Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

Rechtsform GmbH
Gründung 1. Januar 2011
Sitz Bonn und Eschborn,
Deutschland Deutschland
Leitung Tanja Gönner (Vorstandssprecherin)
Ingrid-Gabriela Hoven (Vorständin)
Thorsten Schäfer-Gümbel (Vorstand)
Martin Jäger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Mitarbeiterzahl 23.614[1]
Umsatz ca. 3,3 Mrd. € (2020)[1]
Branche Entwicklungszusammenarbeit
Website www.giz.de
Stand: 1. Juli 2021

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH ist eine Organisation der Entwicklungszusammenarbeit (EZ), die im Auftrag verschiedener Ministerien der Bundesrepublik Deutschland international tätig ist.

Sie ist am 1. Januar 2011 aus der Verschmelzung der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), der Internationalen Weiterbildung und Entwicklung gGmbH (InWEnt) und dem Deutschen Entwicklungsdienst (DED) hervorgegangen.

Das Unternehmen ist in Bonn und in Frankfurt am Main im Handelsregister als GmbH eingetragen und hat seinen Sitz sowohl in Bonn als auch in Eschborn.[2] Im Jahr 2011 hatte das Unternehmen einen Umsatz von etwa 2 Milliarden Euro.[3]

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der GIZ kommt die Aufgabe der Ausführung der durch den Auftraggeber vereinbarten Technischen Zusammenarbeit zu. Die technische Zusammenarbeit besteht vor allem aus Beratung, Finanzierungsbeiträgen, Entwicklungsleistungen, Aufbau und Förderung von Projektträgern, Bereitstellung von Ausrüstung und Material und der Erstellung von Studien und Gutachten.[4] Darüber hinaus ist die GIZ in der internationalen Bildungsarbeit tätig.

Entwicklungshelfer aus dem ehemaligen Deutschen Entwicklungsdienst kritisieren die Zusammenlegung und die Ausrichtung der GIZ entschieden. Nach ihrer Ansicht verschob sich der Schwerpunkt auf die Wirtschaftsförderung. Die Armutsbekämpfung und die Hilfe zur Selbsthilfe werden laut dieser Kritik vernachlässigt.[5]

Zur Ausbildung ihrer eigenen Mitarbeiter, aber auch für über 40 externe Organisationen, betreibt die GIZ die Akademie für Internationale Zusammenarbeit mit Sitz in Bonn.

Auftraggeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigsten Auftraggeber der GIZ sind in erster Linie das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie weitere Ministerien wie das Auswärtige Amt, das Bundesumweltministerium und das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Hinzu kommen Bundesländer, Kommunen und weitere öffentliche sowie private Auftraggeber wie etwa Regierungen anderer Länder, Europäische Kommission, Vereinte Nationen und Weltbank.

Die Vorstandssprecherin Tanja Gönner (im Amt seit 2012) hat sich zum Ziel gesetzt, neue Auftraggeber jenseits der öffentlichen Hand zu gewinnen; zugleich soll die GIZ eine „Fusionsrendite“ durch Zusammenführung der drei zuvor bestehenden staatlichen Entwicklungshilfe-Organisationen und den Abbau von Doppelstrukturen erzielen.[6]

Organisation und Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sitz der GIZ in Bonn
Denkmalgeschütztes GIZ-Haus in Berlin

Die GIZ unterhält zwei Unternehmenssitze in Deutschland: einen in Bonn, dem Standort des ehemaligen DED und InWEnt, und einen in Eschborn bei Frankfurt am Main, dem ehemaligen Standort der GTZ. Daneben hat die GIZ Repräsentanzen in Berlin und Brüssel und ist in vier weiteren deutschen Städten mit Regionalbüros vertreten.

Weltweit hat die GIZ 90 Standorte. Entweder teilt sie sich die Landesbüros mit anderen Organisationen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit oder hat eigene Büros. Von dort aus agieren die Mitarbeiter in der Fläche.[7]

Mitarbeiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die GIZ beschäftigt in über 120 Ländern 23.614 Mitarbeiter (Personalzahlen: Stand 31. Dezember 2020), von denen fast 70 Prozent (15.988) einheimische Kräfte sind. Hinzu kommen 483 Entwicklungshelfer sowie 728 Integrierte und Rückkehrende Fachkräfte des Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM). 80 Prozent der Mitarbeitenden arbeiten außerhalb von Deutschland.[8] Seit 2013 bietet die GIZ keinen weltwärts-Freiwilligendienst mehr an.[9]

Da die GIZ-Mitarbeiter auch in Ländern mit einer ungenügenden Sicherheitslage arbeiten, waren einzelne Personen in der Vergangenheit Ziel von Entführungen und Gewaltverbrechen (Entführung in Afghanistan 2015[10], tödlicher Überfall in Niger 2018[11] u. a.).

Sitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bonn ist die GIZ derzeit an drei Standorten im Bundesviertel beheimatet: zwei Mietobjekten, darunter ein Bürogebäude an der Godesberger Allee 119 und das sogenannte „Bonn-Karree“ an der Friedrich-Ebert-Allee 40 (ehemaliger Sitz des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), sowie dem unternehmenseigenen „Mäanderbau“ (Friedrich-Ebert-Allee 36).[12] Dieser entstand als erster von zwei Bauabschnitten der als „B9 Offices“ vermarkteten Bürogebäude[13] für 70 Millionen Euro und bietet Platz für etwa 500 Mitarbeiter. Der Kaufvertrag für das Gebäude wurde am 22. August 2012 unterzeichnet, die Grundsteinlegung erfolgte am 28. Juni 2013, das Richtfest wurde am 28. März 2014 begangen und die Einweihung am 26. Juni 2015.[14][15][16][17][18][19][20] Der Kaufvertrag für den zweiten Bauabschnitt wurde am 18. Dezember 2015 unterzeichnet, er soll bei Kosten von 158 Millionen Euro bis Ende 2019 entstehen und etwa 850 Mitarbeiter aufnehmen. Damit sollen alle Mitarbeiter der GIZ an einem Standort zusammengeführt werden.[21]

Eschborn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eschborn ist der Standort der GIZ mit der größten Zahl der Mitarbeiter. Diese verteilen sich auf acht Gebäude, die teils Eigentum und teils angemietet sind.

Feldafing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Feldafing am Starnberger See betreibt die GIZ ein internationales Fortbildungszentrum.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Pakistan wurden von der dortigen Polizei 2012 drei mutmaßliche BND-Mitarbeiter festgenommen, die sich als Mitarbeiter der GIZ ausgaben und entsprechende Legenden hatten.[22]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen First-Class-Flügen und Luxuslimousinen für den Vorstand geriet die GTI in im Sommer 2011 in die Kritik. Der SPD-Politiker Lothar Binding warf den Entwicklungshelfern Verschwendung von Steuermitteln vor. Kritik übte Binding auch daran, „dass der siebenköpfige Übergangsvorstand – für gerade mal noch ein Jahr – umfangreiche Baumaßnahmen für die eigenen Büros sowohl in Eschborn als auch in Bonn“ durchführen lasse.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Integrierter Unternehmensbericht 2020, abgerufen am 1. Juli 2021.
  2. Impressum der GIZ, abgerufen am 9. Januar 2011.
  3. a b Das luxuriöse Leben deutscher Entwicklungshelfer. In: Welt. 14. Juni 2011, abgerufen am 6. Januar 2022.
  4. BMZ Was wir machen: Technische Zusammenarbeit, abgerufen am 21. Januar 2011.
  5. Deutschlandfunk: Lernen und Helfen in Übersee, 24. Juni 2013
  6. Uta Rasche: Nur noch kurz die Welt retten, FAZ 28. Mai 2013, online
  7. Porträt bei giz.de
  8. Sabine Tonscheidt, Eva -Maria Fuhlrott, Nina Groß, Tina Manuel dos Santos, Jean Christoph Seipel, Chiara Strobel, Emanuel Thaler: Integrierter Unternehmensbericht 2020. Juli 2021 (giz.de [PDF]).
  9. GIZ zieht sich aus „Weltwärts“ zurück, taz. die tageszeitung, 5. September 2012, abgerufen am 26. Mai 2018
  10. Matthias Gebauer, Shoib Najafizada: Entführung in Afghanistan: Bewaffnete verschleppen deutsche Entwicklungshelferin. In: Spiegel Online. 17. August 2015 (spiegel.de [abgerufen am 19. Dezember 2018]).
  11. giz: Trauer um nigrischen Mitarbeiter. Abgerufen am 19. Dezember 2018.
  12. GIZ Bonn Offices (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) (PDF)
  13. Bonn B9 Office (Memento vom 22. Oktober 2016 im Internet Archive), Bosau Lammerz Immobilien
  14. Kauf des „Mäanderbaus“ ist perfekt, Pressemitteilung der GIZ, 22. August 2012
  15. Grundsteinlegung am Mäanderbau, Pressemitteilung der GIZ, 28. Juni 2013
  16. GIZ baut Mäanderbau für 70 Millionen Euro, Kölnische Rundschau/Bonner Rundschau, 1. Juli 2013
  17. Ein weiterer Baustein für das internationale Bonn, Pressemitteilung der GIZ, 28. März 2014
  18. Mäanderbau für 70 Millionen Euro, Kölner Stadt-Anzeiger, 31. März 2014
  19. GIZ weiht den Mäanderbau ein – ein neues Highlight für den internationalen Standort Bonn, Pressemitteilung der GIZ, 26. Juni 2015
  20. Der Mäanderbau in Bonn (Memento vom 28. Dezember 2015 im Internet Archive), Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit
  21. Ein Nachbar für den Mäanderbau: Die GIZ investiert weiter an ihrem Sitz in Bonn, Pressemitteilung der GIZ, 18. Dezember 2015
  22. Vorfall in Peschawar: Agenten-Affäre belastet Deutschlands Beziehungen zu Pakistan. In: Spiegel.de. 23. Januar 2012, abgerufen im Jahr 2015.