Gottsbüren

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Gottsbüren
Koordinaten: 51° 34′ 44″ N, 9° 29′ 58″ O
Höhe: 191 m ü. NHN
Fläche: 9,38 km² [LAGIS]
Einwohner: 798 (2016)(HW+NW)[1]
Bevölkerungsdichte: 85 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 34388
Vorwahl: 05675
Gottsbüren im Reinhardswald
Gottsbüren im Reinhardswald

Gottsbüren ist ein Stadtteil von Trendelburg im nordhessischen Landkreis Kassel.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gottsbüren Ortsteilkern
Einmündung der K55 in die L793

Das Dorf Gottsbüren liegt ca. 30 km (Luftlinie) nördlich der nordhessischen Großstadt Kassel. Der nördliche Teil ist vom Reinhardswald umgeben, westlich liegt der unweit darin gelegene 424 m hohe Langenberg mit angrenzenden, stark bewaldeten 461 m hohen Hahneberg. Beide befinden sich östlich der Holzape, und das Dorf wird von deren Zufluss Fuldebach durchflossen. Die Ortsstruktur wird von der von Hofgeismar nach Gieselwerder führenden und in der Ortsmitte zur Sababurg abzweigenden Landstraße bestimmt. Das im Zentrum gelegene, von Straßenzügen dreieckig umschlossene Areal, in dem die Kirche auf einem Plateau über dem Fuldebach liegt, stellt wahrscheinlich den Standort des mittelalterlichen Klosterhofes dar.
Die ältesten erhaltenen Fachwerkhäuser stammen noch aus dem mittleren 17. Jahrhundert, also aus der Zeit, als die Töpferei vorherrschte.
Durch den Ort führt ein Abschnitt der Straße der Weserrenaissance. Nur 4,5 km (Luftlinie) süd-südöstlich von Gottsbüren befindet sich die sagenumwobene Sababurg, das „Dornröschenschloss“ der Brüder Grimm.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gottsbüren wurde bereits im Jahre 856 in einer Schenkungsurkunde des Klosters Corvey als Siedlung „Buria“ erwähnt. Über die Namen Gunnesburin, Gunnesburen, Hundesburen, Godesburen tauchte 1355 zum ersten Mal der Name Gottsbüren auf.

Gottsbüren gehörte von 1244 an zur Grafschaft Dassel, bis Ludolf VI. von Dassel es 1272 an das Erzbistum Mainz verkaufte. Nur 60 Jahre später überließ Mainz das Dorf, allerdings widerruflich und ohne weltliche und geistliche Gerichtsbarkeit, dem Kloster Lippoldsberg.

Im Mittelalter wurde Gottsbüren von den großen Wüstungsvorgängen nur unwesentlich betroffen. Die damals günstige Verkehrslage an der alten, bedeutenden Handelsstraße "Königsstraße" war dafür ausschlaggebend.

Am 31. Dezember 1970 wurde Gottsbüren in die Stadt Trendelburg eingegliedert.[2]

Wallfahrtsort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die historische Wallfahrtskirche in Gottsbüren
Pilgerzeichen (14. Jh.)

Bekannt ist Gottsbüren nicht nur durch seine Lage im Reinhardswald, sondern auch durch das so genannte "Wunder von Gottsbüren" - dem Gerücht um den heiligen Leichnam des „Herrn“. Damals (1330, evtl. auch schon 1329) wurde angeblich der Leichnam Christi in den Wäldern um Gottsbüren gefunden und in der Kirche aufgebahrt.

Erzbischof Balduin von Trier erteilte am 10. Juni 1331 die kirchliche Erlaubnis für die Wallfahrt. Später wurde daraus eine Hostienwallfahrt, die für den Wirtschaftsraum der Gegend um Gottsbüren in zirka 70 Jahren bis 1399 gewaltige Einnahmen erbrachte. Viele Pilger blieben auf dem Weg nach Santiago de Compostela zum Grab des Apostel Jakobus in Gottsbüren, um sich den weiteren Weg „an das Ende der Welt“ zu ersparen.

Wallfahrtskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort steht die 1330/31 erbaute Wallfahrtskirche. Sie wurde im 14. Jahrhundert zur heutigen dreischiffigen Hallenkirche erweitert. Im März 2010 hinterließ ein Schwelbrand im Kircheninneren eine dicke Rußschicht und machte die Kirche damit für Monate unbrauchbar.[3]

Kloster und Stift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für kurze Zeit nach dem Beginn der Wallfahrtsepoche war Gottsbüren auch Heimat eines Nonnenklosters und eines Kollegiatstifts.[4]

  • Um 1332 gründeten Benediktinerinnen aus Lippoldsberg eine Niederlassung in Gottsbüren, die 1339 unter einer Priorin nachweisbar ist. Die Nonnen wurden schon 1343 von Erzbischof Heinrich III. von Mainz zur Rückkehr in ihr Mutterkloster aufgefordert, aber noch im Jahre 1431 werden die jungfrauwen zu Gottsbüren genannt.
  • In der Zeit zwischen 1343 und 1346 wurde das ursprünglich in Nordgeismar (einer heutigen Wüstung am Schöneberg bei Hofgeismar) gegründete Kollegiatstift auf Geheiß des Erzbischofs Heinrich III. nach Gottsbüren, aber schon 1355 von seinem Nachfolger Gerlach weiter nach Grebenstein verlegt.

Orgelbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Haus Euler in Gottsbüren 1932

So wie die Wallfahrt und in ihrem Gefolge die Töpferei im 14. und 15. Jahrhundert Gottsbüren über die Grenzen Hessens hinaus bekannt machten, so war es vom 17. bis 19. Jahrhundert der Orgelbau. Über den Beginn des Orgelbaues in Gottsbüren liegen keine eindeutigen Zahlen vor, auch über das Wirken der Orgelbauer ist nur wenig überliefert.
Vom 17. Jahrhundert bis 1910 war Gottsbüren Sitz mehrerer Orgelbauerfamilien:[5]

Kultur und Sehenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freizeiteinrichtungen und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geboren in Gottsbüren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Gerland, deutscher NSDAP-Gauleiter im Gau Kurhessen und SS-Führer

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred Cohausz, „Vier ehemalige Sakramentswallfahrten: Gottsbüren, Hillentrup, Blomberg, Büren“, in: Westfälische Zeitschrift, Band 112, 1962 (S. 275–306)
  • Wilhelm Dersch, „Hessische Wallfahrten im Mittelalter“, in: Leo Santifaller (Hg.), Festschrift Albert Brackmann dargebracht von Freunden, Kollegen und Schülern, Weimar, 1931 (S. 457–491)
  • Kurt Köster, „Gottsbüren, das hessische Wilsnack. Geschichte und Kulturgeschichte einer mittelalterlichen Heiligblut-Wallfahrt im Spiegel ihrer Pilgerzeichen“, in: Ekkehard Kaufmann (Hg.), Festgabe für Paul Kirn zum 70. Geburtstag dargebracht von Freunden und Schülern, Berlin, 1961 (S. 198–222)
  • J. Lips u. a., EcoPfad - Pilgerwege zum Wallfahrtsort Gottsbüren, Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte Gottsbüren, 2006
  • A. Schreiber, „Die Sage von der Auffindung des heiligen Leichnams Christi bei Gottbüren und die Entstehung des Wallfahrtsortes“, in: Heimatjahrbuch für den Kreis Hofgeismar, 1959 (S. 76 ff.)
  • Brigitte Warlich-Schenk & Emanuel Braun, Kulturdenkmäler in Hessen, Kreis Kassel, Teil I; F. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden, 1988, ISBN 380-62-1619-3, ISBN 978-3-80-621619-6
  • Literatur über Gottsbüren in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gottsbüren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Ort im Internetauftritt der Stadt Trendelburg, abgerufen im Juli 2018.
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 398.
  3. Brand: Wallfahrtskirche Gottsbüren entging knapp Katastrophe Artikel in der Hessischen Allgemeinen Zeitung (HNA) vom 13. März 2010
  4. Gottsbüren, Landkreis Kassel. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 29. Juli 2015). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 24. Januar 2016.
  5. Westfälische und in Westfalen tätige Orgelbauer, gesehen 5. Juni 2011.
  6. Eco Pfad Pilgerwege zum Wallfahrtsort Gottsbüren