Business Crime Control

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Business Crime Control
Rechtsform Eingetragener Verein
Gründung 1991
Sitz Maintal
Aktionsraum Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg, Liechtenstein
Schwerpunkt Wirtschaftskriminalität
Mitglieder 240
Website www.businesscrime.de

Business Crime Control e. V. (BCC) ist ein gemeinnütziger Verein, der sich mit den Themenfeldern Wirtschaftskriminalität und Korruption beschäftigt. Der Verein fungiert als Politiknetzwerk und Plattform von investigativen Journalisten, Publizisten, Autoren und Forschern im Bereich der Wirtschaftskriminalität.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BCC wurde 1991[1] gegründet und zählte im Jahr 2009 nach eigenen Angaben etwa 240 Mitglieder. BCC ist vorwiegend im deutschsprachigen Raum verbreitet. Der Verein hat aber auch Mitglieder in mehreren EU-Mitgliedstaaten. Gründungsvorsitzender und seit Juni 2011 Ehrenvorsitzender ist Hans See. Dem Vorstand gehören an: Erich Schöndorf, Vorsitzender seit 2011, sowie Victoria Knopp (Schriftführerin), Hildegard Waltemate (Kassiererin), Peter Menne, Hans Möller, Carsten Mohr und Hans Scharpf [2]. Von Mai 2007 bis Mai 2009 war der Kölner Autor und Publizist Werner Rügemer Vorsitzender.

Zu den Gründungsmitgliedern gehörten:

Das Erscheinen des Buches Kapital-Verbrechen - Die Verwirtschaftung der Moral (Hans See, 1990) gilt als ein Auslöser zur Gründung von BCC. Der Verein ist älter als die 1993 gegründete und sich auf Korruption konzentrierende Organisation Transparency International (TI), und hat, trotz einiger personeller Überschneidungen und der größeren Aufmerksamkeit, die die Medien TI schenken, stets das Ziel verfolgt, besonders die illegalen und illegitimen Praktiken und den Machtmissbrauch der Wirtschaft in den Mittelpunkt der Aufklärungsarbeit zu stellen. Anders als bei Transparency International sind an der Finanzierung von BCC weder staatliche oder halbstaatliche Organisationen beteiligt, noch können Wirtschaftsunternehmen BCC-Mitglied werden. Der Verein finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und gelegentliche Überweisungen von Bußgeldern. Er wird durch ehrenamtliche Tätigkeit getragen.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Gründer Hans See wurde für sein sozialökologisches Engagement die Goldene Schwalbe der ÖDP verliehen. Am 18. November 2007 erhielt Business Crime Control in München den Golden Award of Change der Künstlerin Lucia Dellefant.[3][4]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Mitgliedern und Förderern von BCC zählen u. a. Stephan Hessler, Martin Keßler, Helmut Kramer, Ingo Müller, Jürgen Roth, Werner Rügemer, Dieter Schenk, Erich Schöndorf, Andreas Teufer, Uwe Dolata, Hans Scharpf und Jean Ziegler.

Vereinszweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Wirtschaftskriminalität, über die BCC auf sozialwissenschaftlicher Grundlage aufklärt, gehören nicht nur Straftatbestände, wie sie in Deutschland im Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) aufgelistet sind und sonstige, welche dem Wirtschaftsstrafrecht zugeordnet sind. Neben bekannten illegalen Praktiken wie Korruption, Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Amtsmissbrauch, Kartellbildung mit Preisabsprachen, Angebotsmanipulation, Insidergeschäfte, Anlagebetrug und Umweltzerstörung, kritisiert der Verein auch bislang legale wirtschaftliche Praktiken, die Individuen, Gesellschaft und Gemeinwesen schädigen. Des Weiteren Geschäftspraktiken, die bislang von Gesetzen nicht erfasst werden, wie Nahrungsmittelspekulation, profitgetriebene Entlassung von Arbeitnehmern und Scheingeschäfte.

Der Verein gibt die Zeitschrift BIG Business Crime. Theorie, Praxis und Kritik der kriminellen Ökonomie heraus, die vierteljährlich erscheint. Verantwortliche Redakteurin ist Victoria Knopp. Mitherausgeber (neben BCC e.V.) sind Stephan Hessler, Jürgen Roth, Manfred Such, Otmar Wassermann und Jean Ziegler. Die Fachzeitschrift erscheint seit 2005; zuvor erschien seit 1992 Business Crime - Sozialökologische Demokratie statt Wirtschaftsverbrechen, was als Mitgliederzeitschrift konzipiert war und von Hans See redigiert wurde, der auch BIG Business Crime bis Anfang 2009 redigierte.

Laut Satzung sieht BCC seine Aufgaben in:

  • der Förderung der wissenschaftlichen Erforschung der Ursachen, Strukturen, sozialer, politischer, ökologischer, aber auch immaterieller Folgeschäden von Wirtschaftskriminalität
  • Bildung und Fortbildung
  • Aufklärung der Bevölkerung über wissenschaftliche Erkenntnisse und Probleme
  • Unterstützung von Recherchen und Veröffentlichungen über den Missbrauch von Wirtschaftsmacht
  • Politikberatung und dem Aufzeigen von Möglichkeiten der Vermeidung und Bekämpfung von Wirtschaftsverbrechen im weitesten Sinne.

Auch wenn BCC prinzipiell politisch und ideologisch ungebunden und offen ist, lässt sich eine Grundhaltung erkennen, die sich zwischen den Eckpfeilern Humanismus, konsequenter Demokratie und demokratischem Sozialismus bewegt.

Erfolge / Wirksamkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelne Mitglieder leisteten wesentliche Beiträge zur Aufdeckung und Skandalisierung von Korruption, Amtsmissbrauch und Veruntreuung. Konkrete Beratung leistet der Verein für Opfer von Wirtschaftskriminalität - vor allem für Arbeitnehmer, Selbständige und kleine und mittelständischer Unternehmer -, die von Arbeitgebern, Banken, Versicherungen oder Konkurrenten mit illegalen Mitteln ruiniert worden waren. Für das Jahr 2009 hat BCC sein Hauptaugenmerk auf das Thema Arbeits-Unrecht [5] gelegt.

BCC leistete in den 1990er Jahren Beiträge, Wirtschaftskriminalität als wissenschaftliches und publizistisches Dauerthema zu etablieren. In einem Sammelband der BCC-Gründer Hans See und Dieter Schenk beleuchtete BCC-Mitglied Erich Diefenbacher bereits 1992 zum ersten Mal die Funktionsweise Liechtensteiner Stiftungen bei Geldwäsche und ähnlichen Transaktionen. Im Oktober 1996 fand in Frankfurt am Main ein von BCC (zusammen mit der FH Frankfurt) veranstalteter Kongress zum Thema Wirtschaftskriminalität - Kriminelle Wirtschaft statt, der durch einen von Hans See und Eckart Spoo herausgegebenen gleichnamigen Sammelband (Heilbronn 1997) dokumentiert ist. Werner Rügemer war der erste Autor, der Zusammenhänge im Skandal um die Kölner Müllverbrennungsanlage publizierte.[6] Jürgen Roth setzte in seinen Veröffentlichungen das Thema Mafia in Deutschland auf die Tagesordnung.

Dieter Schenk hat durch seine Veröffentlichungen zur NS-Kontinuität im 1951 neu gegründeten Bundeskriminalamt (BKA) erheblich dazu beigetragen, dass sich die Behörde im Jahr 2007 erstmals kritisch mit ihrer Gründungs- und Vorgeschichte befasst hat [7] [8].

Ab dem Jahr 2000 gelangte durch Tätigkeit von BCC-Mitgliedern die Praxis des Cross-Border-Leasings (CBL) in Deutschland zunächst ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Aufgrund des wachsenden, auch von BCC (zusammen mit attac und Anderen z. B. in Frankfurt am Main) organisierten Widerstandes wurde in den Folgejahren die Praxis des CBL weitgehend eingestellt.

Presse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Legal, illegal, scheißegal“, Interview mit Peter Menne im Gefolge der Panama Papers in den NachdenkSeiten vom 9. Juni 2016
  • Unternehmer-Lobby reagiert sehr zurückhaltend auf das Thema Korruption, Interview mit Werner Rügemer (Business Crime Control), VDI nachrichten, Düsseldorf, 9. Mai 2008 [9]
  • Fluchtburg Liechtenstein – Das Geldversteck der Reichen, TV-Dokumentation von Herbert Klar und Ulrich Stoll, ZDF / Frontal21, ausgestrahlt am 25. März 2008, u. a. mit einem Interview mit Werner Rügemer.[10]
  • Rechtsfreie Wirtschaft – Business Crime Control im Ehrenamt, Reinhard Jellen in junge Welt, 20. November 2007 [4]
  • Großer Auftrieb – Medienmeute durchwühlt den „Sachsen-Sumpf, TV-Feature, NDR3 / Zapp, ausgestrahlt am 27. Juni 2007 [11]; vgl. dagegen Michael Bartsch: Aufgebauschte Berichterstattung – Sachsensumpf war nur ein Tümpel – taz vom 24. Juni 2008
  • Krank, verschwiegen, verschworen von Werner Rügemer in Freitag am 1. Oktober 2004 [12]
  • Ein Kämpfer gegen den Staat im Staat – Hans See will weiter Wirtschaftskriminellen das Handwerk legen, Sascha Zoske in FAZ, 18. Juni 2002 [13]
  • Kapital-Verbrechen auf der Spur – ein privater Verein kämpft gegen kleine und große Wirtschaftskriminelle, Herbert Stelz in Die Zeit, Nr. 39, 22. September 1995 [14]
  • Blinder Fleck – Ein deutscher Professor hat einen Verein gegen mafiose Praktiken in der Wirtschaft gegründet, aus Der Spiegel Nr. 23/1991 [1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Blinder Fleck. In: Der Spiegel. Nr. 23, 1993 (online).
  2. BCC-Homepage, abgerufen am 17. Februar 2017
  3. Golden Award of Change für BCC, abgerufen am 13. Mai 2008
  4. a b Artikel in junge Welt, abgerufen am 13. Mai 2008
  5. Arbeits-Unrecht in Deutschland - Konferenz am 14. März 2009
  6. 600.000 Müll-Tonnen - MVA-Deal, Kölner StadtRevue 10/1995, abgerufen am 13. Mai 2008
  7. Das BKA diskutiert seine Geschichte, Einführungsvortrag von BKA-Präsident Jörg Ziercke am 8. August 2007 in Wiesbaden, abgerufen am 27. Mai 2008
  8. Die braunen Wurzeln des BKA (Memento vom 30. Juli 2012 im Internet Archive), netzeitung, 8. August 2007, abgerufen am 27. Mai 2008
  9. Unternehmer-Lobby reagiert sehr zurückhaltend auf das Thema Korruption, VDI nachrichten, abgerufen am 13. Mai 2008
  10. Fluchtburg Liechtenstein, Artikel zur Dokumentation, abgerufen am 13. Mai 2008
  11. Großer Auftrieb Artikel zur Dokumentation, abgerufen am 13. Mai 2008
  12. Krank, verschwiegen, verschworen in Freitag, abgerufen am 13. Mai 2008
  13. Kopie des Print-Artikels der FAZ, abgerufen von www.wirtschaftsverbrechen.de am 13. Mai 2008
  14. Kopie des Print-Artikels von Die Zeit, abgerufen von www.wirtschaftsverbrechen.de am 13. Mai 2008
  15. Ganz die alte "Führerschule", Buchrezension, die tageszeitung, 5. März 2002, abgerufen am 27. Mai 2008