Lüdelsen

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Lüdelsen
Gemeinde Jübar
Wappen von Lüdelsen
Koordinaten: 52° 41′ 11″ N, 10° 56′ 35″ O
Höhe: 69 m ü. NHN
Fläche: 22,99 km²
Einwohner: 260 (Jan. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 11 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 38489
Vorwahl: 039003
Lüdelsen (Sachsen-Anhalt)
Lüdelsen
Lüdelsen
Lage von Lüdelsen in Sachsen-Anhalt

Lüdelsen ist ein Ortsteil der Gemeinde Jübar im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Kirchdorf Lüdelsen liegt 23 Kilometer südlich von Salzwedel in einem Niederungsgebiet an der Hartau, einem Nebenfluss der Jeetze. Das Gelände südlich des Dorfes wird vom Jübarer Abzugsgraben entwässert, der in die Hartau fließt.[2]

Zum Dorf gehören die Wohnplätze Neuenstall, Forsthaus Groß Wismar, Forsthaus Klein Wismar[3] (beide im Waldgebiet Beetzendorfsche Forst) und die frühere Kolonie Wischhof (das Nordostende des Dorfes) und die frühere Försterei Nieps (am heutigen Forstweg).

Hartauniederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hartauniederung zwischen Lüdelsen und Ahlum ist ein teilweise geschützter Biotop (Fauna-Flora-Habitat (FFH)) mit Erlen- und Eschenwäldern und Weichholzauenwäldern, an waldfreien Standorten durch Bodenfeuchte geprägte Flutrasen mit Flutendem Hahnenfuß (Ranunculion fluitantis). Geschützte Tierarten sind Bachneunauge (Lampetra planeri) und Bitterling (Rhodeus sericeus).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lüdelsen wird erstmals im Jahre 1290 in einer Urkunde über Abbendorf erwähnt, in der ein plebanus in ludelsem (Priester in Ludelsem) als Zeuge genannt wird.[4] Am 28. August 1308 verkauft Ritter Gerhard, genannt Wolf, an das Kloster Isenhagen 9 ½ Hufen in villa ludelsen[5]

Später war Lüdelsen wüst geworden, denn am 1. August 1483 verzichteten die Gebrüder von dem Knesebeck auf ihre Ansprüche an der wusten dorpstede tho Lüdelsen zugunsten des Klosters Diesdorf.[6]

Im Jahre 1542 ist wohl schon ein Vorwerk vorhanden. 1587 wurde die dritte Mühle des Amtes Diesdorf mit zwei Gängen hier errichtet. Die Wassermühle liegt am Ende des heutiges Mühlweges an der Hartau. Das Vorwerk war 1702 zusammen mit der benachbarten wüsten Feldmark Klein Ahlum an bäuerliche Unterpächter vererbpachtet. Es entstand eine Kolonie, die anfangs 11 Anbauer hatte.[7]

Die Reste der Ruine alten Kirche nahe der heutigen Straße „Am Kirchberg“ wurden in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts zur Pflasterung der Dorfstraße verwendet.[8]

Die historische Bevölkerung von Lüdelsen ist für die Jahre 1674 bis 1814 in einem Ortsfamilienbuch dokumentiert.[9]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Wismar mit der Landgemeinde Lüdelsen vereinigt.[10] So kamen die Wohnplätze Forsthaus Groß Wismar und Forsthaus Klein Wismar zu Lüdelsen. Die Försterei Nieps kam zu Lüdelsen, als am 17. Oktober 1928 der forstwirtschaftliche Teil des Gutsbezirks Ahlum der Forst Nieps mit der Landgemeinde Lüdelsen vereinigt wurde.[11]

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschlossen die Gemeinderäte der Gemeinden Bornsen (am 25. Mai 2009), Hanum (am 3. Juni 2009), Jübar (am 3. Juni 2009), Lüdelsen (am 13. Mai 2009) und Nettgau (am 4. Juni 2009), dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Jübar vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[12][13]

Die drei heutigen Wohnplätze Lüdelsens – Neuenstall, Forsthaus Groß Wismar und Forsthaus Klein Wismar – werden in der Hauptsatzung der Gemeinde als Splittersiedlungen der Gemeinde Jübar bezeichnet.[14]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1774 184
1789 247
1798 131
Jahr Einwohner
1801 70
1818 280
1840 433
Jahr Einwohner
1864 458
1871 399
1885 391
Jahr Einwohner
1895 407
1905 440
1925 482
Jahr Einwohner
1939 428
1946 613
1964 410
Jahr Einwohner
1971 343
1981 314
1993 273
Jahr Einwohner
2006 276
2008 281

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelischen Christen aus Lüdelsen gehören seit der Errichtung der neuen Kirche im Jahre 1924[15] zur Kirchengemeinde Lüdelsen. Davor gehörten sie zur Kirchengemeinde Jübar.[16] Heute gehört die Kirchengemeinde zum Pfarrbereich Rohrberg[17] des Kirchenkreises Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Letzter Bürgermeister der Gemeinde Lüdelsen war Manfred Lange.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 30. Juni 1997 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Blasonierung: „In Grün ein mit einem schwarzen Mühlrad belegter silberner Balken; oben ein querliegender silberner Schlüssel, unten ein silbernes Hünengrab.“

Farben von Lüdelsen sind Silber (Weiß)/Grün.

Die grüne Schildfarbe symbolisiert die wald- und wiesenreiche Umgebung des Ortes; der silberne Balken steht für das Flüsschen Hartau am Rande der Ortschaft, seine Belegung mit dem schwarzen Mühlrad deutet auf die ehemalige alte Wassermühle. Der silberne Schlüssel gehörte zu der alten Wehrkirche, die Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen wurde. Er wird in der heutigen neuen Kirche aufbewahrt. Das silberne Großsteingrab symbolisiert das nahe bei Lüdelsen liegende „Königsgrab“.

Das Wappen wurde von der Magdeburger Heraldikerin Erika Fiedler gestaltet.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge ist Weiß/Grün (1:1) gestreift mit dem aufgelegten Wappen der ehemaligen Gemeinde.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedächtniskirche

In Lüdelsen wurde am 28. März 1922 der Grundstein für die einzige Gefallenengedächtniskirche Deutschlands gelegt. Der Bau wurde am 28. Mai 1924 eingeweiht.[15]

Die Kirche erinnert an die 24 Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus Lüdelsen und dem ehemaligen Ortsteil Neuenstall, deren Namen auf einer Tafel im Innenraum der Kirche aufgeführt sind.

Spenden ermöglichten den Aufbau durch regionale und ortsansässige Unternehmen, wobei die Bürger dieser Dörfer sowie die Jagdgenossenschaft das zum Bau notwendige Holz und die Arbeitsleistung unentgeltlich zur Verfügung stellten.

Großsteingräber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großsteingrab Lüdelsen 6 („Königsgrab“)

Östlich von Lüdelsen, am Ortsausgang Richtung Stöckheim, befinden sich sechs Großsteingräber aus der Jungsteinzeit (3500–2800 v. Chr.). In solchen Gräbern sollen die Toten einer Sippe mit verschiedenen Beigaben wie Gefäßen, Waffen oder Schmuck bestattet worden sein. Grab 6 stellt eine der größten und am besten erhaltenen Anlagen der Altmark dar. Daher wird das Grab im Volksmund „Königsgrab“ genannt.

Archäologisch-Historischer Wanderweg Lüdelsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Straße zwischen Stöckheim und Lüdelsen beginnt am Parkplatz am Waldrand ein vier Kilometer langer Wanderweg über acht Stationen. Er führt zunächst zu den Großsteingräbern. Im Wald nördlich der Straße sind mittelalterliche und frühneuzeitliche Wölbäcker erhalten. Eine weitere Station ist die Wassermühle Lüdelsen im idyllischen Tal der Hartau.[18]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dorf gibt es einige Handwerksbetriebe, einen Forstwirtschaftsbetrieb und ein Autohaus.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verwaltungsgemeinschaft Beetzendorf-Diesdorf (Hrsg.): Findling: Amtsblatt mit Informationsteil. Die aktuellen Einwohnerzahlen. 10. Jahrgang, Nr. 2. Beetzendorf 3. Februar 2016, S. 14 (PDF; 4,7 MB [abgerufen am 25. Februar 2018]).
  2. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  3. Ortsteilverzeichnis Land Sachsen-Anhalt (Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile), Gebietsstand Januar 2014, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 2016
  4. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Hrsg.: Berlin. Band 22, 1862, S. 98 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10001038_00106~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  5. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Hrsg.: Berlin. Band 22, 1862, S. 108 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10001038_00116~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  6. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Hrsg.: Berlin. Band 16, 1859, S. 496 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000994_00504~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  7. Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark. Berliner Wissenschafts-Verlag, 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1400–1402.
  8. Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, G.m.b.H., Salzwedel 1928, S. 147.
  9. Ulf Queckenstedt: Ortsfamilienbuch Jübar. (online-ofb.de [abgerufen am 7. März 2017]).
  10. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 217.
  11. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 232.
  12. Gebietsänderungsvertrag. Bildung einer neuen Gemeinde aus den Gemeinden Bornsen, Hanum, Jübar, Lüdelsen und Nettgau zum 01.01.2010. In: Altmarkkreis Salzwedel (Hrsg.): Amtsblatt für den Altmarkkreis Salzwedel. 15. Jahrgang, Nr. 7. Salzwedel 29. Juli 2009, S. 180–183 (Gebietsänderungsvertrag (Memento vom 20. Januar 2016 im Internet Archive) [PDF; abgerufen am 14. April 2018]). Gebietsänderungsvertrag (Memento des Originals vom 20. Januar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.altmarkkreis-salzwedel.de (PDF; 1,9 MB)
  13. StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010
  14. Hauptsatzung der Gemeinde Jübar
  15. a b Thomas Hartwig: Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S. 308.
  16. Haase, Hilbert: Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 98 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 7. März 2018]).
  17. Pfarrbereich Rohrberg. Abgerufen am 7. März 2018.
  18. Barbara Fritsch, Denis Demnick, Hartmut Bock, Sarah Diers: Landesmuseum für Vorgeschichte im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Wandern zwischen Hünengräbern – Der neue archäologisch-historische Wanderweg in Lüdelsen. Mai 2011 (lda-lsa.de [abgerufen am 7. März 2018]).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lüdelsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien