Braunschweiger Ring

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Plan Braunschweigs mit dem erkennbaren Ring
Der Altstadtring mit Bebauung der 1920er Jahre
Blick auf den Rebenpark und Heimbs am Rebenring

Als Braunschweiger Ring oder auch Ring bezeichnet man die mehrspurige Ringstraße rund um den historischen Stadtkern. Während der historische Stadtkern und heutige Stadtbezirk Innenstadt durch die Okerumflut begrenzt wird, schließt der Ring auch Gebiete jenseits der Oker mit ein. Er entstand im 19. Jahrhundert im Zuge der Stadterweiterung. Der Ring ist im Süden jedoch nicht vollständig geschlossen. Da seine Entstehung in der Wilhelminische Zeit begann, wird er auch als Wilhelminischer Ring bezeichnet.

Sein Ausbau erfolgte aber auch noch weit später, und Ergänzungen des Straßenrings folgten bis in die Nachkriegszeit. Die Bebauung erfolgte ebenfalls in dieser Zeitspanne. Besonders seine historistische Bebauung steht zu einem großen Teil unter Denkmalschutz. Der Ring ist einer der prägendsten städtebaulichen Elemente des Braunschweiger Stadtbilds und ist geprägt von starkem Haupt- und Durchgangsverkehr.

Der Ring war namensgebend für die Stadtquartiere Westliches Ringgebiet, Nördliches Ringgebiet und Östliches Ringgebiet. Er ist einer von mehreren Verkehrsringen in Braunschweig, die in etwa konzentrisch verlaufen. Innerhalb des Rings liegen der Cityring und der Wallring, außerhalb das Ringgleis der ehemaligen Ringbahn und schließlich der unvollendet gebliebene Autobahnring.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbauplan von Ludwig Winter aus dem Jahre 1889

An der Entstehung des Braunschweiger Rings war Stadtbaurat Ludwig Winter (1843–1930) maßgeblich beteiligt. Dieser entwarf den Ring im Ortsbauplan der Stadt Braunschweig, nach dessen Planung die Anlage von Straßen und Bebauung ab Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte. Winter konzipierte einen Ring von der Frankfurter Straße bis zum Leonhardplatz. Häufig wurden dabei bestehende Straßen und Gebäude in dieser jungen und in Entstehung befindlichen Außenstadt überplant und mussten weichen.

Während der östliche Teil rasch bebaut wurde und noch nach Winters Ideen umgesetzt wurde, ließ besonders die Entstehung des westlichen Teils auf sich warten, so dass dieser erst in den 1920er und 1930er gebaut wurde und Häuser von 1920 bis 1960 errichtet wurden. Dort verzichtete man aber auf die von Winter geplanten Plätze.

Da der Straßenring auch zu Repräsentationszwecken und zum Flanieren dienen sollte, wurde er als besonders breite Allee angelegt, in deren Mitte ein Gehweg verlief. Mit der steigenden Verkehrszahl und der darauf folgenden mehrspurigen Verbreiterung wurden Gehweg und Alleebäume entfernt. Dadurch erklärt sich die für die damalige Zeit und bis heute erkennbare außergewöhnliche Breite des Rings.

Bei der Benennung der Straßen orientierte man sich ursprünglich, entsprechend ihrer Lage, an den Braunschweiger Weichbilden Altstadt, Sack, Neustadt, Hagen und Altewiek, sowie nach dem ehemaligen Stift St. Cyriakus, dem Braunschweiger Stadtteil Wenden und dem Unternehmer Heinrich Büssing (1843–1929). Die bestehende Rebenstraße wurde zum Rebenring. Dort trugen im September 1874 auf dem so genannten „Kleinen Exerzierplatz“ Schüler des Gymnasiums Martino-Katharineum das erste Fußballspiel auf deutschem Boden aus, unter der Leitung des Pädagogen und Sportpioniers Konrad Koch (1846–1911).

Über die Planungen Winters hinaus plante man anschließend Fortführungen des unvollständigen Rings. Ende der 1950er Jahre erfolgte eine Verlängerung des Rings über den Leonhardplatz zum neuen Bahnhof und weiter zur Wolfenbütteler Straße. Die Lücke zwischen der Humboldtstraße und dem Rebenring wurde ebenfalls geschlossen.

Eine Vervollständigung des Straßenrings war insbesondere in den 1960er und 1970er Jahren zwar geplant und vorbereitet worden, die Realisierung wurde jedoch nicht umgesetzt. So hatte man zwischen der Fabrikstraße und der Theodor-Heuss-Straße bereits eine Trasse für die Fortführung freigelassen. Schließlich widmete man dort eine Teilfläche dem Bau eines Spielplatzes. Insgesamt sollte sie über die Ekbertstraße und durch den Bürgerpark verlaufen.

Unterteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teilstraßen und Plätze des Braunschweiger Rings
(vom Frankfurter Platz im Südwesten ausgehend im Uhrzeigersinn)
f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM | WikiMap
Straße/Platz Bauwerke und Anlagen[Anmerkung 1] Bild
Frankfurter Platz
()
• Kulturdenkmal Wohnhaus Frankfurter Straße 25 Kulturdenkmal Frankfurter Strasse 25
Cyriaksring
()
• Kulturdenkmal Wohnblock Cyriaksring 42–45 Kulturdenkmal Cyriaksring 42–45
Altstadtring
()
• Johannes-Selenka-Platz
Hochschule für Bildende Künste
Hochschule für Bildende Künste
Sackring
()
Hoffmann-von-Fallersleben-Schule Früheres Sackring-Bad
Rudolfplatz
()
Neustadtring
()
• Amalienplatz
Wendenring
()
Wendenringbrücke
Andreasfriedhof
Wendenringbrücke
Rebenring
()
Katharinen- und Garnisonfriedhof (heute Mensapark)
Naturhistorisches Museum
Haus der Wissenschaft
• Zentrum für Systembiologie der Technischen Universität Braunschweig
Naturhistorisches Museum
Hagenring
()
• Chemiezentrum der Technischen Universität Braunschweig Chemiezentrum der TU Braunschweig
Altewiekring
()
• Kulturdenkmal Mars-la-Tour-Kaserne
Altewiekring 70
Altewiekring im Bereich Helmstedter Straße
Leonhardplatz
()
• Literaturzentrum Raabe-Haus
Stadthalle Braunschweig
Raabe-Haus
Willy-Brandt-Platz
()
Viewegs Garten
• Gedenkstätte KZ-Außenlager Schillstraße
• BraWoPark Business Center
• Technisches Denkmal der Dampflokomotive 01 1063
Viewegs Garten
Berliner Platz
()
Braunschweig Hauptbahnhof
• Fernbusbahnhof Braunschweig
Hauptbahnhof
Heinrich-Büssing-Ring
()
Bürgerpark Bürgerpark
  1. Die postalischen Adressen einiger Gebäude und Anlagen entlang des Braunschweiger Rings tragen anderslautende Straßennamen.

Innovationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das selbstfahrende Auto „Leonie“
Der Elektrobus „Emil“ am Hauptbahnhof

Auf dem Braunschweiger Ring testete man mehrfach autonom fahrende Fahrzeuge. 2010 ließ man einen umgebauten VW Passat mit dem Namen „Leonie“ im Rahmen des Projekts Stadtpilot der Technischen Universität Braunschweig im fließenden Verkehr fahren.[1][2]

Mit „Emil“ startete die Braunschweiger Verkehrs-GmbH auf dem Ring induktiv fahrende Linienbusse, die auf der zwölf Kilometer langen Ringlinie fahren. Dazu zählen Fahrzeuge der Reihe Solaris Urbino 12 electric und Solaris Urbino 18 electric. Für den Betrieb wurden an mehreren Haltestellen auf dem Ring Ladestationen gebaut. Seit Ende März 2014 ist ein Solobus in den Linienbetrieb der Ringlinie 419 gegangen. Seit dem 22. Dezember 2014 verkehren induktiv zu ladende E-Gelenkbusse auf der Strecke.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Hodemacher: Braunschweigs Straßen – ihre Namen und ihre Geschichten. Band 2: Zwischen Okergraben und Stadtring. Elm-Verlag, Cremlingen 1996, ISBN 3-927060-12-7.
  • Jürgen Hodemacher: Braunschweigs Straßen – ihre Namen und ihre Geschichten. Band 3: Außerhalb des Stadtrings. Meyer, Braunschweig 2001, ISBN 3-926701-48-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Braunschweiger Ring – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Matthias Breitinger: Autonomes Fahren: Wenn der Computer lenkt. In: Zeit Online. Abgerufen am 7. April 2016.
  2. Führerloses Forschungsfahrzeug: „Leonie“ rollt durch Braunschweig. In: Spiegel Online. Abgerufen am 7. April 2016.
  3. Braunschweiger Verkehrs GmbH: Braunschweig fährt jetzt induktiv!