Tel Aviv-Jaffa

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Tel Aviv und Jaffa sind Weiterleitungen auf diesen Artikel. Für den Bezirk siehe Bezirk Tel Aviv; weitere Bedeutungen von Jaffa sind unter Jaffa (Begriffsklärung) aufgeführt.
Tel Aviv-Jaffa
Wappen von Tel Aviv-Jaffa
Flagge von Tel Aviv-Jaffa
Basisdaten
hebräisch: תל אביב-יפו
arabisch: تل أبيب يافا
Staat: Israel Israel
Bezirk: Tel Aviv
Gegründet: 1909
Koordinaten: 32° 5′ N, 34° 48′ OKoordinaten: 32° 5′ 0″ N, 34° 48′ 0″ O
Fläche: 70 km²
 
Einwohner: 405.300 (2012[1])
Bevölkerungsdichte: 5.790 Einwohner je km²
Metropolregion: 3.850.100 (2012[1])
 
Zeitzone: UTC+2
Telefonvorwahl: (+972) 3
Postleitzahl: 61000 - 61999
 
Gemeindeart: Großstadt
Bürgermeister: Ron Huldai
Website:
Tel Aviv-Jaffa (Israel)
Tel Aviv-Jaffa
Tel Aviv-Jaffa

Tel Aviv-Jaffa (hebräisch תל אביב-יפו‎ Tel Aviv-Jafo, Tel-Aviv bedeutet Frühlingshügel; arabisch تل أبيب يافا‎ Tall Abīb Yāfā[2]), oft auch nur Tel Aviv, ist eine Großstadt in Israel.

Das 1909 gegründete Tel Aviv war ursprünglich ein Vorort der bereits seit der Antike bestehenden Hafenstadt Jaffa. 1950 wurden beide Städte zum heutigen Tel Aviv-Jaffa vereinigt.

Der Name „Tel Aviv“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtname Tel Avivs ist einer poetischen Übersetzung des Titels des utopischen Romans „Altneuland“ von Theodor Herzl entliehen. Darin steht „Tel“ (vielschichtiger Siedlungshügel) für „alt“ und „Aviv“ (Frühling) für „neu“.[3] Der Name kommt bereits im Buch Ezechiel vor, wo er einen anderen Ort bezeichnet. Dazu und zur Wahl des Namens, siehe weiter unten.

Bedeutung der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2009 hatte Tel Aviv 403.700 Einwohner[4] und ist damit nach der Hauptstadt Jerusalem die zweitgrößte Stadt Israels. Der Großraum von Tel Aviv namens Gusch Dan umfasst ein dicht besiedeltes Gebiet mit den Nachbarstädten Ramat Gan, Giw’atajim, Cholon, Bat Jam und Bnei Brak, die bis zu 14 km von der Mittelmeerküste entfernt liegen, und ist mit etwa 3,8 Millionen Einwohnern der größte Ballungsraum des Landes. Nach der Staatsgründung Israels richteten die meisten Länder ihre Botschaften in Tel Aviv ein, da der Status Jerusalems gemäß den Teilungsbeschlüssen der UN als unklar galt. Nachdem Israel 1980 Ostjerusalem annektiert und im Jerusalemgesetz das „vollständige und vereinigte Jerusalem“ zur Hauptstadt Israels erklärt hatte, forderte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in seiner Resolution 478 alle Staaten, die ihre Botschaften in Jerusalem hatten, dazu auf, diese abzuziehen. Deshalb befinden sich heute alle diplomatischen Vertretungen in und um Tel Aviv. Auch haben die Tel Aviv Stock Exchange, die wichtigste Börse des Landes, sowie der israelische Nachrichtendienst Mossad hier ihren Hauptsitz.

Eine bedeutende Rolle spielte die Stadt bei der Staatsbildung Israels. Hier gab David Ben-Gurion, der erste Premierminister des Landes, die Unabhängigkeitserklärung ab. Die Zeremonie dauerte nur etwa eine halbe Stunde, da Israel unmittelbar danach von mehreren arabischen Staaten angegriffen wurde. Diese Kampfhandlungen waren der Beginn des Palästinakrieges.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte Jaffas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht des Hafens von Jaffa im Jahr 1906
Masterplan für Tel Aviv: die erste Fassung des Plans von Patrick Geddes (1925)

Archäologische Ausgrabungen zeigen, dass das Gebiet von Jaffa schon 3500 v. Chr. besiedelt war. Es wird auf ägyptischen Inschriften um 2000 v. Chr. unter dem Namen Ipu erwähnt und war von Kanaanitern bewohnt. Es wird vermutet, dass es ein Kultort für die Gottheit Derketo war. In der Bibel taucht Joppe als Hafen der Tarsis-Schiffe auf (Buch Jona);ebenso in dem Begegnen des Judenchristen (Apostel) Petrus mit dem römischen Offizier Cornelius (Apostelgeschichte 10). Im Altertum befand sich der Hafenort meist in den Händen der Phönizier, deren Holzlieferungen zum Bau des ersten und zweiten Jerusalemer Tempels über Jaffa nach Jerusalem transportiert wurden.

Die Makkabäer eroberten den Ort. Danach nahmen die Römer den Ort ein. In Joppe erweckte der Apostel Petrus Tabita und wohnte einige Zeit im Hause eines Gerbers namens Simon (Apostelgeschichte 9, 36-43). Jaffa unterstand dem römischen Prokurator der Provinz Judäa. Unter Konstantin dem Großen wurde die Stadt Bischofssitz. Im Jahr 636 eroberten Krieger des Kalifen Omar den Ort, und im Jahr 1099 nahm Gottfried von Bouillon ihn im Rahmen des Ersten Kreuzzugs ein.

Im Mittelalter war Jaffa sowohl militärisch als auch in puncto Handel sehr wichtig. Für die Kreuzfahrer hatte Jaffa als der Jerusalem am nächsten gelegene Mittelmeerhafen besonderen strategischen Wert. Jaffa war von Gottfried von Bouillon 1100 befestigt worden und bildete das Zentrum einer Grafschaft. Dagobert von Pisa, der erste Lateinische Patriarch von Jerusalem, hatte es erfolglos für sich beansprucht. Als der Graf von Jaffa Hugo II. von Le Puiset 1134 gegen König Fulko rebellierte, wurde die Grafschaft in eine Reihe kleinerer Einheiten aufgeteilt, Jaffa selbst wurde Krongut.

1187, nach der Niederlage der Kreuzfahrer in der Schlacht bei Hattin, eroberte der Ayyubiden-Sultan Saladin Jaffa. Im September 1191 besetzte das Heer des Dritten Kreuzzugs unter Richard Löwenherz kampflos die Stadt, nachdem es Saladin in der Schlacht bei Arsuf geschlagen hatte. Im Juli und August 1192 versuchte Saladin erneut in der Belagerung und Schlacht von Jaffa sich der Stadt zu bemächtigen, wurde aber letztlich zurückgeschlagen. Im September 1192 sicherte Saladin den Kreuzfahrern den Besitz Jaffas in einem Waffenstillstandsabkommen zu. Im Rahmen des Fünften Kreuzzugs wurde hier 1229 der Friede von Jaffa zwischen Kaiser Friedrich II. und Sultan al-Kamil geschlossen, nachdem die Christen unter anderem Jerusalem kampflos zurückerhielten.

Im Königreich Jerusalem führte gewöhnlich der Thronerbe den Titel „Graf von Jaffa und Askalon“. Heinrich von Champagne hinterließ Jaffa seinen Töchtern. Nach dem Tod von Alice von Champagne fiel Jaffa an ihre Tochter Maria von Champagne, die mit Walter IV. von Brienne verheiratet war. Nach dem Tod Walters 1246 fiel Jaffa an Marias Bruder, König Heinrich I. von Lusignan. Zwischen 1246 und 1247 belehnte Heinrich I. Johann von Ibelin mit Jaffa. 1268 eroberten die Mameluken unter Sultan Baibars I. die Stadt und beendeten die Herrschaft der Kreuzfahrer. Der Titel eines Barons von Jaffa wurde auch nach dem Fall der Stadt von Adligen im Königreich Zypern weitergeführt.[5] Die Mameluken ließen die Stadt weitgehend zerstören und entvölkern.

1516 fiel die Stadt an das Osmanische Reich und konnte ihre alte wirtschaftliche Bedeutung zurückerlangen, insbesondere als Pilgerhafen auf dem Weg nach Jerusalem.

Napoléon Bonaparte belagerte Jaffa während seiner Ägyptischen Expedition vom 4. bis zum 7. März 1799. Dem französischen Parlamentär, der die Verhandlungen über eine kampflose Übergabe der Stadt führen sollte, wurde der Kopf abgeschnitten und von der Stadtmauer herab den Franzosen, auf einen Pfahl gespießt, gezeigt. Es folgte ein sechsstündiger Artilleriebeschuss der Stadt und, nach der Eroberung, die Plünderung und Exekution des Kommandanten Abu-Saab und rund 2000 Gefangener.[6]

Ägyptische Truppen von Muhammad Ali Pascha rückten 1832 in die Stadt ein, die aber bereits ab 1841 wieder vom Osmanischen Reich regiert wurde.

Am 31. März 1890 begann eine französische Gesellschaft mit dem Bau der Bahnstrecke Jaffa–Jerusalem, die am 26. September 1892 in Betrieb ging.

1945 hatte Jaffa 101.580 Einwohner, von denen 53.930 muslimisch, 30.820 jüdisch und 16.800 christlich waren.[7] Während das benachbarte Tel Aviv mit jüdischer Bevölkerungsmehrheit im UN-Teilungsplan dem jüdischen Staat zugeschlagen wurde, war Jaffa ursprünglich als Enklave des arabischen Staates vorgesehen.

Am 14. Mai 1948 wurde Jaffa von israelischen Milizen der Hagana und des Irgun eingenommen. In der Folge von Flucht bzw. Vertreibung eines Großteils der arabischen Bevölkerung reduzierte sich diese um rund 65.000 auf knapp 5.000 Einwohner.[8]

Geschichte Tel Avivs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auktion von Siedlungsland am Strand von Tel Aviv-Jaffa im Jahr 1909
Das hebräische Gymnasium Herzliya im Tel Aviv der 1930er Jahre

Die ersten Orte im Gebiet des heutigen Tel Aviv entstanden im Süden nahe bei Jaffa: 1887 Newe Zedeq, 1890 Newe Shalom und 1904 Kerem HaTeimanim.

Tel Avivs eigentliche Geschichte beginnt mit Ahusat Bajit (hebr. אחזת בית‎). Zu ihren Gründerfamilien gehörte auch die Familie des späteren Ministerpräsidenten Mosche Scharet. Ahusat Bajit vereinigte sich später mit zwei anderen neuen Vierteln - Nahalat Binjamin[9] und Geʾula -, und das neue Gebilde wurde, nach dem Titel der hebräischen Übersetzung Sokolows des utopischen Romans „Altneuland“ von Theodor Herzl, „Tel Aviv“ genannt.[10] Den Namen hatte der Übersetzer seinerseits dem biblischen Buch Ezechiel entnommen, wo er einen Ort in Babylonien bezeichnet, an dem der Prophet Ezechiel seine Offenbarungen empfängt: „So kam ich zu den Verschleppten, die in Tel-Aviv wohnten“ (Ez 3,15a). In diesen - mit dem Tel Aviv verbundenen - Offenbarungen heißt es „unter anderem, dass einmal das ganze zerstreute Volk Israel nach Eretz Israel zurückgeführt werden wird.“[11])

Am 11. April 1909 wurden die vorab parzellierten Grundstücke in Ahusat-Bajit durch Akiva Arie Weiss[12] in Anwesenheit der Gründer des Viertels und ihrer Familien verlost: Auf 60 am selben Morgen am Strand gesammelte Muscheln schrieb er mit schwarzer Tinte die Namen der Mitglieder des Verbandes und auf weitere 60 Muscheln die Parzellennummern. Während der Verlosungszeremonie zogen ein Junge und ein Mädchen gleichzeitig je eine Muschel mit Nummer bzw. Namen, so entschied sich, wer welches Grundstück erhielt. Dieser Tag gilt als Tag der Gründung Tel Avivs.

Das Wappen und die Flagge der Stadt (siehe oben) enthalten unter dem roten Davidstern 2 Worte aus dem biblischen Jeremiabuch: „Ich (Gott) werde Dich aufbauen, und Du sollst gebaut werden.“ (Jer 31,4)

1921 wurde die Verbindung mit Jaffa gelockert, und Tel Aviv erhielt durch den Hochkommissar Sir Herbert Samuel eine eigene städtische Verwaltung. Dies war die britische Reaktion auf das Pogrom von Jaffa des Jahres 1921.[13] Die volle Unabhängigkeit von Jaffa erhielt Tel Aviv im Jahr 1934.

Straßenkreuzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die hebräische Schrift wurde eine abweichende Form des Pluszeichens konzipiert, dem der untere Teil des senkrechten Balkens fehlt, sodass seine Form nicht an ein (christliches) Kreuz erinnert. Der als Talmudgelehrte und Leitfigur der nationalreligiösen Bewegung bekannte Rabbi Adin Steinsaltz sprach in einem Spiegelinterview von absurden Äußerlichkeiten: Neben dem modifizierten Additionszeichen sei das Kreuz als Form auch bei Straßenkreuzungen Tel Avivs planerisch vermieden worden, weswegen der Verkehr dort bis heute recht chaotisch sei. [15]

Zweiter Weltkrieg und Zentrum der jüdischen Immigration nach der Staatsgründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg wurde Tel Aviv am 9. September 1940 durch italienische Flugzeuge bombardiert, es entstanden schwere Schäden, und über 200 Menschen verloren ihr Leben.[14] 1948 wurde Jaffa mit der ehemaligen Vorstadt auch administrativ verbunden, die sich inzwischen zur Großstadt entwickelt hatte, und die Stadtkombination erhielt den Namen Tel-Aviv-Jafo.
Die Stadt wuchs schnell und wurde zum Zentrum städtischen Lebens in Israel.[15]

Im Gegensatz zum benachbarten Jaffa war Tel Aviv von Anbeginn eine jüdische Siedlung mit entsprechender Bevölkerungsmehrheit. Nach dem UN-Teilungsplan für Palästina war Tel Aviv daher als Teil des jüdischen Staates vorgesehen. Im Jahr 1947, vor Ausbruch des Palästinakrieges, lebten in Tel Aviv bereits 230.000 Einwohner. Die Stadt wuchs so rasch, weil sie Zentrum der jüdischen Immigration nach Palästina war.[8]

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tel Aviv
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
127
 
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18
 
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2.3
 
25
17
 
 
0
 
28
21
 
 
0
 
29
23
 
 
0
 
30
24
 
 
0.4
 
29
23
 
 
26
 
27
19
 
 
79
 
23
15
 
 
126
 
19
11
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: Israel Meteorological Service
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Tel Aviv
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 17,5 17,7 19,2 22,8 24,9 27,5 29,4 30,2 29,4 27,3 23,4 19,2 Ø 24,1
Min. Temperatur (°C) 9,6 9,8 11,5 14,4 17,3 20,6 23,0 23,7 22,5 19,1 14,6 11,2 Ø 16,5
Niederschlag (mm) 126,9 90,1 60,6 18,0 2,3 0,0 0,0 0,0 0,4 26,3 79,3 126,4 Σ 530,3
Regentage (d) 12,8 10,0 8,5 3,1 0,8 0,0 0,0 0,0 0,3 3,2 7,5 10,9 Σ 57,1
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
17,5
9,6
17,7
9,8
19,2
11,5
22,8
14,4
24,9
17,3
27,5
20,6
29,4
23,0
30,2
23,7
29,4
22,5
27,3
19,1
23,4
14,6
19,2
11,2
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
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d
e
r
s
c
h
l
a
g
126,9
90,1
60,6
18,0
2,3
0,0
0,0
0,0
0,4
26,3
79,3
126,4
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Panoramabilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tel Aviv - Blick auf das Meer - vom Azrieli-Turm aus
Tel Aviv und Ramat Gan - von dem Universitätshügel aus
Tel Aviv - Blick auf den Strand
Tel Aviv - Blick auf Gordon-Strand
Tel Aviv - vom Azrieli-Turm aus nach Norden

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Druckerei der Tageszeitung Haaretz
Tel Aviv-Jaffa, Peterskirche
Das Herta und Paul Amir Gebäude im Tel Aviv Museum of Art

Herausragend ist die sogenannte Weiße Stadt (hebr. העיר הלבנה, ha-ʿir ha-lewana), eine Sammlung von über 4.000 Gebäuden in Tel Aviv, die überwiegend im Bauhaus- und Internationalen Stil errichtet wurde. Sie wurden in den 1930er Jahren von zahlreichen Architekten erbaut, die aus Dessau und Berlin flohen, um dem nationalsozialistischen Terror zu entgehen. Die Gebäude konzentrieren sich im Stadtteil der Weißen Stadt, der seit 2003 zum UNESCO-Welterbe gehört.[16] Im Zentrum Tel Avivs, am Dizengoff-Platz, befindet sich das neue Bauhaus-Zentrum.[17] Hier beginnen die Führungen zu Bauhausgebäuden, und hier befindet sich ein Laden mit historischen und kunstgeschichtlichen Bauhaus-Artikeln.

Weitere Sehenswürdigkeiten Tel-Avivs:

  • Am Rothschild-Boulevard liegt die Independence Hall (Bet ha-ʿAzmaʾut). Am Ort dieses heutigen Museums rief David Ben Gurion am 14. Mai 1948 den Staat Israel aus. Vor dem Museum befindet sich ein Gedenkstein zum Aufbau Tel Avivs mit einem Bibelzitat aus dem Buch Jeremia (Jer 31,4 EU).[18]
  • Das Tel Aviv Museum of Art zeigt Kunst.
  • Das Eretz Israel Museum dokumentiert Geschichte und Archäologie.
  • Das Beit Hatefutsot dokumentiert die Geschichte der Juden in der Diaspora.[19]
  • Das Ben-Gurion Museum befindet sich im ehemaligen Zweitwohnsitz des Politikers.[20]
  • Das Hagana-Museum ist ein Museum der Geschichte der jüdischen Untergrundorganisation, Vorläufer der israelischen Armee.[21]
  • Einer Spezialeinheit der Hagana gewidmet ist das Palmach-Museum.[22] Es liegt beim Eretz-Israel-Museum im Norden Tel Avivs.
  • Der Person Jitzchak Rabin widmet sich das Jitzchak-Rabin-Zentrum.[23] Es liegt zwischen dem Eretz-Israel-Museum und dem Museum der Palmach, zu der Rabin in jungen Jahren gehörte.
  • Sehenswert ist auch die lutherische Immanuelkirche in der American Colony (המושבה האמריקאית‎, translit. ha-moschawa ha-ʾamerikaʾit).
  • Das Charles Bronfman Auditorium ist Heimat des Israel Philharmonic Orchestra und mit 2482 Plätzen größter Konzertsaal der Stadt.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tel Aviv ist die Heimat von Israels größtem Sportverein, Maccabi Tel Aviv. Das Basketballteam von Maccabi gehört seit Jahrzehnten zu den besten in Europa. Die Fußballabteilung des Vereins ist die älteste und erfolgreichste des Landes. Weitere größere Sportvereine aus Tel Aviv sind Hapoel Tel Aviv und Bnei Yehuda Tel Aviv.

2009 ist der Tel-Aviv-Marathon, nach 15-jähriger Pause, wiederbelebt worden und wird seitdem wieder jährlich durchgeführt.[24]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentrale von „Bank Diskont“ (rechts) und die Zentrale von „Bank Leumi“

Tel Aviv ist stark durch den Dienstleistungssektor bestimmt. Es ist Sitz der einzigen Börse des Landes und mehrerer großer Banken wie Bank Leumi und Bank Hapoalim. Die israelischen Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind hoch, und vieles wird im Gebiet zwischen Tel Aviv und Jerusalem, dem Silicon Wadi des Landes investiert. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2011 wurden 1,5 Milliarden US-Dollar Risikokapital für zahlreiche Start-ups eingeworben.[25] 2012 gab es rund 600 Start-ups.[26]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahe Tel Aviv befindet sich in Lod mit dem Flughafen Ben Gurion der größte Flughafen des Landes.

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als großes Problem gilt der motorisierte Individualverkehr auf den Einfallstraßen nach Tel Aviv. Staus sind an der Tagesordnung, viele Zufahrtsstraßen sind chronisch verstopft. Im Bereich der Stadt laufen mehrere Autobahnen zusammen. Zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang für 25 Stunden entfällt – als Brauch, den auch weniger streng Gläubige einhalten, und ohne ein staatliches Gesetz - der Autoverkehr bis auf wenige Notdienste, sodass Kinder und Erwachsene zu Fuß und auf Fahrrädern für 25 Stunden den leeren Raum der größten mehrspurigen Stadtstraßen einnehmen.[27][28]

Die Stadt ist zentraler Knotenpunkt für die Busverbindungen der staatlichen Busgesellschaft Egged, die in Tel Aviv einen mehrstöckigen Busbahnhof unterhält. Er gilt als der größte der Welt.

Den Nahverkehr im Großraum Tel Aviv betreibt die Busverkehrsgesellschaft Dan mit 114 Linien, ergänzt durch ein engmaschiges Netz an Scherut genannten Sammeltaxis, die entlang ihrer Route auf Zuruf halten.

Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisches Empfangsgebäude der Eisenbahn Jaffa–Jerusalem

Im Stadtteil Jaffa befand sich der eine Endbahnhof der ersten Eisenbahnstrecke auf heutigem israelischen Gebiet: 1891/1892 wurde die Bahnstrecke Jaffa–Jerusalem in Betrieb genommen. Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Jaffa ist museal erhalten.

Israel Railways[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der überhand nehmende Individualverkehr ist einer der wesentlichen Gründe dafür, dass in den zurückliegenden Jahren der Regionalverkehr auf der Schiene durch die Israel Railways erheblich verbessert und ausgeweitet wurde. Tel Aviv liegt an der Eisenbahn-Magistrale des Landes, der Bahnstrecke Naharija–Be’er Sheva. Die weiteren Strecken führen nach Hod haScharon, Modi’in über den Flughafen Ben Gurion und nach Aschkelon.

Stadtbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Stadtbahn-System (Tel Aviv LRT), das teilweise im Tunnel geführt werden soll, ist mit mehreren Strecken seit vielen Jahren in Planung. Die Bauarbeiten an der ersten Strecke (Rote Linie) mit 23 km Länge begannen im August 2015. Die Strecke soll vom Hauptbahnhof in Petach Tikwa nach Bat Yam führen. Die Inbetriebnahme ist für 2021 vorgesehen. Die Vorbereitung für den Bau der anderen Strecken ist zwischen Finanz- und Verkehrsministerium umstritten. Zum einen sind schon jetzt bei der Roten Linie erhebliche Kostenüberschreitungen abzusehen, zum anderen sind die Planungen für die weiteren Linien aufgrund des enormen Wachstums des Verkehrs in Tel Aviv inzwischen für eine zu geringe Kapazität ausgelegt.[29]

Hafen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1965 war Tel Aviv Hafenstadt (siehe: Hafen von Tel Aviv)

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Universität Tel Aviv, die größte Universität in Israel, liegt im Viertel Ramat Aviv im Norden von Tel Aviv. Die zweite Universität im Großraum ist die Bar-Ilan-Universität in Ramat Gan. Zusammen haben beide mehr als 50.000 Studierende.

Vladimir Schreiber Institut für Mathematik an der Universität Tel Aviv

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berühmte Persönlichkeiten aus Tel Aviv-Jaffa sind unter anderem der israelische Präsident Ezer Weizman, die Schauspielerin Ayelet Zurer, das Model Esti Ginzburg, die Sängerin Ofra Haza, der Schauspieler Chaim Topol, der Astronaut Ilan Ramon, der Bühnenmagier Uri Geller sowie die frühere israelische Außen- und heutige Justizministerin Tzipi Livni.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachbücher

  • Maoz Azaryahu: Tel Aviv. Mythography of a City. Syracuse University Press, Syracuse NY 2006, ISBN 0-8156-3129-4.[30]
  • Barbara E. Mann: A Place in History. Modernism, Tel Aviv, and the Creation of Jewish Urban Space. Stanford University Press, Stanford CA 2006, ISBN 0-8047-5018-1, (Stanford Studies in Jewish History & Culture).[30]
  • Mark LeVine: Overthrowing Geography. Jaffa, Tel Aviv, and the Struggle for Palestine, 1880–1948. University of California Press, Berkeley CA 2005, ISBN 0-520-24371-4.[30]
  • Martin Peilstöcker, Jürgen Schefzyk, Aaron A. Burke (Hrsg.): Jaffa – Tor zum Heiligen Land. Nünnerich-Asmus, Mainz 2013, ISBN 978-3-943904-13-0.
  • Jochen Visscher (Hg.): Tel Aviv The White City. Fotografien von Stefan Boness, JOVIS-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-939633-75-4

Belletristik

  • Yaakov Shabtai: Erinnerungen an Goldmann, Dvorah-Verlag, Frankfurt am Main 1990
  • Michael Guggenheimer: Hafuch Gadol und Warten im Mersand. Edition Clandestin, Biel/Bienne (CH) 2013, ISBN 978-3-905297-42-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tel Aviv-Yafo – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Tel Aviv-Jaffa – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistical Abstract of Israel, Central Bureau of Statistics, abgerufen am 6. Januar 2016
  2. Auf Arabisch gebraucht man gewöhnlich nicht beide Namen zusammen: man spricht entweder von يافا Yāfā oder von تل أبيب Tall Abīb.
  3. Shlomo Avineri: Zionism According to Theodor Herzl, in Haaretz (20. Dezember 2002). Zitat: "Altneuland" is […] a utopian novel written by […] Theodor Herzl, in 1902; […] The year it was published, the novel was translated into Hebrew by Nahum Sokolow, who gave it the poetic name "Tel Aviv" (which combines the archaeological term „tel“ and the word for the season of spring). Auf Deutsch: „Altneuland“ ist […] ein utopischer Roman, geschrieben von […] Theodor Herzl in 1902; […] Im gleichen Jahr wurde der Roman von Nachum Sokolow ins Hebräische übersetzt, wobei er ihm den poetischen Titel „Tel Aviv“ gab, in dem der archäologisch Begriff „Tel(l)“ und das Wort für die Frühlingsjahrezeit kombiniert wurden. [1]
  4. Statistical Abstract of Israel, Central Bureau of Statistics, abgerufen am 6. Januar 2016
  5. vgl. Benjamin Arbel: Greek Magnates in Venetian Cyprus: The Case of the Synglitico Family. Dumbarton Oaks Papers 49, 1995 (Symposium on Byzantium and the Italians, 13th-15th Centuries), 326
  6. Abel Hugo: France militaire. Histoire des armées de terre et de la mer. 1792–1837, Bd 2. Massacre de la garnison, Paris 1838
  7. Zahlen aus dem Supplement to a Survey of Palestine, einem Bericht der britischen Mandatsverwaltung an die UNO von 1947, S. 4, Ausgabe 50942
  8. a b Geschichte von Tel Aviv und Jaffa, auf www.economist.com
  9. Die ersten 20 Häuser wurden im Dezember 1911 oder kurz danach fertiggestellt.
  10. Am 21. Mai 1910 wurde auf einer Vollversammlung der Einwohner Achusat-Bajits über den neuen Namen für das Viertel entschieden. Unter den Vorschlägen sind: Neu Jaffa - Jefefija („Die Schöne“) - Newe Jafo („Aue Jaffas“) - ʾAwiwa („Die Frühlingshafte“) - ʿIwrija ("Die Hebräische") und schließlich Tel Aviv („Frühlingshügel“). „Tel Aviv“ trug den Sieg davon.
  11. Scheel, Wolfgang: Lexikon biblischer Ortsbenennungen im modernen Israel. 3.Aufl., Hammerbrücke 2003, S. 61, (ISBN 3-933750-32-6)
  12. Aryeh Akiva Weiss / Akiva Arie Weiss, geb. 1868 in Weißrussland, aufgewachsen in Lodz, Uhrmacher, gest. 1947, Neueinwanderer in Palästina, treibende Kraft innerhalb der Ahusat-Bajit-Gesellschaft, später in der historischen Erinnerung von Dizengoff überschattet.
  13. Tom Segev: Es war einmal ein Palästina - Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels, 4. Auflage, München 2007, S. 199f
  14. Mordecai Naor: Eretz Israel: das 20. Jahrhundert, Könemann, Köln 1998, ISBN 3-89508-594-4, S. 217
  15. Erste reinjüdische Stadt in Palästina, 1931 schon 46.000 Einwohner, 1938 zählte Tel Aviv bereits 150.000 Einwohner; Ende 2006 waren es 385.000 Einwohner.
  16. The White City of Tel Aviv auf azw.at, Zugriff am 21. März 2009
  17. Bauhaus Center
  18. Weitere Informationen über das Museum findet man durch Weiterklicken in diesem Israelreiseführer, der die biblischen Bezüge einschließt.
  19. Diaspora-Museum - Beit Hatefusoth
  20. Ben-Gurion Museum
  21. Haganah-Museum
  22. Palmach-Museum
  23. Rabincenter
  24. Thousands sport sneakers for Tel Aviv marathon. In: Haaretz. Abgerufen am 8. April 2011.
  25. Bericht auf theglobeandmail.com vom 29. Dezember 2011, abgerufen am 4. Januar 2012
  26. Lissy Kaufmann: "In Tel Aviv lacht dich keiner aus." spiegel.de vom 20. Februar 2013, abgerufen am 20. Februar 2013
  27. Transforming Urban: Tel Aviv. Hans-Dieter Edler, Martin Grabner. Österreich 2016, Film, Länge: 46 min. (englisch). - Gespielt 24. Juni 2016, Sommerkino, Haus der Architektur, Graz.
  28. http://www.hda-graz.at/event.php?item=10039 Sommerkino: Camera Austria, Haus der Architektur, Kunsthaus Graz. hda-graz.at > Kalender > 2016. 23. Juni – 6. Juli 2016, abgerufen 24. Juni 2016.
  29. Tel Aviv LRT Growth Debate. In: Ha Rakevet 111 (Dezember 2015), S. 8ff.
  30. a b c Cornelia Siebeck: Sammelrez: 100 Jahre Tel Aviv. In: H-Soz-u-Kult, 7. Dezember 2009