Bernhard Sabel

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Bernhard Sabel

Bernhard A. Sabel (* 1957 in Trier) ist ein deutscher Psychologe. Seine mehr als 30-jährige Forschungsarbeit[1] ist in über 200 Veröffentlichungen dokumentiert und untersucht Behandlungsmöglichkeiten bei Sehbehinderungen durch Aktivierung und Rehabilitation von Restsehleistungen.[2][3] Sabel leitet das Institut für Medizinische Psychologie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernhard Sabel studierte Psychologie an der Universität Trier, Psychobiologie an der Clark University in Worchester, Massachusetts sowie Physiologische Psychologie an der Universität Düsseldorf. 1984 promovierte er und begann nach Forschungsaufenthalten in den USA am Massachusetts Institute of Technology eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medizinische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im Jahr 1988 folgte die Habilitation bei Ernst Pöppel. 1991 folgte ein Aufenthalt als "Visiting Neuroscientist" an der Harvard Medical School in Boston.

1992 wurde Sabel auf den Lehrstuhl für Medizinische Psychologie an die Universität Magdeburg berufen. Forschungsaufenthalte und Gastprofessuren in den USA an der Princeton University und in China an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und der Capital Medical University in Beijing folgten[4]. Sabel ist seit 1997 Herausgeber der internationalen Wissenschaftszeitschrift "Restorative Neurology and Neuroscience". Von 2008 bis 2010 war er Prorektor für Forschung an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Sabel ist verheiratet und hat drei Kinder.

Forschungsleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sabels Forschungsarbeiten umfassen Untersuchungen neuropsychologischer und neurobiologischer Aspekte der Plastizität und Reparatur des Gehirns, mit spezieller Fragestellung der Funktionserholung nach partiellem Schaden des visuellen Systems[5] nach Sehnervschäden, Glaukom, Hirnverletzungen, diabetischer Retinopathie oder Schlaganfall. Hauptschwerpunkte sind die Diagnose und Behandlung von Sehdefekten bei Schlaganfall- und Glaukom Patienten durch Training und nicht-invasive Elektrostimulation.[6] Mit Hilfe dieser Verfahren wird die Störung in der natürlichen Synchronisation der hirnelektrischen Aktivität mittels etablierter EEG-Diagnostik bei betroffenen Patienten als Veränderungen in der Hirnwellen-Aktivität (Amplitude, Frequenz und funktioneller Konnektivität) festgestellt[7]. Zweiter Schwerpunkt ist der Einsatz polymerer Nanopartikel zur Überwindung biologischer Barrieren um Wirkstoffe in Zellen des Körpers einzuschleusen und so therapeutische Ziele zu erreichen.

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuropsychologie

  • Mechanismen visueller Plastizität
  • Computersimulation der Plastizität im visuellen Kortex
  • Prädiktoren der Erholung von Sehfunktionen
  • Entwicklung und Validierung computergestützter Diagnose und Trainingsverfahren für hirngeschädigte Patienten
  • Entwicklung und Validierung von Verfahren der nicht-invasiven Hirnstimulation mittels Wechselstrom zur Verbesserung der Sehleistung nach Schädigung von Retina, Sehnerv oder Gehirn

Verhaltensneurobiologie

  • In vivoTestsystem zur Analyse der Sehfähigkeit und der funktionellen Erholung von Ratten nach Läsion des Nervus opticus und deren neuroanatomische Korrelate
  • Behandlung dieser teilerblindeten Tiere mit verschiedenen optischen Reizen zur schnelleren und besseren Wiederherstellung ihrer Sehfähigkeit
  • Grundlagenforschung zur Wirkung von Wechselstrom auf die Neuroprotektion und die Erholung von Sehleistung
  • Untersuchungen zum Einsatz von Nanopartikeln zur Verabreichung von Arzneimitteln zur Überwindung der Blut-Hirn-Schranke.

Mitgliedschaften und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wettbewerb "JUGEND FORSCHT", Sonderpreis Rheinland-Pfalz, 1976
  • Research Fellow, The Graduate School, Clark University, 1983–1984
  • Stipendiat des DAAD, 1982–84
  • Stipendiat der FULBRIGHT KOMMISSION, 1978–80
  • Clark University Exchange Scholar, 1978–80
  • Followship der International Society for Eye Research, 1992
  • Zitierung in "Who´s Who in the World" 1990–2015
  • Zitierung in "Who´s Who in Science and Engineering" 1993–2001
  • Maria Saveria Cinquegrani-Preis des Verbundes der Innovation Relay Centers (IRC) der Europäischen Gemeinschaft für die beste Innovation in Communication and Information Technologies, Florenz, 2000
  • Leonardo da Vinci award, The World Organization for the Achievement of Human Potential, Philadelphia, 2005
  • Science4life, 10. Business Plan Wettbewerb: Frankfurt. 3. Platz im bundesweiten Wettbewerb. 2008 (für EBS Technologies GmbH)
  • Venture Lounge Berlin; Gewinner 1. Platz, 2009
  • Auszeichnung für innovativstes start-up Unternehmen (Leuchtturm des High-Tech-Gründerfonds) durch Minister Brüderle (März 2011)
  • "Hai-ju" Award, Beijing Overseas Talents Program, 2012[8]

Ausgewählte Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • B.A. Sabel, M.D. Slavin, D.G. Stein: GM1-ganglioside treatment facilitates behavioral recovery from bilateral brain damage. In: Science. Band 225, 1984, S. 340–342, PMID 6740316.
  • B.A. Sabel, D.G. Stein: Pharmacological treatment of central nervous system injury. In: Nature. Band 323, 1986, S. 340–342, PMID 3762702.
  • B.A. Sabel, R. Engelmann, M.M. Humphrey: In vivo confocal neuroimaging of CNS neurons (ICON). In: Nature medicine. Band 3, 1997, S. 244–2472, PMID 9018248.
  • E. Kasten, S. Wüst, W. Behrens-Baumann, B.A. Sabel,: Computer-based training for the treatment of partial blindness. In: Nature medicine. Band 4, Nr. 9, 1998, S. 1083–1087, doi:10.1038/2079, PMID 734406.
  • D.A. Poggel, E. Kasten, B.A. Sabel: Attentional cueing improves vision restoration therapy in patients with visual field loss. In: Neurology. Band 63, Nr. 11, 2004, S. 2069–2076, PMID 15596752.
  • B.A. Sabel, P. Henrich-Noack, A. Fedorov, C. Gall: Vision restoration after brain and retina damage: The "residual vision activation theory". In: Progress in Brain Research. Band 192, 2011, S. 199–262, doi:10.1016/B978-0-444-53355-5.00013-0.
  • C. Gall, S. Sgorzaly, S. Schmidt, S. Brandt, A. Fedorov, B.A. Sabel,: Noninvasive transorbital alternating current stimulation improves subjective visual functioning and vision-related quality of life in optic neuropathy. In: Brain Stimulation. Band 4, Nr. 4, 2011, S. 175–188, doi:10.1016/j.brs.2011.07.003.
  • B.A. Sabel, A.B. Fedorov, N. Naue, A. Borrmann, C. Herrmann, C. Gall,: Non-invasive alternating current stimulation improves vision in optic neuropathy. In: Restorative Neurology and Neuroscience. Band 29, Nr. 6, 2011, S. 493–505, doi:10.3233/RNN-2011-0624.
  • M. Bola, C. Gall, C. Moewes, A. Fedorov, H. Hinrichs, B.A. Sabel: Brain functional connectivity network breakdown and restoration in blindness. In: Neurology. Band 83, Nr. 6, 2014, S. 542–551, doi:10.1212/WNL.0000000000000672.
  • M. Bola, B.A. Sabel: Dynamic reorganization of brain functional networks during cognition. In: NeuroImage. Band 114, 2015, S. 398–413, doi:10.1016/j.neuroimage.2015.03.057.
  • C. Gall, S. Schmidt, M.P. Schittkowski, A. Antal, G. G. Ambrus, W. Paulus, M. Dannhauer, R. Michalik, A. Mante, M. Bola, A. Lux, S. Kropf, S.A. Brandt and B.A. Sabel: Alternating current stimulation for vision restoration after optic nerve damage: a randomized clinical trial. In: PLOS ONE. Band 11, Nr. 6, 2016, doi:10.1371/journal.pone.0156134, PMID 27355577, PMC 4927182 (freier Volltext).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernhard Sabel and ‘Residual Vision Activation Theory’: a History Spanning Three Decades. Abgerufen am 19. Februar 2016.
  2. Pressemitteilung 2011:Stromreize können die Sehleistung verbessern. Abgerufen am 19. Februar 2016.
  3. Pressemitteilung vom 1. Juli 2016:Wechselstrom-Stimulation kann Sehleistung verbessern. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 18. Oktober 2016; abgerufen am 18. Oktober 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.med.uni-magdeburg.de
  4. Beitrag zu Sabel im Tagesspiegel 2010. Abgerufen am 19. Februar 2016.
  5. Beitrag im Tagesspiegel 2014: Sehtraining am Computer kann helfen. Abgerufen am 19. Februar 2016.
  6. BMBF-Pressemitteilung: Mit Stromstößen gegen Blindheit Newsletter 70/ Oktober 2014. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 15. Februar 2016; abgerufen am 19. Februar 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gesundheitsforschung-bmbf.de
  7. SAVIR-Therapie zur Wiederherstellung der Sehkraft. In: Savir Center. Abgerufen am 4. März 2016.
  8. Forschungsnews des Forschungsportals Sachsen-Anhalt zur Preisverleihung. Abgerufen am 19. Februar 2016.