Beny Steinmetz

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Beny Steinmetz (2016)

Beny Steinmetz (* 2. April 1956 in Netanja) ist ein israelischer Unternehmer. Er ist Diamantenhändler, Investor für Rohstoffe, Gründer, Berater und indirekt Inhaber der Beny Steinmetz Group Resources (BSGR), die hauptsächlich im Abbau von Bodenschätzen in Afrika und Osteuropa und im Immobilienhandel tätig ist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinmetz ist das vierte Kind des 1936 nach Palästina ausgewanderten polnischen Diamantenhändlers Reuven und seiner Frau Esther Steinmetz.[1] Er leistete seinen dreijährigen Militärdienst und kam 1977 mit 21 Jahren nach Antwerpen, wo er im Diamantenhandel tätig wurde. Der führende Diamantenhändler der Stadt, Abraham Laub, half ihm beim Aufbau eines eigenen Unternehmens. Nach 1990 gründete und führte er mit seinem Bruder Daniel die Steinmetz Diamonds Group (SDG). Ihre Geschäftsbeziehungen waren international ausgerichtet, insbesondere nach Südafrika, Namibia, Botswana und Indien.[2] Im Jahre 1996 zog er mit seiner Frau Agnes und den vier Kindern wieder zurück nach Israel. Mit seiner Frau Agnes gründete Steinmetz 2006 die Agnes & Beny Steinmetz Stiftung, um Kindern und Jugendlichen in Israel zu einer besseren Zukunft zu verhelfen.[3] Er zog 2010 mit der Familie nach Genf und besitzt auch einen französischen Pass.[1][4][5]

Er ist einer der Hauptaktionäre des kanadischen Bergbaukonzerns Gabriel Resources, der in Rumänien im Ort Roșia Montană trotz Umweltbedenken und Korruptionsvorwürfen die größte Goldmine Europas in Betrieb nehmen will.[6]

Mit einer Finanzierung des Diamanten-Milliardärs übernahm der Signa-Gründer René Benko die Kontrolle über den deutschen Kaufhauskonzern Karstadt.[7][8]

Als Diamantenhändler und Investor im Abbau von Bodenschätzen ist Steinmetz mit seinen Unternehmen in mehr als 25 Ländern tätig, unter anderem in Angola und Sierra Leone. Im April 2016 gelangten durch die Panama Papers weitere unternehmerische Tätigkeiten von Steinmetz an die Öffentlichkeit.[9] Demnach erhielt die BSGR 2008 die Schürfrechte für den Eisenerzabbau im Simandou-Hügelzug im Südosten Guineas, das als weltweit größtes abbaubares Eisenerzvorkommen gilt. Die bei der Neuvergabe ausgebootete Rio Tinto Group klagte erfolglos dagegen.[1] 2010 erwarb die brasilianische Firma Vale 51 % der Rechte in Guinea für angeblich 2,5 Mrd. US-Dollar. Wegen Korruption bei der Vergabe wurden dem Unternehmen BSGR im Jahr 2014 die Rechte von der inzwischen neuen Regierung unter Alpha Condé wieder entzogen.[10]

Im September 2014 leitete die BSGR ein internationales Schlichtungsverfahren gegen die Republik Guinea beim Internationalen Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten ein und focht die Entscheidung der Regierung an, die Abbaurechte zu widerrufen. Nach Vermittlungsbemühungen des ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy im Februar 2019 stimmte die BSGR zusammen mit dem guineischen Präsidenten Alpha Condé zu, das anhängige Schlichtungsverfahren und alle Vorwürfe wegen Fehlverhaltens fallen zu lassen. Als Teil der Vereinbarung würde die BSGR ihre Rechte am Eisenerz in Simandou aufgeben, und dagegen ein Interesse an der kleineren Erzlagerstätte in Zogota aufrechterhalten, die von Niron Metals unter der Leitung von Mick Davis erschlossen werden soll.[11][12] Rio Tinto reichte daraufhin Klage gegen Steinmetz, BSGR und Vale ein und behauptete, sie hätten einen RICO-Plan ausgearbeitet, um „wertvolle Abbaurechte“ im Besitz von Rio Tinto zu stehlen.[13]

Steinmetz stellte daraufhin den ehemaligen FBI-Direktor Louis Freeh, den Verteidiger Alan Dershowitz und die Anwaltskanzlei Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom als Teil seines Verteidigungsteams ein.[14] Im November 2015 wurde die RICO-Klage von Rio Tinto gegen BSGR abgewiesen, wobei der US-Bezirksrichter Richard Berman entschied, dass Rio die Verjährungsfrist bei der Einreichung ihrer Klage gegen BSGR im Jahr 2014 überschritten habe und dass das Unternehmen es versäumt habe, ein Muster von Erpressungsaktivitäten der Beklagten zu erkennen.[15]

Mitte November 2016 wurde Alan Davies, Leiter der für Simandou zuständigen Abteilung von Rio Tinto, aufgrund einer Untersuchung der Rechtmäßigkeit der Zahlung von Rio Tinto an François de Combret, ehemaliger geschäftsführender Gesellschafter von Lazard und persönlicher Berater des Präsidenten von Guinea, suspendiert.[16]

Konflikte mit dem Gesetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die israelische Polizei nahm am Morgen des 14. August 2017 in einer groß angelegten Razzia fünf Personen wegen Geldwäsche fest, unter ihnen Beny Steinmetz und Tal Silberstein wegen des Verdachts der Geldwäsche in Milliardenhöhe, der Bestechung und der Urkundenfälschung.[17] Der Genfer Staatsanwalt Claudio Mascotto erhob am 13. August 2019 Anklage gegen Steinmetz und zwei seiner mutmaßlichen Komplizen wegen Urkundenfälschung (StGB Art. 251).[18] Steinmetz wurde im folgenden Monat unbestraft entlassen.[19][20] Die Strafsache wird am Genfer Strafgericht verhandelt, da die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe zwischen zwei und zehn Jahren beantragt hat.[21]

Am 10. März 2016 wurde Steinmetz in Abwesenheit von der nationalen rumänischen Antikorruptionsbehörde unter dem Vorwurf der unrechtmäßigen Eintreibung des Erbes von Paul-Philippe Hohenzollern angeklagt. Das Gericht in Rumänien wies den Antrag auf einen Haftbefehl gegen ihn ab.[22] Am 27. Juni 2019 wurde Steinmetz von dem rumänischen Gericht von allen Anklagepunkten freigesprochen.[23]

Im August 2019 wurde Anklage von der Genfer Staatsanwaltschaft erhoben.[24] Steinmetz und zwei ehemaligen Mitarbeitern wird vorgeworfen, Schmiergelder an Mamadie Touré, der vierten Frau des früheren Präsidenten von Guinea Lansana Conté, überwiesen zu haben, um im Gegenzug Minenrechte am riesigen Eisenerzvorkommen am Berg Simandou zu erhalten.[25] Der Prozess begann am 11. Januar 2021.[26] Am 22. Januar 2021 wurde Steinmetz vom Genfer Strafgerichtshof zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und einer Kompensationszahlung von 50 Millionen Schweizer Franken verurteilt. Die zwei Mitangeklagten wurden ebenfalls schuldig gesprochen. Steinmetz und sein Anwalt Marc Bonnant wollen das Urteil anfechten.[27]

Vermögen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forbes schätzte sein Vermögen 2010 auf 2 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2011 wurde die Schätzung mit 6 Milliarden US-Dollar deutlich erhöht. 2014 wurde sein Vermögen noch auf 4 Milliarden US-Dollar geschätzt. In den Jahren darauf verringerten sich die Schätzungen auf zuletzt 1 Milliarde US-Dollar im Jahr 2019. Nach 2019 war er nicht mehr als Milliardär bei Forbes gelistet.[28]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinmetz ist seit 1980 verheiratet mit Agnes, sie haben vier Kinder. Sie lebten bis 1996 in Antwerpen, dann in Israel, 2010 bis 2016 in Genf und seither wieder in Israel.[25][29][30]

Philanthropisches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beny Steinmetz, Geschäftsmann und Philanthrop, wurde durch seine Arbeit Milliardär.[31] Mit seiner Ehefrau beaufsichtigt er die Beny & Agnes Steinmety Foundation, die Schulen, Krankenhäuser, Militäreinheiten und die Kunstwelt in Israel finanziell unterstützt.[32] Die Stiftung war nur eine weitere Etappe ihrer bereits durchgeführten humanitären Aktionen.[33]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Frederik Obermaier; Bastian Obermayer; Tobias Zick: Die Witwe und der Weihnachtsmann, in: Süddeutsche Zeitung, 28. Mai 2016, S. 13ff.
  2. Harriet Sherwood: Beny Steinmetz: Israeli diamond dealer likes to keep a low profile. theguardian.com, 30. Juli 2013, abgerufen am 10. Februar 2014
  3. https://www.benysteinmetz.de/ueber-beny-steinmetz/ Philanthropie — Die Agnes & Beny Steinmetz Stiftung, Website Beny Steinmetz
  4. Harriet Sherwood: Beny Steinmetz: Israeli diamond dealer likes to keep a low profile. theguardian.com, 30. Juli 2013, abgerufen am 10. Februar 2014
  5. About Beny Steinmetz Website steinmetz.com
  6. boerse-express.com: Grünes Licht für Goldabbau in Rumänien (Memento vom 26. September 2013 im Internet Archive), 31. August 2013
  7. format.at: [1], 3. Dezember 2013
  8. Süddeutsche Zeitung: Karstadt: Die Stunde des Diamantenhändlers. 22. November 2013.
  9. ARD-Dokumentation „Die Briefkastenfirmen der Mächtigen“ ab Minute 16, 6. April 2016
  10. Robert Kappel; Die Gier regiert, Interview, in: Süddeutsche Zeitung, 28. Mai 2016, S. 15
  11. Bloomberg – Are you a robot? Abgerufen am 17. Februar 2020.
  12. Simon Goodley: Beny Steinmetz settles dispute with Guinea over iron ore project. In: The Guardian. 25. Februar 2019, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 17. Februar 2020]).
  13. Ian Cobain, agencies: Rio Tinto sues Israeli billionaire Beny Steinmetz. In: The Guardian. 1. Mai 2014, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 17. Februar 2020]).
  14. Ken Silverstein: Louis Freeh’s Latest Investigation: Billionaire Businessman Accused of Bribing African Government. In: The Intercept. 2. Januar 2015, abgerufen am 17. Februar 2020 (amerikanisches Englisch).
  15. Bloomberg – Are you a robot? Abgerufen am 17. Februar 2020.
  16. Billionaire Says Rio Probe Proves Elaborate Plot to Strip Prized Guinea Mine Rights. Abgerufen am 17. Februar 2020.
  17. Kanzler-Berater Silberstein in Israel verhaftet!, oe24, 14. August 2017.
  18. Sylvain Besson: Genf stellt Milliardär Steinmetz wegen Korruption vor Gericht. In: Tages-Anzeiger. ISSN 1422-9994 (tagesanzeiger.ch [abgerufen am 13. August 2019]).
  19. BSGR sues billionaire George Soros over loss of Guinea iron project. In: Reuters. 15. April 2017 (reuters.com [abgerufen am 17. Februar 2020]).
  20. Billionaire Beny Steinmetz released from Israel house arrest. In: Reuters. 4. Januar 2017 (reuters.com [abgerufen am 17. Februar 2020]).
  21. Pouvoir judiciaire – Licences minières en Guinée: Beny STEINMETZ renvoyé en jugement. Abgerufen am 13. August 2019.
  22. Romanian court refuses Steinmetz arrest warrant – Globes. 22. Mai 2016, abgerufen am 17. Februar 2020 (hebräisch).
  23. רומניה: זוכו אנשי העסקים הישראלים שהואשמו בהונאת ענק. 27. Juni 2019, abgerufen am 17. Februar 2020 (hebräisch).
  24. Frederik Obermaier, Isabel Pfaff: Unterirdische Geschäfte. In: sueddeutsche.de. 11. Januar 2021, abgerufen am 11. Januar 2021.
  25. a b Andreas Stüdli: Prozess gegen Beny Steinmetz – Einflussreicher Rohstoffhändler vor Gericht – darum geht es. In: Schweizer Radio und Fernsehen. 11. Januar 2021, abgerufen am 11. Januar 2021.
  26. Korruption: Bergbaukönig und Milliardär Steinmetz vor Gericht. In: orf.at. 11. Januar 2021, abgerufen am 11. Januar 2021.
  27. Prozess gegen Beny Steinmetz – Hartes Urteil gegen französisch-israelischen Rohstoffhändler. In: srf.ch. 22. Januar 2021, abgerufen am 23. Januar 2021.
  28. Forbes: Beny Steinmetz. Abgerufen am 31. Januar 2018.
  29. Gerald Hosp und Fabio Urech: Wer der mysteriöse Beny Steinmetz? Neue Zürcher Zeitung, Zürich 9. Januar 2021, S. 8 und 9
  30. #2057 Beny Steinmetz, Website forbes.com (englisch)
  31. 8 Renowned Philanthropists And Their Charitable Work. In: Think Research Expose. 11. April 2022, abgerufen am 19. August 2022 (amerikanisches Englisch).
  32. Beny Steinmetz. Abgerufen am 19. August 2022 (englisch).
  33. John Saunders: Ten philanthropic role models to model your charitable giving after. 11. April 2022, abgerufen am 19. August 2022 (britisches Englisch).