Bonifatius von Savoyen

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Grabdenkmal von Bonifatius von Savoyen. Darstellung von 1658

Bonifatius von Savoyen (auch Bonifatius von Canterbury) (* 1206/1207; † 14. Juli 1270 in Sainte-Hélène-sur-Isère) war ein Erzbischof von Canterbury und Primas von England.

Herkunft und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonifatius entstammte dem Haus Savoyen, das seit dem 11. Jahrhundert über Piemont und Savoyen in den Westalpen herrschte. Er war vermutlich der siebte Sohn von Graf Thomas I. von Savoyen (1178–1233) und von dessen Frau Marguerite. Als jüngerer Sohn war er wie vier seiner Brüder für eine geistliche Laufbahn vorgesehen, doch wohl als einziger seiner Geschwister fühlte er sich auch tatsächlich zum Geistlichen berufen. 1224 war er vermutlich Novize im Kartäuserkloster Les Portes in Bénonces, einem Tochterhaus der Grande Chartreuse südlich von Chambéry. Er legte jedoch nie das Mönchsgelübde ab, da er durch den Einfluss seines Vaters 1232 zum Bischof von Belley und zum Prior von Nantua gewählt wurde. Nachdem er zum Subdiakon geweiht worden war, wurden diese Wahlen 1233 bestätigt. Im selben Jahr erbte er nach dem Tod seines Vaters die Burg von Ugine.

Anfang 1236 heiratete der englische König Heinrich III. Bonifatius’ Nichte Eleonore von der Provence. Der König lud auch die Verwandten seiner Frau nach England ein. Nachdem bereits seine Brüder Wilhelm und Peter nach England gegangen waren, versuchte der König Bonifatius, der noch nie in England gewesen war, in Abwesenheit zum Bischof von Winchester wählen zu lassen. Nachdem dieser Versuch gescheitert war, gelang es dem König, das Kathedralkapitel von Canterbury, das noch von Erzbischof Edmund Rich exkommuniziert worden war, zu überreden, Bonifatius am 1. Februar 1241 zum Erzbischof von Canterbury und Primas von England zu wählen. Papst Innozenz IV., der bemüht war, in seinem Konflikt mit Kaiser Friedrich II. Unterstützung zu gewinnen, und durch die in Norditalien einflussreiche Familie von Bonifatius beeinflusst wurde, bestätigte am 16. September 1243 die Wahl. Kurz nach dem 27. Februar 1244 erhielt Bonifatius die Temporalien. Obwohl er versprochen hatte, baldmöglichst nach England überzusiedeln, dauerte es noch weitere sieben Monate, ehe er in England ankam. Der Grund hierfür war wahrscheinlich ein Streit mit dem französischen Adligen Étienne II. de Thoire-Villars über die Gerichtsbarkeit des Priorats von Nantua.

Wirken als Erzbischof von Canterbury[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahl zum Erzbischof, finanzielle Schwierigkeiten und Aufenthalt in Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Bonifatius schließlich am 25. April 1244 in England ankam, wurde er von Heinrich III. herzlich begrüßt und mit einer mit Edelsteinen besetzten Mitra im Wert von 300 Mark beschenkt. Von Walter de Cantilupe, dem Bischof von Worcester, wurde er zum Priester geweiht. Sein Erzbistum fand er hoch verschuldet vor, so dass sein erstes Ziel eine Sanierung der Finanzen war. Die ihm unterstellten Suffraganbischöfe verweigerten ihm dabei jedoch ihre finanzielle Unterstützung. Am 26. November verließ Bonifatius daraufhin wieder England und reiste nach Lyon, wo ihn der exilierte Innozenz IV. am 15. Januar 1245 zum Bischof weihte. Zur finanziellen Sanierung seines Bistums bewilligte ihm der Papst für einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren, doch maximal bis zu der Summe von 10.000 Mark, die Einkünfte aus vakanten Pfründen in der Kirchenprovinz Canterbury, dazu gab er ihm die Erlaubnis, eine Abgabe von den Geistlichen seiner Kirchenprovinz zu erheben. Gegen diesen Eingriff in ihre Rechte protestierten die ihm unterstellten Suffraganbischöfe. Bonifatius drohte ihnen daraufhin mit Absetzung, und mit Unterstützung des Papstes konnte er beginnen, die Schulden seines Bistums zu tilgen. Mit Ausnahme von zwei kurzen Besuchen in Savoyen war Bonifatius während des päpstlichen Exils von 1244 bis 1249 am Papsthof in Lyon. Während seines Aufenthalts trieb er die Heiligsprechung seines Vorgängers Edmund Rich voran, die 1246 erfolgte, dazu nahm er am vom Papst einberufenen, von Juni bis Juli 1245 tagenden Ersten Konzil von Lyon teil. Dabei wurde er als einer von vier Erzbischöfen ausgewählt, um die bislang von Kaisern und Königen der Kirche ausgestellten Privilegien zu beglaubigen. Zur Verärgerung des englischen Königs half er auch die Heirat seiner Nichte Beatrix von der Provence mit Karl von Anjou, dem jüngeren Bruder des französischen Königs, zu arrangieren. Während seiner langen Abwesenheit von England wuchs in ihm die Entschlossenheit, die Freiheiten der Kirche zu verteidigen, sich der weltlichen Kontrolle zu entziehen, kirchliche Reformen weiter zu verfolgen und so auch seinen eigenen Einfluss zu stärken.

Konflikte mit dem englischen Klerus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst im September 1249 kehrte Bonifatius nach England zurück und wurde an Allerheiligen in Anwesenheit des Königs und der Königin und der meisten Prälaten in Canterbury als Erzbischof eingesetzt. Befürworter kirchlicher Reformen wie Bischof Robert Grosseteste von Lincoln und der Franziskaner Adam Marsh hofften, dass Bonifatius kirchliche Reformen weiter vorantreiben würde, da er als Verwandter der Königin auch die Unterstützung des Königs hatte. Bonifatius widmete sich jedoch zunächst weiter der Sanierung der Finanzen des Erzbistums. Durch Reorganisation der Verwaltung, durch Eintreiben aller Einkünfte und Dienste der Pächter, durch Holzverkauf und durch Beanspruchung von Teilen der Romney Marsh gelang es ihm, bis 1261 über 22.000 Mark Schulden zurückzuzahlen. Im Frühjahr 1250, als der Unmut seiner Suffraganbischöfe und anderer Geistlichen über seine finanziellen Forderungen ihren Höhepunkt erreichte, nahm Bonifatius sein Recht als Metropolit in Anspruch und unternahm eine Visitation des Klerus in der Kirchenprovinz Canterbury. Er wollte dabei nun auch kirchliche Reformen vorantreiben und die Amtsführung der Geistlichen überprüfen, weshalb er von Franziskanern und Dominikanern begleitet wurde. Seine Suffraganbischöfe waren dagegen entschlossen, jeden Versuch einer Überwachung ihrer Tätigkeiten abzuwehren. Zunächst protestierten der Dekan und die Kanoniker der St Paul’s Cathedral in London als dem Bischof von London unterstellte Geistliche gegen seine Visitation, die Bonifatius dennoch fortführte. Anschließend besuchte er das Chorherrenstift St Bartholomew-the-Great in London. Als der Prior mit ihm als Primas der englischen Kirche Gottesdienst feiern wollte, ihm jedoch nicht in den Kapitelsaal folgen wollte, um ihm dort als Erzbischof Rechenschaft abzulegen, soll Bonifatius ihn tätlich angegriffen haben. Daraufhin soll es zu einem Tumult gekommen sein, so dass Bonifatius in den Bischofspalast von Lambeth fliehen musste. Der den Erzbischof begleitende Adam Marsh berichtete, dass es aufgrund falscher Beschuldigungen gegen Bonifatius, die in der gesamten Kirchenprovinz sowohl vom Klerus wie von der Bevölkerung erhoben wurden, zu dem Streit gekommen sei, während Matthew Paris die Schuld dem Erzbischof gab, der unter seiner Priesterrobe eine Rüstung getragen habe. Nach diesem Zwischenfall exkommunizierte Bonifatius Fulk Basset, den Bischof von London, und andere seiner Gegner. Nachdem beide Parteien sich an den Papst gewandt hatten, verließ Bonifatius am 13. Juni 1250 wieder England. Im Sommer 1251 machte er einen kurzen Besuch seiner Diözese, ansonsten kehrte er erst Ende 1252 zurück. Während seiner Abwesenheit trafen sich die anderen Bischöfe mehrfach, um ihre Privilegien gegenüber dem Erzbischof zu behaupten. Der Papst bestätigte 1252 jedoch das Recht des Erzbischofs auf Visitationen seiner Kirchenprovinz, gleichzeitig hob er jedoch die von Bonifatius erlassenen Exkommunikationen auf und schränkte die finanziellen Verpflichtungen der Pfarreien anderer Bistümer gegenüber dem Erzbistum ein. Im selben Jahr, 1252, übergab Bonifatius’ älterer Bruder Graf Amadeus IV. ihm die Burg von Tournon und das Gut Sainte-Hélène-sur-Isère in der Tarentaise. Nach seiner Rückkehr nach England am 18. November 1252 verhielt sich Bonifatius gegenüber dem Klerus versöhnlicher. Gemäß den Bestimmungen des Papstes unternahm er bis 1262 in Abständen Visitationen seiner Kirchenprovinz, bei denen es jedoch zu keinen weiteren Zwischenfällen mehr kam.

Durchsetzung kirchlicher Reformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonifatius blieb weiterhin ein energischer Vertreter seiner kirchlichen Rechte. Zwischen 1258 und 1259 schloss er mit seinen drei mächtigsten Vasallen, dem Priorat der Kathedrale von Canterbury, dem Bistum Rochester und dem Earl of Gloucester, Vereinbarungen, durch die er seine rechtliche Position festigte. 1261 legte er einen bereits lange währenden Streit mit dem Bistum Lincoln bei, wodurch er sich das Recht sicherte, die Mitglieder seines Haushalts selbst zu ernennen und nicht Beamte aus der Diözese nehmen zu müssen. Diese Mitglieder seines Haushalts bekamen auch das Recht, während einer Sedisvakanz die Führung der Diözese zu übernehmen. Die Vereinbarung wurde zum Vorbild für andere Bistümer, bereits am 21. August 1262 übernahm das Bistum London und am 18. Januar 1263 das Bistum Salisbury das Modell. Gegenüber seinen Suffraganbischöfen festigte Bonifatius seine Stellung durch die Gründung des Arches Court in London als oberstes geistliches Gericht für die Kirchenprovinz Canterbury.[1] Die Weihe von neuen Bischöfen seiner Kirchenprovinz fand in der Regel in Canterbury statt, und Bonifatius erwartete, dass die anderen Bischöfe diesen Zeremonien beiwohnten. Von den insgesamt 37 Bischöfen, die er weihte, versprachen ihm dabei 34 den Gehorsam. Daneben ließ er in Maidstone ein Hospital errichten sowie in Canterbury die von seinem Vorgänger begonnene große Halle des bischöflichen Palasts vollenden.

Lambeth Palace, die Londoner Residenz des Erzbischofs, wurde 1252 von seinen Feinden geplündert

Verhältnis zu Heinrich III.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum großen Ärger und zur Enttäuschung von Heinrich III. war Bonifatius nicht nur ein energischer Verteidiger seiner geistlichen Privilegien, sondern auch ein entschiedener Gegner von Eingriffen des Königs in geistliche Wahlen. Diese Haltung verteidigte er resolut bis zu seinem Tod. Bereits bevor er nach England kam, missbilligte er den Versuch des Königs, die Wahl von William Raleigh zum Bischof von Winchester zu verhindern. 1244 lehnte er Heinrichs Versuch ab, seinen Beamten Robert Passelewe zum Bischof von Chichester wählen zu lassen, nachdem Bischof Robert Grosseteste diesen als für das Amt ungeeignet befand. Stattdessen benannten die Bischöfe Richard von Chichester als neuen Bischof, wobei sie vom Papst unterstützt wurden. Erst nach langem Streit erkannte der König Richard von Chichester 1247 als neuen Bischof an.

Bonifatius war über die Überheblichkeit, die Arroganz und Brutalität der Lusignans, der Halbbrüder von Heinrich, bestürzt, die 1247 nach England kamen und schon bald mit den Savoyern, den Verwandten der Königin, um die Gunst des Königs wetteiferten. Nachdem Bonifatius 1252 den Versuch von Aymer de Lusignan, einem der Halbbrüder des Königs und gewähltem Bischof von Winchester, das Patronat über das St Thomas’ Hospital in Southwark zu erhalten, verhindert hatte, wurde sein Palast in Lambeth von Gefolgsleuten der Lusignans geplündert und seine Beamten misshandelt. Die dafür Verantwortlichen wurden von Bonifatius exkommuniziert, und nicht vor dem 13. Januar 1253 hatte sich Bonifatius mit Aymer ausgesöhnt.

Der König legte am 6. März 1250 in Westminster während einer feierlichen Zeremonie ein Kreuzzugsgelübde ab, wobei ihm Bonifatius, der vielleicht ebenfalls ein Kreuzzugsgelübde ablegte, symbolisch ein Kreuz überreichte. Es gelang Bonifatius, den Klerus zu überzeugen, dem König für den Kreuzzug finanzielle Unterstützung zu gewähren, im Gegenzug erneuerte Heinrich die Anerkennung der Magna Carta. Zusammen mit dreizehn anderen Bischöfen drohte Bonifatius am 13. Mai 1253 denen, die die Bestimmungen der Magna Carta und die Freiheit der Kirche verletzten, die Exkommunikation an. Diese Drohung wurde am 28. September von Papst Innozenz bestätigt. Im nächsten Sommer begleitete Bonifatius den Thronfolger Lord Eduard in die Gascogne, anschließend reiste er im Oktober 1254 nach Italien. In Italien nahm er an Verhandlungen mit dem Papst teil, die ergaben, dass der Kreuzzugszehnte der Kirche auch für die inzwischen geplante Eroberung Siziliens durch den englischen König verwendet werden durfte. Bis November 1256 war Bonifatius meist in seiner Heimat Savoyen. Im Sommer 1255 nahm er zusammen mit seinen Brüdern Peter und Philipp an einem vergeblichen Versuch teil, ihren gefangenen Bruder Graf Thomas aus der Gefangenschaft in Turin zu befreien. In der Zwischenzeit trieb König Heinrich weiterhin Gelder von der Kirche für sein sizilianisches Abenteuer ein, was bei den Bischöfen zu steigendem Unmut führte. Im Mai 1257 bewilligte der Klerus dem König weitere finanzielle Unterstützung nur unter der Bedingung, dass er Beschwerden nachgehe und die Unterstützung nicht als Präzedenzfall für neue Steuern nutzen würde. Papst Alexander IV. vermittelte daraufhin einen Kompromiss, doch der König war über die Bedingungen erzürnt und verbot den Prälaten und anderen Geistlichen, an einem von Bonifatius für August 1257 einberufenen Treffen teilzunehmen. Trotz des Verbots nahmen die meisten Prälaten an dem Treffen teil und diskutierten eine Auflistung ihrer Beschwerden, aber auch den Einsatz von geistlichen Sanktionen als Antwort auf Verletzungen der kirchlichen Freiheiten. Im Juni 1258 berief Bonifatius ein weiteres Treffen nach Merton in Surrey ein, das später nach Westminster verlegt wurde und auf dem der Klerus eine lange Liste von Verordnungen vorlegte, die die Rechte der Kirche festlegten.

Rolle im Krieg der Barone[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänglicher Unterstützer der Adelsopposition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl der Klerus wahrscheinlich nicht am Parlament teilnahm, das im Juni 1258 die Provisions of Oxford beschloss, wirkte Bonifatius an den Reformbestrebungen der Barone mit, zumal er einige von ihren Zielen begrüßen musste. Zusammen mit seinem Bruder Peter gehörte er dem neuen 15-köpfigen königlichen Rat an, der den König beraten, aber auch überwachen sollte. Er war sogar nominell dessen Vorsitzender, während sein Rivale Bischof Aymer de Lusignan und die anderen Lusignans gezwungen wurden, England zu verlassen. Nach den Provisions of Oxford wurde auch eine Kirchenreform angestrebt, und Bonifatius drohte während einer feierlichen Zeremonie den Gegnern der Provisions mit der Exkommunikation.

Bonifatius wurde von der neuen Regierung der Barone jedoch zunehmend desillusioniert, als diese trotz seiner Proteste die Burgen von Canterbury und Rochester unter ihre Kontrolle brachten, die Vorbereitungen für den Feldzug nach Sizilien abbrachen und schließlich seinen Bruder Peter als unerwünschten Ausländer aus dem Rat ausschlossen. Auch wurde kein Versuch unternommen, die Kirche zu reformieren. Im März 1260 wehrte sich Bonifatius gegen einen Versuch von Simon de Montfort, der zum Führer der Barone geworden war, ein Parlament gegen den Wunsch von König Heinrich einzuberufen. Später half er Richard von Cornwall, dem Bruder des Königs, der mit Bonifatius’ Nichte Sancha verheiratet war, um Heinrich mit dessen Sohn Eduard auszusöhnen. Im Frühjahr 1261 erließ Papst Alexander eine Bulle, die den König von seinem Eid auf die Provisions entband. Bonifatius gehörte zu denjenigen, die vom Papst befugt waren, andere Prälaten und Magnaten von ihren Eiden zu entbinden. Im August veröffentlichte Bonifatius die päpstliche Absolution und drohte dem Justitiar Hugh Bigod mit der Exkommunikation, falls er sich weiter weigerte, Rochester und Canterbury Castle sowie weitere Burgen zurückzugeben.

Nach einer Bitte des Papstes um finanzielle Unterstützung für den Kampf des ungarischen Königs Béla IV. gegen die Mongolen berief Bonifatius ein Konzil für den 8. Mai 1261 nach Lambeth ein. Während des Konzils beklagte er, dass weder der König noch die Barone an Verbesserungen der Situation der Kirche interessiert seien. Obwohl der verärgerte Heinrich eine von Peter von Savoyen und Lord Eduard geführte Abordnung zu der Versammlung schickte, die diesen Vorwürfen widersprachen, verabschiedete der Klerus am 13. Mai 1261 die Constitutions of Lambeth. Darin bekräftigten sie die Reformen, die sie 1258 beschlossen hatten, und baten den Papst um deren Bestätigung. Der König sandte daraufhin Anwälte nach Rom, die vom Papst die Rücknahme der Constitutions verlangten, da sie zum Nachteil der Rechte des Königs und seiner Würde seien. Im Januar 1262 schickte der König weitere Anwälte, die sich beim Papst über den Erzbischof und seine Suffraganbischöfe beschwerten. Am 25. Februar 1262 bestätigte der neue Papst Urban IV. die Anordnung seines Vorgängers und befahl Bonifatius, den König von seinen Eiden zu entbinden. Weiter erklärte er alle Zusagen der Prälaten und Magnaten, die der Würde der Krone widersprächen und zum Nachteil des Reiches seien, für nichtig.

Exil während des Bürgerkriegs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Bonifatius am 8. Oktober 1262 England verlassen hatte, um vermutlich vom Papst die Bestätigung der Constitutions of Lambeth zu erhalten und um seine Familie in Savoyen zu unterstützen, fand er sich zunehmend isoliert und machtlos. Seine Tendenz, seine geistliche Macht zur Durchsetzung seiner weltlichen Ziele zu missbrauchen, hatte in Rom zunehmend zur Beunruhigung geführt. Während Papst Innozenz Bonifatius noch unterstützt hatte, lehnte Papst Alexander IV. Entscheidungen von Bonifatius, wie die, 1256 Adam Marsh anstelle von Hugh of Balsham zum Bischof von Ely zu machen, ab. Auch die Eingriffe des Erzbischofs in die geistliche Gerichtsbarkeit bereiteten dem Papst Sorge. Angesichts des drohenden Bürgerkriegs konnte der Papst Bonifatius nicht erlauben, weiter auf seinen kirchlichen Reformplänen zu beharren. Aus Rücksicht auf König Heinrich verweigerte Urban IV. im Januar 1263 erneut die Anerkennung der Constitutions, auch wenn er zugab, dass er in diesen keine Fehler fand. Er ernannte Guy Foulquois, den Kardinalbischof von Sabina, zum päpstlichen Legaten für England und entzog Bonifatius so einen Großteil seiner Macht. Der nun offene Krieg der Barone gegen den König in England, vor allem die Plünderung der erzbischöflichen Güter in Kent durch Anhänger des Königs, machte eine sichere Rückkehr für Bonifatius unmöglich und untergrub weiter seinen Einfluss. Ohne die Führung durch den im Exil befindlichen Erzbischof unterstützten zahlreiche Prälaten Bischof Walter de Cantilupe und andere Bischöfe, die die Adelsopposition unter Simon de Montfort unterstützten. Durch die mangelnde Kommunikation gelang es dem Mönch Adam of Chillenden aus Canterbury, Prior des Kathedralkonvents zu werden. Nach der Niederlage des Königs in der Schlacht von Lewes im Mai 1264 wies Bonifatius die Forderung der Barone zurück, entweder nach England zurückzukehren oder seine Macht abzugeben. Angesichts der Niederlage des Königs hatte Bonifatius nun wieder dessen Unterstützung und verweigerte die Weihe von Walter Giffard zum Bischof von Bath und Wells, solange dieser nicht zu ihm nach Savoyen reisen würde. Angesichts der ungewissen Zukunft und vielleicht bereits krank und bettlägerig, machte Bonifatius am 11. Oktober 1264 in Tournon sein Testament. Angesichts seiner zahlreichen Reisen ist es nicht verwunderlich, dass er darin Geld für den Bau einer Brücke über die Rhone zwischen Savoyen und Frankreich stiftete.

Weitgehende Entmachtung, erneutes Exil und Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst am 29. Mai 1266, fast zehn Monate nach der entscheidenden Niederlage Montforts bei Evesham, kehrte Bonifatius nach England zurück und konnte seinen Schatz zurückerhalten, der Silber und Schmuck im Wert von 6000 Mark umfasste und von seinen Beamten während des Bürgerkriegs für ihn gesichert worden war. Bis dahin hatte schon der am 4. Mai 1265 ernannte neue päpstliche Legat Ottobono Fieschi die Führung der kirchlichen Angelegenheiten übernommen und Maßnahmen gegen die Anhänger Montforts unter den Bischöfen unternommen. Obwohl er gute Kontakte zu Kardinaldiakon Ottobono hatte, da dessen Schwester Béatrice de Fieschi mit Bonifatius’ jüngstem Bruder Thomas verheiratet war, blieb Bonifatius im Schatten von Ottobono, bis dieser im Juli 1268 England verließ. Erst dann konnte Bonifatius wieder frei handeln und löste einen Streit wegen der Sedisvakanz mit dem Kathedralkapitel von Worcester. Obwohl Bonifatius zunächst angesichts seiner geplünderten und verwüsteten Besitzungen entmutigt gewesen war, zeigte er sich nun entschlossen, allen Bedrohungen seiner Rechte und Privilegien zu entgegen. Dies hatte er bereits im April 1266 gezeigt, als er zum Erstaunen des Königs einer Vergabe einer Pfründe in Herefordshire widersprach.

Obwohl Bonifatius vermutlich am von Ottobono einberufenen Konzil in St Paul’s in London im April 1268 teilnahm, gibt es keinen Nachweis, dass er bei den Diskussionen und bedeutenden Beschlüssen zur Reform der Kirche noch eine Rolle spielte. Im Oktober 1268 war er zu krank, um am Hochfest von Eduard dem Bekenner in Westminster teilzunehmen, und Walter Giffard, der seit 1267 Erzbischof von York war, griff wieder den alten Streit über den Vorrang zwischen den Erzbischöfen von York und Canterbury auf. Er ließ während des Hochfests sein Kreuz vor dem des Erzbischofs von Canterbury tragen, worauf Bonifatius das Interdikt über London verhängte. Er verließ am 14. November 1268 England und kehrte nicht mehr zurück. Er vermachte von seinem Besitz 1000 Mark für die Armen auf seinen Gütern sowie 20 Mark für arme Studenten in Oxford. Er wurde nach seinem Tod neben anderen Mitgliedern seiner Familie in der Zisterzienserabtei von Hautecombe begraben.

Die Abteikirche von Hautecombe in Savoyen, in der Bonifatius begraben wurde

Nachwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während Bonifatius in England, vor allem wegen seiner negativen Darstellung durch den Chronisten Matthew Paris, lange als gewalttätiger, gieriger und seine Aufgaben vernachlässigender Erzbischof galt, der dazu aus dem Ausland stammte, genoss er in Italien, insbesondere in Savoyen, ein hohes Ansehen. Er hatte nie die Bindung an seine Heimat verloren und verbrachte fast die Hälfte seiner 29-jährigen Amtszeit als Erzbischof außerhalb von England. Ende des 14. Jahrhunderts war sein Grab, das ein prächtiges bronzenes Grabdenkmal zierte, zum Pilgerziel geworden, und es wurde behauptet, dass Bonifatius in England Wunder bewirkt hätte. Bei einer Öffnung des Grabes 1580 wurde sein Körper angeblich fast unverwest vorgefunden. Während der Französischen Revolution wurde sein Grabdenkmal eingeschmolzen, doch seine Überreste wurden unter den Hochaltar der Kirche umgebettet. 1839 wurde er auf Betreiben von König Karl Albert von Sardinien-Piemont von Papst Gregor XVI. seliggesprochen, und in der Kirche wurde ein neues, steinernes Grabdenkmal für ihn aufgestellt.

Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonifatius war zweifelsfrei aggressiv und selbstherrlich. Er befand sich in einem immerwährenden Konflikt zwischen seiner Familie, dem König und den Interessen der Kirche, den er nicht lösen konnte. Während zahlreicher kritischer Momente in seiner Amtszeit war er, teils wegen Familienangelegenheiten, im Ausland. Der Zweite Krieg der Barone zerstörte die Einigkeit der kirchlichen Reformer und schwächte die Autorität seines Amtes als Erzbischof und Primas. Seine eigensinnige und hartnäckige Verteidigung seiner kirchlichen Rechte machten ihn jedoch zum Bewahrer der kirchlichen Freiheit. Er setzte das Recht der Visitationen gegenüber den ihm unterstellten Bischöfen durch und seine Vereinbarung mit dem Kathedralkapitel löste einen lange währenden Konflikt. Die Constitutions of Lambeth, mit denen seine Reformbemühungen scheiterten, hatten dennoch bis ins 17. Jahrhundert Einfluss auf das Kirchenrecht in England. Damit stehen seinen Fehlern auch bleibende Erfolge gegenüber, so dass sein Bild heute auch in England differenzierter gesehen wird.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alan Butler; Paul Burns: Butler’s lives of the Saints. Burns & Oates, Tunbridge Wells 2005. ISBN 0-86012-382-0, S. 104–107

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bonifatius von Savoyen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alan Harding: England in the thirteenth century. Cambridge University Press, Cambridge 1993. ISBN 0-521-30274-9, S. 240
Vorgänger Amt Nachfolger
Edmund Rich Erzbischof von Canterbury
1241–1270
Robert Kilwardby