Berkin Elvan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Berkin Elvan auf einer Zeichnung

Berkin Elvan (* 5. Januar 1999 in der Türkei; † 11. März 2014 in Istanbul) war ein türkischer Jugendlicher, der bekannt wurde, weil er am 16. Juni 2013, während der Proteste in der Türkei, verletzt wurde und nach neunmonatigem Koma an der ihm zugefügten Schussverletzung starb.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berkin Elvan aus dem Istanbuler Stadtteil Okmeydanı war laut Angaben seiner Familie am frühen Morgen des 16. Juni 2013 unterwegs, um Brot zu kaufen. Obwohl er sich wegen der Auseinandersetzungen um den Gezi-Park vorsichtig bewegt habe, stieß er auf Polizisten. Eine von ihnen abgefeuerte Tränengas-Granate traf ihn am Hinterkopf. Er wurde in ein Krankenhaus im Stadtteil Şişli eingeliefert, wo er nicht mehr aus dem Koma erwachte und am 11. März 2014 schließlich verstarb.[1] Berkin wog am Ende nur noch 16 kg. Er war das achte Todesopfer der Proteste. Human Rights Watch rief dringend dazu auf, die Umstände, die zu seinem Tod führten, zu untersuchen.[2]

Nach Elvans Tod protestierten in mehreren türkischen Großstädten hunderttausende, nach einigen Schätzungen bis zu zwei Millionen Menschen, wobei wiederum mindestens zwei Personen ums Leben kamen. Ein Polizist erlag einem Herzanfall, nachdem er starkem Tränengaseinfluss ausgesetzt war, und ein 22-Jähriger wurde in Istanbul von Anhängern der DHKP-C erschossen.[3] Zahlreiche Menschen wurden verletzt sowie mehr als 150 Menschen festgenommen.

Berkin Elvan wurde in Anwesenheit zigtausender Menschen als Angehöriger der alevitischen Minderheit im Cemevi von Okmeydanı aufgebahrt und auf dem Friedhof von Feriköy im Stadtteil Şişli bestattet.[4]

Während der damalige Staatspräsident Abdullah Gül nach Berkins Tod der Familie kondolierte,[5], behauptete der damalige Ministerpräsident Erdoğan, der verstorbene Junge sei ein „Terrorist“ gewesen. Fotos von einem vermummten Jugendlichen, die im Internet kursieren, sollen Berkin Elvan darstellen.[6]

In einem Nachruf in der taz reihte der Journalist Deniz Yücel Berkin Elvan in eine „Geschichte von Blut und Tränen“ in der Türkei ein und sprach von jungen Menschen, die „sterben, ohne sich einmal verliebt zu haben“.[5]

Nachwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das türkische Konsulat in Genf verlangte im April 2016 von der dortigen Stadtverwaltung die Entfernung eines Ausstellungsfotos. Darin wurde Erdoğan für Elvans Tod verantwortlich gemacht. Auf einem Transparent stand neben einem Porträt des Jungen: „Je m'appelle Berkin Elvan, la police m'a tué sur l'ordre de Premier Ministre“ („Ich heiße Berkin Elvan, die Polizei hat mich auf Anordnung des türkischen Ministerpräsidenten getötet“). Das Zitat spielt an auf die Äußerung Erdoğan zur Gezi-Park-Bewegung, er persönlich habe den Befehl zu den Polizeieinsätzen gegeben.[7]

Im März 2015 nahmen zwei Mitglieder der DHKP-C im zentralen Justizgebäude Istanbuls Mehmet Selim Kiraz als Geisel, der als Staatsanwalt mit den Ermittlungen gegen die Polizisten im Fall Berin Elvan befasst war. Nach neun Stunden wurde die Geiselnahme gewaltsam von der Polizei beendet. Dabei kamen die Geiselnehmer ums Leben. Kiraz verstarb im Krankenhaus.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hasnain Kazim: Polizeigewalt bei Gezi-Protest: Türkischer Junge stirbt nach neun Monaten Koma, Spiegel-Online, 11. März 2014, abgerufen am 14. März 2014.
  2. Emma Sinclair-Webb: Türkei – Gerechtigkeit für Berkin Elvan, abgerufen am 15. März 2014.
  3. Frank Nordhausen/Timur Tinç: Erdogan gießt Öl ins Feuer, abgerufen am 15. März 2014
  4. Binlerce kişi Berkin için Okmeydanı Cemevi'nde toplanıyor, Cumhuriyet, 12. März 2014, abgerufen am 15. März 2014.
  5. a b Deniz Yücel: Ein Gefühl der Hilflosigkeit, die tageszeitung, 11. März 2014
  6. Hasnain Kazim: Erdogan nennt toten Jungen „Terrorist“, Spiegel-Online, 14. März 2014, abgerufen am 15. März 2014.
  7. Türkei fordert Entfernung eines Ausstellungsfotos in Genf, Tagesspiegel, 25. April 2016.
  8. Ismail Küpeli: Warum gibt es so viel Unterstützung für die Täter?, Vice, 2. April 2015.