Burg Nanstein

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Nanstein
Ansicht von Osten

Ansicht von Osten

Alternativname(n): Nannstein
Entstehungszeit: 12. Jahrhundert
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Ruine, teilrestauriert
Ständische Stellung: Ministerialen, Herzöge, Ritter
Ort: Landstuhl
Geographische Lage 49° 24′ 35,3″ N, 7° 34′ 22,6″ O49.4098194444447.5729472222222330Koordinaten: 49° 24′ 35,3″ N, 7° 34′ 22,6″ O
Höhe: 330 m ü. NHN
Burg Nanstein (Rheinland-Pfalz)
Burg Nanstein

Die mittelalterliche Burg Nanstein bei Landstuhl in der Westpfalz (Rheinland-Pfalz) wurde um 1160 durch Kaiser Barbarossa erbaut. Ihre heutige Bekanntheit verdankt sie einem späteren Eigentümer, dem rebellischen Ritter Franz von Sickingen.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Landstuhl mit Burg Nanstein nach Matthäus Merian, 1645

Die Ruine der Höhenburg liegt auf einem 330 m ü. NHN[1] hohen Vorberg am Anstieg zur südlich von Landstuhl beginnenden Hochfläche, die später den Namen Sickinger Höhe erhielt und heute als Nordteil der Südwestpfälzischen Hochfläche zugerechnet wird.

Der Burgberg erhebt sich 80 m über die Stadt. Auf seiner Kuppe trägt er einen mächtigen roten Sandsteinfelsen von zusätzlich 15 m Höhe, der ebenfalls Nanstein heißt und in den Teile der Burg hineingebaut sind.

Geschichte[Bearbeiten]

Errichtung als Sicherungsburg[Bearbeiten]

Die erstmalige urkundliche Erwähnung der Burg, deren Name von dem genannten roten Felsblock hergeleitet wird,[2] datiert aus dem Jahre 1189. Sie gehörte zum heute pfälzischen Teil des staufischen Befestigungssystems, das Kaiser Barbarossa ab etwa 1160 im alten südwestdeutschen Reichsland einrichten ließ. Er bestimmte die Burg nach dem Lehnsrecht zum Sitz für einen Reichsministerialen, also einen seiner Verwaltungsbeamten. Das Lehen fiel im Laufe der Zeit nicht mehr an den Lehnsherrn zurück, sondern wurde erblich. Weil bei späteren Erbgängen das Eigentum nach und nach in kleinere Einheiten aufgeteilt wurde, mussten sich schließlich mehrere Familien die Burg teilen. Der notwendige Wohnraum wurde durch unsystematischen Aus- und Anbau geschaffen. Dadurch litt die Wehrfähigkeit der Anlage.

Ausbau zur Kanonenburg und Zerstörung[Bearbeiten]

Burgherr Franz von Sickingen, zeitgenössische Darstellung

1482 wurde Ritter Schweickhardt von Sickingen als Ganerbe Miteigner der Burg. Seinem Sohn Franz gelang es bis 1518, sie ganz in sein Eigentum zu bringen. In den Folgejahren versuchte er, die Anlage zu einer modernen „Kanonenburg“ auszubauen, die den neu entwickelten Geschützen widerstehen sollte. Dass die Bemühungen vergeblich waren, zeigte sich bald: Nachdem Franz im September 1522 beim Angriff auf das Fürstbistum Trier zurückgeschlagen worden war, musste er sich auf die Burg Nanstein zurückziehen. Diese fiel zum Monatswechsel April/Mai 1523 schon nach zweitägigem Beschuss durch die vereinigten Heere dreier Reichsfürsten, und Franz starb am 7. Mai an den Folgen einer dabei erlittenen schweren Verwundung.

Wiederaufbau und endgültige Zerstörung[Bearbeiten]

Franz von Sickingens Söhne und Enkel bauten die Ruine ab 1543 wieder auf. Um 1600 war ein prächtiges Renaissanceschloss entstanden. Mit der am Fuß des Burgberges liegenden Kleinstadt Landstuhl hatte es eine gemeinsame Stadtmauer, die von beiden Enden des damaligen Ortskerns jeweils etwa 250 m hangaufwärts verlief.[3] Den Dreißigjährigen Krieg überdauerte das Bauwerk unversehrt. Allerdings hatte Karl IV., Herzog von Lothringen, sich das Schloss angeeignet, nachdem das Geschlecht der Sickinger vertrieben worden war. 1668 eroberte es der Landesherr, Pfalzgraf und Kurfürst Karl I. Ludwig, zurück und ließ es sprengen. Zwar wurde es nochmals notdürftig aufgebaut, aber im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 durch die französischen Truppen endgültig zerstört.

Teilrestaurierung[Bearbeiten]

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts sind Heimat- und Geschichtsfreunde um die Freilegung und Erhaltung der Ruine Nanstein bemüht. Teile der Burg konnten wiederhergestellt werden.

Burganlage[Bearbeiten]

Größe und Gliederung[Bearbeiten]

Grundriss

Um 1600 hatte die Burg ihre größte Ausdehnung mit etwa 125 m Länge und fast 100 m Breite. Die heutige Ruine ist knapp 100 m lang und 50 m breit. Die Anlage gliedert sich in eine zentrale Hauptburg und eine mehrteilige Vorburg. 19 Brunnenschächte, aus denen die Burgbewohner mit Wasser versorgt wurden, führten etwa 120 m tief bis hinab auf das Grundwasserniveau.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Treppenturm, 1969 restauriert

Reste der südlichen Vorburg sind das Haupttor, die untere Ringmauer mit Sternwerk und die davon abzweigende Stadtmauer sowie ein Teil der Zwingermauer. Von der nördlichen Vorburg stehen noch die Reste des Wachthauses und der Burgkapelle.

Von Norden führt eine neuere Treppe in die Hauptburg. Vom Burghof aus liegt links der ehemalige Rittersaal. Nach rechts erreicht man durch einen Gewölbegang einen Treppenturm mit der Jahreszahl 1518 und der angeblichen Sterbekammer Franz von Sickingens, die tief in den Nansteinfelsen hineingetrieben ist und in der ständig Wasser von der Decke rinnt. Die Treppenstiege erklimmt eine Plattform mit weitem Ausblick vor allem nach Norden.

Sehenswert sind auch die Küche mit Wappensteinen, das Große Rondell des ehemaligen Batterieturms sowie das Kleine Rondell mit der wappengeschmückten Brunnenschale von 1560 und der Sickingen-Statue aus dem Jahre 1900. Hier soll der Ritter, hinter einer Schießscharte stehend, am 1. Mai 1523 die tödlichen Verletzungen erlitten haben, denen er am 7. Mai erlag.

Freizeitwert[Bearbeiten]

Ausflugsziel[Bearbeiten]

Burg, Innenhof

Die bewirtschaftete Burg ist ein Ausflugsziel, das mit Bausubstanz aus vier Jahrhunderten aufwarten kann. Besonders imposant wirkt der teilweise wieder aufgebaute Batterieturm aus der Zeit Franz von Sickingens. Zudem eröffnet sich von der Höhe der Festung ein weiter Blick über die Westpfälzische Moorniederung und das Nordpfälzer Bergland. Die Zufahrt nach Landstuhl und zu den (ausreichenden) Besucherparkplätzen am Fuße der Burg erfolgt über die Autobahn 6, Anschlussstelle 13 (Ramstein-Miesenbach/Landstuhl).

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Seit 1963 Tradition haben die alljährlichen Burgspiele im Burginnenhof. Auf der Freilichtbühne präsentiert die Theatergruppe der Heimatfreunde Landstuhl oft historische Themen, teilweise auch in Pfälzer Mundart.

Aus Anlass des 475. Todestages Franz von Sickingens 1998 wurde in Landstuhl ein Sickingen-Jahr ausgerufen und dem bekanntesten Sohn der Stadt an seinem Sterbetag eine Gedenkfeier auf der Burg gewidmet.[4] Dabei wurde auch das Siegergedicht des Sickinger Mundartdichter-Wettstreits 1997 vorgetragen,[5] das den Tod des Ritters thematisiert.

Der Nanstein-Berglauf findet seit 1998 jeweils im März statt. Über eine Strecke von 7800 m mit insgesamt 350 Höhenmetern führt er von Landstuhl auf die Burg hinauf. Er ist einer der sieben Läufe zum Pfälzer Berglaufpokal und wird von der LLG Landstuhl veranstaltet.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Walter Herrmann: Auf rotem Fels. Karlsruhe 2004, ISBN 3-7650-8286-4, S. 140–143.
  •  Alexander Thon (Hrsg.): Wie Schwalben Nester an den Felsen geklebt... Burgen in der Nordpfalz. Schnell und Steiner, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1674-4, S. 106–111.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burg Nanstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANDIS-Karte) (Hinweise)
  2. Burg Nanstein – Wahrzeichen der Sickingenstadt. Unnerhaus Kulturclub Landstuhl e. V., abgerufen am 29. Juni 2015.
  3.  Matthäus Merian: Landstuhl mit Burg Nanstein. Kupferstich von 1645.
  4.  Anke Herbert: Landstuhl im Sickingenjahr 98. In: Die Rheinpfalz, Gesamtausgabe. Ludwigshafen, 5. Mai 1998 (Sonderbeilage).
  5. Albert H. Keil: Franz. Verlag PfalzMundArt, abgerufen am 13. August 2014 (1. Preis beim Sickinger Mundartwettstreit 1997).