Wendischbrome

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Wendischbrome
Gemeinde Jübar
Koordinaten: 52° 37′ 4″ N, 10° 55′ 30″ O
Höhe: 72 m ü. NHN
Fläche: 8,47 km²[1]
Einwohner: 83 (31. Dez. 2018)[2]
Bevölkerungsdichte: 10 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1973
Eingemeindet nach: Nettgau
Postleitzahl: 38489
Vorwahl: 039003
Wendischbrome (Sachsen-Anhalt)
Wendischbrome
Wendischbrome
Lage von Wendischbrome in Sachsen-Anhalt
Blick vom Rundling entlang der Straße nach Nettgau

Wendischbrome ist ein Ortsteil der Gemeinde Jübar im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Dorf Wendischbrome, ein Dreieckplatzdorf,[1] liegt östlich des Oberlaufs der Ohre. Nächste Ortschaft ist Benitz in Niedersachsen rund einen Kilometer südwestlich. Das namensgebende Brome liegt zwei Kilometer südlich. Nächstgelegener Ort in Sachsen-Anhalt ist Nettgau, das drei Kilometer nördlich liegt. Nahe Wendischbrome liegen die NaturschutzgebieteOhreaue“ und „Ohreaue bei Altendorf und Brome“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wendischbrome wurde als wendische Siedlung gegründet, während sich die damaligen deutschen Siedler überwiegend in Brome bzw. Altendorf konzentrierten. Etwa von 1420 bis 1535 lag Wendischbrome wüst, bevor es als Rundling wiedererrichtet wurde.[3]

Politisch gehörte Wendischbrome bis 1692 zum Amt Knesebeck im Lüneburgischen[4] und danach zur Voigtei Steimke und später zum Salzwedelischen Kreis in der Mark Brandenburg (bis 1815) bzw. zur Provinz Sachsen (1815–1946). Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Toten des Dorfes auf dem Altendorfer Friedhof beerdigt, zu dem der Wendischbromer Totenweg führte.[5]

Nach der Ziehung der innerdeutschen Grenze, die hier abschnittweise entlang der Ohre verlief, lag Wendischbrome weniger als 100 Meter davon entfernt. Die Wendischbromer Schule wurde geschlossen. Kirchlich wurden die Wendischbromer von der evangelischen Gemeinde Jübar betreut, obwohl sie formal weiterhin zur Gemeinde Brome gehörten. 1952 und 1960 erfolgte in zwei Stufen die Kollektivierung. Da Wendischbrome in der 5-km-Sperrzone der Grenze lag, wurden viele Einwohner in der Aktion Ungeziefer (1952) und der Aktion Kornblume (1961) zwangsausgesiedelt oder flohen in den Westen, so dass die Einwohnerzahl stark sank.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Wendischbrome wurde am 25. Juli 1952 aus dem Landkreis Salzwedel in den Kreis Klötze umgegliedert. Am 1. Juli 1973 wurde Wendischbrome in die Gemeinde Nettgau eingemeindet.[6] Mit der Eingemeindung von Nettgau am 1. Januar 2010 in die Gemeinde Jübar kam der Ortsteil Wendischbrome zu Jübar.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 52
1774 52
1789 62
1798 64
1801 64
1818 50
Jahr Einwohner
1840 131
1864 146
1871 178
1885 163
1895 181
1905 190
Jahr Einwohner
1925 213
1939 207
1946 241
1964 171
1971 128
1988 077
Jahr Einwohner
2011 97
2015 95
2018 83

Quellen:[1][7][2] und andere

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelischen Christen aus Wendischbrome waren ursprünglich in Brome und Altendorf im Lüneburgischen im Konsistorialbezirk Ilfeld eingekircht. Im Jahre 1982 wurden die Kapellengemeinden Nettgau und Wendischbrome in den Kirchenkreis Beetzendorf eingegliedert und 1984 mit dem Kirchspiel Jübar verbunden.[1] Heute gehören sie zum Pfarrbereich Rohrberg[8] des Kirchenkreises Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kreisstraßen führen nach Brome und Nettgau sowie Richtung Mellin. Wendischbrome ist per Rufbus der Personenverkehrsgesellschaft Altmarkkreis Salzwedel (PVGS) erreichbar.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Dietrich Bödeker: Das Land Brome und der obere Vorsfelder Werder, Geschichte des Raumes an Ohre, Drömling und Kleiner Aller. Braunschweig 1985, ISBN 3-87884-028-4, S. 259–273
  • Wilhelm Köther, Hermann Winter: Aufzeichnungen aus Wendischbrome. Zur Geschichte eines Altmarkdorfes im 20. Jahrhundert. Museums- und Heimatverein Brome e.V. 2003.
  • Jens Winter: Häuserchronik von Wendischbrome. Eigenverlag des Verfassers, Brome 2012.
  • Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 337–339.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 337–339.
  2. a b Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf: Einwohner der Ortsteile am 31. Dezember für die Jahre 2015 und 2018. 6. Juni 2019.
  3. Johann Dietrich Bödeker: Das Land Brome und der obere Vorsfelder Werder, Geschichte des Raumes an Ohre, Drömling und Kleiner Aller. Braunschweig 1985, ISBN 3-87884-028-4, S. 259
  4. Johann Ernst Fabri: Magazin für die Geographie, Staatenkunde und Geschichte. Band 2. Raspe, Nürnberg 1797, S. 70 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10429213~SZ%3D00082~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  5. Johann Dietrich Bödeker: Das Land Brome und der obere Vorsfelder Werder, Geschichte des Raumes an Ohre, Drömling und Kleiner Aller. Braunschweig 1985, ISBN 3-87884-028-4, S. 266
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 359, 363.
  7. Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, G.m.b.H., Salzwedel 1928, DNB 578458357, S. 148.
  8. Pfarrbereich Rohrberg. Abgerufen am 13. Juni 2019.