Bolschewiki

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Parteikongress der Bolschewiki, mit Lenin auf der rechten Seite. Die übrigen Teilnehmer (von links): Abel Jenukidse, Michail Kalinin, Nikolai Bucharin, Michail Tomski, Michail Laschewitsch, Lew Kamenew, Jewgeni Preobraschenski, Leonid Serebrjakow und vorne Alexei Rykow.
Der Bolschewik, Ölgemälde von Boris Kustodijew aus dem Jahr 1920

Die Bolschewiki (russisch Большевики, wiss. Transliteration Bolʹševiki; auch Bolschewisten, wörtlich übersetzt ‚Mehrheitler‘) waren eine radikale Fraktion unter der Führung von Wladimir Iljitsch Lenin innerhalb der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR). Sie strebten nicht nur soziale Reformen, sondern auch den Sturz des Zaren sowie den Aufbau einer sozialistisch/kommunistischen Diktatur in Russland an. Im Gegensatz zur gemäßigten Fraktion der Menschewiki organisierten sie sich als straffe Kaderpartei (Partei neuen Typus),[1] als Trupp[2] von Berufsrevolutionären.

Entstehung des Begriffs[Bearbeiten]

Der Begriff Bolschewiki (von russisch bolschinstwo/большинство für „Mehrheit“) spiegelt nicht die allgemeinen Machtverhältnisse innerhalb der Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) wider. Einzig auf dem 2. Parteitag in Brüssel und London 1903, auf dem Lenin den Sturz der Zarenherrschaft in Russland forderte und hierzu die Umgestaltung der SDAPR in eine revolutionäre Kaderpartei beantragte, vermochte seine Fraktion eine knappe Mehrheit zu erringen, auch weil zuvor die Delegierten des Allgemeinen jüdischen Arbeiterbundes aufgrund von Streitigkeiten um den Status der Organisation die Sitzung verlassen hatten. Hierdurch wurde der Begriff Bolschewiki (russisch für „Mehrheitler“) fortan zur Eigenbezeichnung des radikalen Parteiflügels um Lenin, die tatsächliche Mehrheit hatten jedoch bis zum endgültigen faktischen Auseinanderbrechen der Partei infolge der 6. Parteikonferenz in Prag 1912 die gemäßigten Menschewiki inne, die 1903 von Julius Martow geführt wurden.

Erster Weltkrieg und Oktoberrevolution[Bearbeiten]

Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs verurteilten die Bolschewiki die Teilnahme Russlands als imperialistische Aggression. Da die zaristische Armee im Laufe des Krieges immer mehr Rückschläge hinnehmen musste, gewann die Partei stark an Zulauf. Als nach dem Ende der Zarenherrschaft infolge der Februarrevolution 1917 die vom Sozialrevolutionär Alexander Kerenski geführte Provisorische Regierung die Kriegsteilnahme ebenfalls nicht beendete, gewannen die Bolschewiki auch im Petrograder Sowjet immer mehr an Einfluss und stellten dort ab Sommer desselben Jahres schließlich die stärkste Fraktion sowie nach einiger Zeit den Vorsitzenden (Leo Trotzki). Ebenso erlangten sie die Mehrheit im Revolutionären Militärkomitee, welches später die Oktoberrevolution organisierte. Durch die Auflösung der Provisorischen Regierung durch Rotgardisten am 25. Oktoberjul./ 7. November 1917greg. (Oktoberrevolution) und die bald darauf folgende Zerschlagung der Konstituierenden Versammlung wurden die Bolschewiki de facto die alleinherrschende Macht im gesamten Russland.

Nach der Oktoberrevolution[Bearbeiten]

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Während die Bolschewiki den Aufbau der Fabrikräte von März bis Oktober 1917 unterstützten, wandten sie sich nach ihrer Machtübernahme entschieden gegen diese und unterbanden den Versuch der Fabrikräte, wenige Wochen nach der Oktoberrevolution eine eigene nationale Organisation zu gründen. Weiterhin versuchte man erfolgreich, die Fabrikräte einer zentralen Kontrolle des Staates bzw. der bolschewistischen Partei zu unterwerfen. Dafür wurden diese zuerst dem Willen der Gewerkschaften unterworfen, welche die Bolschewiki später erfolgreich übernahmen. So wurde im November 1918 mit Lenins Dekret über die Arbeiterkontrolle die Möglichkeit geschaffen, die von Delegierten der Fabrikräte getroffenen Entscheidungen durch Gewerkschaften oder Kongresse zu annullieren. Außenpolitisch versuchten die Bolschewiki, ihre Revolution auch in Westeuropa zu verankern, da sie nur so die Chance für ein Überleben Sowjetrußlands sahen. Es gab daher intensive Kontakte auch mit revolutionären und linkssozialistischen Parteien und Gruppen in Deutschland, wie z.B. der USPD und der Spartakusgruppe.[3]

Russischer Bürgerkrieg[Bearbeiten]

Im Russischen Bürgerkrieg (etwa 1918–1922) kämpfte die sozialistische Rote Armee gegen die reaktionäre, vom Ausland unterstützte Weiße Armee, die aus Teilen des alten zaristischen Militärs und Freiwilligen bestand, sowie gegen ausländische Truppen (zum Beispiel die Tschechoslowakische Legion oder auch Polen). Dabei paktierten die Bolschewiki unter anderem mit der Machnowschtschina, einer von Nestor Machno angeführten Volksbewegung in der Ukraine, die wesentlich zur Niederschlagung der Truppen von General Wrangel beitrug. Auf die Weigerung der Machnowschtschina hin, sich schließlich den Bolschewiki unterzuordnen, wurde die Bewegung im Sommer 1921 von der Roten Armee zerschlagen.

Mit der von Trotzki gegen viel Widerstand mit der Hilfe ehemaliger zaristischer Offiziere nach dem Vorbild einer westlichen Armee aufgebauten Roten Armee ging das neue bolschewistische Regime erfolgreich gegen die Konterrevolutionäre vor. Bis 1922 schafften es die Bolschewiki, fast den gesamten Osten des riesigen russischen Reiches zu kontrollieren.

Außerdem war mit dem Bürgerkrieg ein erheblicher Terror hinter und an den Fronten verbunden, wie auch der so genannte Kriegskommunismus, eine Wirtschaftspolitik, die alle Unternehmen unter staatliche Kontrolle stellte. Weitere repressive Maßnahmen führten zu extremen Versorgungsengpässen und damit auch zu Aufständen innerhalb der Bevölkerung. 1921 löste die Neue Ökonomische Politik den Kriegskommunismus ab.

Nach 1918 nannten sich die Bolschewiki Kommunistische Partei Russlands und ab 1925 Kommunistische Partei der Sowjetunion mit dem Anhang (Bolschewiki) - KPdSU (B).

Sowjetunion[Bearbeiten]

Im eigenen Land nahmen, besonders zu Stalins Zeiten, Repressalien gegen die sowjetische Bevölkerung zu. Die Geheimpolizei (Tscheka, GPU) unterdrückte jede Opposition, und bei Säuberungsaktionen wurden viele Kritiker und potenzielle Feinde verhaftet und hingerichtet. Auf diese Art und Weise beherrschte die Kommunistische Partei lange Zeit das Land.

1952 wurde der Begriff Bolschewiki aus den Parteinamen der KPdSU entfernt und im offiziellen Sprachgebrauch der Sowjetunion abgeschafft.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hannah Arendt zum Begriff der Partei neuen Typus
  2. Geschichte der kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki). Dietz Verlag, Berlin, 1954. Seite 54
  3. Ottokar Luban: Russische Bolschewiki und deutsche Linkssozialisten am Vorabend der deutschen Novemberrevolution. Beziehungen und Einflussnahmen, in: Jahrbuch für historische Kommunismusforschung 2009, S. 283 – 298.