Burgstall Vogelsburg

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Burgstall Vogelsburg
Die Vogelsburg vor dem Dorf Nordheim. Die Weinbergswege um das Kloster kennzeichnen noch heute die mittelalterlichen Befestigungen

Die Vogelsburg vor dem Dorf Nordheim. Die Weinbergswege um das Kloster kennzeichnen noch heute die mittelalterlichen Befestigungen

Entstehungszeit: Befestigung vorgeschichtlich, Burg mittelalterlich
Burgentyp: Höhenburg, Abschnittsbefestigung
Erhaltungszustand: Abgegangen, Wälle und ein Graben erhalten
Ständische Stellung: Könige, Reichsgrafen
Ort: Volkach-Vogelsburg-„Escherndorfer Berg“
Geographische Lage 49° 52′ 2,3″ N, 10° 11′ 0,2″ OKoordinaten: 49° 52′ 2,3″ N, 10° 11′ 0,2″ O
Höhe: 275 m ü. NHN
Burgstall Vogelsburg (Bayern)
Burgstall Vogelsburg

Der sogenannte Burgstall Vogelsburg ist eine ehemalige Befestigung an der Volkacher Mainschleife. Der Ort war bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit befestigt und wurde im Mittelalter weiterhin als Burganlage genutzt, bevor man ihn im 13. Jahrhundert zu einem Kloster umwandelte. Noch heute befindet sich an der Stelle der Burg das Kloster Vogelsburg.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ehemalige Abschnittsbefestigung befindet sich etwa 2,5 km von der Pfarrkirche in Astheim entfernt. Von der Johanneskirche in Escherndorf sind es dagegen nur ungefähr 0,8 km. Die heute erhaltenen Reste des Klosters erheben sich an der schmalsten Stelle einer Flussschlinge, der sogenannten Mainschleife, auf dem Bergrücken des Vogelbergs mit etwa 275 m ü. NHN Höhe. Die Entfernung zwischen den, zu beiden Seiten befindlichen, Flussufern des Mains beträgt nur etwa 0,4 km.

Im Norden und Süden umgeben deshalb Steilhänge die Burgreste. Etwa 90 m Geländeabfall ist hier bis zum Main zu überwinden. Im Westen ist der Berg eben mit der sich anschließenden Hochfläche verbunden. Ein flacher Gleithang leitet im Osten in Richtung des Dorfes Astheim über. Die steilen Hänge der Südseite werden heute für den Weinbau genutzt, im Norden erheben sich Mischwälder. Die Staatsstraße St 2260 führt nahe an der Vogelsburg vorbei. Die ehemaligen Befestigungsanlagen befinden sich auf der Flur Escherndorfer Berg.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Befestigungen des Berges sind aus dem 2. Jahrtausend vor Christus überliefert. Ab diesem Zeitpunkt überdauerten die Anlagen mehrere Kulturen, sie wurden immer weiter verstärkt und ausgebaut. Das Ende kam im 13. Jahrhundert, wobei bereits zuvor der Verfall der Burg eingesetzt hatte.

Vor- und Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früheste Spuren der Besiedlung des Vogelbergs stammen aus dem Paläolithikum. Bei Weinbergsarbeiten kamen einige Schaber aus dieser Zeit zutage. Vor allem die Jungsteinzeit brachte viele Funde der sogenannten Bandkeramiker hervor. Auch die Michelsberger Kultur besiedelte den Berg. Hier tauchten vor allem Tonteller und Scherben auf. Waffen lieferten die Erdschichten der sogenannten Schnurkeramiker, so grub man Streitäxte und Trapezbeile aus.

Eine erstmalige Befestigung des Berges passierte wohl in der späten Kupferzeit oder der frühen Bronzezeit. Um 1500 v. Chr. errichtete man frühe Stein- und Holzpalisaden, sodass die Abschnittswälle in ihrer Grundform entstanden.[2] Eine zweite, umfangreichere Anlage von Befestigungen nahmen die Menschen der Urnenfelderzeit vor. Eine Wehrmauer wurde erbaut. Zusätzlich verstärkte man sie durch Holzroste mit Erdeinfüllungen.

Um 400 v. Chr. eroberten die Kelten das Mainschleifengebiet und übernahmen die Befestigungen von den Vorgängerkulturen. Die letzte Welle der Besiedlung nahmen der germanische Großstamm der Franken vor. Im fünften Jahrhundert nach Christi Geburt erreichten sie den Vogelsberg und befestigten ihn umgehend. Ähnlich wie der Staffelberg, der Schwanberg und der Würzburger Marienberg wurde er in eine Festung umgewandelt, die den fränkischen Vorstoß sichern sollte.[3]

Königshof und Kloster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bald wurde der Berg, der zum fränkischen Krongut gehörte, in eine „villa regia“, ein Königsgut umgewandelt. Die Position als ein „Flaschenhals“ der fränkischen Besiedlung wurde weiter gesichert und ausgebaut. Eventuell übernahm die Vogelsburg mit ihrer Kapelle auch die Funktion einer Pfarrkirche an der Mainschleife, da sie bereits in der Antike Kultstätte gewesen ist. Spätestens im 8. Jahrhundert büßte die Burg jedoch diese Position gegenüber Maria im Weingarten ein.

Mit der Herrschaft der Karolinger rückte die Vogelsburg an den Rand der Verwaltungseinheiten am Main. Keine wichtige Straße führte fortan an der Befestigung vorbei, weshalb der Verfall der Befestigungen einsetzte. Ab 742 wurde die Burg Teil des Volkfeldgaus, der sich östlich des Mains am namensgebenden Fluss Volkach ausbreitete. Sie wird nun mit einem Vogt versehen und zur Gauburg des Volkfelds umgewandelt.

In den Jahren 896-899 wurde dann das Königsgut verschenkt. Empfänger war das Kloster Fulda, das die Burg von Kaiser Arnulf von Kärnten erhielt. Im Jahr 906 wurde diese Schenkung dem Kloster erneut bestätigt. Ludwig das Kind gab damit seinen Besitz „fugalespurc cum capella“ endgültig an das Kloster weiter.[4] Im 11. Jahrhundert tauchte dann das Gotteshaus erneut in den Quellen auf, es wurde vom Fuldaer Mönch Eberhard als Kirche (ecclesia) bezeichnet.

Das 11. und 12. Jahrhundert war gleichzeitig mit dem Aufstieg der Grafen von Castell verbunden. Sie rissen die verfallende Burg an sich und errichteten an ihrer statt ein Kloster. 1282 bestückte Graf Hermann den Berg mit einigen Mönchen der Karmeliten und stiftete so eines der frühesten Klöster dieses Ordens in Deutschland. Lediglich zur Grenzziehung der Markung wurden die alten Burgmauern verwendet. Das eigentliche Klosterareal umfasste danach einen wesentlich kleineren Bereich.[5]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ehemaligen Abschnittswälle im Osten und Westen des Gebiets ziehen sich auf einer Länge von insgesamt mehr als 400 m hin. Ihre Breite beträgt hingegen nur 80-100 m. Im Osten überschneiden sich Wallreste teilweise mit dem heutigen Klosterareal, die Wallhöhe beträgt hier innen 0,6 m. Im Nordwesten ragen die Wälle noch 4,4 m in die Höhe und nehmen im Südwesten noch bis auf 6,6 m zu. Innen weisen sie lediglich 4,3 m beziehungsweise 0,2 m auf.[6]

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege ordnet die erhaltenen Reste der Befestigungen als Bodendenkmal unter der Nummer D-6-6127-0091 ein.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Bauer: Landkreis Kitzingen. Ein Kunst- und Kulturführer. Marktbreit 1993.
  • Hermenegild Maria Biedermann: Vogelsburg, Escherndorf, Köhler. Regensburg 1982.
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern I: Franken. München und Berlin 1999.
  • Herbert Meyer: Die Vogelsburg- Mitte einer gesegneten Landschaft. In Ute Feuerbach (Hrsg.): Unsere Mainschleife. 1993-2007. Volkach 2008.
  • Christian Pescheck: Die Vogelsburg in der Volkacher Mainschleife. Würzburg 1971.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pescheck, Christian: Die Vogelsburg in der Volkacher Mainschleife. S.13.
  2. Biedermann, Hermengild Maria: Vogelsburg, Escherndorf, Köhler. S.2.
  3. Meyer, Herbert: Die Vogelsburg- Mitte einer gesegneten Landschaft. S.40.
  4. Bauer, Hans: Landkreis Kitzingen. S.18.
  5. Pescheck, Christian: Die Vogelsburg in der Volkacher Mainschleife. S.41.
  6. Pescheck, Christian: Die Vogelsburg in der Volkacher Mainschleife. S.13.
  7. Geodaten: Denkmalnummer D-6-6127-0091, abgerufen am 14. Februar 2014.