Bisperode

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Bisperode
Koordinaten: 52° 5′ 9″ N, 9° 29′ 59″ O
Höhe: 127 m ü. NHN
Fläche: 20,78 km²[1]
Einwohner: 1756 (13. Sep. 1950)[1]
Bevölkerungsdichte: 85 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 31863
Vorwahl: 05159
Bisperode (Niedersachsen)

Lage von Bisperode in Niedersachsen

Steintafel an der Schlossmauer

Bisperode ist eine Ortschaft im Flecken Coppenbrügge im Kreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen (Deutschland).

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bisperode hat von seiner ersten urkundlichen Erwähnung bis heute eine Namensentwicklung  durchlaufen, die aus lateinischen Relikten, Lautverschiebungen und Wortverkürzungen des Mittelalters  und der Entwicklung der "modernen" deutschen Sprache nach der Reformation  Martin Luthers resultiert. Seine inhaltliche Bedeutung hat sich dabei nie verändert: Die erste Silbe Bis- (oder oft auch Bisch- oder Bissen-) weist auf einen Bischof hin; die beiden Schlußsilben -rode (oder -rade) haben die Bedeutung einer Rodung. So wird es sich bei Bisperode vermutlich um eine von einem Bischof genehmigte, befürwortete oder gar angeordnete Rodung in seinem Auftrag handeln. Seit Beginn des 11. Jahrhunderts lässt sich der Name Bisperodes aus Urkunden belegen, bis sich etwa mit dem Beginn des 16. Jahrhunderts die heutige Schreibweise Bisperode herausgebildet hat.[2]

  • 1022 Biscopesroth
  • 1219 Bischopingerothe
  • 1236 Biscopingerothe
  • 1245 Biscopingerothe
  • 1251 Biscopingeroth
  • 1291 Biscoperode
  • 1308 Biscoperothe
  • 1350 Bischopenrode
  • 1547 Bißberodt
  • 1568 Wispenrode
  • im 17. Jahrhundert Bisperode.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist aus der Rodesiedlung des Bistums Hildesheim entstanden, zu dessen Grundbesitz diese Gegend gehörte. Urkundlich erwähnt wurde Bisperode zuerst 1022 als Biscopesroth[3]. Im Jahr 1219 bekam der Landwirt Henrizius aus Kemnade bei Bodenwerder vom Bistum Hildesheim das Gebiet Biscopincgerothe zum Lehen, weshalb er sich fortan Henrizius von Biscopingerrode nannte.

Nach dem Aussterben des Geschlechts der Biscopincgerothe trugen die Guts- und Gerichtsherren von dem Werder (lat.: de Insula) von 1491 bis zu ihrem Erlöschen im Mannesstamm 1665 deren Grundbesitz zu Lehen. Die Werder führten im Wappen ein weißes rotgezäumtes Ross in blauem Feld und gehörten bereits seit 1132 urkundlich nachweisbar zur Hildesheimer Ritterschaft. Nach dem Dreißigjährigen Krieg vergrößerte sich das Gut durch das Einziehen wüst gefallener Ländereien. Der 1665 verstorbene Jobst von dem Werder hinterließ fünf Töchter. Es kam daraufhin zur Einziehung des Lehens, da die Lehnskurie eine Neubelehnung der evangelischen Werdershausener Linie aus Anhalt ablehnte. So kam das Lehen an die kurkölnische Familie Wolff-Metternich zur Gracht. 1610 erfolgte die Erweiterung des Dorfes bis zum Kirchdorf Dadersen.

Im Ort befindet sich das Wasserschloss Bisperode, eine Dreiflügelanlage, die innerhalb eines rechtwinkligen, steil ummauerten Grabens liegt. Der im Inneren unvollendet gebliebene Barockbau wurde 1694 bis 1700 von dem Kapuziner Ambrosius von Oelde (Westfalen) für Hermann Werner von Wolff-Metternich zur Gracht, Fürstbischof zu Paderborn, erbaut.

Zur Entwicklung des Postwesens in Bisperode siehe: Postroute Braunschweig-Holzminden.

Im Jahre 1875 hatte Bisperode 1062 Einwohner und 158 Wohnhäuser. 1893 wurden der Schützenverein Bisperode und 1910 der Turn- und Sportverein Bisperode gegründet. 1933 leben 961 Einwohner im Ort.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform kam am 1. Januar 1973 die Gemeinde Bisperode vom Landkreis Holzminden zum Landkreis Hameln-Pyrmont und wurde ein Ortsteil des Fleckens Coppenbrügge.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1910 1925 1933 1939 1950
Einwohner 999 1061 961 911 1756
Quelle [5] [6] [6] [6] [1]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahl zum Ortsrat 2021
Wahlbeteiligung: 62,89 %
 %
50
40
30
20
10
0
41,62 %
36,71 %
13,00 %
8,67 %

Der Ortsrat der Ortschaft Bisperode setzt sich aus sieben Ratsherren zusammen. Er vertritt auf kommunaler Ebene die Coppenbrügger Ortsteile Behrensen, Bessingen, Bisperode, Diedersen und Harderode.[7]

(Stand: Kommunalwahl 12. September 2021)

Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbürgermeister von Bisperode ist Manfred Sohns (FDP), sein Stellvertreter ist Rainer Olze (SPD).[8]

Die Kirche in Bisperode

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inschrift an der Kirche

Die Kirche St. Peter und Paul oberhalb des Dorfs besteht aus einem romanischen Turm und einem barocken Langhaus aus dem Jahre 1716. Den Fachwerkanbau errichtete 1770 das Geschlecht Hake als Familiengruft.[9]

Die von der Orgelbauer-Familie Euler aus dem Reinhardswald im Jahre 1830 erbaute Orgel wurde im Jahre 2009 durch den Hersteller Seifert aus Kevelaer ersetzt. Das denkmalgeschützte Orgelprospekt blieb erhalten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Segelflugplatz Bisperode

Der Ort liegt an der Landesstraße 588.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bisperode – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Endgültige Ergebnisse nach der Volkszählung vom 13. September 1950. Band 33. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart / Köln August 1952, S. 35, Sp. 2 (Digitalisat [PDF; 26,4 MB; abgerufen am 11. November 2019] Landkreis Holzminden, S. 44).
  2. unser Ort - Herzlich Willkommen in Bisperode. Abgerufen am 30. Mai 2022.
  3. 1000 Jahre Bisperode - Herzlich Willkommen in Bisperode. Abgerufen am 30. Mai 2022.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 195.
  5. Ulrich Schubert: Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Kreis Holzminden. Angaben vom 1. Dezember 1910. In: gemeindeverzeichnis.de. 3. Februar 2019, abgerufen am 13. November 2019.
  6. a b c Michael Rademacher: Landkreis Holzminden (Siehe unter: Nr. 4). Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: treemagic.org.
  7. Ortsrat Bisperode. In: coppenbruegge.ratsinformationsdienst.de. Abgerufen am 11. November 2019.
  8. Flecken Coppenbrügge. Abgerufen am 24. Juni 2022.
  9. Bestattungen in der Peter- und Paul-Gemeinde. In: dewezet.de. 25. Mai 2010, abgerufen am 8. Februar 2017.