Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte

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Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte e. V.
Logo Cap Anamur.jpg
Rechtsform eingetragener Verein
Gründung 1979
Gründer Rupert Neudeck, Christel Neudeck
Sitz Köln, DeutschlandDeutschland Deutschland
Personen Vorstand:
  • Werner Strahl
  • Werner Höfner
  • Mathias Lindstedt
Aktionsraum weltweit
Schwerpunkt medizinische Nothilfe, Bildung, Bau
Methode Hilfe zur Selbsthilfe
Budget 4,68 Mio. Euro (Ausgaben 2015)[1]
Angestellte 27 (Jahresdurchschnitt 2015)[1]
Motto Radikale Humanität
Website www.cap-anamur.org
Fluchtboot, das Ende April 1984 von der Cap Anamur im südchineschen Meer aufgefunden wurde. Heute steht es als Denkmal in Troisdorf
Gedenkstein in Hamburg mit Danksagung der vietnamesischen Flüchtlinge

Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte e. V. ist eine deutsche humanitäre Hilfsorganisation in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins. Der Verein leistet medizinische Versorgung Hilfebedürftiger in verschiedenen Regionen und Krisenherden weltweit. Im Zentrum der Projekte steht zudem die Weiterbildung des medizinischen Personals vor Ort sowie Baumaßnahmen zur Instandsetzung medizinischer Einrichtungen und Schulen. Der Verein entstand aus dem Hilfskomitee Ein Schiff für Vietnam, das 1979 durch die Rettung Tausender vietnamesischer Flüchtlinge, der sogenannten Boatpeople, mit der zum Hospitalschiff umgebauten Cap Anamur weltweit bekannt wurde.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Fokus stehen die medizinische Versorgung Hilfsbedürftiger, die Weiterbildung des lokalen Personals und der Bau und die Instandsetzung von medizinischen Einrichtungen und Schulen. Das Konzept von Cap Anamur stellt auf nachhaltig wirksame Hilfe in Krisenregionen ab (Hilfe zur Selbsthilfe). Die einheimische Bevölkerung wird weitgehend in die Einsätze einbezogen. Nach Rückzug der deutschen Mitarbeiter werden die Projekte von den ortsansässigen Mitarbeitern selbst weitergeführt. Bis Juli 2016 war Cap Anamur in über 60 Ländern vertreten. Die aktuellen Projekte (siehe unten) finden in neun Ländern statt, die Cap Anamur mit rund 30 Krankenhäusern und Gesundheitsstationen mit Personal, technischen Geräten und Medikamenten unterstützt. Diese liegen in Afrika, im Nahen Osten und in Asien.

Grundsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Abschnitt bedarf einer Überarbeitung: Hier ist eine Enzyklopädie und nicht die Website des Vereins?! Bitte enzyklopädischen Stil herstellen und WP:Belege Genüge tun, danke. --GUMPi (Diskussion) 21:47, 8. Feb. 2017 (CET)
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  • Wir helfen Menschen in Not möglichst schnell, unbürokratisch und flexibel. Wir fühlen uns dem Grundsatz der radikalen Humanität verpflichtet.
  • Uns ist bewusst, dass wir mit unserer Arbeit Anteil am Schicksal von Menschen nehmen. Mit unserer Arbeit erfüllen und erwecken wir Erwartungen. Unsere Arbeit in den Projekten ist eine Arbeit auf Zeit.
  • Wir stimmen unsere Aktivitäten eng mit den Bedürftigen und den lokalen Autoritäten ab und arbeiten streng bedarfsorientiert.
  • Wir verfolgen das Ziel, die Eigeninitiative der Menschen und Organisationen vor Ort zu stärken und zur Selbsthilfe überzuleiten.
  • Wir helfen notleidenden Menschen – ungeachtet ihrer ethnischen, religiösen und politischen Zugehörigkeit.
  • Wir tragen dazu bei, die lokale Infrastruktur zu verbessern, indem wir zukunftsorientierte Ausbildungsprogramme entwickeln und dabei berufserfahrene Mitarbeiter einsetzen.
  • Ein Hilfsprojekt endet für uns nicht nach der operativen Phase. Auch danach schauen wir hin und bemühen uns aktiv um eine nachhaltige Qualitätssicherung.
  • Wir sind offen für Ideen und Innovationen der Menschen vor Ort. Wir verstehen uns als Lernende – auch in dem, was wir geben.
  • Uns ist bewusst, dass wir Veränderungen anstoßen und uns dabei selbst verändern. Niemand geht aus einem Projekt so heraus, wie er hineingegangen ist.
  • Wir arbeiten mit Nichtregierungsorganisationen zusammen, die unsere Grundsätze teilen.
  • Bei jeder Sofort- oder Nothilfe behalten wir im Auge, wie sich daraus eine Entwicklungszusammenarbeit ergeben kann.
  • Politisch unabhängig zu sein bedeutet nicht, unpolitisch zu sein. Unser Engagement für Verfolgte und Unterdrückte bringt uns zwangsläufig in Konflikt mit den Verfolgern und Unterdrückern. Politische Aufmerksamkeit ist eine Grundvoraussetzung für unsere Arbeit, denn nur mit ihrer Hilfe lassen sich Gefahrensituationen vermeiden.
  • Wir entscheiden selbst über Ort, Dauer und Umfang unserer Einsätze. Daher ist die Unabhängigkeit sowohl von öffentlichen Finanzmitteln, als auch von wirtschaftlichem Sponsoring eine zentrale Voraussetzung für unsere Arbeit.
  • Eine sorgfältige Verwendung unserer Mittel sowie Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit und unseren Spendern sind für uns essenziell.
  • Gute Arbeit und sparsames Wirtschaften sind für uns die beste Öffentlichkeitsarbeit.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cap Anamur finanziert seine Einsätze überwiegend aus privaten Spenden. Während der Ebolafieber-Epidemie 2014 beantragte die Hilfsorganisation erstmals eine Projektunterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) für den Bau einer Isolierstation und wurde mit rund 231.000 Euro bezuschusst. 2015 erhielt sie rund 138.000 Euro Zuschüsse von der GIZ.[1]

2015 betrugen die Gesamtausgaben 4,68 Millionen Euro bei Gesamteinnahmen in Höhe von 4,39 Millionen Euro, davon rund 86 % Spenden. Rund 94 % der Ausgaben gingen in Form von Hilfsgütern, Baumaterial und Personal an die Projekte, 4 % fielen für Öffentlichkeitsarbeit und rund 2 % als Verwaltungskosten an. Die fünf Mitarbeiter der Geschäftsstelle in Köln sowie alle entsandten Mediziner und Techniker arbeiten hauptamtlich; 2015 wurden im Jahresdurchschnitt insgesamt 27 Mitarbeiter beschäftigt.[1]

Verein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner Strahl, Vorstandsvorsitzender (2011)

Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte ist ein beim Amtsgericht Köln eingetragener gemeinnütziger Verein. Nachdem sich Rupert Neudeck aus dem Vereinsvorstand zurückgezogen hatte, wurde im Dezember 2002 Elias Bierdel neuer Vorsitzender, der 2004 wegen einer politisch umstrittenen Rettungsaktion in Italien nicht wiedergewählt wurde. Im Oktober 2004 wurde er von Edith Fischnaller als Vorsitzende des Vereins abgelöst. Seit September 2012 wird dieses Amt von dem Essener Kinderarzt Werner Strahl ausgeübt. Sein Engagement wurde im Dezember 2016 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (Verdienstkreuz 1. Klasse) geehrt.[2] Seit 2004 ist Bernd Göken der Geschäftsführer. Mitglieder im Förderkreis des Vereins sind bzw. waren u. a. Alfred Biolek, Bruno Ganz, Norbert Blüm, Helmut Schmidt und Peter Scholl-Latour. Die Organisation besitzt das DZI Spenden-Siegel.[3] Diese stuft die Ausgaben für Verwaltung und Werbung als niedrig ein. Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte ist Unterzeichner der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gemeinnützige Verein entstand 1979 aus dem Hilfskomitee Ein Schiff für Vietnam. Als 1975 Vietnam unter kommunistischer Herrschaft wiedervereinigt wurde, wurden Menschen, die zuvor die Republik Vietnam unterstützt hatten, in sogenannte Neue Ökonomische Zonen (Umerziehungslager) geschickt. 2,5 Million Menschen wurden eingesperrt. Die Flucht in Nachbarländer Laos, Kambodscha oder China war aus politischer Sicht keine Option, weswegen 1,6 Millionen Vietnamesen versuchten über das Südchinesische Meer ins Ausland zu fliehen. Jedoch fanden 250.000 Vietnamesen wegen des schlechten Zustandes der Boote, Piratenangriffe, Monsun-Winden, sowie Nahrungs- und Wasserknappheit den Tod. Rupert und Christel Neudeck und einige ihrer Freunde, darunter der Schriftsteller Heinrich Böll, charterten das Frachtschiff Cap Anamur, welches sie mit Hilfe einer nationalen Spendenaktion zu einem Hospitalschiff umfunktionierten. Am 13. August 1979 kam die Cap Anamur mit einem Team aus freiwilligen Helfern und Technikern im Südchinesischen Meer an. Bis 1982 wurden 9.500 Flüchtlinge gerettet und über 35.000 an Bord medizinisch versorgt. Der Aktionskreis wurde zeitgleich vom regional begrenzten Einsatz auf dauerhafte, internationale Projekte ausgeweitet.

Einsatzländer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktuelle Einsatzländer sind mit Stand Februar 2017:[4]

Abgeschlossen ist die Tätigkeit unter anderen in folgenden Ländern (Stand Februar 2017): Angola, Elfenbeinküste, Haiti, Indonesien, Irak, Kenia, Kolumbien, Kongo, Kosovo, Liberia, Madagaskar, Nordkorea, Pakistan, Philippinen, Serbien, Somalia, Tschetschenien, Uganda und Ukraine.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cap Anamur / Deutsche Not-Ärzte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Kategorie:Cap Anamur – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Jahresbericht 2015. Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte e. V., abgerufen am 8. Februar 2017 (PDF; 6,2 MB).
  2. Bundesverdienstorden an Dr. Ernst-Werner Strahl. Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, Pressemitteilung, 19. Dezember 2016; abgerufen am 8. Februar 2017.
  3. Liste aller Spenden-Siegel Organisationen (A–Z). Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen; abgerufen am 11. Oktober 2014.
  4. Unsere Projekte. Website des Vereins, Rubrik Einsatzländer aktuell, abgerufen am 8. Februar 2017.
  5. Vgl. Weitere Einsatzländer und Rubrik Einsatzländer abgeschlossen, Website des Vereins, abgerufen am 8. Februar 2017.