Bergfriedhof (Heidelberg)

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Eingang zum Bergfriedhof Heidelberg in der Rohrbacher Straße mit Blick auf das Krematorium

Der Bergfriedhof Heidelberg ist einer der 17 Friedhöfe der Stadt Heidelberg. Der 1844 eröffnete Bergfriedhof war der erste unter kommunaler Leitung geführte Friedhof der Stadt. Er liegt im Süden Heidelbergs auf einem nach Osten hin ansteigenden ehemaligen Weinberggelände am Nordende des Stadtteils Südstadt, er grenzt an die Weststadt und an den Gaisberg. Der Friedhof ist konfessionsübergreifend, ein Teil der Anlage ist auch als jüdischer Friedhof ausgewiesen. Auf einer Geländeterrasse südöstlich oberhalb des Bergfriedhofs wurde von 1933 bis 1935 der Heidelberger Ehrenfriedhof angelegt.

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Teil im Süden der Anlage ist als Jüdischer Friedhof ausgewiesen
Blick auf den Jüdischen Friedhof

Der Heidelberger Bergfriedhof erstreckt sich über eine nach Osten hin ansteigende, unregelmäßig begrenzte Fläche von 14,4 Hektar östlich der Rohrbacher Straße. Im Norden wird er von einer Bahnstrecke begrenzt, welche die Neckartalbahn mit dem ehemaligen Güter- und Rangierbahnhof der Stadt verband, im Nordosten von einem Taleinschnitt, durch den der Steigerweg bergan zieht, im Osten von Wald am recht steilen Hang, im Süden von Wohnbebauung an Görresstraße und Panoramastraße.

Der Haupteingang zum Friedhof ist an der Seite zur Rohrbacher Straße, von wo her ein gerader Weg nach Osten zum im Stil des Klassizismus errichteten Krematorium führt. Der Friedhof hat sechs weitere Eingänge, drei davon im Nordosten am Steigerweg. Durch die nördlichen beiden hiervon verkehrt vorwiegend der Friedhofs-Fuhrpark und sie dienen als Zufahrt zur Friedhofs-Verwaltung, die beide in Gebäuden im nordöstlichen Bereich untergebracht sind. Das Verwaltungsgebäude wurde in schlichtem, ländlichem Stil erbaut. Der obere der Eingänge am Steigerweg ist Zufahrt zur Leichenhalle und Anfahrtsweg zur Friedhofskapelle. Zwischen Kapelle und Krematorium verläuft der so genannte Professorenweg, an dem die Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, ein Kriegerdenkmal und die Grabstellen von Universitätshonoratioren liegen.

Oben am hohen Hang im Südosten des Friedhofsgeländes befinden sich in der Waldabteilung, die über steile Wege mit Treppen und Sandsteinstufen erschlossen ist, viele über 100 Jahre alte Grabanlagen, oftmals geschmückt von mannshohen Granitfindlingen. In jüngerer Zeit werden in diesem Teil des Friedhofs auch Baumbestattungen durchgeführt. Die Namen der auf diese Art Bestatteten werden in Messingplättchen auf Sandsteinquadern eingraviert.

Im südlichen Teil des Geländes liegt der jüdische Friedhof, der wegen der speziellen religiösen Vorschriften separat verschlossen werden kann. Südlich des jüdischen Friedhofsbereichs wurde in den 1950er Jahren wegen großer Platznot noch die Abteilung W eingerichtet, die jüngste Abteilung des Friedhofs. An einem dort stehenden kleinen alten Sandsteinschuppen wurden Urnennischen eingebaut und eine schmiedeeiserne Tür als Zugang angebracht, er dient heute als Columbarium.

Der Friedhof umfasst insgesamt über 17.405 Grabstellen, das gesamte Wegenetz hat über 20 Kilometer Länge. Wegen der Weitläufigkeit der Anlage und der steilen Wege steht insbesondere für ältere und gehbehinderte Besucher seit geraumer Zeit ein Friedhofsmobil bereit.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingang zur Trauerhalle der 1842 erbauten Friedhofskapelle
Das Krematorium von 1891 ist das zweitälteste in Deutschland

Der Landschaftsarchitekt Johann Christian Metzger plante die heute fast 15 Hektar große Friedhofsanlage und hatte ab dem Jahre 1842 die Leitung bei der Ausführung. Im Jahr 1844 wurde der Friedhof eingeweiht. Johann Christian Metzger gelang es, indem er viele Wege entlang von Hangterrassen führte und das Gelände passend mit heimischen und exotischen Laub- und Nadelgehölzen bepflanzen ließ, der Friedhofsanlage ein „romantisches“ Gesamtbild zu verleihen, das sich harmonisch in die weitere landschaftliche Umgebung einfügt.

Die vor einer steilen Anhöhe des Bergrückens gelegene Friedhofskapelle wurde 1842 nach den Entwürfen des Heidelberger Stadtbaumeisters Heinrich Greif errichtet. Pilaster und Lisenen aus rotem Sandstein gliedern die Wände des Gebäudes. Auch Fensterleibungen und Gesimse sind in rotem Sandstein gearbeitet. Teilbereiche des Bauwerks sind verklinkert. Der Glockenstuhl auf dem Dach der Kapelle ist eine Holzkonstruktion. Das Portal der Kapelle ist mit mehrflügeligen, glasdurchbrochenen Eichentüren versehen und von einem Vordach aus Schmiedeeisen und Glas geschützt. Zum Berg hin, der Rückwand der Kapelle angegliedert, liegen Nutz- und Nebenräume der Kapelle und in einer Querachse die Leichenhalle mit ihren aneinander gereihten Einzelkammern. Die Friedhofskapelle und insbesondere ihre wichtigen Nebenbereiche wurden im Lauf der Zeit teilweise umgebaut, erweitert und in ihrer Wirtschaftlichkeit immer wieder dem jeweils zeitgemäßen technischen Stand angepasst. Bis in die frühen 1850er Jahre hinein läutete die Kapellenglocke zu jedem Begräbnis. Von der Bergseite der Kapelle her betrat dazu der Glöckner über eine Außentreppe das Glockengestühl.

Im Jahre 1891 ging auf dem Bergfriedhof das neu erbaute Krematorium in Betrieb, das zweitälteste Deutschlands nach dem Krematorium Gotha. In den Jahren 1990/91 wurde es grundlegend modernisiert. Die Einäscherungen werden in technisch hochmodernen Elektroöfen durchgeführt. Im Jahre 2000 baute man neu eine emissionsreduzierende Filteranlage ein.

Der jüdische Friedhof mit seinen historisch bedeutenden Grabanlagen wird bis heute belegt.

Wie an vielen anderen Orten gibt es auch auf dem Bergfriedhof Heidelberg seit 2005 ein sogenanntes „Schmetterlingsgrab für stillgeborene Kinder“ (Frühchen unter 500 g), für die in Baden-Württemberg ein Bestattungsrecht besteht. Hier finden Eltern einen stillen Ort der Trauer.

Am 13. Mai 2006 wurde eine Gedenkstätte für an AIDS Verstorbene eingeweiht (siehe unten).

Seit einigen Jahren werden kunsthistorisch bedeutende und erhaltungswürdige Grabanlagen im Rahmen eines Denkmalschutz-Konzeptes neu belegt. Durch Übernahme einer Grabpatenschaft erwerben dabei Interessenten ein Belegungsrecht. Weil die Errichtungszeiten der so weitergenutzten Grabanlagen sich über den langen Zeitraum von rund 150 Jahren seit der Eröffnung der Friedhofsanlage erstrecken, ist jedes der Patenschafts-Gräber einzigartig.

Skulptur aus Marmor: Morpheus (mit Kapseln des Schlafmohns in der Hand) in weiblicher Engelsgestalt

Lagepläne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal Deutsch-Französischer Krieg

Denkmale erinnern an die Opfer der Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück, an die während des Holocausts vernichtete Jüdische Gemeinde in Heidelberg, an die Widerstandsgruppe des sogenannten Goerdeler-Kreises um Karl Friedrich Goerdeler, und an die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71.

Liste bedeutender auf dem Bergfriedhof bestatteter Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den vielen Persönlichkeiten die auf dem Heidelberger Bergfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, zählen der Reichspräsident Friedrich Ebert, der Dirigent und Komponist Wilhelm Furtwängler, der Dichter und Literaturwissenschaftler Friedrich Gundolf, die Chemiker und Forscher Robert Bunsen und Carl Bosch, der Chirurg und Krebsforscher Vincenz Czerny, der Astronom Max Wolf, der Anthropologe und Prähistoriker Otto Schoetensack, der Dichter und Übersetzer Johann Heinrich Voß, der Theologe Martin Dibelius, der Erfinder Felix Wankel, der Rechtsphilosoph Gustav Radbruch, der Staats- und Völkerrechtler Georg Jellinek, der Rechtswissenschaftler Oskar von Bülow, der Soziologe Max Weber, der Priester Alfons Beil, die Dichterin Hilde Domin, der Architekt, NS-Rüstungsminister und verurteilte Kriegsverbrecher Albert Speer und viele weitere (siehe Liste unten).

Lage der Gräber

Mausoleum der Familie Bartholomae
Friedrich-Ebert-Gedenkstätte
  • C–D
  • L–M
    • Theodor Leber (1840–1917), Ophthalmologe, Professor in Heidelberg (Abt. R)
    • Ernst Anton Lewald (1788–1848), Theologe, Professor in Heidelberg
    • Hans Lewald (1883–1963), deutscher Rechtswissenschaftler
    • Hermann Lindrath (1896–1960), Politiker, Bundesminister 1957–1960 (Abt. V)
    • Franz von Liszt (1851–1919), Strafrechtler, Völkerrechtler, Reichstagsabgeordneter Professorenreihe (Abt. D)
    • Albert Mays (1818–1893), Kommunalpolitiker, Heimatgeschichtler und Kunstsammler (Abt. D)
    • Carl Metz (1818–1877), Unternehmer, Begründer des freiwilligen Feuerwehrwesens (Abt. L)
    • Victor Meyer (1848–1897), Chemiker, Professor in Heidelberg (Abt. N)
    • Johannes Minckwitz (1812–1885), Schriftsteller (Abt. D)
    • Johannes Minckwitz (1843–1901), Schachpublizist
    • Karl Josef Anton Mittermaier (1787–1867), Rechtswissenschaftler, Ehrenbürger von Heidelberg (Abt. E)
    • Franz Moufang (1893–1984), Kulturreferent, Friedensrichter, Kunstsammler (Abt. D)
    • Nicola Moufang (1886–1967), Kunsthistoriker und Kunstsammler (Abt. D)
Grab von Gustav Simon
  • R–S
    • Gustav Radbruch (1878–1949), Rechtsphilosoph, Professor in Heidelberg (Abt. WA)
    • Otto Regenbogen (1891–1966), Klassischer Philologe, Professor in Heidelberg (Abt. Y)
    • Erwin Rohde (1845–1898), Klassischer Philologe, Professor in Heidelberg (Abt. N)
    • Michael Roscher (1960–2005), Astrologe, er prägte die zeitgenössische Astrologie nachhaltig (Abt. WB)
    • Harry Rosenbusch (1836–1914), Geologe, Professor in Heidelberg (Abt. U neu)
    • Hans Runge (Mediziner) (1892–1964), deutscher Gynäkologe und Geburtshelfer, Professorenreihe (Abt. D)
    • Alexander Rüstow (1885–1963), Wirtschaftswissenschaftler, Professor in Heidelberg
    • Wilhelm Salomon-Calvi (1868–1941) ruht in Ankara, zu seinem Gedenken sind seine Lebensdaten eingehauen im Grabmal der Familie, in der (Abt.Y)
    • Gustav Simon (1824–1876), Chirurg, Professor in Heidelberg (Abt. H neu)
    • Albert Speer (1905–1981), Architekt und NS-Reichsminister, 1946 verurteilter Kriegsverbrecher (Abt. O)
    • Karl Bernhard Stark (1824–1879), Archäologe, Professor in Heidelberg (Abt. D)
    • Hugo Swart (1885–1952), Oberbürgermeister von Heidelberg (Abt. F)
  • W–Z
    • Eduard Wahl (1903–1985), Rechtswissenschaftler, Professor in Heidelberg, MdB 1949–1969 (Abt. H)
    • Max von Waldberg (1858–1938), Sprach- und Literaturwissenschaftler, Professor in Heidelberg (Abt. D)
    • Ernst Walz (1859–1941), Oberbürgermeister und Ehrenbürger von Heidelberg (Abt. D neu)
    • Felix Wankel (1902–1988), Maschinenbauingenieur und Erfinder des Wankelmotors (Abt. V neu)
    • Georg Weber (1808–1888), Historiker und Klassischer Philologe (Abt. L)
    • Marianne Weber (geb. Schnitger, 1870–1954), Frauenrechtlerin und Rechtshistorikerin (Abt. E)
    • Max Weber (1864–1920), Soziologe, Jurist, National- und Sozialökonom (Abt. E)
    • Robert Weber (1906–1987), Kommunalpolitiker, 1958–1966 Oberbürgermeister von Heidelberg (Abt. R)
    • Johannes Weiß (1863–1914), evangelischer Theologe (Abt. L)
    • Carl Theodor Welcker (1790–1869), Jurist, Hochschullehrer und liberaler Politiker (Abt. R)
    • Karl Wilckens (1851–1914), Kommunalpolitiker, Oberbürgermeister von Heidelberg 1885–1913 (Abt. Y)
    • Ludwig Wilser (1850–1923), Schriftsteller und Rassenhistoriker (Abt. Y)
    • Wilhelm Windelband (1848–1915), Philosoph, Professor und Begründer der Südwestdeutschen oder „Badischen Schule“ (Abt. X)
    • Max Wolf (1863–1932), Astronom (Abt. WB)
    • Reinhold Zundel (1930–2008), Kommunalpolitiker, OB 1966–90 und Ehrenbürger von Heidelberg (Abt. O)

Siehe auch: Liste von Begräbnisstätten bekannter Persönlichkeiten

Gedenkstätte für an AIDS Verstorbene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstätte mit Obelisk
Tafel auf dem Obelisken
Bank und Obelisk an der Gedenkstätte

Am 13. Mai 2006 wurde die Gedenkstätte für an AIDS Verstorbene eingeweiht. Die Stadt Heidelberg hat diesen Ort des Gedenkens in Zusammenarbeit mit dem Liegenschaftsamt, dem Landschaftsamt und der Friedhofsverwaltung auf eigene Kosten eingerichtet und würdigt damit die engagierte Arbeit der AIDS-Hilfe Heidelberg. Einmal jährlich, anlässlich des Welt-AIDS-Tages am 1. Dezember, richtet die AIDS-Hilfe Heidelberg für Angehörige und Freunde der Verstorbenen eine kleine Feier an der Gedenkstätte aus.[1]

In der Mitte des kleinen Platzes steht ein Obelisk aus schwarzem Granit. Auf dem Obelisken ist oben die rote AIDS-Schleife zu sehen. Auf dem Sockel ist eine Bronzetafel mit Worten des Gedenkens angebracht:

Wir halten uns an den Händen und weinen um…
unsere Freundinnen und Freunde,
unsere Partnerinnen und Partner,
unsere Angehörigen und alle,
die wir durch AIDS verloren haben.
Wir vergessen Euch nie!
AIDS-HILFE HEIDELBERG

Die Bodenfläche um den Obelisken wurde bis zu der begrenzenden Bepflanzung hin mit altem Sandstein-Kopfsteinpflaster ausgelegt. Eigens für den Gedenkort wurde eine Bank aus Granit aufgestellt (der Granit stammt aus dem Abraum einer alten Grabanlage). Angehörige und Freunde können zum Gedenken an die Verstorbenen bemalte und beschriftete Steine in einem Karree um den Obelisken niederlegen (siehe Bilder unten).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elisabeth Gass: Wanderung durch den Heidelberger Bergfriedhof. Ein Erinnerungsbild. 2. Aufl. Heidelberg: Hoerning, 1933. 50 S.
  • Erwin Kiefer: Grabinschriften im Heidelberger Bergfriedhof. Eine epigraphische Studie. Heidelberg: Verlag: Brausdruck. 1966. 36 S. zahlreiche Illustrationen.
  • Hanna Grisebach: Der Heidelberger Bergfriedhof. Gräber und Gedenksteine. Fotos von Peter Seng. 1981, ISBN 3-920431-12-X
  • Leena Ruuskanen: Der Heidelberger Bergfriedhof, Kulturgeschichte und Grabkultur. Ausgewählte Grabstätten, Buchreihe der Stadt Heidelberg Band III. Verlag Brigitte Guderjahn, Heidelberg, 1992, ISBN 3-924973-45-8
  • Leena Ruuskanen: Der Heidelberger Bergfriedhof im Wandel der Zeit. verlag regionalkultur, 2008. 288 Seiten. (Rund 200 Gräber von A (Karl Abel) bis Z (Reinhold Zundel) werden vorgestellt.), 2. Auflage, Herausgeber: Peter Blum. ISBN 978-3-89735-518-7
  • Fritz Quoos: Heidelberg hat den Graimbergs viel zu verdanken. In Rhein-Neckar-Zeitung, Heidelberg, 2007:111:5 (Heidelberger Nachrichten) vom 15. Mai 2007. (In der Reihe über die städt. Ehrengräber, Folge 5)
  • Rudolf Schuler (Photos), Richard Henk (Text): Heidelberg. Braus, Heidelberg 1990, ISBN 3-921524-46-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bergfriedhof Heidelberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gedenkstätte für an AIDS Verstorbene aidshilfe-heidelberg.de

Koordinaten: 49° 23′ 50″ N, 8° 41′ 25″ O