Hasnain Kazim

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Hasnain Kazim auf der Frankfurter Buchmesse 2015

Hasnain Niels Kazim[1] (* 19. Oktober 1974 in Oldenburg[1]) ist ein deutscher Journalist,[2] Autor und Marineoffizier a. D.[3] Er ist Preisträger des CNN Journalist Awards 2009 in der Kategorie Online,[4] erhielt 2015 den Medienpreis Goldener Kompass[5] und erreichte bei der Wahl zum Politikjournalisten des Jahres 2016 des Medium Magazins den dritten Platz.[6]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kazim ist der Sohn indisch-pakistanischer Eltern. Sein Vater war Seemann, seine Mutter arbeitete als Übersetzerin. Er wuchs zusammen mit seiner Schwester in Hollern-Twielenfleth im Alten Land auf, besuchte in Stade das Vincent-Lübeck-Gymnasium[7] und ist deutscher Staatsbürger. Kazim ist verheiratet.[8]

1994 trat Hasnain Kazim als Offizieranwärter in die Deutsche Marine ein[9] und studierte an der Universität der Bundeswehr Hamburg Politikwissenschaft.[10] Nach dem Studium diente er als Marineoffizier.

Für die FDP erreichte er als Kandidat bei der Landtagswahl in Niedersachsen 1998 im damaligen Wahlkreis 70 ein persönliches Ergebnis von 2,7 Prozent der Erststimmen.[11] Zwei Monate nach der Wahl[12] trat er aus der FDP aus, da er die Mitgliedschaft in einer politischen Partei als nicht vereinbar mit seiner künftigen journalistischen Tätigkeit ansah.

Seine journalistische Karriere begann Kazim als freier Mitarbeiter beim Stader Tageblatt.[13] Danach war er unter anderem für die Heilbronner Stimme sowie für die Nachrichtenagentur dpa tätig. Seit dem Jahr 2006 arbeitete er als Redakteur bei der Nachrichten-Website Spiegel Online. Seit Juli 2009 war er Südasienkorrespondent von Spiegel Online sowie dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel, seit 2013 deren Türkei-Korrespondent[10] und seit März 2016 arbeitet er als deren Korrespondent in Wien, kommentiert jedoch weiterhin die politischen Geschehnisse in der Türkei.

Kazim wurde im Jahr 2009 mit dem CNN Journalist Award für seinen Bericht Angriff auf Mumbai. Protokoll eines mörderischen Feldzugs ausgezeichnet. Darin rekonstruierte er den Terrorangriff auf die indische Großstadt im Jahr 2008.[13] Er ist Autor der Bücher Grünkohl und Curry, das die Einwanderung in Deutschland aus seiner persönlichen Sicht thematisiert,[8] Plötzlich Pakistan, einem literarischen Gesellschaftsporträt des Landes, Krisenstaat Türkei, über Erdoğan und das Ende der Demokratie am Bosporus sowie Post von Karlheinz, über deutsche Hassmails und seine Antworten darauf.

Seit Ende 2010 ist er Pate des Vincent-Lübeck-Gymnasiums in Stade im Projekt Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.

2014 wurde er wegen seiner Berichterstattung über das Grubenunglück von Soma von Anhängern des türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan massiv angefeindet und erhielt Morddrohungen, woraufhin er die Türkei aus Sicherheitsgründen kurzfristig verließ.

Zusammen mit den Journalisten Mely Kiyak, Yassin Musharbash, Deniz Yücel, Özlem Topçu, Özlem Gezer, Doris Akrap und Ebru Taşdemir las er bis 2015 bei der „antirassistischen Leseshow“ Hate Poetry[14] rassistische Schmäh- und Drohbriefe vor, mit denen er wegen seiner journalistischen Tätigkeit zuhauf belästigt wird.[15] 2014 wurde das Gründungsteam von Hate Poetry in der Kategorie „Sonderpreis“ als Journalisten des Jahres ausgezeichnet.[16]

Türkische Behörden verweigerten ihm und weiteren Journalisten[17] nach monatelanger Wartezeit zu Beginn des Jahres 2016 die Verlängerung der Presse-Akkreditierung. Da die Aufenthaltsgenehmigung für ausländische Journalisten an eine Akkreditierung gebunden ist, verließ er im März 2016 die Türkei und ging nach Österreich. Sein neuer Dienstsitz ist in Wien.[18]

Nach der Bundestagswahl 2017 wurde Kazim für seine Kommentierung des Wahlergebnisses in Ostdeutschland[19] kritisiert.[20]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grünkohl und Curry. Die Geschichte einer Einwanderung. dtv, München 2009, ISBN 978-3-423-24739-9. (überarbeitete und erweiterte Neuausgabe: Schaumburg, Stade 2014, ISBN 978-3-87697-021-9.)
  • Plötzlich Pakistan. Mein Leben im gefährlichsten Land der Welt. dtv, München 2015, ISBN 978-3-423-26077-0.
  • Krisenstaat Türkei. Erdoğan und das Ende der Demokratie am Bosporus. DVA, München 2017, ISBN 978-3-421-04784-7.
  • Post von Karlheinz: Wütende Mails von richtigen Deutschen – und was ich ihnen antworte. Penguin Verlag, München 2018, ISBN 978-3-328-10272-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Geschichte einer Einwanderung. „Die Bratwurst ist die Trennlinie zwischen West und Ost.“ In: Spiegel online. 7. September 2009. Abgerufen am 30. Juli 2010.
  2. Hasnain Kazim. In: Medium Magazin. Medienfachverlag Oberauer, abgerufen am 14. März 2017.
  3. Frankfurter Rundschau: Türkei: Morddrohungen gegen „Spiegel“-Reporter. In: Frankfurter Rundschau. (fr.de [abgerufen am 7. Mai 2018]).
  4. Preisträger 2009, abgerufen am 14. März 2017 (pdf).
  5. „Goldener Kompass“:Tatort-Kommissar Striesow erhält KEP-Medienpreis, pro-medienmagazin.de, 10. April 2015, abgerufen am 14. März 2017.
  6. Journalisten des Jahres 2016 des Medium Magazins, abgerufen am 14. März 2017.
  7. Mechthild Kock: Afghanistan – großes Spiel der Mächte. (Nicht mehr online verfügbar.) In: tageblatt.de. Stader Tageblatt, 5. Mai 2010, ehemals im Original; abgerufen am 30. Juli 2010.@1@2Vorlage:Toter Link/www.tageblatt.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  8. a b Sabine Lohmann: Hasnain liest in Stade als „Hansi“. „Grünkohl und Curry“ mit Autor Hasnain Kazim. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Stader Tageblatt. 26. September 2009, ehemals im Original; abgerufen am 2. August 2010.@1@2Vorlage:Toter Link/www.tageblatt.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. Hasnain Kazim: 50 Jahre „Gorch Fock“. Segeln, bügeln, kotzen. In: Eines Tages – Zeitgeschichten auf Spiegel online. 21. August 2008, abgerufen am 30. März 2012.
  10. a b Lebenslauf. In: dtv.de. dtv Verlagsgesellschaft, abgerufen am 30. Juli 2010.
  11. Kurt-Peter Christophersen: SPD baut im Wahlkreis 70 die Mehrheit aus. CDU weit abgeschlagen bei 35 Prozent. In: Stader Tageblatt. 2. März 1998, S. 13.
  12. René Martens: Als Kind war ich dafür nicht sensibel: Interview mit Hasnain Kazim. In: taz.de. die tageszeitung, 28. Juli 2014, abgerufen am 21. August 2017.
  13. a b Mechthild Kock: Preis für Hasnain Kazim. Spiegel-Korrespondent ausgezeichnet. In: Stader Tageblatt. 19. März 2010, archiviert vom Original am 29. Juni 2012; abgerufen am 30. Juli 2010. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.tageblatt.de
  14. Selbstdarstellung der Hate Poetry (Memento des Originals vom 26. Dezember 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/hatepoetry.com, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  15. Interview. In: funkhauseuropa.de. Funkhaus Europa, 13. Juni 2014, archiviert vom Original am 6. Oktober 2014; abgerufen am 2. Oktober 2017.
  16. Begründung der Jury. In: mediumagazin.de. 19. Dezember 2014, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  17. „Spiegel“-Korrespondent verlässt Ankara, faz.net, 17. März 2016.
  18. In eigener Sache: SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent muss Türkei verlassen. In: Spiegel online. 17. März 2016, abgerufen am 6. Januar 2018.
  19. Wahlerfolg der Rechten – Ich bin das Volk! In: Spiegel online. 25. September 2017, abgerufen am 6. Januar 2018.
  20. Der Erfolg der AfD im Osten macht die herablassende Haltung im Westen sichtbar. In: nzz.ch. 30. September 2017, abgerufen am 6. Januar 2018.