Blalla W. Hallmann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Blalla W. Hallmann (eigentlich: Wolfgang Ewald Hallmann; * 23. März 1941 in Quirl, Riesengebirge, Niederschlesien; † 2. Juli 1997 in Windsbach, Mittelfranken) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hallmann studierte von 1957 bis 1958 an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Von 1958 bis 1960 absolvierte er eine Malerlehre in Emsdetten, um von 1960 bis 1965 sein Kunststudium an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg bei Fritz Griebel fortzusetzen. In Nürnberg war er Mitglied des Künstlertrios um Herbert Haberl und Bernd Wangerin. 1965 war er Gründungsmitglied eines Wandertheaters, des späteren „Hoffmanns Comic Teater“. Aus Mitgliedern dieser Gruppe ging später die Rockband Ton Steine Scherben hervor. Von 1967 bis 1969 hielt Hallmann sich in den USA auf. 1968 lehrte er an der University of California in San Francisco. Nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt im Jahr 1969 zerstörte er 1970 alle ihm verfügbaren eigenen Arbeiten. Von 1992 bis 1995 hatte Hallmann eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Seit 1994 lebte er in Windsbach.

Blalla W. Hallmann: Abendtreffen an der Lichtung – Harry's Abschied (1997) Künstler-Nekropole, Kassel

Blalla W. Hallmanns Werk beschäftigt sich in drastischer, sowohl blasphemischer als auch obszöner Weise mit existenziellen Grundfragen (Religion, Sexualität, …). Formal bewegt es sich zwischen Surrealismus, Außenseiterkunst (Art Brut), Volkskunst und zahlreichen Anlehnungen an die Kunstgeschichte. In den 1980er Jahren entstand der Zyklus der „Horrorbilder“, die unter anderem Inquisition und Holocaust thematisieren. Neben anderen Techniken ist für ihn die aus der Volkskunst bekannte Hinterglasmalerei kennzeichnend. 1995/1996 entstand eine Holzschnittfolge von 149 Blättern, in denen Hallmann unter dem Titel „Der Weg, die Wahrheit und das Leben“ seinen eigenen Werdegang rekapitulierte.

Blalla W. Hallmann starb 1997 an den Folgen einer Krebserkrankung. Sein 1996 zugesagtes Grabmal für die Künstler-Nekropole in Kassel konnte er nicht mehr fertigstellen. Statt dessen wurde dort 1998 ein Bild mit dem Titel Abendtreffen an der Lichtung – Harry's Abschied installiert, das Hallmann 1997 nach dem Tod des Nekropoleninitiators Harry Kramer an dessen Witwe nach Kassel geschickt hatte.[1]

Einzelausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gruppenausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1984: „Tiefe Blicke – Kunst der achtziger Jahre aus der Bundesrepublik Deutschland, der DDR, Österreich und der Schweiz“, Hessisches Landesmuseum Darmstadt
  • 1986: Kunst in der BRD 1945–1985, Neue Nationalgalerie, Berlin (West)
  • 1990: „Endlich – Postrevolutionäre Kunst im IV. Reich“ mit 32 anderen Künstlern und Künstlerinnen, NGBK, Berlin (West)
  • 1994: Haus der Kulturen der Welt, Berlin
  • 1996: Deep Inside. The Art of Porno, Musée d’Art contemporain Pornographique Lausanne
  • 2005: Unheimliche Orte. Himmel und Hölle, Museum der Stadt Ratingen
  • 2007: Die Kunst zu sammeln, museum kunst palast Düsseldorf

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Blalla W. Hallmann: Der Weg, die Wahrheit und das Leben. Verlag der Buchhandlung Walter König, Köln 1995. ISBN 3-88375-229-0
  • Blalla W. Hallmann: Nachschlag zur Schöpfung. Prometh Verlag, Köln 1985, ISBN 3-922009-75-1
  • Hessisches Landesmuseum Darmstadt (Hrsg.): Tiefe Blicke – Kunst der achtziger Jahre. DuMont, Köln 1985, ISBN 3-7701-1740-9
  • Dorothee Kruse, Tom Jacobi: Kunst aus deutschen Landen. STERN Nr.32/1984
  • Matthias Reichelt (Hrsg.): Blalla W. Hallmann. Die Sprache verschlagen – Die Bildgewalt des Blalla W. Hallmann. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2007, ISBN 978-3-936711-91-2
  • Michael Zepter: Mit geblähtem Segel dem Grauen entfliehen. Vorwort zum Katalog Blalla W. Hallmann. Produzentengalerie Hamburg 1983

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angela Landgrebe: Künstler-Nekropole Kassel. euregioverlag, Kassel 2004, ISBN 3-933617-18-9, S. 28.
  2. Immer auf Messers Schneide in Hessisch Niedersächsische Allgemeine vom 23. Februar 2013, Seite NO-KU2