Blühende Landschaften

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Helmut Kohl (1990)
Wahlplakat der CDU 1998

Der Begriff Blühende Landschaften war die bildhafte Vision des damaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl als ökonomische Zukunftsperspektive für die „neuen Bundesländer“.

Zum Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der vollständige Satz bei erstmaliger Benutzung des Begriffs im Jahr 1990 lautete:[1]

„Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt.“

Im Jahr darauf sagte Kohl:[2]

„Und ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass wir in den nächsten drei bis vier Jahren in den neuen Bundesländern blühende Landschaften gestalten werden …“

Helmut Kohl verwendete den Begriff unter anderem in seiner Fernsehansprache zur Einführung der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland am 1. Juli 1990. Im Wahlkampf zur Bundestagswahl 1998 wurde der Begriff wieder aufgenommen und auf offiziellen Wahlplakaten der CDU verwendet. Unter der Überschrift Blühende Landschaften wurden beispielsweise Bilder von restaurierten Bauwerken aus den neuen Bundesländern gezeigt.

Nachdem die Natur sich stillgelegte Industrielandschaften und Rangierbahnhöfe zurückerobert hat, wird der Begriff manchmal als Sinnbild für die Deindustrialisierung bzw. Entvölkerung von Teilen Ostdeutschlands verstanden.[2]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blühende Landschaften war auch der Titel einer regelmäßig in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienenen Glosse des in Dresden gebürtigen Journalisten Peter Richter, die sich mit dem Verhältnis zwischen alten und neuen Bundesländern auseinandersetzt, sowie eines Buches des gleichen Autors zum selben Thema.

In Ostdeutschland ist ein zweites Bonmot entstanden, das oft im gleichen Zusammenhang verwendet wird:

"beleuchtete Wiesen".

Gemeint sind Wiesen, auf denen Gewerbegebiets-Infrastruktur (Straßen, Straßenlaternen, Kanalisation) gebaut wurde, bevor man Käufer für die Gewerbeflächen hatte – in manchen Gewerbegebieten kamen nie Käufer, weil das Angebot die Nachfrage bei weitem überstieg.[3]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Komponist Günter Kochan (1930–2009) rezipierte das Thema in seiner Sinfonie Nr. 6.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Wolter: Blühende Landschaften. Kehrer Verlag Heidelberg, 1. Auflage 2008, ISBN 978-3939583905. Der Autor ist Fotograf; das Buch ist ein Bildband.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Kohl: Fernsehansprache von Bundeskanzler Kohl anlässlich des Inkrafttretens der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion, 1. Juli 1990. In: Helmut-Kohl.de. 1. Juli 1990, abgerufen am 21. Juli 2008.
  2. a b Blühende Landschaften oder Zukunft Ost heißt Urwald. In: MDR.DE. 4. Mai 2004, archiviert vom Original am 19. Juni 2004, abgerufen am 23. Mai 2016.
  3. a b Thomas Köster: Distel und Zottelwicke in blühender Landschaft. In: faz.net vom 26.Februar 2009, Seite R8
  4. Verheißung. In: Berliner Morgenpost von 10. Februar 2011.