Bertha von Savoyen

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Heinrich IV. und Bertha in Canossa von John Foxe (1563)

Bertha von Savoyen oder auch Bertha von Turin (* 21. September 1051; † 27. Dezember 1087 in Mainz) war als Gemahlin Heinrichs IV. von 13. Juli 1066 bis zu ihrem Tod römisch-deutsche Königin (gekrönt am 29. Juni 1066 in Tribur) und von 31. März 1084 bis zu ihrem Ableben Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches (gekrönt am 31. März 1984). Sie war die Tochter des Grafen Otto von Savoyen (Haus Savoyen) und der Adelheid von Turin (Arduine). Ihr Grab befindet sich im Dom zu Speyer.

Kindheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bertha wurde bereits als Kind von Heinrich III. nach seinem Italienzug mitgenommen, um sie mit seinem Sohn Heinrich IV. zu verloben. Dies sollte Oberitalien für das salische Kaiserhaus sichern helfen. Im Alter von vier Jahren wurde Bertha mit Heinrich IV. verlobt. Dies geschah am 25. Dezember 1055 in Zürich. Bertha wurde am salischen Hof großgezogen. Sie unterhielt ihre gesamte Kindheit lang eine enge Beziehung zu Heinrich IV. und wurde in der Öffentlichkeit öfter an seiner Seite gezeigt.

Ehe mit Heinrich IV.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bertha wurde in Würzburg Ende Juni 1066 zur Königin geweiht und gekrönt. Die Hochzeitsfeierlichkeiten fanden um den 13. Juli 1066 herum in Tribur nach der eigentlichen Vermählung in Würzburg statt. Während Bertha den Quellen zufolge ihrem Mann von Anfang an in Liebe und Treue zugetan war, begegnete Heinrich seiner Frau angeblich mit Widerwillen. Obwohl sie eine hübsche junge Frau gewesen sein soll, berichtet der sächsische Chronist Bruno, ein erklärter Gegner Heinrichs IV., von dessen fortgesetzter Untreue.

Heinrich strengte im Jahr 1069 ein Scheidungsverfahren an und lieferte folgende Scheidungsbegründung:

„Der König erklärte öffentlich (vor den Fürsten), er stehe sich mit seiner Gemahlin nicht gut; lange habe er die Menschen getäuscht, aber nun wolle er sie nicht länger täuschen. Er könne ihr nichts vorwerfen, was eine Scheidung rechtfertige, aber er sei nicht imstande, die eheliche Gemeinschaft mit ihr zu vollziehen. Er bitte sie daher um Gottes willen, ihn von der Fessel dieser unter schlimmen Vorzeichen geschlossenen Ehe zu lösen und die Trennung freudwillig zu dulden, damit er ihr und sie ihm den Weg zu einer glücklicheren Ehe eröffne. Und damit niemand den Einwand erheben könne, ihre einmal verletzte Keuschheit sei ein Hindernis für eine zweite Eheschließung, so schwöre er, daß sie so sei, wie er sie empfangen habe, unbefleckt und in unversehrter Jungfräulichkeit.“ (aus den Annalen Lamperts von Hersfeld)

Ein derartiges Scheidungsverlangen wagte das deutsche Episkopat nicht zu entscheiden und rief den Papst Alexander II. an. Der sandte seinen Legaten Petrus Damiani auf die Synode zu Frankfurt und lehnte die Scheidung ab. Im Jahr darauf wurde die erste Tochter (Adelheid) des Paares geboren.

Politische Aktivität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Berthas Zeit als Königin ließ Heinrich IV. insgesamt 67 Urkunden auf Intervention oder Fürsprache seiner Frau ausstellen. Dies ist allerdings nur ein Viertel der gesamten Urkunden des Königs, weshalb sie im Vergleich mit den anderen ottonischen und salischen Königinnen eher eine passive Teilnahme an der Politik zeigte. Von Berthas Einfluss als Fürsprecherin profitierten häufig Dienstmannen. Das ist ein Hinweis dafür, dass Bertha die Ministerialen-Politik ihres Mannes befürwortet hat und genau wie er auch auf eine vom Herrscher abhängige Gruppe setzte. Außerdem setzte sie sich für einzelne Grafen ein, indem sie bei Urkunden zum Gütertausch sogar als fideles agierte.

Aus den Urkunden lassen sich kaum bevorzugte Aktivitäten für geistliche Institutionen in Berthas Heimat in Oberitalien feststellen. Ausnahmen bildeten auch die Begünstigungen von Klöstern wie zum Beispiel des Klosters St. Blasien. Auch wenn die politische Aktivität Berthas eher zurückhaltend war, so stand sie ihrem Mann Heinrich IV. dennoch in unterschiedlichen Situationen zur Seite.

Bertha begleitete ihren Gemahl schließlich auch auf der gefährlichen Reise nach Canossa, ihren dreijährigen Sohn Konrad in den Armen tragend. Sie hielt mit ihrem Mann vom 25. bis zum 28. Januar 1077 in der klirrenden Kälte vor den Mauern der Burg aus, um die Lösung des päpstlichen Bannes zu erreichen. Auch während anderer wichtiger Ereignisse in dem Leben von Heinrich IV. stand sie ihm beiseite. So begleitete sie ihn auf die Synode von Brixen und eventuell sogar auf seinen Italienzug. Anschließend führte ihr gemeinsamer Weg sie nach Rom, wo Bertha am 31. März 1084 von Clemens III. zur Kaiserin geweiht wurde.

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Berthas frühem Tod am 27. Dezember 1087 wurde ihr Leichnam zunächst an einem unbekannten Ort verwahrt. Schon nach einer kurzen Dauer von weniger als einem Jahr heiratete Heinrich IV. seine neue Frau Praxedis. Dies scheint der Grund zu sein, dass Heinrich IV. sich erst vier Jahre (1091) nach Berthas Tod damit beschäftigte, ihr ein ehrwürdiges Andenken zu schaffen. So stiftete er zum Seelenheil an die Domkirche zu Speyer, sodass Bertha zusammen mit zweien ihrer jung verstorbenen Kinder in die Familiengrablege aufgenommen wurde. Auch danach kümmerte Heinrich IV. sich kaum um die Pflege des Totengedenkens seiner Frau.

Kinder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Ehe mit Heinrich gingen fünf Kinder hervor:

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruno von Merseburg: Brunonis Saxonicum bellum. Brunos Sachsenkrieg. Übersetzt von Franz-Josef Schmale. In: Quellen zur Geschichte Kaiser Heinrichs IV. Darmstadt, 1968. (= Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe Bd. 12). S. 191–405.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

VorgängerinAmtNachfolgerin
Agnes von Poitourömisch-deutsche Königin
13. Juli 1066 bis 27. Dezember 1087
Adelheid von Kiew
Agnes von Poitourömisch-deutsche Kaiserin
31. März 1084 bis 27. Dezember 1087
Adelheid von Kiew