Brauhausberg

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Brauhausberg
Blick auf den Brauhausberg mit dem Gebäude der Kriegsschule im Zustand 2006

Blick auf den Brauhausberg mit dem Gebäude der Kriegsschule im Zustand 2006

Höhe 88 m
Lage im Süden der Stadt Potsdam
Gebirge Saarmunder Endmoränenbogen
Koordinaten 52° 23′ 10″ N, 13° 3′ 42″ OKoordinaten: 52° 23′ 10″ N, 13° 3′ 42″ O
Brauhausberg (Brandenburg)
Brauhausberg

Der Brauhausberg ist ein 88 Meter hoher Berg in der Teltower Vorstadt von Potsdam. Die Erhebung ist den Ravensbergen vorgelagert und bildet den nördlichen Abschluss des Saarmunder Endmoränenbogens. Die Namensgebung erfolgte zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach der Eröffnung einer Brauerei auf dem Berg. Der Brauhausberg gilt als ein uraltes Naturwahrzeichen, Pfeiler im Urstromtal, lange bevor es die Havel gab.[1]

Besonders markant ist die weithin sichtbare Bebauung auf dem Brauhausberg mit der einstigen Kriegsschule. In der DDR-Zeit setzte sich der Spitzname „Kreml“ für diesen Komplex durch.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

16. Jahrhundert bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hänge des Berges wurden 1515 erstmals erwähnt, als dort ein Kurfürstlicher Weinberg angelegt worden war, umgeben von einem großzügigen Tiergarten. Wein wurde hier noch bis um 1700 angebaut und gekeltert.

Als in Europa Eroberungsfeldzüge stattfanden, hatten im Jahr 1631 schwedische Soldaten unter König Gustav II. Adolf auf dem Berg ein Feldlager aufgeschlagen.

Der Kartograph Samuel Suchodolec vermaß 1683 das Gebiet der Teltower Vorstadt samt Hügel und stellte es erstmals in einer Karte dar.

Die Potsdamer Schützengilde richtete sich 1703 am Osthang des Berges einen Schießplatz ein und ließ sich an Ort und Stelle den Schützenkrug bauen.

Ab 1716 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vordergrund links das königliche Brauhaus,
auf einem Stich aus dem Jahre 1771

Nach Beendigung der Weinkultivierung entstand im Jahr 1716 aus einem früheren Kornmagazin an der heutigen Leipziger Straße die königliche Bierbrauerei („Königsbrauerei“). Nun erhielt die Erhebung ihren heutigen Namen Brauhausberg. Für den An- und Abtransport ließ der König dorthin eine Landstraße anlegen, die 1804 zu einer Chaussee ausgebaut wurde.

Am Berghang wurden 1752 zwanzig Wohnhäuser bereitgestellt, die als Unterkunft für zugereiste Maurer- und Zimmermannsgesellen dienten. Die Gesellen mussten die Gebäude selbst errichten und ausbauen. Sie bildeten den Kern der späteren Siedlung um die heutige Max-Planck-Straße.

Der Brauhausberg mit Belvedere im Jahr 1829, im Vordergrund die Lange Brücke

Auf dem Brauhausberg ließ der preußische König Friedrich Wilhelm III. 1804 für die Königin Luise einen Aussichtsturm im neugotischen Stil erbauen, das Belvedere auf dem Brauhausberg. Die Baupläne stammten vom Baumeister Andreas Ludwig Krüger.

In der Zeit von Napoléons Eroberungsfeldzügen durch Europa errichteten Bürger und Landsturmleute auf dem Brauhausberg das Zentrum einer Schanzenanlage, die Teile der Teltower Vorstadt umfasste. Kämpfe aus dieser Gegend sind nicht überliefert.

Ein gutes Jahrhundert nach der Königsbrauerei ließen sich die Braumeister Adelung und Hoffmann ganz in der Nähe eine eigene Brauerei errichten und erzeugten ab 1829 das Potsdamer Stange-Bier. Familie Hoffmann erwarb darüber hinaus das Kolonistenhaus Nummer 2 in der damaligen Schützenstraße und ließ es zu einer Ausflugsgaststätte umbauen. Unter dem Namen Wackermannshöhe wurde sie 1851 eröffnet und die Besucher erhielten hier das frisch gezapfte Stange-Bier. Nun entstanden immer neue Wohngebäude am Brauhausberg, auch ein Pavillon im Stil eines antiken Tempels wurde 1873 eingeweiht.

20. Jahrhundert bis 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um das Belvedere herum wurde von 1899 bis 1902 nach Plänen von Franz Schwechten die neue Kriegsschule (später Reichsarchiv, SED-Bezirksleitung und Landtag) erbaut.

Bald machte sich die Anlage einer Umgehungsstraße der inzwischen ausgedehnten Besiedlung des Gebietes um den Brauhausberg erforderlich, die 1927 begonnen wurde. Hinzu kam die Verlegung einer Straßenbahnlinie zum Potsdamer Zentrum (1930). Bis 1935 entstand eine weitere Neubausiedlung um den Schützenplatz und ein Kino nach Entwürfen von Heinrich Laurenz Dietz mit 700 Plätzen (Bergtheater, 1940) nahm seinen Spielbetrieb auf.

Das Herzstück der ehemaligen Kriegsschule im Jahr 2010. An der Fassade sind noch die Umrisse des SED-Parteisymbols zu erkennen, die auf die Nutzung bis 1990 verweisen.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurden große Teile der Bebauung am Brauhausberg ein Opfer von Bombenangriffen, das Reichsarchiv büßte dabei mehr als die Hälfte seiner Bestände ein. Bereits im Jahr 1946 hatte die neue Stadtverwaltung in Abstimmung mit der sowjetischen Besatzungsmacht den Bau eines Denkmals für die Opfer des Faschismus an diesem Berg beschlossen, für das am 27. Oktober 1946 der Grundstein gelegt wurde. Es wurde jedoch nie fertiggestellt.[2]

Gegen 1950 begann die großflächige Enttrümmerung, und anschließend eine provisorische Wiederherstellung der beschädigten Teile des Schulkomplex’. Er wurde zur Zentralverwaltung der SED-Kreisleitung Potsdam und blieb es bis zur Wende. Weite Teile des Berges blieben brach liegen und in den 1960er Jahren wurde nach Blindgängern und anderen Kriegshinterlassenschaften gesucht.

1968 nahm auf einem größeren Platz am Brauhausberg eine Anlage für die Zerkleinerung der Ruinenteile der Potsdamer Garnisonkirche ihren Betrieb auf.

Im Vordergrund links die Gaststätte Minsk, rechts daneben die Schwimmhalle[veraltet]; im Hintergrund das Reichskriegsschulgebäude, 2010

Für die Bewohner des Stadtteils wurde 1969–1971 am nördlichen Brauhaushang eine Schwimmhalle gebaut.[3] Im gleichen Jahr eröffnete das Terrassen-Restaurant Minsk mit vorgelagerten Wasserspielen, dessen Grundstück 2018 an einen Investor zur Nachnutzung verkauft werden soll.[veraltet][4]

Ab 1991[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den denkmalgeschützten Gebäudekomplex der Kriegsschule auf dem Brauhausberg zog nach Umbauarbeiten 1991 der Landtag Brandenburg ein und hatte dort bis zum Umzug in das Potsdamer Stadtschloss 2013/2014 seinen Sitz.

Für das gesamte Gebiet hatte die Potsdamer Stadtverwaltung um 2001 einen Gestaltplan entwickelt, der nach folgenden Änderungen zu einem Masterplan 2010 den Verkauf etlicher Grundstücke am Berg und eine umfangreiche Bebauung vorsieht, was jedoch bei den Bewohnern überwiegend auf Kritik stößt. Der Verein Pro Brauhausberg, als Bürgerinitiative eigens gegründet, um die Entwicklung des Bereiches bürgerfreundlich mitgestalten zu können, fordert daher aktuell (Stand Januar 2012), die Freiflächen am Brauhausberg „wieder zu einem gestalteten Landschaftsraum mit einzelnen prägnanten Bauten zu entwickeln, die einen öffentlichen, gesamtstädtischen Nutzen haben“.[5] Die Leitung des Vereins hatte dazu Fachleute, Politiker und interessierte Bürger zu einer Ideenwerkstatt im November 2011 eingeladen, deren Ergebnisse im Internet öffentlich zugängig sind.[6]

2017 eröffnete am Fuße des Brauhausbergs an der Leipziger Straße das Sport- und Freizeitbad Blu.

Die Brauerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Lagerung des in der Königsbrauerei hergestellten Bieres wurden Stollen in den Berg getrieben, die noch zu sehen sind. In diesen wurden im Winter Eisschollen aus der nahe gelegenen Havel eingelagert, um mit diesem Natureis im Sommer eine ausreichende Kühlung des Gerstensaftes zu gewährleisten. Die ehemalige Brauerei war noch in den 1980er Jahren in Betrieb und wurde erst dann durch eine moderne Brauanlage im Industriegelände Rehbrücke ersetzt.

Literatur und Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Von der Kriegsschule zum Parlament., Schriften des Landtages Brandenburg, Heft 3/2000; S. 23/24: Zur Geschichte des Brauhausberges
  • Luise Fröhlich und Jörg Fröhlich: Das Potsdamer Terrassenrestaurant 'Minsk' und der Brauhausberg im Wandel der Zeit (1970-2015). 2015, ISBN 3-7386-4478-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brauhausberg (Potsdam) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dokumentation der […] Ideenwerkstatt; S. 11 („Arbeitsauftrag“ im Kasten)
  2. Günter Schenke: Denkmal am Brauhausberg. Außer einer Grundsteinlegung im Oktober 1946 passierte nichts, Artikel aus Potsdamer Neueste Nachrichten vom 15. März 2006; abgerufen am 16. März 2012
  3. Schöner unsere Städte und Gemeinden mach mit! Ein langgehegter Wunsch unserer Bevölkerung, vieler Jugendlicher und Sportler wird erfüllt! Wir bauen eine Schwimmhalle am Brauhausberg. (PDF; 277 kB), Postwurfzettel aus dem Jahr 1969 zur geplanten Schwimmhalle am Brauhausberg, abgerufen am 16. März 2012
  4. Henri Kramer, Marco Zschieck: Trotz Mega-Angebot: Keine Mehrheit für Erhalt des „Minsk“. In: Potsdamer Neueste Nachrichten. 27. Dezember 2017, abgerufen am 3. Januar 2018.
  5. Dokumentation der […] Ideenwerksstatt; S. 4
  6. Potsdamer gestalten ihren Vedutenberg. Dokumentation der vom Pro-Brauhausberg e. V. durchgeführten öffentlichen Ideenwerkstatt zur städtebaulichen Entwicklung am und um den Brauhausberg in der Landeshauptstadt Potsdam, am 26.11.2011 im Humboldt-Gymnasium in Potsdam. (pdf-Dokument; 12,5 MB), abgerufen am 16. März 2012