Beth Din

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Das Beth Din (wörtlich: Haus des Gerichtes, hebräisch: Gerichtshof), pl.: Batte Din, ist ein Rabbinatsgericht, das in der Regel aus mindestens drei Rabbinern besteht. In Geldangelegenheiten kann ein Einzelrichter (Mumche) entscheiden.

In Israel widmet sich der Gerichtshof heute bevorzugt religiösen und personenrechtliche Angelegenheiten, wozu Statusfragen, wie Konversion, Adoption und Scheidung gehören. In anderen Ländern wie Frankreich oder England ist das Gericht im Wesentlichen mit Schiedsgerichtsbarkeit zu religiösen Fragen betraut. Es gibt unterschiedliche Ordnungen wie z. B. ein Landes-Beth Din oder ein Europa-Beth Din.

Die unterschiedlichen jüdischen religiösen Strömungen institutionalisieren jeweils eigene Batte Din. Die orthodoxen Strömungen erkennen die Entscheidungen der nicht-orthodoxen Strömungen des Judentums nicht an. Umgekehrt erkennen die nicht-orthodoxen Strömungen des Judentums die Entscheidungen der orthodoxen Batte Din voll an.

Geschichte des Gerichtshofs[Bearbeiten]

Lange Zeit war der Sanhedrin (Hoher Rat) die oberste jüdische religiöse und politische Instanz und gleichzeitig das oberste Gericht. Im Jahr 70 wurde mit Jerusalem der Jerusalemer Tempel von den Römern zerstört. Der Rabbi Jochanan ben Sakkai erhielt von der römischen Besatzungsherrschaft die Erlaubnis, den Sitz des Hohen Rats nach Jawne zu verlegen. Dort errichtete er ein Bet Din, welches ebenfalls noch Sanhedrin genannt wurde. Diesem oblag die Befugnis zur Regulierung des Kalenders. Der Vorsitzende des Bet Din trug den Titel Nasi, der Vertreter Av Beth Din. Beide galten als weise.

Kleine Gemeinden mit weniger als 120 Bürgern hatten Batte Din mit drei Richtern (Dajan, pl. Dajanim), deren Zuständigkeit sich auf Zivil- und Personenstandsrecht beschränkte. Für (schwere) Strafsachen mussten 23 Richter zusammentreten (kleiner Sanhedrin). Dieser war für Gemeinden mit mehr als 120 Einwohnern obligatorisch. Die Richter wurden durch die Semicha ordiniert, wodurch ihnen die Berechtigung zugesprochen wurde, gültige Entscheidungen in Fragen des Religionsgesetzes, der Halacha, zu treffen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]