr Freyheit, gehet an 1713 im 7bris, also frey bis in 7bris 1716.“
  6. Das Forsthaus Hohenroth im Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein beherbergt heute ein Waldinformationszentrum, ist Sitz des Vereins „Waldland Hohenroth“ und des Lokals „Cafe Waldland“.
  7. W.Jocher: Faszination "Waldland Hohenroth". Abgerufen am 13. August 2018 (deutsch).
  8. Dieter Bald: Dorfbuch Benfe, Hofgründungen im 20. Jahrhundert, Nauholz 26, Seite 126 ff, Herausgeber: Heimatverein Benfe 1992 e.V., Erndtebrück 2015
  9. ders. hier: Dorfchronik Benfe, Seite 148
  10. ders. hier: Dorfchronik Benfe, Seite 153
  11. ders. hier: Dorfchronik Benfe, Seite 165
  12. ders. hier: Dorfchronik Benfe, Seite 165
  13. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 337.
  14. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 139.
  15. Einwohnerzahlen der Gemeinde Erndtebrück und ihrer Ortsteile von 1992 bis 2012: Den Download Einwohnerstatistik der Gemeinde Ernstebrück seit 1992 anklicken! (Memento des Originals vom 11. September 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.erndtebrueck.de