Bigge (Olsberg)

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Bigge
Stadt Olsberg
Koordinaten: 51° 21′ 29″ N, 8° 28′ 16″ O
Höhe: 330 m ü. NN
Einwohner: 4112 (31. Dez. 2017)
Eingemeindung: 1. Juli 1969
Eingemeindet nach: Bigge-Olsberg
Postleitzahl: 59939
Vorwahl: 02962
Karte
Bigge
Blick auf Bigge
Blick auf Bigge

Bigge ist ein Ortsteil der Stadt Olsberg im Hochsauerland. Der Ort hatte am 31. Dezember 2017 4112 Einwohner; dazu kamen 543 Einwohner mit Nebenwohnsitz in Bigge.[1]

Auch die Ruhr fließt auf ihrem Weg von der Quelle bei Winterberg im Sauerland durch Bigge.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zentrum von Bigge steht die Pfarrkirche St. Martin. Der Kirchturm stammt aus dem 11. bis 13. Jahrhundert. Im Jahr 1222 wird die Kirche als St. Martinus erstmals urkundlich erwähnt. Von 1769 bis 1773 wurde die Kirche im barocken Stil neu gebaut. St. Martin wurde 1888 bis 1889 nochmals um ein Querschiff, nun im romanischen Stil, erweitert.

Eine Verbindung des Ortsnamens Bigge mit dem älteren Niederdeutschen kann nicht hergestellt werden, der Ortsname ist vermutlich sehr alt. Frühere Deutungen als „Bieke“ (niederdeutsch für: Bach) passen nicht zur Lautstruktur, die aufgrund der Ortsnamensbelege angenommen wird.[2]

Im Jahr 1860 wurde das erste vollständig massiv in Stein gemauerte Haus erbaut. Zwölf Jahre später wurde Bigge an die Obere Ruhrtalbahn von Hagen nach Warburg angeschlossen.

Um 1905 gehörte Bigge zum preußischen Regierungsbezirk Arnsberg und zum Kreis Brilon, hatte eine Messingfabrik, eine Synagoge und etwa 900 Einwohner.[3]

Am 15. August 1904 wurde in Bigge die Josefs-Gesellschaft gegründet.

St. Martin

Am 2. April 1945 begannen US-Truppen Bigge zu beschießen.[4] In den Tagen davor waren immer wieder Truppen der Wehrmacht durch Bigge nach Osten gezogen, wo bereits US-Truppen standen. Ein erster Soldat fiel und einer wurde verwundet. 1500 Menschen suchten Zuflucht in den Luftschutzräumen der Josefsgesellschaft. Andere suchten den Stollen bei Helminghausen auf oder flüchteten in die Wälder. In der Nacht zum 5. April wurde der Bereich der Kirche besonders beschossen. Der Küster wurde durch einen Granatsplitter getötet. Sieben Menschen kamen im Schutzraum im Glockenturm um, der einen Volltreffer erhielt. Bis auf den Hochaltar war die Kirche verwüstet. Am 5. April wurden drei weitere Zivilisten getötet. Am 6. April näherte sich aus Richtung Olsberg immer mehr der Erdkampf. Noch am Vormittag besetzten US-Soldaten Bigge. Zahlreiche Gebäude waren beschädigt oder zerstört.

Im Zweiten Weltkrieg fielen 93 Männer aus dem Dorf als Soldaten, davon die meisten an der Ostfront, oder sie starben in Gefangenschaft.[5] In Bigge wurden drei Zivilisten durch Luftangriffen und zwölf durch den Artilleriebeschuss getötet.

Am 1. Juli 1969 kam es zur Zusammenlegung der Gemeinden Bigge und Olsberg zur Stadt Bigge-Olsberg.[6] Am 1. Januar 1975 erfolgte eine weitere kommunale Neugliederung. Unter Einbeziehung von Antfeld, Elleringhausen, Bruchhausen, Assinghausen, Wulmeringhausen, Brunskappel, Helmeringhausen, Wiemeringhausen, Elpe, Heinrichsdorf und Gevelinghausen entstand die heutige Stadt Olsberg.[7]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Fischer (1901–1989), SS-Sturmscharführer und verurteilter Kriegsverbrecher

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hugo Cramer: Der Landkreis Brilon im zweiten Weltkriege 1939-1945 – Erlebnisberichte vieler Mitarbeiter aus dem ganzen Kreisgebiet. Josefs-Druckerei, Bigge 1955.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bigge (Olsberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Olsberg: Zahlen und Fakten, abgerufen am 7. Juli 2018
  2. Michael Flöer: Die Ortsnamen des Hochsauerlandkreises. Bielefeld 2013, S. 62ff., ISBN 978-3-89534-946-1.
  3. Lexikoneintrag zu »Bigge«. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1905| S. 854.
  4. Hugo Cramer: Der Landkreis Brilon im zweiten Weltkriege 1939-1945. 1955, Abschnitt Bigge, S.  154-156.
  5. Hugo Cramer: Der Landkreis Brilon im zweiten Weltkriege 1939-1945. 1955, Ehrentafel Abschnitt Rösenbeck, S. 193–194.
  6. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 88.
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 332.