Wendischbrome

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Koordinaten: 52° 37′ 4″ N, 10° 55′ 30″ O

Wendischbrome
Gemeinde Jübar
Höhe: 72 m ü. NN
Einwohner: 97 (1. Jan. 2011)
Eingemeindung: 1. Juli 1973
Eingemeindet nach: Nettgau
Postleitzahl: 38489
Vorwahl: 039003
Wendischbrome (Sachsen-Anhalt)
Wendischbrome
Wendischbrome
Lage von Wendischbrome in Sachsen-Anhalt
Blick vom Rundling entlang der Straße nach Nettgau

Wendischbrome ist ein Ortsteil der Gemeinde Jübar im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wendischbrome liegt östlich des Oberlaufs der Ohre. Nächste Ortschaft ist Benitz in Niedersachsen rund einen Kilometer südwestlich. Das namensgebende Brome liegt zwei Kilometer südlich. Nächstgelegener Ort in Sachsen-Anhalt ist Nettgau, das drei Kilometer nördlich liegt. Nahe Wendischbrome liegen die NaturschutzgebieteOhreaue“ und „Ohreaue bei Altendorf und Brome“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wendischbrome wurde als wendische Siedlung gegründet, während sich die damaligen deutschen Siedler überwiegend in Brome bzw. Altendorf konzentrierten. Etwa von 1420 bis 1535 lag Wendischbrome wüst, bevor es als Rundling wiedererrichtet wurde.[1] Politisch gehörte Wendischbrome zwar zur Mark Brandenburg (bis 1815) bzw. zur Provinz Sachsen (1815–1946), kirchlich dagegen gehörte es bis nach 1945 zu Brome im Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg (bis 1814) bzw. zum Königreich Hannover (1814–1866). Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Toten des Dorfes auf dem Altendorfer Friedhof beerdigt, zu dem der Wendischbromer Totenweg führte.[2]

Nach der Ziehung der innerdeutschen Grenze, die hier abschnittweise entlang der Ohre verlief, lag Wendischbrome weniger als 100 Meter davon entfernt. Die Wendischbromer Schule wurde geschlossen. Kirchlich wurden die Wendischbromer von der evangelischen Gemeinde Jübar betreut, obwohl sie formal weiterhin zur Gemeinde Brome gehörten. 1952 und 1960 erfolgte in zwei Stufen die Kollektivierung. Da Wendischbrome in der 5-km-Sperrzone der Grenze lag, wurden viele Einwohner in der Aktion Ungeziefer (1952) und der Aktion Kornblume (1961) zwangsausgesiedelt oder flohen in den Westen, so dass die Einwohnerzahl stark sank.

Wendischbrome war bis 1. Juli 1973 eine selbstständige Gemeinde. Anschließend gehörte der Ort zur Gemeinde Nettgau, die 2010 in der Gemeinde Jübar aufging.

1804 hatte Wendischbrome 64 Einwohner,[3] 1840 waren es 131 Einwohner, 1900 201 Einwohner. Bis 1939 war die Zahl auf 210 gestiegen.[4] Im Jahr 1988 waren es noch 77 Einwohner.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kreisstraßen führen nach Brome und Nettgau sowie Richtung Mellin. Wendischbrome ist per Rufbus der Personenverkehrsgesellschaft Altmarkkreis Salzwedel (PVGS) erreichbar.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Dietrich Bödeker: Das Land Brome und der obere Vorsfelder Werder, Geschichte des Raumes an Ohre, Drömling und Kleiner Aller. Braunschweig 1985, ISBN 3-87884-028-4, S. 259–273
  • Wilhelm Köther, Hermann Winter: Aufzeichnungen aus Wendischbrome. Zur Geschichte eines Altmarkdorfes im 20. Jahrhundert. Museums- und Heimatverein Brome e.V. 2003.
  • Jens Winter: Häuserchronik von Wendischbrome. Eigenverlag des Verfassers, Brome 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann Dietrich Bödeker: Das Land Brome und der obere Vorsfelder Werder, Geschichte des Raumes an Ohre, Drömling und Kleiner Aller. Braunschweig 1985, ISBN 3-87884-028-4, S. 259
  2. Johann Dietrich Bödeker: Das Land Brome und der obere Vorsfelder Werder, Geschichte des Raumes an Ohre, Drömling und Kleiner Aller. Braunschweig 1985, ISBN 3-87884-028-4, S. 266
  3. F. W. A. Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg, Bd. 1. Berlin 1804, S. 368
  4. Johann Dietrich Bödeker: Das Land Brome und der obere Vorsfelder Werder, Geschichte des Raumes an Ohre, Drömling und Kleiner Aller. Braunschweig 1985, ISBN 3-87884-028-4, S. 274