Bornsen (Jübar)

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Bornsen
Gemeinde Jübar
Koordinaten: 52° 43′ 2″ N, 10° 54′ 53″ O
Höhe: 70 m ü. NHN
Fläche: 8,07 km²
Einwohner: 203 (31. Dez. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 25 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 38489
Vorwahl: 039003
Bornsen (Sachsen-Anhalt)

Lage von Bornsen in Sachsen-Anhalt

Dorfplatz in Bornsen

Bornsen ist ein Ortsteil von Jübar im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Dorf Bornsen liegt 22 Kilometer südwestlich der Kreisstadt Salzwedel und 12 Kilometer östlich des niedersächsischen Wittingen. Im Westen des Dorfes fließt der Bornsener Bach, der nördlich von Dankensen auf den Molmker Bach trifft. Im Süden liegen der etwa 94 Meter hohe Petersberg und der etwa 105 Meter hohe Wolfsberg.[2]

Nachbarorte sind Drebenstedt im Nordwesten, Dankensen im Norden, Wüllmersen im Nordosten und Jübar im Süden.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort war ursprünglich ein Rundplatzdorf, das sich später zu einer Streusiedlung entwickelte.[3]

Das heutige Dorf Bornsen wurde 1375 erstmals urkundlich als Bornsen im Landbuch der Mark Brandenburg genannt und gehörte dem Kloster Diesdorf.[4] Weitere Nennungen sind 1406 Bornsen, 1458 dath dorp Borntzen, 1541 Borsige, 1542 Bornenßen, 1687 Bornsen[3] und 1804 Bornsen.[5]

Die historische Bevölkerung von Bornsen ist für die Jahre 1674 bis 1814 in einem Ortsfamilienbuch dokumentiert.[6]

Der Straßenname „Am Kunststeinwerk“ erinnert an die Firma „Kunststeinwerk Bornsen (Altmark), Otto Melzian“, die in den 1920er Jahren gegründet worden war, 1945 demontiert und 1949 enteignet wurde. Otto Melzian hatte das Werk 1946 in Uetze als Betonsteinwerk Otto Melzian neu aufgebaut.[7] 1992 entstand die „Kunststeinwerk Bornsen GmbH“, die im Jahr 2009 aus dem Handelsregister gelöscht wurde.

Im Jahre 1953 wurde in Jübar die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft vom Typ III, die LPG „Die Bewährung“ gebildet. Die LPG Tierproduktion „Eichengrund“ wurde 1975 aus den LPGs „Eichengrund“ in Wüllmersen, „Bewährung“ in Bornsen und der LPG vom Typ I „Altmarkland“ in Wüllmersen gebildet, zu der 1986 eine Milchviehanlage Bornsen gehörte. Die LPG wurde 1992 in die „Milch-, Fleisch- und Agrarprodukte eG“ umgewandelt.[3]

Ersterwähnung 1178[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Historiker Peter P. Rohrlach[3] weist darauf hin, dass ein angeblich 1178 genanntes Borrensin nichts mit Bornsen zu tun hat, wie von Hermes und Weigelt beschrieben,[8] die sich wohl auf Riedel[9] beziehen, der selbst keine Quelle anführt.

Archäologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großsteingrab 1 bei Bornsen
Großsteingrab 2 bei Bornsen

Im Jahr 1843 wurden die Großsteingräber bei Bornsen von Johann Friedrich Danneil erstmals ausführlich beschrieben.[10]

1937 ist westlich der Windmühle an der Straße Bornsen-Wüllmersen ein Körpergräberfeld aus dem 9. Jahrhundert freigelegt worden. Eine stark korrodierte Brosche mit nicht mehr erkennbarem Münzbild wurde an das Danneil-Museum in Salzwedel übergeben.[11]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 20. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Drebenstedt aus dem Landkreis Salzwedel in die Gemeinde Bornsen eingemeindet.[12]

Bis Ende 2009 gehörte die Gemeinde Bornsen mit dem Ortsteil Drebenstedt der Verwaltungsgemeinschaft Beetzendorf-Diesdorf an.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschlossen die Gemeinderäte der Gemeinden Bornsen (am 25. Mai 2009), Hanum (am 3. Juni 2009), Jübar (am 3. Juni 2009), Lüdelsen (am 13. Mai 2009) und Nettgau (am 4. Juni 2009) beschlossen, dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Jübar vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[13][14]

Damit ist Bornsen seit dem 1. Januar 2010 ein Ortsteil von Jübar.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 45
1774 59
1789 58
1798 44
1801 43
1818 60
Jahr Einwohner
1840 100
1864 111
1871 119
1885 144
1892 00136[15]
1895 158
Jahr Einwohner
1900 00164[15]
1905 167
1910 00180[15]
1925 194
1939 279
1946 425
Jahr Einwohner
1964 491
1971 462
1981 471
1993 464
2006 350
2008 348
Jahr Einwohner
2015 [00]216[16]
2018 [00]218[16]
2020 [0]206[1]
2021 [0]203[1]

Quelle bis 2006, wenn nicht angegeben:[3]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelischen Christen aus Bornsen waren früher nach Jübar eingepfarrt, sie gehörten also zur Pfarrei Jübar.[17] Heute gehören sie zur Kirchengemeinde Drebenstedt im Pfarrbereich Rohrberg des Kirchenkreises Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.[18]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Letzte Bürgermeisterin von Bornsen war Sabine Munter.[19]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gefallenendenkmal Bornsen

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort gibt es ein Gasthaus und mehrere kleine Gewerbebetriebe.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rassegeflügelzüchterverein Jübar/Bornsen e.V.
  • Heimatverein Drebenstedt-Bornsen e.V. mit Sitz in Jübar
  • Fußballclub Jübar-Bornsen von 1950 e.V.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesstraße 244 verläuft rund acht Kilometer südwestlich des Dorfes.

Sage aus Bornsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hanns H. F. Schmidt überlieferte 1994 die Sage „Die Geldkuhle“. Auf dem Weg in Richtung Süden nach Jübars ist linkerhand der Wolfsberg zu sehen, unweit entfernt liegt die Geldkuhle. Zwei Burschen versuchten eines Nachts dort einen Schatz auszugraben. Sie hatten eine schwere Kiste geborgen, als gerade ein glänzender voll beladener Heuwagen auf sie zu rollte. Sie schrieen vor Schreck auf, damit war der Zauber vorüber und der Schatz in der Kiste versank vor ihnen in der Tiefe.[21]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Anke Pelczarski: Nur Wallstawe und Jübar legen zu. In: Klötzer Volksstimme, Klötzer Rundschau. 15. Januar 2022, DNB 1047268213, S. 17.
  2. a b Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  3. a b c d e Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S. 302–305, doi:10.35998/9783830522355.
  4. Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S. 406 (uni-potsdam.de (Memento vom 22. März 2019 im Internet Archive)).
  5. Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Band 1. Berlin 1804, S. 368 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000735~SZ%3D00390~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  6. Ulf Queckenstedt: Ortsfamilienbuch Jübar. (online-ofb.de [abgerufen am 6. März 2017]).
  7. W. Dorn: Der Landkreis Burgdorf (= Die Landkreise in Niedersachsen. Band 19). 1961, S. 202 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DQscqAQAAMAAJ%26pg%3DPA202~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  8. J. A. F. Hermes, M. J. Weigelt: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Topographischer Teil. Hrsg.: Verlag Heinrichshofen. Band 2, 1842, S. 327 ([Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DHB4_AAAAcAAJ%26pg%3DPA327~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D Online]).
  9. Adolph Friedrich Riedel: Die Mark Brandenburg im Jahre 1250 oder historische Beschreibung der Brandenburgischen Lande und ihrer politischen und kirchlichen Verhältnisse um diese Zeit. Band 1. Dümmler, Berlin 1831, S. 80 ([Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D0PhKAAAAcAAJ%26pg%3DPA80~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D Online]).
  10. Johann Friedrich Danneil: Specielle Nachweisung der Hünengräber in der Altmark. In: Jahresberichte des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte. 6. Jahresbericht, 1843, S. 103–105, Nr. 56–60 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10013291~SZ%3D00105~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  11. Joachim Herrmann und Peter Donat (Hrsg.): Bezirke Rostock (Westteil), Schwerin und Magdeburg. Textteil. (= Corpus archäologischer Quellen zur Frühgeschichte auf dem Gebiet der DDR. Lieferung 1). Berlin 1973, DNB 740209957, S. 163, 18/4 Bornsen.
  12. Zweite Verordnung zum Gesetz zur Änderung der Kreis- und Gemeindegrenzen zum 27. April 1950 (GuABl. S. 161). In: Landesregierung Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Gesetz- und Amtsblatt des Landes Sachsen-Anhalt. Nr. 18, 5. August 1950, ZDB-ID 511105-5, S. 279 (PDF).
  13. Altmarkkreis Salzwedel: Gebietsänderungsvertrag zur Bildung einer neuen Gemeinde aus den Gemeinden Bornsen, Hanum, Jübar, Lüdelsen und Nettgau zum 1. Januar 2010 und die Genehmigung des Altmarkkreises Salzwedel vom 7. Juli 2009. In: Amtsblatt Altmarkkreis Salzwedel. 15. Jahrgang, Nr. 7, 29. Juli 2009, S. 180–183 (altmarkkreis-salzwedel.de [PDF; 1,9 MB; abgerufen am 9. Oktober 2021]).
  14. StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010
  15. a b c Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, DNB 578458357, OCLC 614308966, S. 147.
  16. a b Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf: Einwohner der Ortsteile am 31. Dezember für die Jahre 2015 und 2018. 6. Juni 2019.
  17. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 98 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
  18. Pfarrbereich Rohrberg. Abgerufen am 4. März 2018.
  19. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt. Gemeinde Bornsen, Altmarkkreis Salzwedel. Endgültiges Ergebnis Wahl am 13.06.2004. Abgerufen am 4. März 2018.
  20. Bornsen. In: denkmalprojekt.org. Onlineprojekt Gefallendenkmäler, 1. April 2018, abgerufen am 5. September 2018.
  21. Hanns H. F. Schmidt: Das große Sagenbuch der Altmark. Teil 1 von A wie Abbendorf bis K wie Kläden. dr. ziethen verlag, Oschersleben 1994, ISBN 3-928703-40-4, S. 44.