Sickingen (Adelsgeschlecht)

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Wappen des Geschlechts Sickingen aus dem Scheiblerschen Wappenbuch um 1495

Sickingen ist der Name eines alten südwestdeutschen Adelsgeschlechts. Die Herren von Sickingen gehörten zum Kraichgauer Uradel sowie ab 1797 zum reichsunmittelbaren Hochadel. Das Geschlecht ist 1834 erloschen.

Geschichte[Bearbeiten]

Hennel Landschad von Steinach († 1377) und seine Frau Mia von Sickingen, Epitaph in der Kirche zu Neckarsteinach

Herkunft[Bearbeiten]

Die Familie ist stammesverwandt mit dem erloschenen Geschlecht von Flehingen, die auch ein ähnliches Wappen führten. Nach dem Genealogen Johann Maximilian von Humbracht tritt sie bereits 936 mit Albrecht von Sickingen auf und die Stammreihe beginnt er mit Eberhard, der um 1158 lebte [1].

Erstmals urkundlich erwähnt wird das Geschlecht im Jahr 1289 mit Ludewicus de Sickingen [2]. Das Genealogische Handbuch des Adels beginnt die Stammreihe der Familie mit dem Ritter Reinhard von Sickingen, der von 1295 bis 1309 in Urkunden genannt wird.

Das Geschlecht erlosch mit Graf Joseph 1932 sowie seinen Schwestern Carolina 1945 und Sophia 1954.[3]

Sickingen, das gleichnamige Stammhaus, ist heute ein Teil des Ortsteils Flehingen der Gemeinde Oberderdingen im Landkreis Karlsruhe.

Ausbreitung und Linien[Bearbeiten]

Die Ebernburg, Stammsitz der Linie Sickingen-Ebernburg

Aus dem Geschlecht sind bedeutende Angehörige hervorgegangen, die sowohl in geistlichen als auch in weltlichen Ämtern zu großen Einfluss gelangten. Reinhard von Sickingen war von 1445 bis 1482 Fürstbischof von Worms und Kasimir Anton von Sickingen Fürstbischof von Konstanz von 1743 bis 1750.

Reinhard von Sickingen, der auch der Schwarze Ritter genannt wurde, war zuerst kaiserlicher Landvogt zu Hagenau und 1401 Statthalter in Italien. Sein Sohn Schweicker wurde Oberhofmeister von König Ruprecht von der Pfalz. Er starb 1417. Schweickers Enkel Schweikhardt, kurpfälzischer Großmeister und Oberst, starb 1505 bei Landshut. Sein Sohn Franz von Sickingen (* 1481), Herr auf Sickingen-Sickingenburg, kaiserlicher Rat, Kämmerer und Oberster Hauptmann, war einer der bedeutendsten Vertreter der Familie. Er führte mit Fürsten und Reichsständen und sogar mit Frankreich auf eigene Faust Krieg, in der Hoffnung der Reichsritterschaft eine eigenständige Stellung im Reich neben den Reichsfürsten und Reichsstädten zu geben. Er fiel in einer Fehde gegen den Kurfürsten von Trier 1523. Durch die Kriegszüge konnte er ansehnliche Güter am Mittelrhein erwerben. Seine wichtigsten Burgen waren Landstuhl und die Ebernburg in Bad Münster am Stein-Ebernburg.

Einer seiner Nachkommen, Franz Conrad von Sickingen, kurpfälzischer Marschall, Vitztum von Amberg und kaiserlicher Reichshof- und Reichskriegsrat, hinterließ fünf Söhne, die die Begründer von fünf Zweiglinien wurden. Jürge Wilhelm begründete den Zweig zu Odenbach, Reinhard den zu Landstuhl, Franz den zu Sickingen, Schweickhard den zu Ebernburg und Friedrich den zu Hohenburg im Elsass. Von diesen Linien konnte nur die zu Hohenburg in die neuere Zeit gelangen. Die Linie zu Sickingen teilte sich in einen älteren und jüngeren Ast, wobei der jüngere am 25. November 1834 mit dem Tod des Grafen Franz erlosch. Franz Graf von Sickingen zu Sickingen wurde mit sämtlichen Ästen seines Hauses laut Rezeptionsurkunden vom 7. und 17. Juni 1791 sowie vom 21. Juni und 3. August 1793 in das schwäbische Reichsgrafenkollegium aufgenommen. Am 10. Juni 1791 und am 12. Mai 1792 erfolgte durch schwäbische Kreisschlüsse die Aufnahme in die schwäbischen Kreisstände und wurde durch kaiserliches Hofdekret an das Reichsdirektorium vom 19. Februar 1797 zur Kenntnis der Reichsversammlung gebracht [1].

Franz von Sickingen
(* 1481; † 1523)
Die Hohenburg im Elsass, Stammsitz der Linie Sickingen-Hohenburg

Aus der Linie Sickingen-Hohenburg stammte Ferdinand Hartmann Freiherr von Sickingen-Hohenburg. Er war kaiserlicher Geheimrat und Statthalter zu Freiburg und heiratete 1697 Elisabeth Magarethe Sidonie Gräfin von Pappenheim. Ihr Sohn Johann Ferdinand Sebastian Freiherr von Sickingen-Hohenburg (* 1715; † 1772) wurde kaiserlicher Geheimrat und Präsident der Vorderösterreichischen Ritterschaft. Aus seiner Ehe mit Maria Anna Sophie Freiin von Greiffenklau zu Vollrath stammte Johann Nepomuk Kasimir Graf von Sickingen-Hohenburg (* 1740; † 1795), kaiserlicher Kämmerer und Burgmann zu Friedeberg. Er war seid 1794 verheiratet mit Amalia Freiin Spaeth von Zwiefalten (*1757; †1800). Sowohl Sebastian als auch Kasimir wohnten im Palais Sickingen in Freiburg.[4]

Während des 16. und 17. Jahrhunderts gehörten die Herren von Sickingen zur Reichsritterschaft im Ritterkanton Odenwald des fränkischen Ritterkreises, im 18. Jahrhundert wegen des Besitzes von Sickingen zum Ritterkanton Kraichgau, wegen des Besitzes bzw. Teilbesitzes von Sauerburg, des Hofes Oders (Aders) und Sauerthal zum Ritterkanton Mittelrhein und wegen Köngernheim zum Ritterkanton Oberrhein des rheinischen Ritterkreises. Mitglieder der Zweiglinie zu Sickingen-Schallodenbach waren wegen Schallodenbach, Heimkirchen, Schneckenhausen und Wörsbach im Kanton Niederrhein und wegen des Besitzes von Obenheim (ein Viertel) im Ritterkreis Unterelsass immatrikuliert.[5] Für den Verlust der linksrheinischen Besitzungen Landstuhl, Köngernheim, Ellerstadt, Heimkirchen, Schallodenbach, Schneckenhausen und Anteile an Wartenberg wurde die Familie 1802 durch das früher zur Kartause Buxheim gehörige Dorf Pleß und eine jährliche auf die später württembergische Herrschaften Schussenried und Weißenau redizierte Rente entschädigt.[1]

Standeserhebungen[Bearbeiten]

Die Sauerburg, ab 1672 im Besitz der Herren von Sickingen
Palais Boisserée in Heidelberg, errichtet als Adelshof der Familie von Sickingen

Aus der Linie Hohenburg erhielt Ferdinand Hartmann von Sickingen-Hohenburg auf Hohenburg, kaiserlicher Rat und Statthalter, am 17. Mai 1706 zu Wien den Reichsfreiherrenstand und am 10. Februar 1711 das ungarische Indigenat. Seine Enkel, die Brüder Kasimir Ferdinand auf Hohenberg, k.k. Kämmerer, und Ferdinand Adam, Freiherr von und zu Sickingen-Hohenburg, erhielten am 19. Februar 1790 den Reichsgrafenstand mit der Anrede Hoch- und Wohlgeboren und eine Wappenbesserung. Kasimir Ferdinand Graf von und zu Sickingen-Hohenburg wurde am 3. August 1793 in das schwäbische Reichsgrafenkollegium aufgenommen und bei der Vorderösterreichischen Reichsritterschaft im Breisgau immatrikuliert.

Aus der Linie Sickingen wurde Schweickard von Sickingen, kaiserlicher Rat, am 1. Februar 1623 zu Regensburg in den Reichsfreiherrenstand mit von und zu Sickingen erhoben. Sein Enkel Franz Freiherr von und zu Sickingen auf Sickingen, Landstuhl, Sauerthal und Sien, kaiserlicher Rat, kurpfälzischer Geheimrat und Kammerpräsident, erhielt am 23. August 1706 den niederösterreichischen Alten Herrenstand. Dessen Sohn Damian Freiherr von und zu Sickingen, kaiserlicher Kämmerer, Wirklicher Geheimer Rat, Feldmarschall und Gouverneur von Böhmen, erhielt am 28. Januar 1723 das böhmische Inkolat im Herrenstand und die Brüder Karl Anton und Joseph Karl Ferdinand Freiherr von und zu Sickingen am 2. Mai 1735.

Aus dem Zweig Landstuhl der Sickinger Linie wurde am 5. März 1753 Karl Anton Freiherr von und zu Sickingen und Landstuhl, Schallodenbach und Sauerberg, kurfürstlich pfälzischer Kammerherr, Geheimrat, Vizeoberstallmeister und Oberamtmann zu Bretten und Kaiserslautern in den Reichsgrafenstand mit der Anrede Hoch- und Wohlgeboren und einer Wappenbesserung erhoben. Sein Bruder Joseph Karl Ferdinand Freiherr von und zu Sickingen auf Sickingen und Köngernheim, k.k. Kämmerer und Hauptmann im Ruhestand, kurfürstlich pfälzer Kämmerer, Wirklicher Geheimer Rat und Oberamtmann zu Bretten aus dem Zweig Sickingen der sickinger Linie erhielt den Reichsgrafenstand mit Hoch- und Wohlgeboren und einer Wappenbesserung am 26. Dezember 1784 zu Wien. Am 4. April 1785 erfolgte für ihn eine kurfürstlich pfalzbayerische Ausschreibung. Sein Sohn Franz Graf von und zu Sickingen auf Pleß bei Memmingen wurde am 12. Mai 1797 in das schwäbische Reichsgrafenkollegium aufgenommen.

Wappen[Bearbeiten]

Wappendarstellung im Ingeram-Codex

Stammwappen[Bearbeiten]

Das Stammwappen zeigt in Schwarz fünf (2, 1, 2) silberne Kugeln (auch Schneeballen). Auf dem Helm mit schwarz-goldenen Helmdecken ein goldener Schwanenhals besteckt mit drei roten Kugeln, die mit je drei schwarzen Hahnenfedern besteckt sind.

Der in Blasonierungen und bei Siebmacher erscheinende rote Schildrand ist nach Otto Hupp erst später als „verschlechternder“ Zusatz hinzugefügt worden [6].

Gräfliche Wappen 1773 und 1790[Bearbeiten]

Die reichsgräflichen Wappen, verliehen 1773 und 1790, zeigen den Stammschild mit einer Grafenkrone und einem hermelingefütterten (1773) bzw. silbergefütterten (1790) roten Wappenmantel mit goldenen Quasten und Fransen.

Gräfliches Wappen 1784[Bearbeiten]

Der Wappenschild des 1784 verliehenen reichsgräflichen Wappens ist identisch mit dem Stammschild. Als Schildhalter zwei einwärtssehende flugbereite schwarzbewehrte goldene Schwäne, deren Hälse jeweils mit drei roten Kugeln besetzt sind, jede mit drei schwarzen Hahnenfedern besteckt. Auf dem Schild eine Grafenkrone mit einem silbergefütterten roten Wappenmantel mit goldenen Quasten und Fransen.

Kommunalwappen[Bearbeiten]

Farben und Elemente, insbesondere die fünf Kugeln, aus dem Wappen der Familie Sickingen erscheinen noch heute in vielen Kreis-, Stadt- und Gemeindewappen des früheren Territoriums der Sickinger.

Herrschaft Sickingen[Bearbeiten]

Die Herrschaft Sickingen war gegliedert in das Großgericht und das Kleingericht.[7]

Zum Großgericht gehörten die Orte Bann, Harsberg, Hermersberg, Horbach, Kindsbach, Krickenbach, Linden, Queidersbach, Weselberg und Zeselberg.

Zum Kleingericht gehörten die Orte Gerhardsbrunn, Hauptstuhl, Kirchenarnbach, Knopp, Langwieden, Martinshöhe, Mittelbrunn, Mühlbach, Oberarnbach, Obernheim, Scharrhof und Schauerberg,

Namensträger[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon Band 8, Seite 485-486.
  2. Detlev Schwennicke (Hrsg.): Europäische Stammtafeln NF 11 (1986), Tafel 61
  3. Detlev Schwennicke (Hrsg.): Europäische Stammtafeln NF 11 (1986), Tafel 68
  4. Manfred Gallo: Freiburg Mitte: Domizil der badischen Großherzöge, Badische Zeitung, 21. Februar 2011, Zugriff am 31. Juli 2011
  5. Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. C.H. Beck, München 2007; ISBN 9783406549861, Seite 661
  6. Otto Hupp: Münchener Kalender 1903. Seite 30
  7. Michael Frey: Versuch einer geographisch- historisch-statistischen Beschreibung des königl. bayer. Rheinkreises, Band 4, F.C. Neidhard, 1837, S. 178 (Googe Books)
  8. Sauerthal Regionalgeschichte.net

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Joachim Bechtoldt: Wappensiegel der Sickinger. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, 34. Jg., 2008, S. 129-167 [nicht ausgewertet]
  • Michael Benz: Sickingen – Bildnisse. G. Peschke GmbH Druckerei, München 1985 [nicht ausgewertet]
  • Joachim P. Heinz: Der Reichsdeputationshauptschluss (1803) und die Auflösung der pfälzischen Grafschaften Wartenberg, Sickingen und von der Leyen. In: Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz, 111. Bd., 2013, S. 185-265 [nicht ausgewertet]
  • Otto Hupp: Münchener Kalender 1903. Buch u. Kunstdruckerei AG, München / Regensburg 1903.
  • Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Band 8, Friedrich Voigt's Buchhandlung, Leipzig 1868, Seite 485-486. (Digitalisat)
  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XIII, Band 128 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 2002, ISSN 0435-2408

Weblinks[Bearbeiten]