Deutsche Gesellschaft für Psychologie

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Deutsche Gesellschaft für Psychologie
(DGPs)
Dgps-logo2.png
Zweck: Wissenschaftliche Gesellschaft für Psychologie
Vorsitz: Andrea Abele-Brehm
Gründungsdatum: 1904
Mitgliederzahl: 3584 (Stand: 10. Februar 2014)
Sitz: Göttingen
Website: www.dgps.de

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie e.V. (DGPs) ist „eine Vereinigung der in Forschung und Lehre tätigen Psychologen und Psychologinnen“. Sitz der DGPs ist Göttingen, die Geschäftsstelle befindet sich in Münster.

Ziele und Mitgliedschaft[Bearbeiten]

Die DGPs, die sich als wissenschaftliche Fachgesellschaft versteht, bildet zusammen mit dem Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP) die Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen als Vertretung für alle Fragen, die Wissenschaft und berufliche Praxis gleichermaßen betreffen.

Das offizielle Organ der DGPs ist die Psychologische Rundschau. Diese Fachzeitschrift erscheint seit 1949 vierteljährlich im Hogrefe-Verlag (Göttingen).

Ziel ist die Förderung und Verbreitung der wissenschaftlichen Psychologie. Sie hat derzeit über 3000 Mitglieder. Ordentliches Mitglied kann werden, wer promoviert hat und darüber hinaus eine wissenschaftliche Arbeit vorgelegt hat. Bevor diese Bedingungen erfüllt sind, kann man assoziiertes Mitglied werden, wenn man wissenschaftlich tätig ist. Studierende in Master of Science-Studiengängen der Psychologie oder äquivalenten Studiengängen können studentische Mitglieder werden. Eine Aufnahme als studentisches, assoziiertes oder als ordentliches Mitglied erfordert eine Empfehlung von zwei Mitgliedern der DGPs und die Zustimmung des Vorstandes. Ein Ehrengericht ist das Disziplinorgan der DGPs.

Es existieren folgende DGPs-Kommissionen:

  • Ethik-Kommission
  • Kommission Psychologie Lehramtsstudiengängen
  • Kommission zur Prüfung der Anträge auf Akkreditierung von Weiterbildungsstudiengängen in Psychologischer Psychotherapie
  • Kommission Psychologie und Psychotherapieausbildung
  • Kommission Fachsystematik der deutschen Psychologie: Historische Entwicklungen und Perspektiven

Daneben gibt es folgende Föderative Kommissionen (DGPs und Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen):

  • Fachgremium Rechtspsychologie
  • Föderative Richtlinienkommission Ethik
  • Diagnostik- und Testkuratorium (DTK)
  • Nationale Anerkennungskommission EuroPsy (NAK)

Weitere Kommissionen außerhalb der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen sind

  • der Gesprächskreis der Psychotherapeutenverbände (GK-II)
  • die Gemeinsame Kommission Klinische Neuropsychologie
  • die Jury zur Vergabe des „Deutschen Psychologiepreises“

Als Arbeitsgemeinschaft sind die DGPs-Beauftragten für den wissenschaftlichen Nachwuchs organisiert (Jungmitglieder)

Die DGPs wird von einem sechsköpfigen Vorstand präsidiert. Die DGPs hat eine Geschäftsstelle in Münster und ein Büro in Berlin (wissenschaftliche Referentin, Pressereferentin).

Die DGPs ehrt aller zwei Jahre das wissenschaftliche Lebenswerk und verleiht die Wilhelm- Wundt-Medaille, den Charlotte- und Karl-Bühler-Preis, den Heinz-Heckhausen-Jungwissenschaftlerpreis, den Preis für Wissenschaftspublizistik sowie den Franz-Emanuel-Weinert-Preises. Langjährig verdienten Mitgliedern kann die Ehrenmitgliedschaft verliehen werden.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die DGPs geht zurück auf die am 20. April 1904 in Gießen gegründete „Gesellschaft für experimentelle Psychologie“ Initiator war Georg Elias Müller (1850–1934), der mit seinen Kollegen Ebbinghaus, Külpe, Meumann, Schumann und Sommer ein Initiativ-Komitee bildete und zum Kongress nach Gießen einlud (der Veranstalter des ersten Kongresses war Sommer). Dort wurde von den Teilnehmern die Gesellschaft dann gegründet, Müller wurde der erste Präsident.

Experimental psychology existiert im angelsächsischen Raum heute noch als eigenständige Forschungsrichtung der Allgemeinen Psychologie. Der Name der Gesellschaft wurde 1929 in die heutige Bezeichnung umgewandelt. Mit der heute noch regelmäßig stattfindenden Tagung der Experimentell Arbeitenden Psychologen (TEAP) wird die experimentelle Tradition fortgesetzt.

1945 wurde die DGPs durch das Besatzungsrecht automatisch aufgelöst. Die Neugründung 1947 durch Gustav Johannes von Allesch galt zunächst für die britische Besatzungszone. In der amerikanischen Besatzungszone wurde die Gesellschaft 1948 in Würzburg neu gegründet. Erster Vorsitzender dort war Gustav Kafka. Beide Teile der Gesellschaft wurden am 2. Oktober 1948 vereinigt und erweiterten ihren Geltungsbereich "zonenungebunden" auf ganz Deutschland. Allesch wurde Vorsitzender, Kafka folgte ihm 1951 nach.

Bis 1961 waren auch Wissenschaftler aus der DDR Mitglieder der DGPs und besuchten deren Kongresse. Nach dem Mauerbau wurde am 13. Oktober 1962 die Gesellschaft für Psychologie der DDR gegründet. Erster Vorsitzender war Werner Straub aus Dresden bis 1968. Ihm folgten Friedhart Klix bis 1975 und Adolf Kossakowski. Sie führte bis zur Auflösung am 3. November 1990 sieben Kongresse durch und war zugleich Berufsverband und Wissenschaftsgesellschaft. Höhepunkt war die Ausrichtung des XXII. Internationalen Kongresses für Psychologie 1980 in Leipzig. Die Psychologen der DDR wurden ab 1962 genötigt, aus der DGPs auszutreten - einige führten die Mitgliedschaft offiziell oder inoffiziell fort. Die DGPs erlaubte diesem Personenkreis eine beitragsfreie Fortführung der Mitgliedschaft. Diese nie abgebrochene Verbindung war auch eine Ursache, dass die wissenschaftliche Ausrichtung der Psychologie in der DDR international blieb.[2][3]

Mindestens bis zur deutschen Wiedervereinigung verstand sich die DGPs als deutschsprachige Fachgesellschaft. So fanden Kongresse auch in Salzburg, Wien und Zürich statt, auch Schweizer und österreichische Fachkollegen waren Vorstandsmitglieder. Danach gerieten vor allem die psychologiespezifischen Probleme Deutschlands stärker in den Mittelpunkt der Arbeit. Eigenständige nationale Interessenvertretungen waren in Österreich und der Schweiz auch für wichtige politischen Fragen (Vertretung der "nationalen" Psychologie im Rahmen der Psychologie- bzw. Psychotherapiegesetzgebung) notwendig. Nicht zuletzt deshalb hat sich in Österreich 1993 die Österreichische Gesellschaft für Psychologie (ÖGP) neu gegründet. In der Schweiz gibt es die Schweizerische Gesellschaft für Psychologie (SGP) schon seit 1943. Nach wie vor sind Doppelmitgliedschaften in der DGPs und SGP bzw. ÖGP verbreitet.

Fachgruppen der DGPs[Bearbeiten]

Die verschiedenen Teildisziplinen der Psychologie sind in Fachgruppen organisiert. Fachgruppen haben aus ihren Reihen Expertinnen und Experten benannt, die Auskunft zu speziellen Themen geben können.

Allgemeine Psychologie
Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Denken, Sprache, Lernen, Gedächtnis, Motivation und Emotion
Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie
Wechselbeziehungen zwischen Arbeits- und Organisationsbedingungen und menschlichem Erleben und Verhalten
Biologische Psychologie und Neuropsychologie
Anatomische und physiologische Grundlagen menschlichen Verhaltens und Erlebens sowie physiologische Effekte psychologischer Prozesse; Neuronale Bedingungen psychologischer Prozesse
Differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und psychologische Diagnostik
Individuelle Besonderheiten und interindividuelle Unterschiede - Anwendung psychologischen Wissens auf den Einzelfall, Beschreibung, Erklärung und Prognose von Verhalten
Entwicklungspsychologie
Veränderungsprozesse über die Lebensspanne inklusive Gerontopsychologie - Besonderheiten psychischer Funktionen im höheren Alter
Geschichte der Psychologie
Historische Entwicklung der Psychologie als eigenständige Wissenschaft
Gesundheitspsychologie
Personale, soziale und strukturelle Einflussfaktoren für die körperliche und seelische Gesundheit
Klinische Psychologie und Psychotherapie
Bedingungen von Krankheit und Gesundheit sowie Entwicklung von verhaltens- und erlebensverändernden Interventionen inklusive Rehabilitationspsychologie: Anwendung psychologischer Kenntnisse in der Rehabilitation
Medienpsychologie
Menschliches Erleben und Verhalten im Zusammenhang mit der Nutzung von Medien
Methoden & Evaluation
Verfahren der Datenerhebung und der Datenauswertung, Untersuchungsplanung und Wissenschaftstheorie; Untersuchungspläne und Verfahren zur Überprüfung von Interventionen im Hinblick auf zu definierende Standards und Kriterien
Pädagogische Psychologie
Pädagogisch beeinflussbare Kompetenzen, Fertigkeiten, Überzeugungssysteme und Werthaltungen
Rechtspsychologie
Anwendung psychologischer Theorien, Methoden und Erkenntnisse auf Fragestellungen, die sich aus der Gestaltung und Anwendung des Rechts ergeben
Sozialpsychologie
Beeinflussung von Verhalten, Erleben und Urteilen durch den sozialen Kontext
Umweltpsychologie
Einstellungen zur Umwelt und Umweltbewusstsein, umweltbezogenes Verhalten und Gestaltung eines ökologisch gesunden Lebensumfeldes
Verkehrspsychologie
Wechselbeziehungen zwischen menschlichem Erleben und Verhalten und technischen Verkehrssystemen sowie dem Verkehrsumfeld

Vorsitzende (ab 1974 Präsidenten)[Bearbeiten]

Sowohl der Gesellschaft für Experimentelle Psychologie als auch der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Neuwahlen finden gegenwärtig mit den aller 2 Jahre abgehaltenen Kongressen statt (s.u.):

Wissenschaftliche Kongresse und Veranstalter[Bearbeiten]

In der Regel werden alle zwei Jahre wissenschaftliche Kongresse durchgeführt.

Gesellschaft für Experimentelle Psychologie (Vorläufergesellschaft)[Bearbeiten]

Deutsche Gesellschaft für Psychologie[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Ehrung für das Wissenschaftliche Lebenswerk
  • Wilhelm-Wundt-Medaille
  • Charlotte- und Karl-Bühler-Preis
  • Heinz-Heckhausen-Jungwissenschaftlerpreis
  • Preis für Wissenschaftspublizistik
  • Förderpreis Psychologie
  • Franz-Emanuel-Weinert-Preis

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Preise und Ehrungen
  2. Sprung Lothar und Helga: Die Entwicklung der Psychologie... in: Die Humboldt-Universität Unter den Linden 1945-1990, hrsg. von W. Girnus und Klaus Meier
  3. Schönpflug, W., Lüer, G 2011: Psychologie in der DDR: Wissenschaft zwischen Ideologie und Pragmatismus.

Weblinks[Bearbeiten]